Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Kla­ge ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für den letz­ten Ab­schnitt der A 49 in Hes­sen


Die Klä­ger, zwei in Hes­sen an­er­kann­te Na­tur­schutz­ver­ei­ne, wen­den sich ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss des Be­klag­ten vom 30. Mai 2012 für den Neu­bau der Bun­des­au­to­bahn A 49 Kas­sel - A 5 im Teil­ab­schnitt Stadt­al­len­dorf/Ge­münden/Fel­da (VKE 40), mit dem die A 49 an die A 5 an­ge­schlos­sen wer­den soll. Im Nor­den steht die A 49 auf ei­ner Län­ge von ca. 31 km vom so ge­nann­ten Loh­fel­de­ner Rüs­sel bei Kas­sel bis Neu­en­tal be­reits un­ter Ver­kehr; sie soll die A 5 mit der A 7 ver­bin­den. Die von den Na­tur­schutz­ver­bän­den ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zu den Ab­schnit­ten VKE 20 und 30 er­ho­be­nen Kla­gen (BVer­wG 9 A 2.08 und BVer­wG 9 A 8.12) ha­ben die­se zu­rück­ge­nom­men. Im Ab­schnitt VKE 20 ist mit der Aus­füh­rung des Be­schlus­ses be­gon­nen wor­den.


Mit ih­rer Kla­ge ma­chen die Na­tur­schutz­ver­ei­ne gel­tend, sie sei­en nicht in al­len Ver­fah­rens­schrit­ten in der ge­setz­lich ge­bo­te­nen Wei­se be­tei­ligt wor­den und rü­gen des­halb die Ver­let­zung ih­rer Mit­wir­kungs­rech­te. Die Plan­recht­fer­ti­gung feh­le, die von der Be­hör­de an­ge­streb­ten Pla­nungs­zie­le könn­ten nicht er­reicht wer­den.


Nach der Auf­fas­sung der Klä­ger sei die Pla­nung auf­grund ei­ner feh­ler­haf­ten Li­ni­en­be­stim­mung und ei­ner un­zu­rei­chen­den Um­welt­ver­träg­lich­keits­stu­die vor­ge­nom­men wor­den. Die Be­ein­träch­ti­gung des eu­ro­pä­isch be­son­ders ge­schütz­ten Fau­na-Flo­ra-Ge­biets „Her­ren­wald“ und des na­tur­schutz­fach­lich wert­vol­len „Dan­nen­rö­der Fors­tes“ sei ver­meid­bar, wes­halb die Aus­nah­me­vor­schrif­ten nicht er­füllt sei­en. Es kom­me zu un­zu­läs­si­gen Stick­stoff­ein­trä­gen in ge­schütz­te Le­bens­raum­ty­pen und zur Ge­fähr­dung vie­ler Tie­re, ins­be­son­de­re der be­son­ders ge­schütz­ten Kamm­molch­po­pu­la­tio­nen so­wie des Gro­ßen Maus­ohrs und der Bech­stein­fle­der­maus. Die Kom­mis­si­on der Eu­ro­päi­schen Uni­on sei, ob­wohl zwin­gend er­for­der­lich, nicht hin­rei­chend be­tei­ligt wor­den. Zu­dem sei viel­fach ge­gen ar­ten­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten ver­sto­ßen wor­den, was zu ei­ner un­zu­läs­si­gen Be­ein­träch­ti­gung der Avi­f­au­na, von Fle­der­mäu­sen, Am­phi­bi­en, Kä­fern so­wie Fal­tern füh­re. Die Tras­sen­al­ter­na­ti­ven sei­en un­zu­rei­chend ge­prüft wor­den.



Pres­se­mit­tei­lung Nr. 30/2014 vom 23.04.2014

A 49 zwi­schen Stadt­al­len­dorf und der A 5: Kla­ge ab­ge­wie­sen

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te die Kla­ge zwei­er Na­tur­schutz­ver­ei­ne ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für das letz­te Teil­stück der Au­to­bahn A 49 zwi­schen Stadt­al­len­dorf und dem An­schluss an die A 5 ab­ge­wie­sen.


Mit dem Ge­samt­pro­jekt soll ei­ne Au­to­bahn­ver­bin­dung zwi­schen dem schon fer­tig ge­stell­ten Teil­stück der A 49 süd­lich Kas­sel und der A 5 ge­schaf­fen wer­den. Im plan­fest­ge­stell­ten Ab­schnitt ver­läuft die Tras­se durch den west­li­chen Teil des FFH-Ge­biets „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ und schlie­ßt süd­lich mit­tels ei­nes Au­to­bahn­drei­ecks in Ge­mün­den/Fel­da an die A 5 an. Im Mit­tel­punkt des Kla­ge­ver­fah­rens stan­den Fra­gen des Ge­biets- so­wie des Ar­ten­schut­zes.


Die mit dem Be­trieb der Au­to­bahn ver­bun­de­ne Stick­stoff­de­po­si­ti­on in dem FFH-Ge­biet „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ wird zu ei­ner Be­las­tung der als Er­hal­tungs­zie­le ge­schütz­ten Wald­le­bens­räu­me füh­ren, die die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de je­den­falls im Er­geb­nis rich­tig ein­ge­schätzt hat. Dem­ge­gen­über wird der Er­hal­tungs­zu­stand ei­ner be­deu­ten­den Kamm­molch­po­pu­la­ti­on un­ter Be­rück­sich­ti­gung des da­für vor­ge­se­he­nen Schutz­kon­zepts nicht be­ein­träch­tigt.


Das öf­fent­li­che In­ter­es­se an der Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens über­wiegt das In­ter­es­se am un­ge­schmä­ler­ten Er­halt des FFH-Ge­biets. Für die A 49 ist ein vor­dring­li­cher Be­darf fest­ge­stellt, und sie ist Teil des trans­eu­ro­päi­schen Ver­kehrs­net­zes. Der an­ge­streb­ten Ent­las­tung der Au­to­bah­nen A7 und A5 so­wie des nach­ge­ord­ne­ten Stra­ßen­net­zes kommt ei­ne ho­he Be­deu­tung zu. Zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ven für die Tras­sen­füh­rung gibt es nicht. Die ge­prüf­ten gro­ßräu­mi­gen Va­ri­an­ten ver­feh­len we­sent­li­che Pla­nungs­zie­le bzw. be­ein­träch­ti­gen ih­rer­seits den FFH-Ge­biets­schutz. Durch ver­schie­de­ne klein­räu­mi­ge Va­ri­an­ten wür­den ge­schütz­te Le­bens­räu­me eben­falls in An­spruch ge­nom­men; dar­über hin­aus wür­den Men­schen stär­ker be­las­tet als durch die Plan­tras­se.


Ar­ten­schutz­recht­li­che Ver­bots­tat­be­stän­de wer­den durch die Pla­nung weit­ge­hend ver­mie­den. Im Um­fang un­ver­meid­ba­rer Ein­grif­fe sind Aus­nah­men vor­ge­se­hen. Ei­ne al­ter­na­ti­ve Tras­sen­füh­rung kommt auch in­so­weit nicht in Be­tracht. Den für die Trink­was­ser­ver­sor­gung ent­ste­hen­den Ri­si­ken be­geg­net der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss mit hin­rei­chen­den Si­che­rungs­maß­nah­men.


BVer­wG 9 A 25.12 - Ur­teil vom 23. April 2014


Ur­teil vom 23.04.2014 -
BVer­wG 9 A 25.12ECLI:DE:BVer­wG:2014:230414U9A25.12.0

Leit­sät­ze:

1. Wer­den vor­ha­ben­be­ding­te Stick­stoff­de­po­si­tio­nen in der FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung hin­sicht­lich der Be­las­tungs­gren­zen für Ve­ge­ta­ti­ons­ty­pen nach dem Kon­zept der so­ge­nann­ten Cri­ti­cal Loads (CL) be­wer­tet, darf die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ih­rem Schutz­kon­zept an­stel­le von em­pi­ri­schen CL auch mo­del­lier­te CL zu­grun­de le­gen. Für de­ren Be­rech­nung ist nach der­zei­ti­gem Er­kennt­nis­stand vor­ran­gig die so­ge­nann­te ein­fa­che Mas­sen­bi­lanz- (SMB-) Me­tho­de her­an­zu­zie­hen. Zu­satz­be­las­tun­gen durch Stick­stoff­ein­trä­ge un­ter­halb von 0,3 kg N/ha/a bzw. 3 % ei­nes CL dür­fen da­bei re­gel­mä­ßig un­be­rück­sich­tigt blei­ben.

2. Das Ge­richt hat die Rich­tig­keit ei­ner nach § 34 Abs. 4 Satz 2 BNatSchG ein­ge­hol­ten die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nicht bin­den­den Stel­lung­nah­me der EU-Kom­mis­si­on grund­sätz­lich nicht zu über­prü­fen.

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 9 A 25.12

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 9. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 2. und 3. April 2014
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Bier,
die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Buch­ber­ger,
die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Christ und Prof. Dr. Korb­ma­cher und die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Bick
am 23. April 2014 für Recht er­kannt:

  1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.
  2. Die Klä­ger tra­gen die Kos­ten des Ver­fah­rens je zur Hälf­te.

Grün­de

I

1 Die Klä­ger, zwei in Hes­sen an­er­kann­te Na­tur­schutz­ver­ei­ne, wen­den sich ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss des Be­klag­ten vom 30. Mai 2012 für den Neu­bau der Bun­des­au­to­bahn A 49 Kas­sel - A 5 im Teil­ab­schnitt zwi­schen Stadt­al­len­dorf und Ge­mün­den/Fel­da (VKE 40). Im Nor­den ist die A 49 auf ei­ner Län­ge von ca. 31 km vom so­ge­nann­ten Loh­fel­de­ner Rüs­sel bei Kas­sel bis Neu­en­tal un­ter Ver­kehr. Die vom Klä­ger zu 2 ge­gen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zum Ab­schnitt VKE 20 er­ho­be­ne Kla­ge (BVer­wG 9 A 2.08 ) wur­de eben­so zu­rück­ge­nom­men wie die vom Klä­ger zu 1 er­ho­be­ne Kla­ge ge­gen den Ab­schnitt VKE 30 (BVer­wG 9 A 8.12 ).

2 Die VKE 40 weist ei­ne Nord-Süd-Rich­tung auf, be­gin­nend süd­öst­lich der B 454 bei Stadt­al­len­dorf in Hö­he der Kreis­stra­ße K 12. Ih­re 17,450 km lan­ge Tras­se ver­läuft öst­lich von Stadt­al­len­dorf durch den dort ge­le­ge­nen Her­ren­wald im Be­reich ei­nes ehe­ma­li­gen Rüs­tungs­stand­or­tes (WA­SAG-Ge­län­de) bzw. des FFH-Ge­biets „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“, in den Wald­be­rei­chen der Gei­ers­ber­ger Hee­ge und der Kirsch­brück­he­ge, quert die Kleinaue mit der B 62, durch­fährt den Dan­nen­rö­der Forst, ver­läuft über das Of­fen­land der Hom­ber­ger Hoch­flä­che und um­fährt da­bei Dan­nen­rod öst­lich, Ap­pen­rod west­lich, Hom­berg (Ohm) öst­lich, schnei­det dann den Wald­be­reich Wut­holz süd­lich Maul­bach an und schlie­ßt mit­tels ei­nes Au­to­bahn­drei­ecks in Ge­mün­den/Fel­da an die A 5 an.

3 Ein 1999 be­an­trag­tes Raum­ord­nungs­ver­fah­ren schloss mit der lan­des­pla­ne­ri­schen Be­ur­tei­lung vom 17. Au­gust 2000 ab; als raum­ver­träg­lichs­te Va­ri­an­te wur­de die Va­ri­an­te „Her­ren­wald“ be­stimmt.

4 Im Zu­ge des Mel­de­pro­zes­ses von FFH-Ge­bie­ten hat das Land Hes­sen am 15. Sep­tem­ber 2004 das FFH-Ge­biet „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ ge­mel­det. Auf­grund der da­durch ver­än­der­ten recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen hat der Vor­ha­ben­trä­ger in ei­nem um­fang­rei­chen Va­ri­an­ten­ver­gleich die Plan­fest­stel­lungs­tras­se - Va­ri­an­te M4­neu - als Vor­zugs­li­nie fest­ge­legt.

5 Die ge­gen­über dem Raum­ord­nungs­ver­fah­ren ge­än­der­te Li­ni­en­füh­rung wur­de im Zu­ge der Fort­schrei­bung des Re­gio­nal­plans Mit­tel­hes­sen ei­ner er­neu­ten raum­ord­ne­ri­schen Be­wer­tung un­ter­zo­gen. Im Er­geb­nis wur­de die ver­än­der­te Tras­sen­füh­rung in den Re­gio­nal­plan Mit­tel­hes­sen 2010 als Ziel auf­ge­nom­men und der Sicht­ver­merk des zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­ums er­teilt.

6 Die Plan­un­ter­la­gen des mit An­trag vom 22. De­zem­ber 2006 ein­ge­lei­te­ten Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens wur­den in der Zeit vom 19. März 2007 bis 19. April 2007 (ein­schlie­ß­lich) aus­ge­legt. Zeit und Ort der Aus­le­gung wur­den in den be­trof­fe­nen Ge­mein­den in orts­üb­li­cher Wei­se be­kannt­ge­macht. In der Be­kannt­ma­chung wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in­ner­halb der ge­setz­li­chen Frist bis spä­tes­tens zwei Wo­chen nach En­de der Aus­le­gungs­frist Ein­wen­dun­gen ge­gen den Plan schrift­lich oder münd­lich zur Nie­der­schrift bei dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um Gie­ßen und den aus­le­gen­den Städ­ten und Ge­mein­den zu er­he­ben wa­ren. Des Wei­te­ren wur­de be­kannt­ge­ge­ben, dass mit der Aus­le­gung zu­gleich die Be­tei­li­gung der Öf­fent­lich­keit zu den Um­welt­aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens er­folgt. In der Fol­ge ha­ben bei­de Klä­ger im Mai 2007 Ein­wen­dun­gen er­ho­ben.

7 Auch zu der 1. Plan­än­de­rung vom April 2010, die im We­sent­li­chen die Än­de­rung der na­tur­schutz­fach­li­chen Pla­nung zum Ge­gen­stand hat­te, nah­men die Klä­ger Stel­lung. Zu dem Er­ör­te­rungs­ter­min, der in der Zeit vom 29. No­vem­ber 2010 bis 18. Ja­nu­ar 2011 an sie­ben Ter­mi­nen statt­fand, wur­de der Klä­ger zu 1 - an­ders als der Klä­ger zu 2 - nicht ein­ge­la­den. Hin­ter­grund war „die nicht ge­ge­be­ne Be­frie­dungs­funk­ti­on“, die der Be­klag­te aus ei­nem Flug­blatt und der dar­in er­wähn­ten Kla­ge­er­he­bung ab­lei­te­te.

8 Die Un­ter­la­gen für die 2. Plan­än­de­rung vom Fe­bru­ar 2012 wur­den in das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht und aus­ge­legt. Die Klä­ger ha­ben da­zu Stel­lung ge­nom­men. Auf ei­nen Er­ör­te­rungs­ter­min wur­de ver­zich­tet.

9 Der Plan wur­de mit Be­schluss vom 30. Mai 2012 fest­ge­stellt. Die Bau­maß­nah­me um­fasst den Neu­bau der An­schluss­stel­le Stadt­al­len­dorf Süd mit An­schluss zur Lan­des­stra­ße L 3290 und Bun­des­stra­ße B 62, den Neu­bau der An­schluss­stel­le Hom­berg (Ohm) im Kreu­zungs­be­reich mit der Lan­des­stra­ße L 3072 so­wie den Neu­bau ei­nes Au­to­bahn­drei­ecks zur Ver­knüp­fung mit der A 5. Die VKE 40 schlie­ßt an das Bau­en­de des plan­fest­ge­stell­ten Teil­ab­schnitts Schwalm­stadt - Stadt­al­len­dorf (VKE 30) an.

10 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nimmt ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung der als Er­hal­tungs­zie­le des FFH-Ge­biets „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ ge­schütz­ten Wald-Le­bens­raum­ty­pen - LRT - *91E0, LRT 9110 und LRT 9160 so­wie des LRT 6510 („ma­ge­re Flach­land-Mäh­wie­sen“) an, lässt das Vor­ha­ben aber nach § 34 Abs. 3 BNatSchG un­ter Hin­weis auf ver­kehr­li­che Be­lan­ge zu; ent­spre­chen­de Ko­hä­renz­si­che­rungs­maß­nah­men wer­den fest­ge­legt, ei­ne Stel­lung­nah­me der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on wur­de ein­ge­holt.

11 Ge­gen den Be­schluss ha­ben die Klä­ger recht­zei­tig am 28. Sep­tem­ber 2012 Kla­ge er­ho­ben. Sie rü­gen ih­re feh­len­de Be­tei­li­gung in den Er­ör­te­rungs­ter­mi­nen vom 29. No­vem­ber 2010 bis 18. Ja­nu­ar 2011; es sei­en nicht al­le Un­ter­la­gen of­fen­ge­legt wor­den. Im Üb­ri­gen ha­be es ei­nes ein­heit­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses für die A 49 und die B 454 be­durft. Die Pla­nung be­ru­he auf un­zu­tref­fen­den An­nah­men. Die Be­ein­träch­ti­gung des Kamm­molchs und wei­te­rer An­hang-II- und cha­rak­te­ris­ti­scher Ar­ten sei eben­so un­zu­tref­fend er­fasst und be­wer­tet wor­den wie die Be­ein­träch­ti­gung der im FFH-Ge­biet ge­schütz­ten Le­bens­raum­ty­pen. Das zu­grun­de lie­gen­de Un­ter­su­chungs­mo­dell für die Stick­stoff­be­las­tung sei nicht wis­sen­schaft­li­cher Stan­dard und be­ru­he auf ei­ner un­zu­tref­fen­den Ver­kehrs­pro­gno­se. Die Ab­wei­chungs­ent­schei­dung ha­be zu Un­recht die zwin­gen­den Grün­de des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses be­jaht, dar­über hin­aus ge­be es zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ven. Die Stel­lung­nah­me der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on be­ru­he auf un­rich­ti­gen An­ga­ben des Be­klag­ten. Im Üb­ri­gen sei dem Ar­ten­schutz nicht ge­nügt wor­den. Ins­be­son­de­re das Brau­ne Lang­ohr wer­de durch den Tras­sen­bau er­heb­lich be­ein­träch­tigt. Der Trink­was­ser­schutz sei nicht aus­rei­chend be­ach­tet wor­den.

12 Die Klä­ger be­an­tra­gen,
den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss des Be­klag­ten vom 30. Mai 2012 für den Neu­bau der Bun­des­au­to­bahn A 49 Kas­sel - A 5, Ab­schnitt Stadt­al­len­dorf-Ge­mün­den/Fel­da (VKE 40), in der Fas­sung der Än­de­rung vom 9. Ok­to­ber 2013 auf­zu­he­ben,
hilfs­wei­se,
fest­zu­stel­len, dass der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss rechts­wid­rig und nicht voll­zieh­bar ist.

13 Der Be­klag­te be­an­tragt,
die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

14 Er ver­tei­digt den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss.

II

15 Die Kla­ge ist zu­läs­sig, aber un­be­grün­det. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss lei­det an kei­nem zur Auf­he­bung des Be­schlus­ses oder zur Fest­stel­lung sei­ner Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit füh­ren­den Rechts­feh­ler. Er ver­stö­ßt nicht in ei­ner die­se Rechts­fol­gen recht­fer­ti­gen­den Wei­se ge­gen Vor­schrif­ten des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes und der FFH-Richt­li­nie oder ge­gen an­de­re Rechts­vor­schrif­ten, die bei Er­lass der Ent­schei­dung zu be­ach­ten wa­ren und zu­min­dest auch den Be­lan­gen des Um­welt- und Na­tur­schut­zes zu die­nen be­stimmt sind.

16 A. Die Klä­ger ver­wei­sen zur Un­ter­stüt­zung ih­res Vor­brin­gens mehr­fach pau­schal auf Stel­lung­nah­men und Aus­ar­bei­tun­gen drit­ter Per­so­nen, wie et­wa die 335 Sei­ten um­fas­sen­de Stel­lung­nah­me von R.​Consult vom No­vem­ber 2012. Die­se Un­ter­la­gen kön­nen in­halt­lich nicht be­rück­sich­tigt wer­den. Das folgt aus § 67 Abs. 4 Satz 1 Vw­GO. Für die dem an­walt­li­chen Be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger auf­ge­ge­be­ne ei­ge­ne Prü­fung, Sich­tung und recht­li­che Durch­drin­gung des Streit­stoffs ist die Be­zug­nah­me auf Aus­füh­run­gen ei­nes Drit­ten nicht aus­rei­chend (vgl. Ur­teil vom 31. März 1995 - BVer­wG 4 A 1.93 - Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 99 S. 14 <in­so­weit nicht ab­ge­druckt in BVer­w­GE 98, 126>; Be­schluss vom 21. Ja­nu­ar 1998 - BVer­wG 4 VR 3.97 - ju­ris Rn. 25 m.w.N. <in­so­weit nicht ab­ge­druckt in Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 135>). Das Ge­bot, sich vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt durch ei­nen Rechts­an­walt oder ei­nen Rechts­leh­rer an ei­ner deut­schen Hoch­schu­le ver­tre­ten zu las­sen, soll die Sach­lich­keit des Ver­fah­rens und die sach­kun­di­ge Er­ör­te­rung des Streit­fal­les, ins­be­son­de­re der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen, ge­währ­leis­ten (vgl. Ur­teil vom 9. De­zem­ber 1983 - BVer­wG 4 C 44.80 - BVer­w­GE 68, 241 <242>). Des­halb kann nur sol­cher Vor­trag be­rück­sich­tigt wer­den, der über die pau­scha­le Be­zug­nah­me hin­aus er­ken­nen lässt, dass der Streit­stoff von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten recht­lich durch­drun­gen ist. Die schlag­wort­ar­ti­ge Er­wäh­nung von Kri­tik­punk­ten in der Kla­ge­be­grün­dung ge­nügt hier­für nicht.

17 B. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ist nicht mit for­mel­len Män­geln be­haf­tet, wel­che dem Kla­ge­be­geh­ren ganz oder teil­wei­se zum Er­folg ver­hel­fen wür­den.

18 I. Der Klä­ger zu 1 rügt, dass er zu den Er­ör­te­rungs­ter­mi­nen zwi­schen No­vem­ber 2010 und Ja­nu­ar 2011 kei­ne Ein­la­dung er­hal­ten hat und sei­ne Ein­wen­dun­gen dort auch nicht er­ör­tert wor­den sind. Dem hält der Be­klag­te ent­ge­gen, dass die An­hö­rungs­be­hör­de nach § 17a Nr. 5 Satz 1 FStrG auf ei­ne Er­ör­te­rung et­wa ver­zich­ten darf, wenn auf­grund der ein­ge­gan­ge­nen Ein­wen­dun­gen und Stel­lung­nah­men ab­seh­bar ist, dass die­se nicht aus­ge­räumt wer­den kön­nen und der Er­ör­te­rungs­ter­min da­mit sei­ner Be­frie­dungs­funk­ti­on nicht ge­recht wer­den kann (vgl. Ur­teil vom 9. Ju­ni 2010 - BVer­wG 9 A 20.08 - Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 208 Rn. 35; Kro­mer, in: Mül­ler/Schulz, FStrG, 2. Aufl. 2013, § 17a FStrG Rn. 66). Es ist aber we­der er­kenn­bar noch dar­ge­legt, wes­halb die An­hö­rungs­be­hör­de den Klä­ger zu 1 in­so­weit an­ders be­han­deln durf­te als den Klä­ger zu 2, des­sen Ein­wen­dun­gen eben­falls nicht ha­ben er­war­ten las­sen, dass ei­ne Be­frie­dung er­reicht wer­den kann. So­weit dar­in ein Ver­fah­rens­feh­ler liegt, hat die­ser Feh­ler al­ler­dings kei­nen Ein­fluss auf das Er­geb­nis des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens (§ 17e Abs. 6 Satz 2 FStrG i.V.m. § 46 VwVfG), denn die Ein­wen­dun­gen des Klä­gers zu 1 sind im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss auf­ge­grif­fen und er­wo­gen wor­den.

19 II. Zu Un­recht be­an­spru­chen die Klä­ger die Durch­füh­rung ei­nes neu­en Raum­ord­nungs- und Li­ni­en­be­stim­mungs­ver­fah­rens, weil die plan­fest­ge­stell­te Tras­se von der in ei­nem sol­chen Ver­fah­ren be­stimm­ten Tras­se ab­weicht. Bei­de Ver­fah­ren ge­hen dem ei­gent­li­chen Zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­aus und die­nen der ver­wal­tungs­in­ter­nen Vor­klä­rung. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss muss un­ab­hän­gig da­von den recht­li­chen An­for­de­run­gen ge­nü­gen (stRspr; vgl. et­wa Ur­tei­le vom 9. No­vem­ber 2006 - BVer­wG 4 A 2001.06 - Buch­holz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 25 Rn. 29, vom 12. Au­gust 2009 - BVer­wG 9 A 64.07 - Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 203 = BVer­w­GE 134, 308 Rn. 26 m.w.N. und vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 21; Be­schluss vom 30. Au­gust 1995 - BVer­wG 4 B 86.95 - Buch­holz 406.13 § 6a ROG Nr. 1 S. 3). Im Üb­ri­gen ist der neue Tras­sen­ver­lauf in den Re­gio­nal­plan Mit­tel­hes­sen auf­ge­nom­men. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hat da­zu den Sicht­ver­merk er­teilt.

20 III. Eben­so we­nig kön­nen die Klä­ger da­mit durch­drin­gen, dass im Li­ni­en­be­stim­mungs­ver­fah­ren kei­ne FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­ge­führt wor­den ist. Ein Ver­stoß ge­gen § 16 FStrG i.V.m. § 36 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG liegt dar­in schon des­halb nicht, weil Art. 6 Abs. 3 der Richt­li­nie 92/43/EWG des Ra­tes vom 21. Mai 1992 zur Er­hal­tung der na­tür­li­chen Le­bens­räu­me so­wie der wild­le­ben­den Tie­re und Pflan­zen (ABl EG Nr. L 206 S. 7 - Ha­bi­ta­tricht­li­nie - FFH-RL) im Zeit­punkt des Li­ni­en­be­stim­mungs­ver­fah­rens 2002 man­gels Aus­wei­sung von FFH-Ge­bie­ten noch nicht an­wend­bar war (vgl. Ur­tei­le vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 30 = BVer­w­GE 130, 299 Rn. 33 und vom 28. März 2013 a.a.O. Rn. 20).

21 C. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss lei­det auch nicht an ma­te­ri­el­len Rechts­feh­lern, die zum Er­folg der Kla­ge füh­ren könn­ten.

22 I. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ver­stö­ßt nicht ge­gen Vor­schrif­ten, die dem Schutz von FFH-Ge­bie­ten die­nen.

23 Nach § 34 Abs. 1 Satz 1 BNatSchG, mit dem Art. 6 Abs. 3 und 4 FFH-RL um­ge­setzt wor­den ist, sind Pro­jek­te vor ih­rer Zu­las­sung auf ih­re Ver­träg­lich­keit mit den Er­hal­tungs­zie­len ei­nes Na­tu­ra 2000-Ge­biets zu über­prü­fen. Er­gibt die Über­prü­fung, dass das Na­tu­ra 2000-Ge­biet er­heb­lich be­ein­träch­tigt wird, darf es nur nach ei­ner Ab­wei­chungs­prü­fung ge­mäß § 34 Abs. 3 und 4 BNatSchG zu­ge­las­sen wer­den.

24 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss, der un­ter Be­zug­nah­me auf die durch­ge­führ­te FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung zu dem Er­geb­nis kommt, dass ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung des FFH-Ge­biets „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ nicht aus­zu­schlie­ßen ist (1) und sich des­halb auf ei­ne Aus­nah­me stützt (2), wird die­sen An­for­de­run­gen ge­recht.

25 1. Die vom Be­klag­ten durch­ge­führ­te FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung ist nicht zu be­an­stan­den. Sie hat er­ge­ben, dass die in An­hang I FFH-RL ge­nann­ten Wald-Le­bens­raum­ty­pen LRT *91E0, LRT 9110 und LRT 9160 so­wie der LRT 6510 („ma­ge­re Flach­land-Mäh­wie­sen“) un­mit­tel­bar durch Flä­chen­in­an­spruch­nah­me, durch Wald­randan­schnitt und in­fol­ge von Stick­stoff­ein­trä­gen er­heb­lich be­las­tet wer­den (a). Dem­ge­gen­über ver­neint der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zu Recht ei­ne Be­ein­träch­ti­gung cha­rak­te­ris­ti­scher Ar­ten die­ser Le­bens­raum­ty­pen (b) so­wie von als Er­hal­tungs­zie­le ge­schütz­ten An­hang-II-Ar­ten (c).

26 a) Die Klä­ger rü­gen oh­ne Er­folg die Ver­träg­lich­keits­prü­fung in Be­zug auf die vor­ha­ben­be­ding­ten Aus­wir­kun­gen durch Stick­stoff­de­po­si­tio­nen. Die Er­fas­sungs- und Be­wer­tungs­me­tho­de der Ver­träg­lich­keits­prü­fung ist nicht nor­ma­tiv fest­ge­legt (vgl. all­ge­mein zur Me­tho­dik der Ver­träg­lich­keits­prü­fung Eu­GH, Ur­teil vom 7. Sep­tem­ber 2004 - Rs. C-127/02 - Slg. 2004, I-7405 Rn. 52; Se­nats­ur­teil vom 17. Ja­nu­ar 2007 - BVer­wG 9 A 20.05 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 26 = BVer­w­GE 128, 1 Rn. 68). Die Zu­las­sungs­be­hör­de muss al­ler­dings den für die Ver­träg­lich­keits­prü­fung all­ge­mein ma­ß­geb­li­chen Stan­dard der „bes­ten ein­schlä­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­se“ (vgl. Ur­teil vom 17. Ja­nu­ar 2007 a.a.O. Rn. 62 un­ter Hin­weis auf Eu­GH, Ur­teil vom 7. Sep­tem­ber 2004 a.a.O. Rn. 54) ein­hal­ten, was die „Aus­schöp­fung al­ler wis­sen­schaft­li­chen Mit­tel und Quel­len“ (vgl. Schluss­an­trä­ge der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Ko­kott vom 29. Ja­nu­ar 2004 - Rs. C-127/02 - Slg. 2004, I-7405 Rn. 97) vor­aus­setzt (Ur­teil vom 17. Ja­nu­ar 2007 a.a.O.). Ein­wän­de ge­gen ei­ne fach­wis­sen­schaft­lich an­er­kann­te Un­ter­su­chungs­me­tho­de be­stehen je­doch nicht, wenn mit ei­ner an­de­ren, eben­falls an­er­kann­ten Me­tho­de nicht voll über­ein­stim­men­de Er­geb­nis­se er­zielt wür­den (Ur­teil vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 30 = BVer­w­GE 130, 299 Rn. 73).

27 Hier­von aus­ge­hend greift die Kri­tik nicht durch. Die Ver­träg­lich­keits­prü­fung und ihr fol­gend der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ha­ben die vor­ha­ben­be­ding­ten Aus­wir­kun­gen durch Stick­stoff­de­po­si­tio­nen ent­spre­chend den Er­geb­nis­sen der Luft­schad­stoff­be­rech­nung (aa) nach dem Kon­zept der so­ge­nann­ten Cri­ti­cal Loads (ab­ge­kürzt: CL) be­wer­tet und der Be­rech­nung der CL das BERN/DE­COMP-Mo­dell zu­grun­de ge­legt; die­ses Mo­dell hat je­den­falls im Er­geb­nis zu zu­tref­fen­den Er­geb­nis­sen ge­führt (bb).

28 aa) Die Luft­schad­stoff­be­rech­nung ist nicht zu be­an­stan­den.

29 aaa) Die Kri­tik der Klä­ger an der der Be­rech­nung zu­grun­de lie­gen­den Ver­kehrs­pro­gno­se greift nicht durch.

30 Ei­ne ge­setz­li­che Vor­ga­be, nach wel­chen Me­tho­den ei­ne Ver­kehrs­pro­gno­se im Ein­zel­nen zu er­stel­len ist, gibt es nicht. Ei­ne Ver­kehrs­pro­gno­se ist mit den zu ih­rer Zeit ver­füg­ba­ren Er­kennt­nis­mit­teln un­ter Be­ach­tung der da­für er­heb­li­chen Um­stän­de sach­ge­recht, d.h. me­tho­disch fach­ge­recht zu er­stel­len. Die Über­prü­fungs­be­fug­nis des Ge­richts er­streckt sich al­lein dar­auf, ob ei­ne ge­eig­ne­te fach­spe­zi­fi­sche Me­tho­de ge­wählt wur­de, ob die Pro­gno­se nicht auf un­rea­lis­ti­schen An­nah­men be­ruht und ob das Pro­gno­se­er­geb­nis ein­leuch­tend be­grün­det wor­den ist (Be­schluss vom 5. Ok­to­ber 1990 - BVer­wG 4 CB 1.90 - Buch­holz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 10 S. 6 f.; Ur­tei­le vom 27. Ok­to­ber 1998 - BVer­wG 11 A 1.97 - Buch­holz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 15 S. 23. f. = BVer­w­GE 107, 313 <326> m.w.N. und vom 12. Au­gust 2009 - BVer­wG 9 A 64.07 - Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 203 = BVer­w­GE 134, 308 Rn. 96; Be­schluss vom 15. März 2013 - BVer­wG 9 B 30.12 - ju­ris Rn. 10).

31 Ge­mes­sen dar­an ist die Ver­kehrs­pro­gno­se nicht zu be­an­stan­den.

32 Die Ver­kehrs­pro­gno­se, die zu­nächst für das Ana­ly­se­jahr 2005 und das Pro­gno­se­jahr 2020 er­stellt war, wur­de in ei­ner Ak­tua­li­sie­rung auf das neue Ana­ly­se­jahr 2010 und den Pla­nungs­ho­ri­zont 2025 fort­ge­schrie­ben. Da­bei wur­de auf die zu­grun­de lie­gen­den neu­es­ten Struk­tur­da­ten auf­ge­baut, die je­doch nicht auf das Jahr 2025 aus­ge­legt sind. Des­halb wur­de die auf hes­si­scher Lan­des­ebe­ne ab­ge­stimm­te Struk­tur­pro­gno­se zu­grun­de ge­legt. Das ist nicht zu be­an­stan­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger sind die ak­tu­el­len Ver­kehrs­strom­ma­tri­zen des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums in die Un­ter­su­chung ein­ge­flos­sen, denn die­se sind in das gro­ßräu­mi­ge hes­si­sche Ver­kehrs­mo­dell und da­mit auch in die Ver­kehrs­un­ter­su­chung zur A 49 ein­ge­gan­gen. Der Be­völ­ke­rungs­rück­gang im Zeit­raum 2020 bis 2025 ist eben­falls be­rück­sich­tigt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger ist kei­ne Trend­pro­gno­se er­stellt wor­den, wie der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend er­läu­tert hat. Zu­dem hat er dar­ge­legt, dass die Ver­kehrs­be­las­tung auf der A 49 zu­tref­fend be­rech­net wur­de. Zwar sei der Ver­kehr auf der A 7 un­ter­schätzt wor­den. Dies wir­ke sich aber nicht auf die Be­las­tung der A 49 aus, weil der Ver­kehr auf der A 7/A 5 zum Teil ei­ne an­de­re Fahrt­rich­tung neh­me (Nord-Süd-Ver­kehr) und sich des­halb nicht voll­stän­dig auf die A 49 ver­la­ge­re. Schlie­ß­lich durf­te nach Über­zeu­gung des Se­nats die Hoch­rech­nung auf­grund ei­ner (nur) vier­stün­di­gen Er­fas­sung im nach­mit­täg­li­chen Zeit­be­reich des Ver­kehrs er­fol­gen, denn so konn­ten tem­po­rä­re Leis­tungs­eng­päs­se in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten er­kannt wer­den. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat auch den Schwer­ver­kehr nicht un­ter­schätzt. Nach den über­zeu­gen­den Aus­füh­run­gen der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten sind bei der Ver­kehrs­un­ter­su­chung 2011 in­fol­ge der ein­ge­setz­ten Ver­flech­tungs­pro­gno­se 2025 fahr­zeug­spe­zi­fi­sche Fak­to­ren der ver­kehr­li­chen Ent­wick­lung für die Fahr­ten zwi­schen ein­zel­nen Land­krei­sen auf­ge­nom­men wor­den; im Be­reich des Gü­ter­ver­kehrs la­gen die Ent­wick­lun­gen in den hier zu be­trach­ten­den mit­tel- und nord­hes­si­schen Land­krei­sen deut­lich un­ter den lan­des- und bun­des­wei­ten Durch­schnitts­wer­ten. Da­durch wird der ver­kehr­li­che Zu­wachs im Be­reich des Gü­ter­ver­kehrs ge­gen­über frü­he­ren An­sät­zen der­art kom­pen­siert, dass die für das Jahr 2025 pro­gnos­ti­zier­ten Gü­ter­ver­kehrs­men­gen in et­wa auf dem Ni­veau der Pro­gno­se­be­las­tun­gen 2020 lie­gen. Das Auf­kom­men der Lkws zwi­schen 2,8 t und 3,5 t ist durch den Fach­gut­ach­ter der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de mit ei­nem Ver­kehrs­er­he­bun­gen ein­be­zie­hen­den Ver­kehrs­mo­dell so­wie Roh­da­ten aus der Stra­ßen­ver­kehrs­zäh­lung 2010 be­rech­net wor­den. Bei dem ei­ge­nen auf Stra­ßen­ver­kehrs­zäh­lun­gen ba­sie­ren­den Da­ten­satz der Ver­kehrs­gut­ach­ter des Be­klag­ten wur­de die Ka­te­go­rie Trans­por­ter ge­ne­rell der Ka­te­go­rie Lkw zu­ge­schla­gen; da­bei wur­de die An­zahl der 2,8 t-Fahr­zeu­ge bei den Stra­ßen­ver­kehrs­zäh­lun­gen an­hand der Wer­te der 3,5 t-Fahr­zeu­ge mit­tels ei­nes Hoch­rech­nungs­fak­tors, ab­hän­gig von der Nä­he der Zähl­stel­le, er­mit­telt. Die­sen Dar­le­gun­gen des Be­klag­ten ha­ben die Klä­ger nicht mehr sub­stan­zi­iert wi­der­spro­chen.

33 bbb) Die Luft­schad­stoff­be­rech­nun­gen be­ru­hen auch im Üb­ri­gen nicht auf un­zu­tref­fen­den An­sät­zen. In die 2012 ak­tua­li­sier­ten Be­rech­nun­gen sind neue fach­li­che Er­kennt­nis­se wie der „Vor­be­las­tungs­wert Stick­stoff TA Luft, 4.8“ ein­ge­flos­sen und für die Aus­brei­tungs­rech­nun­gen die De­po­si­ti­ons­ge­schwin­dig­kei­ten nach VDI 3782 Blatt 5 (2006) ver­wen­det wor­den. Wie die Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten dar­ge­legt ha­ben, hat sich im Zu­ge der Durch­füh­rung des For­schungs­vor­ha­bens der Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen zu stra­ßen­ver­kehrs­be­ding­ten Nähr­stoff­ein­trä­gen (Er­geb­nis ist der FE-Be­richt Stick­stoff) zu­dem die Be­deu­tung der ver­kehrs­be­ding­ten Tur­bu­len­zen bei Aus­brei­tungs­rech­nun­gen her­aus­ge­stellt, mit de­ren Hil­fe ei­ne Über­schät­zung vor­ha­ben­be­ding­ter Stick­stoff­de­po­si­tio­nen im Nah­be­reich der Tras­se ver­mie­den wer­den kön­ne. Letz­te­res führ­te zu ei­ner Re­du­zie­rung der be­trof­fe­nen Flä­chen.

34 bb) Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss durf­te der Be­las­tungs­rech­nung das Kon­zept der mo­del­lier­ten Cri­ti­cal Loads (CL) so­wie der Be­rech­nung der CL das BERN/DE­COMP-Mo­dell zu­grun­de le­gen. Das er­gibt sich aus fol­gen­den Er­wä­gun­gen:

35 CL sol­len na­tur­wis­sen­schaft­lich be­grün­de­te Be­las­tungs­gren­zen für Ve­ge­ta­ti­ons­ty­pen oder an­de­re Schutz­gü­ter um­schrei­ben, bei de­ren Ein­hal­tung ei­ne Luft­schad­stoff­de­po­si­ti­on auch lang­fris­tig kei­ne si­gni­fi­kant schäd­li­chen Ef­fek­te er­war­ten lässt (zu den Ein­zel­hei­ten vgl. Ur­teil vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 61). Um CL zu er­mit­teln, wer­den un­ter­schied­li­che me­tho­di­sche An­sät­ze ver­folgt (em­pi­ri­sche und mo­del­lier­te CL). Als em­pi­ri­sche CL wer­den die im so­ge­nann­ten ICP-Ma­nu­al ver­öf­fent­lich­ten Er­geb­nis­se der Ar­bei­ten der Ar­beits­grup­pe Bob­bink be­zeich­net, die auf Er­fah­run­gen und Feld­un­ter­su­chun­gen be­ru­hen. Sie be­nen­nen für 25 re­prä­sen­ta­ti­ve eu­ro­päi­sche Ve­ge­ta­ti­ons­ty­pen Spann­brei­ten der CL für eu­tro­phie­ren­den Stick­stoff­ein­trag; sie wer­den auch als „Ber­ner Lis­te“ be­zeich­net. Im Un­ter­su­chungs­be­richt wer­den Me­tho­den vor al­lem für die quan­ti­ta­ti­ve Be­stim­mung der Hin­ter­grund­be­las­tung und der vor­ha­ben­be­zo­ge­nen Zu­satz­be­las­tung mit Stick­stoff­ein­trä­gen, für die Be­stim­mung der Emp­find­lich­keit von FFH-Le­bens­raum­ty­pen und An­hang-II-Pflan­zen­ar­ten ge­gen­über Stick­stoff­ein­trag, für die Ab­gren­zung von ir­rele­van­ten und re­le­van­ten Stick­stoff­ein­trä­gen vor­ge­schla­gen. Dem­ge­gen­über wer­den mo­del­lier­te CL auf­grund ei­nes kom­ple­xen Re­chen­werks stand­ort­be­zo­gen er­mit­telt.

36 Hier hat die Ver­träg­lich­keits­prü­fung ein Mo­del­lie­rungs­mo­dell zu­grun­de ge­legt, das nach dem so­ge­nann­ten BERN/DE­COMP-Mo­dell be­rech­net wur­de. Das ist im Er­geb­nis nicht zu be­an­stan­den. Da­bei stützt sich der Se­nat als neu­es­tes For­schungs­er­geb­nis auf den FE-Be­richt Stick­stoff (aaa), des­sen Er­kennt­nis­se die Pla­nung be­ach­tet hat, wie nicht zu­letzt ei­ne im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren vor­ge­leg­te Ver­gleichs­be­rech­nung zeigt (bbb). Die Kri­tik der Klä­ger an die­sem Vor­ge­hen greift nicht durch (ccc); da­bei kön­nen Fra­gen zum so­ge­nann­ten MFR-Sze­na­ri­um of­fen­blei­ben (ddd). Ei­ne Vor­la­ge an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof er­üb­rigt sich (eee).

37 aaa) Zur Fra­ge der Er­mitt­lung der Be­las­tung durch Stick­stoff­ein­trä­ge in ge­schütz­te Le­bens­räu­me liegt in­zwi­schen als Er­geb­nis des For­schungs- und Ent­wick­lungs­vor­ha­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung der Ab­schluss­be­richt vor, der sich selbst als Fach­kon­ven­ti­on be­greift (Bal­la et al. „Un­ter­su­chung und Be­wer­tung von stra­ßen­ver­kehrs­be­ding­ten Nähr­stoff­ein­trä­gen in emp­find­li­che Bio­to­pe“, Be­richt zum FE-Vor­ha­ben 84.0102/2009 der Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen, For­schung Stra­ßen­bau und Stra­ßen­ver­kehrs­tech­nik Bd. 1099, hrsg. vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung - BMVBS -, No­vem­ber 2013, im Fol­gen­den FE-Be­richt Stick­stoff ge­nannt). Das For­schungs­vor­ha­ben ver­folg­te das Ziel, ei­ne Me­tho­de zur Er­fas­sung und Be­wer­tung von Stick­stoff­ein­trä­gen im Rah­men von FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fun­gen für den Neu- oder Aus­bau von Stra­ßen zu ent­wi­ckeln. Hier­für soll­te es ei­nen ak­tu­el­len Über­blick zum Wis­sens­stand ge­ben und dar­aus me­tho­di­sche Emp­feh­lun­gen ab­lei­ten. An dem Vor­ha­ben ha­ben zahl­rei­che aus­ge­wie­se­ne Fach­leu­te mit­ge­ar­bei­tet. Zur Kon­ven­ti­ons­bil­dung wur­den zu­dem zahl­rei­che Ex­per­ten­ge­sprä­che durch­ge­führt. Ne­ben re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen des Fach­be­treu­er­krei­ses zum FE-Vor­ha­ben wur­den zwei Sit­zun­gen ei­nes pro­jekt­be­glei­ten­den Ar­beits­krei­ses so­wie ein zwei­tä­gi­ges Ex­per­ten­ge­spräch mit aus­ge­wähl­ten ex­ter­nen Wis­sen­schaft­lern und Fach­leu­ten aus der Ge­neh­mi­gungs­pra­xis ab­ge­hal­ten. Der Se­nat geht da­von aus, dass die­ser FE-Be­richt der­zeit die im oben ge­nann­ten Sinn der „bes­ten wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­se“ zur Er­mitt­lung der Be­las­tung durch Stick­stoff­ein­trä­ge in ge­schütz­te Le­bens­räu­me wi­der­spie­gelt; die Klä­ger ha­ben an­de­res nicht sub­stan­zi­iert ein­ge­wandt. Al­lein der pau­scha­le Ver­weis auf an­de­re Auf­fas­sun­gen ein­zel­ner Wis­sen­schaft­ler ge­nügt nicht.

38 Nach dem Er­geb­nis des For­schungs­vor­ha­bens las­sen sich durch mo­del­lier­te CL ge­naue­re stand­ort­spe­zi­fi­sche Er­kennt­nis­se zu den Stick­stoff­be­las­tun­gen von ge­schütz­ten Le­bens­raum­ty­pen er­zie­len als bei An­wen­dung em­pi­ri­scher CL. Die­se ha­ben vor al­lem den Nach­teil, dass sie auf ei­ner ver­gleichs­wei­se schma­len Da­ten­ba­sis be­ru­hen und dar­über hin­aus ei­ne Viel­zahl der in Deutsch­land re­le­van­ten Le­bens­raum­ty­pen nicht ab­de­cken, u.a. nicht den prio­ri­tä­ren LRT *91E0.

39 Dem­ge­gen­über wer­den mo­del­lier­te CL mit den Mo­del­len DE­COMP oder SMB (Simp­le Mass Ba­lan­ce - ein­fa­che Mas­sen­bi­lanz) auf­grund ei­nes kom­ple­xen Re­chen­werks stand­ort­be­zo­gen er­mit­telt. Bei­de Mo­del­le kom­bi­nie­ren das BERN-Mo­dell (Bio­in­di­ka­ti­ve Er­mitt­lung von Re­ge­ne­ra­ti­ons­po­ten­zia­len na­tür­li­cher Öko­sys­te­me) mit ei­ge­nen Be­rech­nungs­an­sät­zen. Das BERN-Mo­dell dient der Dar­stel­lung von Ve­ge­ta­ti­ons­ent­wick­lun­gen in Ab­hän­gig­keit von sich dy­na­misch ver­än­dern­den abio­ti­schen Stand­ort­fak­to­ren. Setzt man ei­nen be­stimm­ten Ziel­zu­stand als Ent­wick­lungs­ziel fest, kann man hier­mit die für die Ve­ge­ta­ti­on re­le­van­ten Ziel­pa­ra­me­ter der Stand­ort­wahl­fak­to­ren, die Cri­ti­cal Li­mits, die als Ein­gangs­da­ten in die Cri­ti­cal-Loads-For­meln ein­ge­stellt wer­den müs­sen, quan­ti­fi­zie­ren (FE-Be­richt Stick­stoff S. 135).

40 Das DE­COMP-Mo­dell be­rück­sich­tigt si­gni­fi­kan­te Ver­än­de­run­gen des öko­sys­temin­ter­nen Stoff­kreis­laufs durch mas­si­ve Stick­stoff­ein­trä­ge in der Ver­gan­gen­heit. Die so er­mit­tel­ten Cri­ti­cal Loads sol­len ein aus­ge­wo­ge­nes nach­hal­tig sta­bi­les Gleich­ge­wicht von Stick­stoff-, Was­ser- und En­er­gie­haus­halt, das ei­nem na­tur­na­hen Re­fe­renz­zu­stand ent­spricht und die Mög­lich­keit für die Exis­tenz ei­ner na­tur­na­hen/halb na­tür­li­chen Pflan­zen­ge­sell­schaft bie­tet, wie­der­her­stel­len.

41 Das SMB-Mo­dell ver­sucht, mit ei­ner ein­fa­chen Mas­sen­bi­lanz die Ein- und Aus­trags­be­rech­nun­gen von Schad­stof­fen für ein Öko­sys­tem vor­zu­neh­men. Den eu­tro­phie­ren­den Stick­stoff­de­po­si­tio­nen wer­den die stick­stoff­spei­chern­den bzw. -ver­brau­chen­den und stick­stoff­austra­gen­den Pro­zes­se im Öko­sys­tem ge­gen­über­ge­stellt. Ein Nach­teil die­ser Me­tho­de be­steht dar­in, dass kei­ne dy­na­mi­schen zeit­ab­hän­gi­gen Öko­sys­tem­ent­wick­lun­gen im­ple­men­tiert wer­den kön­nen (FE-Be­richt Stick­stoff S. 124 f.).

42 Die Er­geb­nis­se des FE-Be­richts Stick­stoff zei­gen, dass bei­de un­ter­such­ten Mo­del­lie­rungs­mo­del­le zu sehr ähn­li­chen Er­geb­nis­sen kom­men. Die An­wen­dung des SMB-Mo­dells er­gibt ten­den­zi­ell et­was nied­ri­ge­re CL als die An­wen­dung des DE­COMP-Mo­dells (FE-Be­richt Stick­stoff S. 195 f.) und liegt da­mit „auf der si­che­ren Sei­te“. Der FE-Be­richt Stick­stoff emp­fiehlt für die Ver­träg­lich­keits­prü­fung die An­wen­dung des SMB-Mo­dells, weil die­ses im Ver­gleich zur DE­COMP-Me­tho­de rech­ne­risch ein­fa­cher nach­voll­zieh­bar ist und ei­ne brei­te­re Ak­zep­tanz in der wis­sen­schaft­li­chen Öf­fent­lich­keit ge­nie­ßt (S. 125 f.). Dem­ge­gen­über fehlt der DE­COMP-Me­tho­de noch ei­ne brei­te Ak­zep­tanz in der wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on. Gleich­wohl hält der FE-Be­richt Stick­stoff die DE­COMP-Me­tho­de in Ein­zel­fäl­len un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen für an­wend­bar (FE-Be­richt Stick­stoff S. 126).

43 bbb) Al­ler­dings konn­ten sich die von der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de hin­zu­ge­zo­ge­nen Fach­gut­ach­ter noch nicht auf den FE-Be­richt Stick­stoff stüt­zen, weil er erst En­de 2013 ver­öf­fent­licht wor­den ist. Un­be­scha­det des­sen spie­gelt das Er­geb­nis der De­po­si­ti­ons­be­rech­nung den ge­gen­wär­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­stand wi­der und führt da­her nicht auf ei­nen Feh­ler des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses. Der Se­nat kann of­fen­las­sen, ob die An­wen­dung der der De­po­si­ti­ons­be­rech­nung zu­grun­de lie­gen­den DE­COMP-Me­tho­de, die stand­ort­be­zo­gen ge­naue­re Be­las­tungs­wer­te er­gibt als das SMB-Mo­dell, hier trotz der noch feh­len­den brei­ten wis­sen­schaft­li­chen Ak­zep­tanz hät­te an­ge­wandt wer­den dür­fen. Denn der Be­klag­te hat im Lau­fe des Ge­richts­ver­fah­rens ei­ne Ver­gleichs­be­rech­nung vor­ge­legt, die auf­zeigt, dass die dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zu­grun­de lie­gen­den Be­las­tungs­wer­te in den meis­ten Fäl­len so­gar un­ter den nach dem SMB-Mo­dell be­rech­ne­ten Wer­ten lie­gen und sich nur in drei Fäl­len der­art ge­ring­fü­gig un­ter­schei­den, dass sich die Un­ter­schie­de auf den Um­fang der be­trof­fe­nen Le­bens­raum­typ­flä­chen nicht aus­wir­ken.

44 ccc) So­weit die Klä­ger über die Kri­tik der Me­tho­de hin­aus u.a. auch be­män­geln, dass das C/N-Ver­hält­nis ge­ne­rell auf­grund von durch Bo­den­pro­ben ge­won­ne­nen Mess­wer­ten hät­te er­mit­telt wer­den müs­sen und da­bei nicht von Bo­den­kar­ten hät­te aus­ge­gan­gen wer­den dür­fen, kön­nen sie eben­falls nicht durch­drin­gen. Bei dem C/N-Ver­hält­nis han­delt es sich um ei­nen ein­zel­nen Pa­ra­me­ter, der ne­ben vie­len an­de­ren in die CL-Be­rech­nung ein­geht. Er ist Teil der wis­sen­schaft­lich an­er­kann­ten Me­tho­de der CL-Be­rech­nung und kann nicht ei­ner ver­selbst­stän­dig­ten Über­prü­fung un­ter­zo­gen wer­den. Dar­über hin­aus ha­ben die Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten über­zeu­gend be­grün­det, dass es grund­sätz­lich aus­rei­chend ist, die re­le­van­ten Da­ten ak­tu­el­len Bo­den­kar­ten zu ent­neh­men. Ei­ne Klä­rung durch Bo­den­pro­ben sei nur bei si­gni­fi­kan­ter Ab­wei­chung der vor­han­de­nen Ve­ge­ta­ti­on von der kar­tier­ten Bo­den­form not­wen­dig. Sie ha­ben auch er­läu­tert, dass die zu­grun­de ge­leg­ten In­for­ma­tio­nen aus den Bo­den­kar­ten hier so­gar vor­sorg­lich ge­we­sen sei­en, weil die da­mit er­ziel­ten Wer­te zu nied­ri­ge­ren CL führ­ten als die tat­säch­li­chen Mes­sun­gen. Dies wird auch durch den in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­brach­ten Ein­wand des Ver­tre­ters des Klä­gers zu 2 nicht wi­der­legt, dass die Bo­den­pro­ben 2012 ent­nom­men wur­den, die Da­ten aus den Bo­den­kar­ten aber we­sent­lich äl­ter sei­en. Es ist nichts da­für dar­ge­legt, dass die Sach­la­ge bei zeit­na­hem Ver­gleich bei­der Da­ten­quel­len an­ders wä­re.

45 Eben­falls nicht zu be­an­stan­den ist die An­nah­me des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, Zu­satz­be­las­tun­gen durch Stick­stoff­ein­trag un­ter­halb ei­nes ab­so­lu­ten Wer­tes von 0,3 kg N/ha/a bzw. 3 % ei­nes CL sei­en ir­rele­vant. Der Se­nat hat be­reits in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung an­er­kannt, dass es nach wis­sen­schaft­li­chem Er­kennt­nis­stand ei­ne Ir­rele­vanz­schwel­le gibt; erst ober­halb die­ser Schwel­le ist die Zu­nah­me der Stick­stoff­be­las­tung, zu­mal ge­gen­über ei­ner oh­ne­hin schon ho­hen Vor­be­las­tung, als si­gni­fi­kant ver­än­dernd ein­zu­stu­fen (Ur­tei­le vom 6. No­vem­ber 2012 - BVer­wG 9 A 17.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 52 Rn. 62 und 93 = BVer­w­GE 145, 40 Rn. 62 <Rn. 93 nicht ver­öf­fent­licht in BVer­w­GE 145, 40> und vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 65 f.). Die­se Auf­fas­sung wird durch den FE-Be­richt Stick­stoff wis­sen­schaft­lich un­ter­legt (vgl. dort S. 216 ff.). Da­nach ist un­ter­halb die­ser Schwel­len die zu­sätz­li­che von ei­nem Vor­ha­ben aus­ge­hen­de Be­las­tung nicht mehr mit ver­tret­ba­rer Ge­nau­ig­keit be­stimm­bar bzw. nicht mehr ein­deu­tig von der vor­han­de­nen Hin­ter­grund­be­las­tung ab­grenz­bar (so schon Ur­teil vom 28. März 2013 a.a.O. Rn. 66 un­ter Hin­weis auf Bal­la/Mül­ler-Pfan­nenstiehl/Lütt­mann/Uhl, NuR 2010, 616 <623>). Bei Stick­stoff­ein­trä­gen von 0,3 kg N/ha/a oder we­ni­ger las­sen sich kei­ne kau­sa­len Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Emis­si­on und De­po­si­ti­on nach­wei­sen (Bal­la et al., „Stick­stoff­ein­trä­ge in der FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung: Cri­ti­cal Loads, Ba­ga­tell­schwel­le und Ab­schnei­de­kri­te­ri­um“, in: Wald­öko­lo­gie, Land­schafts­for­schung und Na­tur­schutz, No­vem­ber 2013, S. 7 - künf­tig: Bal­la et al.). § 34 BNatSchG for­dert aber ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen Stick­stoff­ein­trag ei­nes Vor­ha­bens und Be­ein­träch­ti­gung. Zu­dem ha­ben em­pi­ri­sche Un­ter­su­chun­gen ent­lang viel be­las­te­ter Stra­ßen au­ßer­halb der mit­hil­fe des 3 %-Kri­te­ri­ums er­mit­tel­ten Flä­chen bis­her kei­ne si­gni­fi­kan­ten schäd­li­chen Ef­fek­te von stick­stoff­hal­ti­gen Im­mis­sio­nen der Stra­ße auf die Ve­ge­ta­ti­on er­ge­ben (FE-Be­richt Stick­stoff S. 217; Bal­la et al. a.a.O. S. 6; zur Be­deu­tung von Ir­rele­vanz­schwel­len vgl. Kohls/Mier­wald/Zir­wick, ZUR 2014, 150).

46 ddd) Of­fen­blei­ben kann, ob in die Be­rech­nung der Ge­samt­be­las­tung (vor­ha­ben­be­ding­te Zu­satz­be­las­tung und Hin­ter­grund­be­las­tung) die auf­grund des MFR-Sze­na­ri­ums (Most Fea­si­ble Re­duc­tion) er­mit­tel­te Hin­ter­grund­be­las­tung für das Pro­gno­se­jahr 2025 ein­ge­hen durf­te. Be­den­ken be­stehen des­halb, weil dem MFR-Sze­na­ri­um die der­zeit tech­nisch mög­li­chen Emis­si­ons­re­du­zie­run­gen zu­grun­de ge­legt wur­den. An der Be­last­bar­keit die­ser An­nah­me be­stehen Zwei­fel. Denn nach den Ab­schluss­be­rich­ten des Um­welt­bun­des­am­tes (UBA-FB-Be­richt 001507, „Er­stel­lung ei­ner me­tho­den­kon­sis­ten­ten Zeit­rei­he von Stoff­ein­trä­gen und ih­ren Wir­kun­gen in Deutsch­land, Teil 2 Ab­schluss­be­richt“, vom Ja­nu­ar 2013, Teil­auf­ga­be ÖKO-DA­TA: Be­rech­nung und Kar­tie­rung von Cri­ti­cal Loads und de­ren Über­schrei­tun­gen für ei­ne pro­gnos­ti­zier­te De­po­si­ti­on im Jahr 2020, S. 2, so­wie „Er­fas­sung, Pro­gno­se und Be­wer­tung von Stoff­ein­trä­gen und ih­ren Wir­kun­gen in Deutsch­land, Zu­sam­men­fas­sen­der Ab­schluss­be­richt“, UBA-FB-Be­richt 001490) wird Deutsch­land vor­aus­sicht­lich schon sei­ne Ver­pflich­tun­gen nach der NEC-Richt­li­nie (Richt­li­nie 2001/81/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Ok­to­ber 2001 über na­tio­na­le Emis­si­ons­höchst­men­gen für be­stimm­te Luft­schad­stof­fe, ABl EG Nr. L 309 vom 27. No­vem­ber 2001 S. 22) nicht ein­hal­ten kön­nen.

47 Je­doch hat der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss vor­sorg­lich den Um­fang der be­las­te­ten Flä­chen zu­sätz­lich für die Hin­ter­grund­be­las­tung an­hand des im In­ter­net ver­füg­ba­ren Da­ten­sat­zes des Um­welt­bun­des­am­tes für das Jahr 2007 be­rech­net. Da da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sich die Stick­stoff­emis­sio­nen in der Zu­kunft je­den­falls in dem hier in Re­de ste­hen­den Land­schafts­raum ten­den­zi­ell ver­rin­gern wer­den, wie die Ver­tre­ter des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend dar­ge­legt ha­ben, liegt die Flä­chen­be­rech­nung auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Pro­gno­se­jah­res 2025 auf der si­che­ren Sei­te. Dies wird zu­sätz­lich ge­stützt durch ei­ne Stel­lung­nah­me des Hes­si­schen Um­welt­mi­nis­te­ri­ums, wo­nach ins­be­son­de­re an Ver­kehrs­schwer­punk­ten die Mess­ergeb­nis­se ei­nen deut­li­chen und kon­ti­nu­ier­li­chen Rück­gang der Stick­oxid­be­las­tung zei­gen. Die Rück­gän­ge bei den Emis­sio­nen von Stick­stoff­ver­bin­dun­gen füh­ren auch zu ei­ner Re­duk­ti­on der Hin­ter­grund­be­las­tung. Die Klä­ger sind dem nicht sub­stan­zi­iert ent­ge­gen­ge­tre­ten.

48 eee) Der von den Klä­gern an­ge­reg­ten Vor­la­ge an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof nach Art. 267 AEUV be­durf­te es nicht. Dass in den ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­li­che me­tho­di­sche An­sät­ze zur Prü­fung der er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gung nach Art. 6 Abs. 3 FFH-RL be­stehen, führt nicht auf ei­ne vor­la­ge­fä­hi­ge und -be­dürf­ti­ge Rechts­fra­ge, ins­be­son­de­re ist we­der dar­ge­legt noch er­kenn­bar, dass hier­durch ge­gen die Ein­heit­lich­keit der Rechts­ord­nung der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­sto­ßen wer­den könn­te. Die EU-weit ein­heit­li­che Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 3 FFH-RL ist nicht zwei­fel­haft. Die zu­stän­di­gen Be­hör­den müs­sen die Be­ein­träch­ti­gung von FFH-Ge­bie­ten nach Art. 6 FFH-RL nach den je­weils bes­ten wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen er­mit­teln und sich Ge­wiss­heit dar­über ver­schaf­fen, dass sich ein Vor­ha­ben nicht dau­er­haft nach­tei­lig auf das be­tref­fen­de Ge­biet als sol­ches aus­wirkt (Eu­GH, Ur­tei­le vom 24. No­vem­ber 2011 - Rs. C-404/09, Al­to Sil - Slg. 2011, I-11853 Rn. 99 und vom 11. April 2013 - Rs. C-258/11, Sweet­man - NVwZ-RR 2013, 505 Rn. 40). Das ist der Fall, wenn aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht kein ver­nünf­ti­ger Zwei­fel dar­an be­steht, dass es kei­ne sol­chen Aus­wir­kun­gen gibt. Ent­schei­dend ist, dass die Prü­fung der Ver­träg­lich­keit nicht lü­cken­haft sein darf und voll­stän­di­ge, prä­zi­se und end­gül­ti­ge Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten muss. Da­bei ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts zu kon­trol­lie­ren, ob die Prü­fung der Ver­träg­lich­keit mit dem Ge­biet die­sen An­for­de­run­gen ent­spricht (Eu­GH, Ur­teil vom 11. April 2013 a.a.O. Rn. 44). Das macht deut­lich, dass die Fra­ge, auf­grund wel­cher Er­kennt­nis­se die not­wen­di­ge Ge­wiss­heit von der feh­len­den Be­ein­träch­ti­gung des Ge­biets ge­won­nen wird, ei­ne fach­li­che Fra­ge ist, die nicht durch Aus­le­gung des eu­ro­päi­schen Rechts zu be­ant­wor­ten ist, son­dern die viel­mehr vom Dis­kus­si­ons­stand der Wis­sen­schaft und de­ren Er­kennt­nis­sen ab­hängt. Da­nach un­ter­liegt auch die An­wen­dung der fach­wis­sen­schaft­lich be­grün­de­ten Ir­rele­vanz­schwel­len bzw. des Ab­schnei­de­kri­te­ri­ums bei der Ver­träg­lich­keits­prü­fung nach Art. 6 Abs. 3 FFH-RL kei­nen Zwei­feln. Denn un­ter­halb die­ser Schwel­len ist ei­ne er­heb­li­che Ge­biets­be­ein­träch­ti­gung aus­ge­schlos­sen. Da­mit ist dem ge­mein­schafts­recht­li­chen Vor­sor­ge­grund­satz (Art. 191 Abs. 2 Satz 2 AEUV, vgl. Eu­GH, Ur­teil vom 7. Sep­tem­ber 2004 - Rs. C-127/02 - Slg. 2004, I-7405 Rn. 58) ge­nügt. Die mit dem Er­for­der­nis der er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gung fest­ge­leg­te Ge­ring­fü­gig­keits­schwel­le (Schluss­an­trä­ge der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Sharpston vom 22. No­vem­ber 2012 - Rs. C-258/11, Sweet­man - ju­ris Rn. 48) trägt dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit Rech­nung.

49 b) Die Kri­tik der Klä­ger an der Aus­wahl, der Be­stands­auf­nah­me und der Fest­stel­lung des Be­ein­träch­ti­gungs­um­fangs cha­rak­te­ris­ti­scher Ar­ten greift eben­falls nicht durch.

50 Im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss sind die cha­rak­te­ris­ti­schen Ar­ten, für de­ren Aus­wahl der Be­hör­de ein Ein­schät­zungs­spiel­raum zu­kommt, im Er­geb­nis zu­tref­fend da­nach aus­ge­wählt wor­den, ob sie ei­ne In­di­ka­tor­funk­ti­on für po­ten­zi­el­le Aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens auf den Le­bens­raum­typ be­sit­zen (stRspr; vgl. nur Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2012 - BVer­wG 9 A 17.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 52 = BVer­w­GE 145, 40 Rn. 52; Leit­fa­den des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr, Bau- und Woh­nungs­we­sen zur FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung im Bun­des­fern­stra­ßen­bau, Aus­ga­be 2004 - BMVBW-Leit­fa­den - S. 32). All­ge­mei­ne Hand­bü­cher, wie das von den Klä­gern u.a. in Be­zug ge­nom­me­ne BfN-Hand­buch (Ssy­mank, Das eu­ro­päi­sche Schutz­ge­biets­sys­tem Na­tu­ra 2000, BfN-Hand­buch zur Um­set­zung der Fau­na-Flo­ra-Ha­bi­tat-Richt­li­nie und der Vo­gel­schutz-Richt­li­nie, 1998) kön­nen na­tur­ge­mäß die kon­kre­te Aus­prä­gung ei­nes Le­bens­raum­typs in ei­nem kon­kre­ten Ge­biet nicht be­rück­sich­ti­gen.

51 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat für den LRT 9110 Schwarz- und Grau­specht so­wie den Rau­fu­ß­kauz un­ter­sucht, für den LRT 9130 den Schwarz­specht, für den LRT 9160 Grau- und Mit­tel­specht und für den LRT *91E0 Klein­specht und Was­ser­fle­der­maus. Die Vö­gel soll­ten Aus­sa­gen über die Stö­rungs­frei­heit des be­tref­fen­den Le­bens­raum­typs und In­for­ma­tio­nen über das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für das Vor­kom­men an­de­rer für den Le­bens­raum­typ cha­rak­te­ris­ti­scher Ar­ten oder Art­grup­pen lie­fern. Dies wird da­mit be­grün­det, dass sie nicht nur durch die In­an­spruch­nah­me ih­rer Höh­len­bäu­me be­ein­träch­tigt wür­den, son­dern auch ge­gen­über Stra­ßen mit ho­her Ver­kehrs­stär­ke ei­ne Lärm­emp­find­lich­keit auf­wie­sen. Sie sei­en zu­dem ge­gen­über an­de­ren von Stra­ßen aus­ge­hen­den Stö­run­gen wie op­ti­schen Stör­ereig­nis­sen und Wald­randan­schnitt emp­find­lich, was sich in ei­ner kri­ti­schen Ef­fekt­di­stanz äu­ße­re. Das gel­te auch für den Klein­specht, auch wenn die­ser ge­ring lärm­emp­find­lich sei. Bei al­len Specht­ar­ten sei­en mög­li­che Be­ein­träch­ti­gun­gen durch Le­bens­raum­zer­schnei­dung re­le­vant. Die Was­ser­fle­der­maus sei als struk­tur­ge­bun­den flie­gen­de Art ins­be­son­de­re ge­gen­über den Zer­schnei­dungs­wir­kun­gen emp­find­lich und re­agie­re ge­gen­über Stö­run­gen durch Licht. Die ge­son­der­te Be­trach­tung der als Er­hal­tungs­zie­le ge­schütz­ten Ar­ten sei eben­so we­nig er­for­der­lich wie die Ein­be­zie­hung wei­te­rer Ar­ten. Es kom­me auf die Ar­ten an, oh­ne die ei­ne vor­ha­ben­be­ding­te Be­trof­fen­heit des Le­bens­raum­typs nicht ad­äquat er­fasst wer­de. Nach die­sem An­satz war es auch ent­behr­lich, die von den Klä­gern ver­miss­ten Schmet­ter­lings- und Kä­fer­ar­ten so­wie Haut- und Zweiflüg­ler nä­her zu be­trach­ten.

52 Eben­so we­nig wie bei den ge­schütz­ten An­hang-II-Ar­ten (s. un­ten c) muss­ten die Be­stands­da­ten in vol­lem Um­fang neu er­ho­ben wer­den. Viel­mehr ge­nüg­te die Da­ten­ak­tua­li­sie­rung in dem von der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de be­stimm­ten Be­ein­träch­ti­gungs­band ent­lang der Tras­se, weil sich die Ver­hält­nis­se im Un­ter­su­chungs­raum ge­gen­über der Be­stands­da­ten­er­he­bung 2004/2005/2006 nicht we­sent­lich ge­än­dert ha­ben. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss legt für die Be­ein­träch­ti­gungs­be­ur­tei­lung bei be­triebs­be­ding­ten Aus­wir­kun­gen auf Vö­gel die Ar­beits­hil­fe Vö­gel und Stra­ßen­ver­kehr (BMVBS, Ar­beits­hil­fe Vö­gel und Stra­ßen­ver­kehr, Aus­ga­be 2010, be­ar­bei­tet von Gar­ni­el und Mier­wald) zu­grun­de und be­misst da­nach die Ha­bi­tat­ver­lus­te. Das ist nicht zu be­an­stan­den. So­weit die Klä­ger hö­he­re Ha­bi­tat­ver­lus­te in­fol­ge des von der Tras­se aus­ge­hen­den Lärms be­haup­ten, le­gen sie ei­ne ei­ge­ne - hier nicht ma­ß­geb­li­che - Ver­kehrs­pro­gno­se zu­grun­de.

53 Das Kol­li­si­ons­ri­si­ko des Klein­spechts als cha­rak­te­ris­ti­scher Art des LRT *91E0 wird durch die Ir­ri­ta­ti­ons­schutz­wand auf ein nicht mehr si­gni­fi­kan­tes Maß ge­senkt. Die Re­vier­zer­schnei­dung an der Jo­ßkleinaue wird da­durch auf­ge­fan­gen, dass ei­ne Que­rung ge­ra­de durch die dort vor­ge­se­he­ne Brü­cke mög­lich ist. Die Ha­bi­tat­eig­nung für den Klein­specht nimmt nur in ei­nem ge­rin­gen Ma­ße ab. Die Art nutzt in der Brut­zeit ei­nen Ak­ti­ons­raum von 15 - 25 ha und von bis zu 250 ha im Win­ter. Aus­wir­kun­gen auf den Er­hal­tungs­zu­stand sind nicht zu be­fürch­ten.

54 Das Vor­ha­ben wirkt sich auch nicht nach­tei­lig auf den Er­hal­tungs­zu­stand der Was­ser­fle­der­maus aus. Ja­gen­de Was­ser­fle­der­mäu­se sind im FFH-Ge­biet nicht be­ob­ach­tet wor­den. Al­lein aus dem Fang ei­nes gra­vi­den Weib­chens lässt sich nicht auf ei­ne Po­pu­la­ti­on schlie­ßen. Das gleich­wohl we­gen der güns­ti­gen Struk­tu­ren im LRT *91E0 an­zu­neh­men­de Jagd­ha­bi­tat der Was­ser­fle­der­maus wird nur in ei­nem den Er­hal­tungs­zu­stand der Tie­re nicht be­ein­träch­ti­gen­den Um­fang von 0,36 ha in An­spruch ge­nom­men; die Jo­ßklein als Leit­struk­tur bleibt in­fol­ge des Brü­cken­bau­werks er­hal­ten.

55 Der güns­ti­ge Er­hal­tungs­zu­stand der für den LRT 9110 cha­rak­te­ris­ti­schen Art Rau­fu­ß­kauz ver­schlech­tert sich eben­falls nicht. Zwar wer­den fünf Re­vie­re durch un­mit­tel­ba­re Flä­chen­in­an­spruch­nah­me und Lär­maus­wir­kun­gen ver­lo­ren ge­hen. Je­doch wer­den die­se Re­vie­re mit der Ver­bes­se­rung des Nist­platz­an­ge­bots ver­la­gert wer­den. Die Art nimmt Nist­käs­ten sehr gut an, so dass die au­ßer­halb der re­le­van­ten Iso­pho­ne an­zu­brin­gen­den et­wa 40 Nist­käs­ten zu neu­en Re­vie­ren füh­ren wer­den. Au­ßer­dem be­fin­den sich in­ner­halb des LRT 9110 le­dig­lich Teil­ha­bi­ta­te der Art, es­sen­zi­el­le Ha­bi­tat­be­stän­de exis­tie­ren au­ßer­halb die­ser Le­bens­raum­typ­flä­chen.

56 Auch der in ei­nem un­güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand be­find­li­che Grau­specht als cha­rak­te­ris­ti­sche Art des LRT 9110 wird nicht re­le­vant be­ein­träch­tigt. Zwar lie­gen drei Re­vie­re im Ein­wir­kungs­be­reich der Tras­se, al­ler­dings lie­gen ih­re Zen­tren nicht in den Be­stän­den des LRT 9110. Im Üb­ri­gen wer­den Scha­dens­be­gren­zungs­maß­nah­men im Um­fang von 40 ha vor­ge­nom­men, u.a. ein Nut­zungs­ver­zicht in Be­zug auf Al­tei­chen, so dass die für den Grau­specht ver­blei­ben­den Flä­chen bei ei­ner durch­schnitt­li­chen Re­vier­grö­ße von 200 ha aus­rei­chend di­men­sio­niert und in ih­rer Qua­li­tät op­ti­miert sind.

57 Glei­ches gilt, so­weit der Grau­specht als cha­rak­te­ris­ti­sche Art des LRT 9160 be­trach­tet wird, zu­mal die Ha­bi­tat­eig­nung nur zu ei­nem ge­rin­gen Teil ab­nimmt, so dass da­von aus­zu­ge­hen ist, dass der Grau­specht an­ge­sichts der Grö­ße sei­ner Re­vie­re den Schwer­punkt sei­ner Ak­tio­nen ver­la­gern wird. Zwar lie­gen 13 Re­vie­re der wei­te­ren cha­rak­te­ris­ti­schen Art Mit­tel­specht in­ner­halb der Ef­fekt­di­stanz mit un­ter­schied­li­cher Ha­bi­tat­qua­li­täts­ab­nah­me. Je­doch wer­den die ins­be­son­de­re lärm­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen durch die vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men im Um­fang von 75 ha, vor al­lem Nut­zungs­ver­zicht in den ver­schie­de­nen Wald­ar­ten, die die Le­bens­raum­be­din­gun­gen op­ti­mie­ren, auf­ge­fan­gen. Zu­dem be­fin­den sich die Re­vie­re weit­ge­hend au­ßer­halb des LRT 9160. Das be­trof­fe­ne Re­vier an der Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Jo­ßklein liegt mit nur ei­nem ge­rin­gen Teil in­ner­halb der Ef­fekt­di­stanz und wird von den in un­mit­tel­ba­rer Nä­he vor­ge­se­he­nen Scha­dens­be­gren­zungs­maß­nah­men ge­stützt.

58 Für den LRT 9130 hat der Schwarz­specht we­gen sei­ner Le­bens­raum­an­sprü­che ei­ne In­di­ka­tor­funk­ti­on und wird des­halb vom Plan­fest­stel­lungs­be­schluss als cha­rak­te­ris­ti­sche Art an­ge­spro­chen.

59 c) Das Vor­ha­ben be­ein­träch­tigt kei­ne der als Er­hal­tungs­zie­le ge­schütz­ten An­hang-II-Ar­ten.

60 aa) Die Be­wer­tung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, mit den vor­ge­se­he­nen Scha­dens­ver­mei­dungs- und -min­de­rungs­maß­nah­men sei ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung des Kamm­molchs aus­ge­schlos­sen, ist nicht zu be­an­stan­den. Scha­dens­ver­mei­dungs- und -min­de­rungs­maß­nah­men kön­nen be­reits im Rah­men der Ver­träg­lich­keits­prü­fung be­rück­sich­tigt wer­den, so­fern sie ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung von Schutz­gü­tern des FFH-Ge­biets da­durch ver­hin­dern, dass das Ge­biet nach ei­ner Stö­rung wie­der zu sei­nem Gleich­ge­wicht fin­det (Ur­teil vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 43; Schluss­an­trä­ge der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Sharpston vom 22. No­vem­ber 2012 - Rs. C-258/11, Sweet­man - ju­ris Rn. 59 und vom 27. Fe­bru­ar 2014 - Rs. C-521/12, T.C. Bri­els - Rn. 36). Mit den im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­ge­setz­ten Schutz­maß­nah­men wer­den schäd­li­che Aus­wir­kun­gen auf den güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand der im FFH-Ge­biet le­ben­den Kamm­molch­po­pu­la­ti­on im Zeit­punkt der Vor­ha­ben­ver­wirk­li­chung wirk­sam ver­hin­dert (vgl. Eu­GH, Ur­teil vom 15. Mai 2014 - Rs. C-521/12, T.C. Bri­els - NVwZ 2014, 931 Rn. 28 ff. zur Ab­gren­zung von scha­dens­ver­mei­den­den und scha­dens­aus­glei­chen­den Schutz­maß­nah­men); der güns­ti­ge Er­hal­tungs­zu­stand der Kamm­molch­po­pu­la­ti­on wird i.S.v. Art. 1 Buchst. e) und i) FFH-RL sta­bil blei­ben.

61 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss durf­te der Prü­fung ei­nen Ge­samt­be­stand der Kamm­molch­po­pu­la­ti­on von ca. 13 000 Tie­ren (adul­te, sub­adul­te und ju­ve­ni­le) zu­grun­de le­gen. Hier wird kein Laich­ge­wäs­ser in An­spruch ge­nom­men, für das le­dig­lich die adul­ten Tie­re ent­schei­dend sein könn­ten, son­dern aus­schlie­ß­lich Land­le­bens­raum, der von al­len Tie­ren ge­nutzt wird. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger durf­ten die Po­pu­la­ti­on der Kamm­mol­che und ih­re Wan­der­we­ge auch mit­tels des spe­zi­ell ent­wi­ckel­ten Raum­nut­zungs­mo­dells er­fasst wer­den. Die in die­sem Zu­sam­men­hang er­ho­be­ne me­tho­di­sche Kri­tik der Klä­ger hin­sicht­lich der Er­fas­sung der Mol­che bei der Grund­da­ten­er­he­bung greift nicht durch. Die Me­tho­de der Be­stands­auf­nah­me ist nicht nor­ma­tiv fest­ge­legt; auch hier muss die Me­tho­den­wahl aber die für die Ver­träg­lich­keits­prü­fung all­ge­mein ma­ß­geb­li­chen Stan­dards der „bes­ten ein­schlä­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­se“ ein­hal­ten (stRspr; vgl. nur Ur­teil vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 Rn. 47 <in­so­weit nicht ver­öf­fent­licht in BVer­w­GE 146, 145>). Hin­zu kommt, dass ei­ne ex­ak­te Po­pu­la­ti­ons­er­fas­sung in der Li­te­ra­tur bei Kamm­mol­chen als „kaum mög­lich“ be­schrie­ben wird (vgl. hier­zu Ur­teil vom 28. März 2013 a.a.O. Rn. 49). Die Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten ha­ben in der münd­li­chen Ver­hand­lung zur Über­zeu­gung des Se­nats dar­ge­legt, dass die mit dem für die ca. 900 Tie­re am Zap­pe­teich ver­wand­ten Raum­nut­zungs­mo­dell ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se auf die üb­ri­gen Teil­po­pu­la­tio­nen des FFH-Ge­biets über­trag­bar sind. Hier wur­den Fang­zäu­ne mit ei­ner Län­ge von 20 km von bei­den An­wan­de­rungs­rich­tun­gen und be­kann­ten Laich­ge­wäs­sern auf­ge­stellt. Auf die­ser Grund­la­ge wur­de dann die Ver­tei­lung der Mol­che er­mit­telt. Da­bei ist der Le­bens­raum in un­mit­tel­ba­rer Um­ge­bung des Zap­pe­tei­ches eher we­ni­ger ge­eig­net für die Tie­re, so dass mehr Tie­re in ent­fern­te­re Zo­nen ab­ge­wan­dert sind als dies bei ei­nem Laich­ge­wäs­ser mit all­seits gleich­mä­ßi­ger Ver­tei­lung des Land­le­bens­raums ge­sche­hen wä­re. Des­halb ist das Auf­kom­men in wei­te­rer Ent­fer­nung von dem je­wei­li­gen Laich­ge­wäs­ser eher kon­ser­va­tiv ge­schätzt. Da­von aus­ge­hend nimmt der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für die Be­stim­mung der ma­ß­geb­li­chen Ge­biets­be­stand­tei­le für die Kamm­mol­che al­le Flä­chen mit ei­ner min­des­tens mitt­le­ren Be­wer­tung als Land­le­bens­raum an. Das sind al­le Flä­chen, bei de­nen ei­ne Kamm­molch­dich­te von 0,5 bis 1 In­di­vi­du­um/ha er­rech­net wur­de, ins­ge­samt ca. 970 ha. Von dem ma­ß­geb­li­chen Le­bens­raum wer­den in­ner­halb des FFH-Ge­biets ins­ge­samt 6,31 ha = 0,65 % für das Vor­ha­ben in An­spruch ge­nom­men.

62 Das Raum­nut­zungs­mo­dell lässt auch Rück­schlüs­se auf die Wan­der­we­ge der Kamm­mol­che zu, weil die räum­li­che Ver­tei­lung der Tie­re und die Wan­der­rich­tung in das Mo­dell ein­ge­flos­sen sind. Am Zap­pe­teich konn­te be­ob­ach­tet wer­den, dass die Mehr­zahl der Tie­re den an­gren­zen­den Wald als Le­bens­raum nutz­te. Glei­ches gilt für die Ge­wäs­ser an der Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Kirsch­brück­he­ge. Auch hier konn­te die be­vor­zug­te Wan­der­rich­tung fest­ge­stellt wer­den. Des­halb war es auch nicht er­for­der­lich, ent­spre­chend dem Merk­blatt zum Am­phi­bi­en­schutz an Stra­ßen (Aus­ga­be 2000, hrsg. vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau- und Woh­nungs­we­sen - MAmS - S. 9) ei­ne Un­ter­su­chung in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Jah­ren durch­zu­füh­ren. Das von den Klä­gern zur Un­ter­maue­rung ih­rer Kri­tik her­an­ge­zo­ge­ne Qua­li­täts­si­che­rungs­gut­ach­ten von Prof. Dr. S. vom 12. Ju­li 2005 stützt eher die An­nah­men der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de, denn der Gut­ach­ter hält das ver­wen­de­te Mo­dell für plau­si­bel und nach­voll­zieh­bar, wenn­gleich die An­nah­men nicht sta­tis­tisch ab­ge­si­chert sei­en (S. 19). Die Klä­ger las­sen bei ih­rer Kri­tik zum Be­ein­träch­ti­gungs­um­fang zu­dem au­ßer Be­tracht, dass das Qua­li­täts­si­che­rungs­gut­ach­ten noch auf der Grund­la­ge der Pla­nung für die al­te, in­zwi­schen nach Wes­ten ver­scho­be­ne Tras­se ent­lang des Haupt­vor­kom­mens am Stand­ort­übungs­platz Stel­lung nimmt.

63 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger muss­te auch die Grund­da­ten­er­fas­sung von 2005 nicht in vol­lem Um­fang ak­tua­li­siert wer­den. Die Be­schrän­kung der Un­ter­su­chun­gen 2010 auf ein 300 m-Band ent­lang der vor­ge­se­he­nen Tras­se be­geg­net kei­nen Be­den­ken. Die Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten ha­ben fest­ge­stellt, dass im Na­tur­raum seit der Grund­da­ten­er­he­bung die Laich­ge­wäs­ser und Land­schafts­struk­tu­ren weit­ge­hend un­ver­än­dert er­hal­ten sind. Des­halb ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Grö­ße der Po­pu­la­ti­on der Kamm­mol­che und ihr Land­le­bens­raum im FFH-Ge­biet et­wa gleich ge­blie­ben sind. Es er­ga­ben sich kei­ne An­halts­punk­te da­für, dass sich der Schwer­punkt der Kamm­molch­po­pu­la­ti­on vom Stand­ort­übungs­platz in Rich­tung des vor­ge­se­he­nen Tras­sen­ver­laufs ver­la­gert hät­te. Ent­schei­dend ist des­halb die ak­tu­el­le Da­ten­la­ge ent­lang der vor­ge­se­he­nen Tras­se im Hin­blick auf die dort vor­han­de­nen Teil­po­pu­la­tio­nen. Im Tras­sen­be­reich be­fin­den sich au­ßer­halb des FFH-Ge­biets ma­ß­geb­li­che Po­pu­la­tio­nen im Be­reich der Kirsch­brück­he­ge (ca. 475 Tie­re) und des WASAG­Ge­län­des (ca. 105 Tie­re), die durch die Tras­se von den Land­le­bens­räu­men im FFH-Ge­biet ab­ge­schnit­ten wer­den.

64 Die vor­ge­se­he­nen, be­reits im Rah­men der Ver­träg­lich­keits­prü­fung zu be­rück­sich­ti­gen­den, Scha­dens­ver­mei­dungs- und -min­de­rungs­maß­nah­men wer­den ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung des Er­hal­tungs­ziels Kamm­mol­che aus­schlie­ßen. Da­bei nimmt der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nicht nur die in An­spruch ge­nom­me­nen Flä­chen in­ner­halb des FFH-Ge­biets in den Blick, son­dern auch die au­ßer­halb lie­gen­den Flä­chen, die von den Teil­po­pu­la­tio­nen im WA­SAG-Ge­län­de nord­west­lich der Tras­se und an der Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Kirsch­brück­he­ge west­lich der Tras­se ge­nutzt wer­den. Des­halb kann of­fen­blei­ben, ob das FFH-Ge­biet zu­tref­fend ab­ge­grenzt ist. Denn der Sa­che nach geht der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss - vor­sorg­lich - von ei­nem zu­tref­fen­den Ge­biets­um­griff aus, in­dem er die Be­ein­träch­ti­gung ein­schlie­ß­lich der au­ßer­halb des Ge­biets le­ben­den Kamm­molch­vor­kom­men fest­stellt und die­se bei den Scha­dens­ver­mei­dungs- und -min­de­rungs­maß­nah­men be­rück­sich­tigt.

65 Dem Ver­lust von Land­le­bens­raum im Um­fang von ins­ge­samt 11,71 ha (5,16 ha im FFH-Ge­biet Be­reich Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Kirsch­brück­he­ge, 0,8 ha au­ßer­halb; 1,15 ha im FFH-Ge­biet Be­reich WA­SAG-Ge­län­de, 4,60 ha au­ßer­halb) steht die Auf­wer­tung und Ent­wick­lung von Laich­ge­wäs­sern und Land­ha­bi­ta­ten im Um­fang von ca. 23 ha ge­gen­über, die be­reits zum Zeit­punkt der Vor­ha­ben­rea­li­sie­rung wirk­sam sein wer­den. Die­se im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­ge­leg­ten und da­mit vor Zu­grif­fen Drit­ter ge­schütz­ten Maß­nah­men (vgl. da­zu Schluss­an­trä­ge der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Sharpston vom 27. Fe­bru­ar 2014 - Rs. C-521/12, T.C. Bri­els - Rn. 50) er­fol­gen ein­griffs­nah in­ner­halb und au­ßer­halb des Ge­biets, z.T. un­mit­tel­bar an den Laich­ge­wäs­sern, die un­be­rührt blei­ben. Mit den Maß­nah­men im Be­reich der Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Kirsch­brück­he­ge auf ca. 11,8 ha wer­den Win­ter­quar­tie­re ge­schaf­fen und Ha­bi­tat­struk­tu­ren op­ti­miert und Flä­chen auf­ge­wer­tet, auf ei­ner zu ent­wi­ckeln­den Wald­wie­se wer­den drei neue Laich­ge­wäs­ser ge­schaf­fen. Im Be­reich des WA­SAG-Ge­län­des sol­len eben­falls drei Laich­ge­wäs­ser und auf ei­ner Flä­che von 11,4 ha Land­le­bens­raum ent­wi­ckelt wer­den (zu den Ein­zel­hei­ten PFB S. 230 f.). Die Funk­ti­ons­be­zie­hun­gen zum FFH-Ge­biet und da­mit der Gen­aus­tausch mit den dort vor­han­de­nen Teil­po­pu­la­tio­nen wer­den im Be­reich des WA­SAG-Ge­län­des durch re­gel­mä­ßig auf Funk­ti­ons­tüch­tig­keit zu kon­trol­lie­ren­de Am­phi­bi­en­durch­läs­se, die dem MAmS (S. 20) ent­spre­chen, auf­recht­erhal­ten. Schutz- und Leit­ein­rich­tun­gen ver­hin­dern das Ein­drin­gen der Tie­re auf die Tras­se und lei­ten sie zu den Durch­läs­sen. Im Be­reich der Gei­ers­ber­ger Hee­ge/Kirsch­brück­he­ge wird die Zer­schnei­dungs­wir­kung durch ei­ne Tal­brü­cke (BW Nr. 8, lich­te Wei­te 180 m, lich­te Hö­he 11 m) so­wie ei­ne Un­ter­füh­rung (BW Nr. 9, lich­te Wei­te 24 m, lich­te Hö­he 11 m) auf­ge­fan­gen. Be­triebs­be­ding­ten In­di­vi­du­en­ver­lus­ten be­geg­net der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss mit ei­nem zwei Jah­re vor Bau­be­ginn zu er­rich­ten­den Am­phi­bi­en­schutz­zaun, der die Tie­re von der Tras­se ab­hal­ten und in die ge­eig­ne­ten Le­bens­räu­me lei­ten wird. So­weit ein­zel­ne Tie­re den­noch in den Tras­sen­be­reich wan­dern und dann bei der zeit­lich au­ßer­halb der Wan­de­rungs­zei­ten fest­ge­leg­ten Bau­feldräu­mung über­se­hen wer­den soll­ten, hat das auf den Er­hal­tungs­zu­stand und die Sta­bi­li­tät der Po­pu­la­ti­on kei­nen Ein­fluss.

66 Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass die be­trof­fe­nen Flä­chen die Ba­ga­tell­schwel­len der FuE-Kon­ven­ti­on (Lam­brecht und Traut­ner, Fach­in­for­ma­ti­ons­sys­tem und Fach­kon­ven­tio­nen zur Be­stim­mung der Er­heb­lich­keit im Rah­men der FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung, End­be­richt zum Teil Fach­kon­ven­tio­nen, Schluss­stand Ju­ni 2007, Tab. 3 S. 51) über­schrei­ten. Zwar han­delt es sich bei den an­ge­ge­be­nen Wer­ten um Ori­en­tie­rungs­wer­te ei­ner Fach­kon­ven­ti­on, die, wenn­gleich sie kei­ne nor­ma­ti­ve Gel­tung be­an­spru­chen kann, man­gels bes­se­rer Er­kennt­nis­se im Re­gel­fall an­zu­wen­den sein wird (Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2012 - BVer­wG 9 A 17.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 52 Rn. 46 f. <in­so­weit nicht ver­öf­fent­licht in BVer­w­GE 145, 40>). Hier lie­gen je­doch Grün­de vor, die ei­ne Ab­wei­chung recht­fer­ti­gen. Denn die in An­spruch zu neh­men­den Le­bens­raum­be­stand­tei­le wer­den in zeit­li­chem und räum­li­chem Zu­sam­men­hang durch die Auf­wer­tung und Schaf­fung von Land- und Ge­wäs­ser­le­bens­raum in ei­nem mehr als drei­fa­chen Um­fang er­setzt. Den güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand der Kamm­mol­che wird die Flä­chen­in­an­spruch­nah­me nach Über­zeu­gung des Se­nats nicht nach­tei­lig be­ein­flus­sen.

67 bb) Glei­ches gilt für die eben­falls als Er­hal­tungs­ziel ge­schütz­te Bech­stein­fle­der­maus. Zwar kommt es auf ins­ge­samt 4,06 ha Flä­che zu bau-, an­la­ge- und be­triebs­be­ding­ten Aus­wir­kun­gen auf ge­schütz­te al­te struk­tur­rei­che Laub- und Laub­misch­wäl­der mit Höh­len­bäu­men (PFB S. 234). Den fünf Ko­lo­ni­en der Bech­stein­fle­der­maus ste­hen im Ak­ti­ons­raum im FFH-Ge­biet ca. 633,8 ha Ge­samt­ha­bi­tat zur Ver­fü­gung. Der Ver­lust von Ta­ges­quar­tie­ren kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Es wird rand­lich ein Ak­ti­ons­raum der Tie­re im Nor­den und Wes­ten des FFH-Ge­biets von der Tras­se ge­schnit­ten. Be­ein­träch­ti­gun­gen wer­den aber durch Scha­dens­ver­mei­dungs­maß­nah­men ver­hin­dert.

68 So­weit die Klä­ger auch hier ein­wen­den, dass der Da­ten­be­stand über­wie­gend äl­ter als fünf Jah­re und die Ak­tua­li­sie­rung nur sehr kur­so­risch er­folgt sei, so dass kei­ne aus­rei­chen­de Da­ten­grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung der Be­ein­träch­ti­gung vor­ge­le­gen ha­be, greift die Kri­tik nicht durch. Die Ak­tua­li­sie­rung hat­te le­dig­lich den Zweck, die bei frü­he­ren Un­ter­su­chun­gen ge­fun­de­nen Er­geb­nis­se zu ve­ri­fi­zie­ren bzw. Ab­wei­chun­gen fest­zu­stel­len. Da es um Be­ein­träch­ti­gun­gen geht, die durch die Tras­se selbst ver­ur­sacht wer­den, durf­te der Be­klag­te sich bei der Ak­tua­li­sie­rung 2010 auf die Un­ter­su­chun­gen der Funk­ti­ons­räu­me ent­lang der Tras­se be­schrän­ken.

69 Was die Wert­min­de­rung des Le­bens­raums der Bech­stein­fle­der­maus be­trifft, hat der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss den Um­fang der be­las­te­ten Flä­chen zu­tref­fend mit 0,2 ha be­mes­sen. Die Wert­min­de­rung be­zieht sich vor al­lem auf die Be­las­tung durch Lärm in ei­nem Be­las­tungs­band von 25 m ent­lang der Tras­se. Die Stick­stoff­ein­trä­ge las­sen dem­ge­gen­über kei­ne Ab­nah­me des Nah­rungs­an­ge­bots er­war­ten. Die Tie­re er­beu­ten die Nah­rung in der Nä­he der Ge­höl­ze oder le­sen sie von der Blat­t­ober­flä­che ab. Das wird sich auch mit den Stick­stoff­ein­trä­gen nicht ver­än­dern. Die Zer­schnei­dungs­wir­kun­gen der Tras­se wer­den durch Que­rungs­bau­wer­ke auf­ge­fan­gen, dar­un­ter ei­ne Rei­he von Un­ter­füh­rungs­bau­wer­ken, vor al­lem aber im Be­reich der Jo­ßklein ei­ne Tal­brü­cke (BW 6, lich­te Wei­te 350 m und lich­te Hö­he 6 - 11 m; zu den ein­zel­nen als Que­rungs­hil­fen vor­ge­se­he­nen Bau­wer­ken vgl. PFB S. 237 f.). Auf­grund ih­rer Ha­bi­tat­struk­tur kommt der Jo­ßkleinaue ei­ne po­ten­zi­el­le hoch­wer­ti­ge Be­deu­tung als Flug­kor­ri­dor zu, oh­ne dass re­gel­mä­ßi­ge Flug­rou­ten ent­lang der vor­ge­se­he­nen Tras­se ge­fun­den wur­den. Das Ein­flie­gen der Tie­re in die Tras­se wird durch Ir­ri­ta­ti­ons­schutz­wän­de ver­hin­dert, die als Leit­struk­tur zu den Que­rungs­hil­fen füh­ren. Sie sol­len nicht als Über­flug­hil­fe die­nen.

70 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger wur­de auch der Ak­ti­ons­raum in dem für die Ver­träg­lich­keits­prü­fung er­for­der­li­chen Um­fang zu­tref­fend er­fasst. Zwar trifft es zu, dass bei der Da­ten­ak­tua­li­sie­rung im Jah­re 2010 ei­ne an­de­re Be­rech­nung als in der FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung er­folg­te (85 %-Ker­nel statt 95 %-Ker­nel), wo­durch ein klei­ne­res Jagd­ge­biet er­mit­telt wur­de. Der Be­klag­te hat aber nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass die im Jah­re 2010 er­mit­tel­ten Da­ten le­dig­lich zur Er­gän­zung ver­wen­det wur­den. Für die Fra­ge der Be­ein­träch­ti­gung der Bech­stein­fle­der­maus so­wie für die Be­rech­nung der Flä­chen­in­an­spruch­nah­me sei­en al­le es­sen­zi­el­len Ha­bi­ta­te in­ner­halb des Ge­samt­ak­ti­ons­raums und nicht nur die be­trof­fe­nen Jagd­ge­bie­te her­an­ge­zo­gen wor­den.

71 cc) Glei­ches gilt für das Gro­ße Maus­ohr, des­sen Wo­chen­stu­ben ca. 20 km ent­fernt lie­gen. Die Fle­der­maus nutzt das FFH-Ge­biet vor al­lem im Nor­den und Os­ten als Jagd- und Paa­rungs­ge­biet; der Schwer­punkt der Nach­wei­se liegt im Os­ten des Ge­biets au­ßer­halb des Ein­griffs­be­reichs. Von den ma­ß­geb­li­chen Ge­biets­be­stand­tei­len im Um­fang von 1 267,9 ha wer­den durch das Vor­ha­ben ins­ge­samt 8,82 ha un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar durch Aus­wir­kun­gen in An­spruch ge­nom­men. Das al­lein führt nicht zu ei­ner er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gung, weil die Flä­chen im Tras­sen­be­reich im Wes­ten des FFH-Ge­biets im Ver­gleich zum rest­li­chen nicht be­rühr­ten FFH-Ge­biet als Jagd­ge­biet oder Quar­tier­stand­ort nicht be­son­ders be­deu­tend sind (PFB S. 242). Es ist nicht zwei­fel­haft, dass für das Gro­ße Maus­ohr im üb­ri­gen Ge­biet au­ßer­halb des Ein­griffs­be­reichs, in dem der Schwer­punkt des Vor­kom­mens liegt, in aus­rei­chen­der Wei­se Som­mer­quar­tie­re und Jagd­ha­bi­ta­te zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Jagd­struk­tur ent­lang der Jo­ßklein wird durch die Tal­brü­cke er­hal­ten; die ent­lang der Tras­se vor­ge­se­he­nen Ir­ri­ta­ti­ons­schutz­wän­de und Leit­struk­tu­ren wer­den das Ein­flie­gen in die Tras­se ver­hin­dern, zu­mal das Gro­ße Maus­ohr ei­ne nied­rig flie­gen­de Fle­der­maus­art ist.

72 2. Da ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung der ge­nann­ten Le­bens­raum­ty­pen zu er­war­ten steht, darf das Vor­ha­ben ge­mäß § 34 Abs. 3 und 5 BNatSchG nur auf der Grund­la­ge ei­ner Ab­wei­chungs­prü­fung zu­ge­las­sen wer­den. Das Vor­ge­hen des Be­klag­ten ge­nügt den recht­li­chen An­for­de­run­gen. Die zwin­gen­den ver­kehr­li­chen Grün­de über­wie­gen die kon­kre­te Be­ein­träch­ti­gung des FFH-Ge­biets durch das Vor­ha­ben (a), ei­ne zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ve liegt nicht vor (b), die im Hin­blick auf die Be­ein­träch­ti­gung des prio­ri­tä­ren LRT *91E0 er­for­der­li­che Stel­lung­nah­me der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on wur­de ein­ge­holt (c) und die not­wen­di­gen Ko­hä­renz­si­che­rungs­maß­nah­men wur­den im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­ge­setzt (d).

73 a) Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss stützt sich zu Recht auf zwin­gen­de Grün­de des über­wie­gen­den öf­fent­li­chen In­ter­es­ses. Nach­dem die Kom­mis­si­on Stel­lung ge­nom­men hat (vgl. un­ten c), kom­men die Grün­de des § 34 Abs. 3 BNatSchG un­ab­hän­gig von den Grün­den des § 34 Abs. 4 Satz 1 BNatSchG in Be­tracht (vgl. § 34 Abs. 4 Satz 2 BNatSchG und da­zu Ur­tei­le vom 27. Ja­nu­ar 2000 - BVer­wG 4 C 2.99 - BVer­w­GE 110, 302 <312> und vom 17. Ja­nu­ar 2007 - BVer­wG 9 A 20.05 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 26 = BVer­w­GE 128, 1 Rn. 128; Schluss­an­trä­ge der Ge­ne­ral­an­wäl­tin Ko­kott vom 3. Fe­bru­ar 2005 - Rs. C-441/03 - Slg. 2005, I-3043 Rn. 13). Das Schutz­re­gime stuft sei­ne prio­ri­tä­ren Ele­men­te als schutz­be­dürf­ti­ger ein als nicht prio­ri­tä­re (vgl. Ur­teil vom 17. Mai 2002 - BVer­wG 4 A 28.01 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 7 S. 27 = BVer­w­GE 116, 254 <264>). Fol­ge da­von ist, dass „nur ei­ne be­grenz­te Zahl sol­cher zwin­gen­der Grün­de“ un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ge­eig­net er­scheint, ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der prio­ri­tä­ren Le­bens­raum­ty­pen oder Ar­ten zu recht­fer­ti­gen (vgl. Eu­GH, Ur­teil vom 14. April 2005 - Rs. C-441/03 - Slg. 2005, I-3043 Rn. 27). Ge­mein­wohl­be­lan­ge min­de­ren Ge­wichts, die sehr viel­fäl­tig in Er­schei­nung tre­ten kön­nen (z.B. frei­zeit­be­ding­te Be­dürf­nis­se der Be­völ­ke­rung; da­zu Eu­GH, Ur­teil vom 28. Fe­bru­ar 1991 - Rs. C-57/89 - Slg. 1991, I-883 Rn. 22) schei­den da­mit von vorn­her­ein aus. Zwin­gen­de Grün­de des über­wie­gen­den öf­fent­li­chen In­ter­es­ses müs­sen ge­ne­rell zu­min­dest das stren­ge Ge­mein­woh­l­erfor­der­nis des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG er­fül­len (vgl. Ur­teil vom 16. März 2006 - BVer­wG 4 A 1075.04 - BVer­w­GE 125, 116 Rn. 566 zu Art. 16 Abs. 1 Buchst. c) FFH-RL). Um das von Art. 6 Abs. 4 Un­terabs. 2 FFH-RL ge­for­der­te Ni­veau zu er­rei­chen, müs­sen mit dem Vor­ha­ben dar­über hin­aus ähn­lich ge­wich­ti­ge Ge­mein­wohl­be­lan­ge ver­folgt wer­den, wie sie der Richt­li­ni­en­ge­ber in Art. 6 Abs. 4 Un­terabs. 2 FFH-RL als An­wen­dungs­bei­spie­le aus­drück­lich be­nannt hat (Ur­teil vom 17. Ja­nu­ar 2007 a.a.O. Rn. 129; Hös­ch, UPR 2010, 7 <8 ff.>; en­ger wohl Frenz, UPR 2011, 100 <103> und Gü­nes/Fi­sahn, Eu­rUP 2007, 220 <227>).

74 Auf sol­che zwin­gen­den Ge­mein­wohl­be­lan­ge hat der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ab­ge­stellt. Da­hin­ste­hen kann, ob je­der ein­zel­ne Grund für sich ge­nom­men die­se Vor­aus­set­zun­gen er­füllt. Denn je­den­falls stellt die Sum­me der ge­nann­ten Grün­de zwin­gen­de Ge­mein­wohl­be­lan­ge dar. Be­son­de­res Ge­wicht kommt der Plan­recht­fer­ti­gung da­durch zu, dass das Plan­vor­ha­ben ge­setz­lich vor­ge­se­hen ist (Ur­tei­le vom 17. Ja­nu­ar 2007 a.a.O. Rn. 135 und vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 30 = BVer­w­GE 130, 299 Rn. 159) und zum trans­eu­ro­päi­schen Ver­kehrs­netz ge­hört (Ur­tei­le vom 17. Mai 2002 - BVer­wG 4 A 28.01 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 7 S. 33 f. <in­so­weit nicht ver­öf­fent­licht in BVer­w­GE 116, 254> und vom 12. März 2008 a.a.O.). Die A 49 hat ei­ne eu­ro­päi­sche wie auch na­tio­na­le Ver­bin­dungs- und Raumer­schlie­ßungs­funk­ti­on, wie sich aus der Auf­nah­me in den Be­darfs­plan als vor­dring­li­cher Be­darf und in das trans­eu­ro­päi­sche Ver­kehrs­netz (TEN-V) er­gibt. Ent­schei­dend für die recht­li­che Be­ur­tei­lung ist der Zeit­punkt des Er­las­ses des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses (Ur­teil vom 12. Au­gust 2009 - BVer­wG 9 A 64.07 - Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 203 = BVer­w­GE 134, 308 Rn. 52 m.w.N.), in dem das Vor­ha­ben in den Leit­li­ni­en der Uni­on für den Auf­bau ei­nes trans­eu­ro­päi­schen Ver­kehrs­net­zes (Be­schluss 661/2010/EU des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 7. Ju­li 2010, ABl EG Nr. L 204 vom 5. Au­gust 2010 S. 1) als Vor­ha­ben von ge­mein­sa­mem In­ter­es­se ge­mäß Art. 7, An­hang I Nr. 2.5. auf­ge­nom­men war. Des un­ge­ach­tet ge­hört die A 49 auch nach der Än­de­rung der Leit­li­ni­en (Ver­ord­nung <EU> Nr. 1315/2013 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 11. De­zem­ber 2013 über Leit­li­ni­en der Uni­on für den Auf­bau ei­nes trans­eu­ro­päi­schen Ver­kehrs­net­zes und zur Auf­he­bung des Be­schlus­ses Nr. 661/2010/EU, ABl EG Nr. L 348 S. 1) zum Grund­netz als Teil des Ge­samt­net­zes ei­nes trans­eu­ro­päi­schen Ver­kehrs­net­zes.

75 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat der Ent­las­tungs­funk­ti­on der A 49 für die A 7/A 5 ei­ne ho­he Be­deu­tung bei­ge­mes­sen. Da­bei fällt ins Ge­wicht, dass die vor­ge­se­he­ne Tras­se ei­ne deut­lich ge­rin­ge­re Gra­di­en­ten­längs­nei­gung hat und die Stre­cke um 11,5 km ver­kürzt. Au­ßer­dem wird sie die stark be­las­te­te A 5 so­wie das nach­ge­ord­ne­te Netz - un­ter an­de­rem B 3, B 254 und B 62 - ent­las­ten. Der über­re­gio­na­le Schwer­last­ver­kehr soll u.a. von der B 3, die der­zeit nachts in man­chen Orts­durch­fahr­ten ge­sperrt ist, der B 254 und der B 62 auf die A 49 ver­la­gert wer­den. In ei­ner Rei­he von Ort­schaf­ten wer­den Lärm- und Luft­schad­stof­fe ver­min­dert wer­den, ins­be­son­de­re auch in sen­si­blen Be­rei­chen wie am Kli­ni­kum He­phata in Schwalm­stadt. In ein­zel­nen Ort­schaf­ten wird es al­ler­dings in­fol­ge der Um­ori­en­tie­rung von Ver­kehrs­strö­men zu ei­ner Er­hö­hung von Ver­kehrs­lärm und Ab­ga­sen kom­men. Die be­son­ders be­las­te­te B 454 in Stadt­al­len­dorf, die deut­lich mehr Ver­kehr wird auf­neh­men müs­sen, soll auf­grund ei­nes se­pa­ra­ten Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens in ei­ner Tro­g­la­ge ge­führt wer­den, so dass die Lärm­be­las­tung nach dem Aus­bau un­ter den Lärm­wer­ten oh­ne den Aus­bau lie­gen wird. Dar­über hin­aus er­gibt sich ein Si­cher­heits­ge­winn, wenn mehr Ver­kehr auf die Au­to­bahn ver­legt wird. Als ein wei­te­rer zwin­gen­der Grund ist die Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und Leich­tig­keit des Ver­kehrs an­zu­se­hen (vgl. auch Ur­teil vom 12. März 2008 a.a.O. Rn. 160). Der Re­gio­nal­plan Mit­tel­hes­sen sieht die Tras­se zu­dem vor, weil ihr als Ver­bin­dung zwi­schen den Wirt­schafts­räu­men ei­ne be­son­de­re ver­kehr­li­che Be­deu­tung zu­kommt. Sie wird die Re­gi­on bes­ser er­schlie­ßen und sich güns­tig auf die Re­gio­nal­struk­tur aus­wir­ken. Zwar darf ei­ne Au­to­bahn nach der vom Ge­setz­ge­ber in § 1 Abs. 1 FStrG ge­trof­fe­nen Grund­ent­schei­dung grund­sätz­lich nur ge­baut wer­den, wenn für sie ein über­ört­li­cher Ver­kehrs­be­darf be­steht. Ei­ne Bün­de­lung mit an­de­ren - lo­ka­len oder re­gio­na­len - Zie­len ist aber ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger zu­läs­sig (stRspr; vgl. Ur­tei­le vom 17. Mai 2002 - BVer­wG 4 A 28.01 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 7 S. 25 = BVer­w­GE 116, 254 <260 f.> m.w.N, vom 6. No­vem­ber 2013 - BVer­wG 9 A 14.12 - BVer­w­GE 148, 373 Rn. 70 und vom 8. Ja­nu­ar 2014 - BVer­wG 9 A 4.13 - NVwZ 2014, 1008 Rn. 36).

76 Der Be­haup­tung der Klä­ger, das Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis ha­be sich we­sent­lich ge­än­dert, braucht in An­be­tracht des wei­ter­hin vor­han­de­nen Be­darfs nicht wei­ter nach­ge­gan­gen wer­den (vgl. auch Ur­teil vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 Rn. 30 <in­so­weit nicht ver­öf­fent­licht in BVer­w­GE 146, 145>). Wei­ter auf­ge­klärt wer­den müs­sen auch nicht die Ein­wän­de der Klä­ger, das Pro­jekt­dos­sier für die A 49 wei­se zur Ver­kehrs­be­las­tung und der CO2-Ent­las­tung an­de­re Wer­te aus als der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Denn auf das Pro­jekt­dos­sier kommt es für die Recht­mä­ßig­keit des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses nicht an. Es soll die Be­ur­tei­lung und Be­wer­tungs­er­geb­nis­se im Rah­men der Auf­stel­lung des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans dar­stel­len und kann da­mit nur ei­ne recht gro­be Ori­en­tie­rung bie­ten. Die wei­te­re Fra­ge, ob im Er­geb­nis die Tras­se we­gen der Fahr­stre­cken­ver­kür­zung und der ver­rin­ger­ten Gra­di­en­te zu ei­ner CO2-Min­de­rung führt oder ob die­se Vor­tei­le in­fol­ge der Zu­satz­be­las­tun­gen durch den in­du­zier­ten Ver­kehr und die hö­he­re Fahr­ge­schwin­dig­keit un­be­rück­sich­tigt blei­ben müs­sen, kann an­ge­sichts des dar­ge­stell­ten Ge­wichts der oh­ne Zwei­fel vor­lie­gen­den zwin­gen­den Ge­mein­wohl­be­lan­ge of­fen­blei­ben.

77 Hier­von aus­ge­hend ist die Ab­wä­gungs­ent­schei­dung nicht zu be­an­stan­den. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss stellt die öf­fent­li­chen In­ter­es­sen den In­te­gri­täts­in­ter­es­sen des FFH-Ge­biets ge­gen­über. Er be­rück­sich­tigt im Ein­zel­nen die er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen und un­ter­schei­det nach bau- und an­la­ge­be­ding­ten In­an­spruch­nah­men so­wie der Be­las­tung mit vor­ha­ben­be­ding­ten Stick­stoff­de­po­si­tio­nen, die erst all­mäh­lich wirk­sam wer­den. Er ge­wich­tet da­bei den Um­fang des Ein­griffs und des In­te­gri­täts­in­ter­es­ses des Ge­biets und geht da­von aus, dass durch den Ein­griff zwar ein prio­ri­tä­rer Le­bens­raum­typ in An­spruch ge­nom­men wird, aber dar­über hin­aus Aus­wir­kun­gen auf das Netz Na­tu­ra 2000 nicht zu er­war­ten sind und das FFH-Ge­biet über kei­nen her­aus­ra­gen­den Be­stand des LRT *91E0 ver­fügt. Die plan­fest­ge­stell­ten Ko­hä­renz­si­che­rungs­maß­nah­men be­ein­flus­sen das Er­geb­nis die­ser Ab­wä­gung nicht, wie auch der Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­drück­lich klar­ge­stellt hat; denn das öf­fent­li­che In­ter­es­se wiegt für sich ge­nom­men schwe­rer als das In­te­gri­täts­in­ter­es­se. Des­halb kann die Fra­ge, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Ko­hä­renz­maß­nah­men in die Ab­wä­gung ein­flie­ßen dür­fen, of­fen­blei­ben (be­ja­hend Ur­teil vom 9. Ju­li 2009 - BVer­wG 4 C 12.07 - BVer­w­GE 134, 166 Rn. 28; of­fen­ge­las­sen im Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2013 a.a.O. Rn. 71).

78 b) Zu­tref­fend ist der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss da­von aus­ge­gan­gen, dass Al­ter­na­ti­ven im Sin­ne des § 34 Abs. 3 Nr. 2 BNatSchG nicht be­stehen. Mit § 34 Abs. 3 Nr. 2 BNatSchG wird Art. 6 Abs. 4 FFH-RL um­ge­setzt. Der Be­griff der Al­ter­na­ti­ve ist des­halb aus der Funk­ti­on des durch Art. 4 FFH-RL be­grün­de­ten Schutz­re­gimes zu ver­ste­hen. Nur ge­wich­ti­ge na­tur­schutz­ex­ter­ne Grün­de kön­nen es recht­fer­ti­gen, zu­las­ten des In­te­gri­täts­in­ter­es­ses des durch Art. 4 FFH-RL fest­ge­leg­ten ko­hä­ren­ten Sys­tems die Mög­lich­keit ei­ner Al­ter­na­tiv­lö­sung aus­zu­schlie­ßen. Der Vor­ha­ben­trä­ger darf von ei­ner ihm tech­nisch an sich mög­li­chen Al­ter­na­ti­ve erst Ab­stand neh­men, wenn die­se ihm un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Op­fer ab­ver­langt oder an­de­re Ge­mein­wohl­be­lan­ge er­heb­lich be­ein­träch­tigt; hier­zu zäh­len auch Kos­ten­grün­de. Er braucht sich auch nicht auf ei­ne Al­ter­na­tiv­lö­sung ver­wei­sen zu las­sen, wenn die­se auf ein an­de­res Pro­jekt hin­aus­läuft, weil die vom Vor­ha­ben­trä­ger in zu­läs­si­ger Wei­se ver­folg­ten Zie­le nicht mehr ver­wirk­licht wer­den könn­ten, oder auf ei­ne Al­ter­na­ti­ve, bei der sich die na­tur­schutz­recht­li­chen Schutz­vor­schrif­ten als eben­so wirk­sa­me Zu­las­sungs­sper­re er­wei­sen wie an dem von ihm ge­wähl­ten Stand­ort (stRspr; vgl. zu­letzt Ur­tei­le vom 6. No­vem­ber 2012 - BVer­wG 9 A 17.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 52 = BVer­w­GE 145, 40 Rn. 70, vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 105, jew. m.w.N. und vom 6. No­vem­ber 2013 a.a.O. Rn. 74; vgl. zur Al­ter­na­ti­ven­prü­fung auch Eu­GH, Ur­teil vom 26. Ok­to­ber 2006 - Rs. C-239/04, Cas­tro Ver­de - Slg. 2006, I-10183 Rn. 38).

79 Ge­mes­sen hier­an ver­neint der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ei­ne zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ve zu Recht.

80 Die von den Klä­gern be­vor­zug­te so­ge­nann­te „Null-plus-Va­ri­an­te“ - Bau von leis­tungs­fä­hi­gen drei- bis vier­spu­ri­gen Orts­um­ge­hun­gen - stellt kei­ne zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ve mit Ab­stri­chen dar, son­dern ein an­de­res Pro­jekt (vgl. nur Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2012 a.a.O. Rn. 70 m.w.N.). Mit ihr kön­nen die be­ab­sich­tig­ten Ent­las­tungs­ef­fek­te im nach­ge­ord­ne­ten Stra­ßen­netz und vor al­lem die Ent­las­tung der A 7/A 5 nicht er­reicht wer­den.

81 Die be­reits im Raum­ord­nungs­ver­fah­ren aus­ge­schie­de­ne Mar­burg-Va­ri­an­te muss­te nicht ge­wählt wer­den, weil der B 3-Kor­ri­dor, in dem die­se Va­ri­an­te liegt, nicht zu den ge­wünsch­ten Ent­las­tun­gen der A 7/A 5 und im nach­ge­ord­ne­ten Stra­ßen­netz füh­ren wür­de. Der An­schluss über den Gie­ße­ner Ring (A 480) und dann über das Reis­kir­che­ner Drei­eck oder über die A 485/A 45 wür­de erst an der An­schluss­stel­le Gam­ba­cher Kreuz an die A 5 an­bin­den, was zu ei­ner ver­län­ger­ten Fahr­stre­cke füh­ren und die Fahr­zeit von Kas­sel nach Frank­furt am Main nicht ver­kür­zen wür­de. Für die Kirch­hain-Va­ri­an­te gilt ähn­li­ches.

82 Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat auch zu Recht die Va­ri­an­ten Maul­bach, Kat­zen­berg und Blaue Ecke aus­ge­schie­den. Zwar er­wähnt er, dass der vor­her­ge­hen­de Ab­schnitt der VKE 30 ei­nen Zwangs­punkt für die Al­ter­na­ti­ven­prü­fung dar­stel­le, je­doch bleibt die­ser Hin­weis fol­gen­los. Zwangs­punk­te er­zeu­gen kei­ne strik­ten Bin­dun­gen in dem Sin­ne, dass sie in die wei­te­re Pla­nung als fes­te De­ter­mi­nan­ten ein­zu­stel­len sind. Auch wenn sie ten­den­zi­ell des­to stär­ker zu Bu­che schla­gen mö­gen, je wei­ter sich die Pla­nung von Ab­schnitt zu Ab­schnitt ver­fes­tigt, be­hal­ten sie die Qua­li­tät ei­nes im We­ge der Ab­wä­gung über­wind­ba­ren Be­langs und muss die Pla­nung in je­dem Sta­di­um dem Ein­wand stand­hal­ten, ei­nem an­de­ren Lö­sungs­kon­zept un­ter­le­gen zu sein (Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar 2012 - BVer­wG 9 A 6.10 - Buch­holz 310 § 42 Abs. 2 Vw­GO Nr. 34 Rn. 23; Be­schlüs­se vom 2. No­vem­ber 1992 - BVer­wG 4 B 205.92 - NVwZ 1993, 887 <888 f.>, vom 10. No­vem­ber 2000 - BVer­wG 4 B 47.00 - NVwZ 2001, 800 <800 f.> und vom 14. Ju­li 2005 - BVer­wG 9 VR 23.04 - ju­ris Rn. 6). Zeigt sich in ei­nem nach­fol­gen­den Ab­schnitt, dass das mit der ge­wähl­ten Pla­nungs­kon­zep­ti­on ver­folg­te Ziel der Ge­samt­pro­blem­be­wäl­ti­gung ver­fehlt wird, so steht der Auf­he­bung des kon­kret an­ge­foch­te­nen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses nicht die Be­stands­kraft der für die vor­an­ge­gan­ge­nen Ab­schnit­te er­las­se­nen Pla­nungs­ent­schei­dun­gen ent­ge­gen.

83 Den An­for­de­run­gen an die selbst­stän­di­ge Prü­fung des hier in Re­de ste­hen­den Ab­schnit­tes VKE 40, nach de­nen auch in die­sem Ab­schnitt zu un­ter­su­chen ist, ob aus Grün­den des FFH-Ge­biets­schut­zes ei­ne an­de­re als die Plan­fest­stel­lungs­va­ri­an­te hät­te ge­wählt wer­den müs­sen, ist ge­nügt. Die Va­ri­an­ten­prü­fung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses zur VKE 30 (dort S. 323) wur­de un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ein­wen­dun­gen und Stel­lung­nah­men noch­mals über­prüft, oh­ne dass sich neue bzw. an­de­re Er­geb­nis­se er­ge­ben hät­ten. Im Üb­ri­gen wur­de, noch be­vor der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für die VKE 30 er­las­sen wur­de, 2006 ei­ne Dach-Ver­träg­lich­keits­prü­fung vor­ge­nom­men, bei der die Be­ein­träch­ti­gung des hier in Re­de ste­hen­den FFH-Ge­biets im Ab­schnitt der VKE 40 mit ein­be­zo­gen und be­wer­tet wur­de.

84 Im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ist über­zeu­gend dar­ge­legt wor­den, dass die Va­ri­an­ten Blaue Ecke und Kat­zen­berg, die öst­lich um das FFH-Ge­biet „Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ ver­lau­fen, aus­zu­schei­den sind, weil sie nur ge­rin­ge Raum­struk­tur­ef­fek­te und we­nig ver­kehr­li­che Wir­kung auf­wei­sen. Ins­be­son­de­re die mit dem Vor­ha­ben be­ab­sich­tig­te deut­li­che Ent­las­tung der A 7/A 5 wür­de, weil die­se Tras­sen zu weit im Os­ten ge­führt wür­den, nur un­zu­läng­lich er­reicht. In der Fol­ge wä­re auch die Ent­las­tungs­wir­kung im nach­ge­ord­ne­ten Netz und den Ort­schaf­ten ge­rin­ger. Zu­dem könn­te die re­gio­na­le Wirt­schafts­struk­tur nicht ver­bes­sert und die Re­gi­on nur un­zu­rei­chend er­schlos­sen wer­den; auch wür­de die di­rek­te An­bin­dung des In­dus­trie­ge­biets von Stadt­al­len­dorf mit 13 600 Ar­beits­plät­zen über die L 3290 zur An­schluss­stel­le ver­fehlt. Dar­über hin­aus ist der Kor­ri­dor auch nicht im Hin­blick auf FFH- und Um­welt­ver­träg­lich­keit kon­flik­t­arm. Hier ist eben­falls ei­ne er­heb­li­che Be­ein­träch­ti­gung von FFH-Ge­bie­ten („Her­ren­wald öst­lich Stadt­al­len­dorf“ durch die Va­ri­an­te Blaue Ecke und „Wäl­der nörd­lich Oh­mes“ durch die Va­ri­an­te Kat­zen­berg) zu be­fürch­ten, wenn auch in ei­nem ge­rin­ge­ren Um­fang als bei der Plan­va­ri­an­te.

85 Die - von den Klä­gern nach dem Er­geb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht mehr fa­vo­ri­sier­te - Maul­bach-Va­ri­an­te wür­de ins­be­son­de­re den prio­ri­tä­ren LRT *91E0 in­ner­halb des FFH-Ge­biets „Brü­ck­er­wald und Hu­ß­ge­weid“ vor­aus­sicht­lich er­heb­lich be­ein­träch­ti­gen. Ei­ne Tun­nel­füh­rung mit Mehr­kos­ten von 100 Mil­lio­nen € er­scheint un­ver­hält­nis­mä­ßig und schlie­ßt die Be­ein­träch­ti­gung ge­schütz­ter Le­bens­raum­ty­pen gleich­wohl nicht aus. Au­ßer­dem ist bei ei­ner Tun­nel­füh­rung ei­ne Ver­än­de­rung der Trink- und Brauch­was­ser­nut­zung zu be­fürch­ten.

86 Zu Recht hält der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss die von den Klä­gern ein­ge­brach­ten klein­räu­mi­gen so­ge­nann­ten M-Va­ri­an­ten nicht für vor­zugs­wür­dig. Im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren wur­den die Va­ri­an­ten im Ein­zel­nen un­ter­sucht und im FFH-Al­ter­na­ti­ven­ver­gleich 2009 er­neut ein­an­der ge­gen­über­ge­stellt. Bei al­len Va­ri­an­ten wird der LRT *91E0 er­heb­lich be­ein­träch­tigt, weil die Jo­ßkleinaue mit ei­ner Brü­cke über­spannt wird und dar­über hin­aus Stick­stoff­ein­trä­ge zu er­war­ten sind. Die an­de­ren Le­bens­raum­ty­pen wer­den bei den an­de­ren Va­ri­an­ten eben­falls be­ein­träch­tigt, wenn auch in ei­nem un­ter­schied­li­chen Maß. Ins­be­son­de­re die von den Klä­gern fa­vo­ri­sier­te Va­ri­an­te M1­neu ist zwar in Be­zug auf die Stick­stoff­ein­trä­ge bes­ser be­wer­tet als die Plan­tras­se, weil sie im Be­reich der Kirsch­brück­he­ge nach Wes­ten ab­schwenkt und frü­her das FFH-Ge­biet ver­lässt, da­für rückt sie aber nä­her an die Wohn­be­bau­ung her­an. Die Plan­fest­stel­lungs­tras­se ver­läuft deut­lich wei­ter ent­fernt vom Sied­lungs­be­reich. Es ist nicht zu be­an­stan­den, dass der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss (S. 268 ff.) die bei der Va­ri­an­te M1­neu für die Ort­schaft Nie­der­klein und die sied­lungs­na­hen Frei­räu­me mit ih­rer Er­ho­lungs­funk­ti­on für die Be­völ­ke­rung ent­ste­hen­de Lärm­be­las­tung als na­tur­schutz­ex­ter­nen Grund stär­ker ge­wich­tet als die bei der Plan­va­ri­an­te M4­neu um­fang­rei­che­ren Be­ein­träch­ti­gun­gen der ge­schütz­ten Le­bens­raum­ty­pen. Die zu­letzt ge­nann­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen sind nicht so schwer­wie­gend, dass die be­trof­fe­nen Men­schen die dau­er­haf­te Lärm­mehr­be­las­tung hin­zu­neh­men hät­ten (zum Maß­stab vgl. Ur­tei­le vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 30 = BVer­w­GE 130, 299 Rn. 240 und vom 14. April 2010 - BVer­wG 9 A 5.08 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 45 = BVer­w­GE 136, 291 Rn. 137).

87 c) Die nach § 34 Abs. 4 Satz 2 BNatSchG er­for­der­li­che Stel­lung­nah­me der EU-Kom­mis­si­on we­gen der Be­ein­träch­ti­gung ei­nes prio­ri­tä­ren Le­bens­raum­typs hat der Be­klag­te ein­ge­holt. De­ren Rich­tig­keit hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf die Kri­tik der Klä­ger, der Be­klag­te ha­be die Kom­mis­si­on un­zu­rei­chend und teil­wei­se feh­ler­haft un­ter­rich­tet, nicht zu über­prü­fen. Ge­gen­stand des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ist der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss und nicht die Stel­lung­nah­me der Kom­mis­si­on, die im Üb­ri­gen die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de nicht bin­det. Für den Streit­ge­gen­stand des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens könn­ten In­for­ma­ti­ons­de­fi­zi­te der Kom­mis­si­on al­len­falls dann er­heb­lich sein, wenn ei­ne im Er­geb­nis ab­wei­chen­de Stel­lung­nah­me und ei­ne dem­zu­fol­ge ab­wei­chen­de Pla­nungs­ent­schei­dung ernst­haft in Be­tracht ge­kom­men wä­re. Der Se­nat braucht den Ein­zel­hei­ten hier aber nicht nach­zu­ge­hen. Un­ter den hier ge­ge­be­nen Um­stän­den ist ent­schei­dend, dass die Kom­mis­si­on von drit­ter Sei­te auf an­geb­li­che De­fi­zi­te um­fas­send hin­ge­wie­sen wor­den war, aber - ab­ge­se­hen von ei­ner punk­tu­el­len Selbst­kor­rek­tur - von sich aus kei­nen An­lass ge­se­hen hat, die­sen Be­den­ken nach­zu­ge­hen und ih­re Ein­schät­zung zu än­dern.

88 d) Die nach § 34 Abs. 5 BNatSchG er­for­der­li­chen Ko­hä­renz­si­che­rungs­maß­nah­men hat der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­ge­setzt und sie auf die ge­nau iden­ti­fi­zier­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen des FFH-Ge­biets be­zo­gen (vgl. da­zu Eu­GH, Ur­tei­le vom 20. Sep­tem­ber 2007 - Rs. C-304/05 - Slg. 2007, I-7495 Rn. 83 und vom 24. No­vem­ber 2011 - Rs. C-404/09 - NuR 2012, 42 Rn. 109). Der Be­ein­träch­ti­gung des LRT *91E0 im Um­fang von 2,75 ha stellt er weit­ge­hend in fünf bis zehn Jah­ren wirk­sa­me Ko­hä­renz­maß­nah­men im Um­fang von 13,93 ha ge­gen­über. Im Kern soll die Jo­ßklein re­na­tu­riert und in den Au­en der Jo­ßklein und der Klein die Struk­tur ver­bes­sert wer­den, um die Ent­wick­lung von Er­len-Eschen-Au­en­wäl­dern des LRT *91E0 zu för­dern. Die Ko­hä­renz­flä­chen in der Kleinaue sind et­wa zur Hälf­te Be­stand­teil des FFH-Ge­biets „Brü­ck­er­wald und Hu­ß­ge­weid“, die an­de­re Hälf­te be­fin­det sich di­rekt an­gren­zend an das FFH-Ge­biet und soll in das Na­tu­ra 2000-Ge­biet ein­ge­glie­dert wer­den. Der LRT 9110 wird mit 26,37 ha in An­spruch ge­nom­men und wird mit 65,28 ha Maß­nah­men kom­pen­siert, die mit 30,87 ha auf Wind­wurf­flä­chen so­fort wirk­sam wer­den. Der Be­ein­träch­ti­gung des LRT 9160 im Um­fang von 0,36 ha ste­hen 1,79 ha Ko­hä­renz­maß­nah­men ge­gen­über. Für den LRT 9130 sind bei Be­ein­träch­ti­gun­gen von 0,93 ha 1,94 ha Ko­hä­renz­maß­nah­men fest­ge­setzt, und bei dem LRT 6510, ei­ner iso­lier­ten Wald­wie­se von 0,06 ha, die in­fol­ge der Ko­hä­renz­maß­nah­men für den LRT *91E0 nicht mehr exis­tie­ren wird, ist die Ent­wick­lung ei­ner sol­chen Wie­se im Um­fang von 0,70 ha vor­ge­se­hen. Die In­an­spruch­nah­me des LRT 6510 lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger nicht ver­mei­den, weil durch die Re­na­tu­rie­rung der Jo­ßklein die Wie­se über­schwemmt wird und da­durch ih­re Exis­tenz­be­din­gun­gen ver­liert. Ins Ge­wicht fällt zu­dem, dass die Wie­se an die­ser Stel­le oh­ne­dies nur noch in ei­nem schlech­ten Er­hal­tungs­zu­stand („C“) aus­ge­prägt ist und in weit grö­ße­rem Um­fang an an­de­rer Stel­le in der Nä­he des dort be­reits vor­han­de­nen Le­bens­raum­typs ent­wi­ckelt wird. Der Kri­tik der Klä­ger an der Ge­eig­net­heit der Ko­hä­renz­maß­nah­men an der To­den­müh­le ist der Be­klag­te be­reits im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss über­zeu­gend be­geg­net (S. 280); dem ha­ben die Klä­ger im Ge­richts­ver­fah­ren nichts Neu­es ent­ge­gen­ge­setzt.

89 II. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ver­stö­ßt auch nicht ge­gen Re­ge­lun­gen des Ar­ten­schut­zes. Er hat un­ter Be­rück­sich­ti­gung der land­schafts­pfle­ge­ri­schen Be­gleit- und Ver­mei­dungs­maß­nah­men al­le er­for­der­li­chen Re­ge­lun­gen ge­trof­fen, da­mit durch das Vor­ha­ben kei­ne ar­ten­schutz­recht­li­chen Ver­bots­tat­be­stän­de er­füllt wer­den.

90 Bei der Be­stand­s­er­fas­sung und der Be­ur­tei­lung, ob ar­ten­schutz­recht­li­che Ver­bots­tat­be­stän­de er­füllt sind, steht der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de ei­ne na­tur­schutz­fach­li­che Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve zu, na­ment­lich bei der Quan­ti­fi­zie­rung mög­li­cher Be­trof­fen­hei­ten und bei der Be­ur­tei­lung ih­rer po­pu­la­ti­ons­be­zo­ge­nen Wir­kun­gen. Die ge­richt­li­che Kon­trol­le ist dar­auf be­schränkt, ob die Ein­schät­zun­gen der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de im kon­kre­ten Ein­zel­fall na­tur­schutz­fach­lich ver­tret­bar sind und nicht auf ei­nem un­zu­läng­li­chen oder gar un­ge­eig­ne­ten Be­wer­tungs­ver­fah­ren be­ru­hen (stRspr; vgl. nur Ur­tei­le vom 9. Ju­li 2008 - BVer­wG 9 A 14.07 - Buch­holz 406.400 § 42 BNatSchG 2002 Nr. 6 = BVer­w­GE 131, 274 Rn. 65, vom 6. No­vem­ber 2012 - BVer­wG 9 A 17.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 52 = BVer­w­GE 145, 40 Rn. 100 und vom 28. März 2013 - BVer­wG 9 A 22.11 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 53 = BVer­w­GE 146, 145 Rn. 114; Ur­teil vom 21. No­vem­ber 2013 - BVer­wG 7 C 40.11 - NVwZ 2014, 524 Rn. 14 ff. zum Streit­stand mit ein­ge­hen­der Be­grün­dung; a.A. Gas­sner, DVBl 2012, 1479).

91 1. Die Klä­ger kön­nen mit ih­rer Kri­tik an ei­ner feh­ler­haf­ten Be­stands­er­mitt­lung we­gen ei­ner zu al­ten Da­ten­grund­la­ge nicht durch­drin­gen. Für die Un­ter­su­chun­gen zum Ar­ten­schutz gilt Glei­ches wie für die Un­ter­su­chun­gen zum FFH-Ge­biets­schutz (vgl. oben C.I.1.c). Auch hier ha­ben sich im Un­ter­su­chungs­ge­biet im Ver­gleich zu den frü­he­ren Er­fas­sun­gen kei­ne we­sent­li­chen Ver­än­de­run­gen der Bio­top- und Ha­bi­tat­struk­tur er­ge­ben. So­weit die Klä­ger die feh­len­de Er­fas­sung der Amei­sen und xy­lo­bion­ten Bock­kä­fer rü­gen, hat der Be­klag­te über­zeu­gend dar­ge­legt, dass die­se Kä­fer über­haupt nicht vor­kom­men und die Amei­sen nur im Hin­blick auf den Dunk­len Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling re­le­vant sein könn­ten. Au­ßer­halb des FFH-Ge­biets sei­en al­le Be­rei­che mit Vor­kom­men die­ser Art in die Er­fas­sung mit auf­ge­nom­men wor­den.

92 2. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss geht nach­voll­zieh­bar da­von aus, dass grund­sätz­lich für al­le Fle­der­mäu­se kei­ner der Tat­be­stän­de des § 44 Abs. 1 BNatSchG er­füllt ist. Er be­grün­det über­zeu­gend, dass das Tö­tungs­ri­si­ko wäh­rend der Bau­feld­frei­ma­chung durch die Bau­zei­ten­re­ge­lung (1. No­vem­ber bis 28. Fe­bru­ar) we­sent­lich ver­min­dert ist. Gleich­wohl schlie­ßt der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss die Er­fül­lung des Tö­tungs­tat­be­stan­des nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG nicht aus, so­weit im Rah­men der Bau­feldräu­mung bei der Über­prü­fung der Baum­höh­len auf win­ter­schla­fen­de Fle­der­mäu­se ei­ne Höh­le über­se­hen wer­de und es in­so­weit zu ei­ner Tö­tung von Ein­zel­tie­ren kom­men könn­te (PFB S. 331). Dar­über hin­aus er­fol­ge beim Um­set­zen der Tie­re ein vor­über­ge­hen­der Fang/ei­ne vor­über­ge­hen­de Ent­nah­me der Tie­re aus der Na­tur. Im Hin­blick auf die in der Recht­spre­chung noch nicht ge­klär­te Fra­ge, ob in­so­weit ein § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG un­ter­fal­len­des Fang­ver­bot an­zu­neh­men ist (vgl. Ur­tei­le vom 14. Ju­li 2011 - BVer­wG 9 A 12.10 - Buch­holz 406.400 § 61 BNatSchG 2002 Nr. 13 = BVer­w­GE 140, 149 Rn. 130 und vom 6. No­vem­ber 2013 - BVer­wG 9 A 14.12 - BVer­w­GE 148, 373 Rn. 117), nimmt der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss aber vor­sorg­lich den Ein­tritt des Ver­bots­tat­be­stan­des an. Für bei­de Fäl­le wird für al­le in Be­tracht kom­men­den Fle­der­maus­ar­ten ei­ne Aus­nah­me er­teilt.

93 Im Üb­ri­gen wer­den zum Schutz der Tie­re Zäu­ne in den Wald­be­rei­chen er­rich­tet und die Tras­se mit ei­ner Ir­ri­ta­ti­ons­schutz­wand ver­se­hen, die als Leit­ein­rich­tung zu den Que­rungs­hil­fen führt. Da­durch wird das tras­sen­be­ding­te Kol­li­si­ons­ri­si­ko auf ein nicht si­gni­fi­kan­tes Maß ge­min­dert. Das gilt ins­be­son­de­re für die struk­tur­ge­bun­den nied­rig flie­gen­den Ar­ten wie das Brau­ne Lang­ohr. Ei­ne das Ab­sin­ken der Fle­der­mäu­se wäh­rend des Über­flugs über die Tras­se ab­seits der Que­rungs­hil­fen zur Nah­rungs­su­che ver­hin­dern­de Mit­tel­wand, wie sie die Klä­ger for­dern, birgt für die Tie­re we­gen der mit ihr ver­bun­de­nen Fal­len­wir­kung mehr Scha­den als Nut­zen und muss­te des­halb nicht ge­plant wer­den. Das hat der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend er­läu­tert. Ne­ben den Que­rungs­hil­fen im FFH-Ge­biet sind wei­te­re au­ßer­halb des Ge­biets, ins­be­son­de­re im Dan­nen­rö­der Forst, vor­ge­se­hen.

94 Un­ter Be­rück­sich­ti­gung des­sen gilt für die ein­zel­nen Fle­der­maus­ar­ten Fol­gen­des:

95 a) Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss geht zu Recht von ei­ner 14 Tie­re um­fas­sen­den Ko­lo­nie von Brau­nen Lang­oh­ren im Dan­nen­rö­der Forst aus. Ei­ne Ko­lo­nie im Wut­holz konn­te 2010 bei der Be­stand­s­er­fas­sung nicht mehr be­stä­tigt wer­den. Wie der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend er­läu­tert hat, er­bringt al­lein der Fang ei­nes Tie­res zwi­schen den Bau­wer­ken 12 und 13 kei­nen Hin­weis auf ei­ne wei­te­re Ko­lo­nie. Viel­mehr lie­ge die Ent­fer­nung des er­mit­tel­ten Quar­tier­bau­mes in­ner­halb der in ei­ner Ko­lo­nie üb­li­chen Di­stan­zen. Das ha­ben die Klä­ger nicht wi­der­legt.

96 Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten i.S.v. § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG wer­den be­schä­digt bzw. zer­stört, weil bau­be­dingt Quar­tier­bäu­me in An­spruch ge­nom­men wer­den. Je­doch wird die öko­lo­gi­sche Funk­ti­on der Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten im räum­li­chen Zu­sam­men­hang ge­wahrt, § 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG. Im na­hen Um­feld wer­den 50 Baum­höh­len­quar­tie­re ge­schaf­fen. Mo­ni­to­ring­maß­nah­men zur Über­prü­fung des Be­sied­lungs­er­folgs sind vor­ge­se­hen (PFB S. 397). Nach Ein­schät­zung der be­hörd­li­chen Gut­ach­ter nimmt das Brau­ne Lang­ohr künst­li­che und neu ge­schaf­fe­ne Quar­tie­re gut und sehr schnell an. Dem ha­ben die Klä­ger nicht wi­der­spro­chen. Dar­über hin­aus wer­den na­tur­na­he Ei­chen- bzw. Bu­chen­wäl­der ent­wi­ckelt und es wird in gro­ßem Um­fang (ca. 27 ha) ein Nut­zungs­ver­zicht und da­mit auch die Si­che­rung der al­ten Baum­be­stän­de im Quar­tier­be­reich er­fol­gen, wo­durch die vor­han­de­ne Le­bens­raum­qua­li­tät ver­bes­sert wird.

97 Die Plan­tras­se er­füllt den Stö­rungs­tat­be­stand (§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG) da­durch, dass die beid­seits der Tras­se lie­gen­den Funk­ti­ons­räu­me der Art zer­schnit­ten wer­den. Die Stö­rung wird je­doch durch ver­schie­de­ne Que­rungs­hil­fen we­sent­lich ge­mil­dert. Vor­ge­se­hen ist ei­ne 30 m brei­te Grün­brü­cke im Be­reich des Quar­tier­zen­trums (BW 14), die die Vor­ga­ben des Merk­blat­tes zur An­la­ge von Que­rungs­hil­fen für Tie­re und zur Ver­net­zung von Le­bens­räu­men an Stra­ßen, Fas­sung 2008 - MAQ - (S. 43 - 46) über­trifft. Sie liegt an ei­ner Stel­le mit tie­fer Ein­schnitts­la­ge, die das ge­fahr­lo­se Que­ren der Tras­se be­güns­tigt. Im Wald wer­den Schnei­sen ge­schaf­fen, die zur Grün­brü­cke füh­ren. Die Bau­wer­ke 12 und 13 nörd­lich der Grün­brü­cke wer­den als Fle­der­maus­he­cken­brü­cke aus­ge­stal­tet mit He­cken nicht un­ter 4 m Hö­he. Die Ver­schlech­te­rung des Er­hal­tungs­zu­stands der Ko­lo­nie der Brau­nen Lang­oh­ren ist da­nach nicht zu be­fürch­ten.

98 b) Zu Un­recht rü­gen die Klä­ger ei­ne Be­ein­träch­ti­gung der Bech­stein­fle­der­maus im Dan­nen­rö­der Forst. Nach den Un­ter­su­chun­gen des Be­klag­ten ge­hört auch das im Dan­nen­rö­der Forst nach­ge­wie­se­ne Männ­chen mit ei­nem Weib­chen zur Ko­lo­nie Kir­chen­seif. Ei­ne wei­te­re Ko­lo­nie in Tras­sen­nä­he au­ßer­halb des FFH-Ge­biets gibt es nicht.

99 c) Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten i.S.v. § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG der Gro­ßen Bart­fle­der­maus wer­den nicht be­ein­träch­tigt. Die Wo­chen­stu­be die­ser Art ist mehr als 1 km von der Tras­se ent­fernt in der Spal­te ei­ner Flach­dach­um­ran­dung ei­nes Was­ser­hoch­be­häl­ters im Wald bei Nie­der­klein ge­fun­den wor­den. Die In­an­spruch­nah­me ak­tu­ell be­setz­ter Ru­he­stät­ten wird durch die Re­ge­lung der Bau­feld­frei­ma­chung ver­mie­den. Im Üb­ri­gen gibt es in aus­rei­chen­dem Um­fang Quar­tier­an­ge­bo­te für die Art, die ih­re Zwi­schen­quar­tie­re häu­fig wech­selt und sons­ti­ge Spal­ten­quar­tie­re, auch an Ge­bäu­den, nutzt. In den an­gren­zen­den Wald­be­rei­chen ist ein aus­rei­chen­des Höh­len­po­ten­zi­al vor­han­den. Die öko­lo­gi­sche Funk­ti­on et­wai­ger po­ten­zi­ell be­trof­fe­ner Ru­he­stät­ten bleibt auch bei ei­ner Ver­bund­nut­zung im räum­li­chen Zu­sam­men­hang ge­wahrt (§ 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG).

100 Ei­ne Stö­rung der Art (§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG) ist kaum zu be­fürch­ten. Zwar sind bau- und be­triebs­be­ding­te Stö­run­gen ein­zel­ner In­di­vi­du­en nicht aus­ge­schlos­sen. Au­ßer­dem wird der Le­bens­raum der struk­tur­ge­bun­den flie­gen­den Art zer­schnit­ten. Die Stö­run­gen er­fol­gen je­doch nicht im Ak­ti­ons­raum der nach­ge­wie­se­nen Wo­chen­stu­ben­ko­lo­nie, so dass im Vor­ha­bens­be­reich grund­sätz­lich ei­ne ge­rin­ge Emp­find­lich­keit ge­gen­über dem Bau und be­triebs­be­ding­ten Stö­run­gen be­steht. Im Üb­ri­gen kom­men die oben be­schrie­be­nen Schutz­maß­nah­men auch die­ser Art zu­gu­te. Ei­ne Ver­schlech­te­rung des Er­hal­tungs­zu­stan­des ist nicht zu be­fürch­ten.

101 d) Glei­ches gilt für die wei­te­ren Ar­ten Fran­sen­fle­der­maus, Gro­ßes Maus­ohr, Rau­haut­fle­der­maus, Was­ser­fle­der­maus und Breit­flü­gel­f­le­der­maus. Bei al­len Ar­ten ist auf­grund der an­gren­zen­den Wald­be­stän­de, die ein aus­rei­chen­des Höh­len­po­ten­zi­al auf­wei­sen, bei In­an­spruch­nah­men von Quar­tier­bäu­men (§ 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG) der öko­lo­gi­sche Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang i.S.v. § 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG ge­wahrt; denn die Quar­tier­bäu­me wer­den, weil sich bei kei­ner der Ar­ten Wo­chen­stu­ben in un­mit­tel­ba­rer Tras­sen­nä­he be­fin­den, weit­ge­hend nur als Zwi­schen­quar­tier ge­nutzt. Die Rau­haut­fle­der­maus ist ge­gen­über den Tras­sen­ein­wir­kun­gen we­nig emp­find­lich, weil sie hoch fliegt und im Pla­nungs­raum nur durch­zieht. Re­gel­mä­ßi­ge Flug­rou­ten wur­den nicht ge­fun­den. Wo­chen­stu­ben der Was­ser­fle­der­maus sind im Ein­griffs­be­reich nicht fest­ge­stellt wor­den. Ein gra­vi­des Weib­chen wur­de - an­ders als im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss dar­ge­stellt (dort S. 338) - in ei­ner Ent­fer­nung von 1000 m von der Tras­se ge­fan­gen (Ar­ten­schutz­bei­trag 5. April 2012 S. 96). So­weit über­haupt da­von aus­zu­ge­hen ist, dass tras­sen­nah Quar­tie­re ge­nutzt wer­den, han­delt es sich um Zwi­schen­quar­tie­re, für die es im Um­feld der Tras­se hin­rei­chen­de Aus­weich­mög­lich­kei­ten gibt, zu­mal die Art kei­ne ho­hen Qua­li­täts­an­for­de­run­gen an die Quar­tie­re stellt. Der güns­ti­ge Er­hal­tungs­zu­stand der Art wird sich nicht ver­schlech­tern. Ent­spre­chen­des gilt für die Breit­flü­gel­f­le­der­maus. Für sie muss­te ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger nicht ei­ne flä­chen­de­cken­de Kar­tie­rung al­ler Zwi­schen­quar­tie­re er­fol­gen, weil hier flä­chen­de­ckend al­le Männ­chen hät­ten ge­fan­gen wer­den müs­sen. Das wä­re un­ver­hält­nis­mä­ßig ge­we­sen. Die Be­trof­fen­heit von Wo­chen­stu­ben­quar­tie­ren konn­te schon des­halb aus­ge­schlos­sen wer­den, weil sich die­se nur in Ge­bäu­den be­fin­den (Ar­ten­schutz­bei­trag 5. April 2012 S. 49). Für das Graue Lang­ohr lie­gen im Un­ter­su­chungs­raum kei­ne Nach­wei­se vor.

102 3. Die Klä­ger ver­mis­sen für die Ar­ten der Avi­f­au­na vor al­lem die Durch­füh­rung ei­nes Aus­nah­me­ver­fah­rens, weil die Ver­bots­tat­be­stän­de des § 44 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 BNatSchG er­füllt sei­en. In­so­weit ge­hen sie aber von un­zu­tref­fen­den Vor­aus­set­zun­gen aus. Ein Aus­nah­me­ver­fah­ren nach § 45 Abs. 7 BNatSchG ist für kei­ne Vo­gel­art er­for­der­lich. Die den Ver­bots­tat­be­stand des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG er­fül­len­de Kol­li­si­ons­ge­fahr wird durch­weg durch Schutz­maß­nah­men wie Ir­ri­ta­ti­ons­schutz­wän­de mit Lärm­schutz­funk­ti­on und Wild­schutz­zäu­ne in den Wald­be­rei­chen, die das Ein­flie­gen in die Tras­se ver­hin­dern sol­len, auf ein nicht mehr er­heb­li­ches Maß ge­senkt.

103 a) Ei­ne Be­schä­di­gung bzw. Zer­stö­rung der Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten des Grau­spechts (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG), die die Klä­ger oh­ne nä­he­re Dar­le­gung be­haup­ten, ist nicht an­zu­neh­men, weil nach den Un­ter­su­chun­gen im di­rek­ten Tras­sen­be­reich kei­ne Re­vie­re des Grau­spechts nach­ge­wie­sen wor­den sind. In­ner­halb des 500 m-Ban­des ent­lang der Tras­se sind sechs Re­vie­re der Art nach­ge­wie­sen wor­den. Lärm­be­dingt wer­den ein Re­vier mit 40 % und vier Re­vie­re mit je­weils 20 % Ha­bi­tat­eig­nungs­ab­nah­me be­trof­fen. Die da­durch be­wirk­ten Ver­lus­te, die den Stö­rungs­tat­be­stand ver­wirk­li­chen (§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG), kön­nen durch Ver­mei­dungs­maß­nah­men - Nut­zungs­ver­zicht in Be­zug auf Al­tei­chen im be­trof­fe­nen Raum so­wie Ent­wick­lung na­tur­na­her Ei­chen­wäl­der bzw. Bu­chen­wäl­der durch ge­lenk­te Suk­zes­si­on - auf­ge­fan­gen wer­den. Je­den­falls ist die Stö­rung nicht po­pu­la­ti­ons­wirk­sam.

104 b) Der Kie­bitz wird durch die Zer­stö­rung ei­nes Re­viers be­trof­fen; es er­folgt an­la­ge­be­dingt ei­ne Zer­schnei­dung und Zer­stö­rung von Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten die­ses Brut­re­viers. Dar­über hin­aus ge­hen durch Über­bau­ung und Ver­sie­ge­lung hoch­wer­ti­ge Rast­flä­chen bzw. Ru­he­stät­ten ver­lo­ren. Lärm­be­ding­te Stö­run­gen für den Kie­bitz als Rast­vo­gel sind auf ei­ner Flä­che von 70 ha in­ner­halb ei­nes 200 m-Wirk­ban­des re­le­vant. Als Ru­he­stät­te im Sin­ne des § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG gel­ten auch Rast­plät­ze und Sonn­plät­ze (Län­der­ar­beits­ge­mein­schaft Na­tur­schutz <LA­NA>, Hin­wei­se zu zen­tra­len un­be­stimm­ten Rechts­be­grif­fen des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes, 2010, S. 7). Dem be­geg­net der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss je­doch mit um­fang­rei­chen Aus­gleichs­maß­nah­men (PFB S. 302), wie der Ent­wick­lung von Ex­ten­siv­wie­sen mit ein- bzw. zwei­schü­ri­ger Mahd, Ver­näs­sung von Grün­land­flä­chen und der An­la­ge von Acker­bra­chen auf ei­ner Flä­che von 25 ha. So wer­den ge­eig­ne­te Fort­pflan­zungs- und Ru­he­stät­ten ge­schaf­fen. Wie der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend er­läu­tert hat, wird durch die­se Maß­nah­men der Ver­lust der Rast­plät­ze in dem gro­ßräu­mi­gen nied­ri­gen Of­fen­land kom­pen­siert. Bei gro­ßen frei­en Flä­chen ras­ten die Tie­re auch na­he zu den ver­lärm­ten Tras­sen­flä­chen. Der Er­hal­tungs­zu­stand der Art wird durch die Maß­nah­me nicht ver­schlech­tert.

105 c) Der Klein­specht wird zwar durch den Ver­lust von drei Re­vie­ren in­fol­ge des tras­sen­be­ding­ten Lärms be­ein­träch­tigt (§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG). Die Stö­rung ist aber nicht po­pu­la­ti­ons­wirk­sam, weil der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss Maß­nah­men wie die Op­ti­mie­rung der Ha­bi­ta­te mit ei­ner Er­hö­hung des Höh­len­bau­m­an­ge­bots und der Si­che­rung po­ten­zi­el­ler Höh­len­bäu­me fest­setzt (S. 302), die die Stö­run­gen auf ein nicht er­heb­li­ches Maß sen­ken.

106 d) Für den Mit­tel­specht ge­hen im Dan­nen­rö­der Forst und im FFH-Ge­biet rech­ne­risch zehn Re­vie­re bei ei­ner lo­ka­len Po­pu­la­ti­on von 150 - 200 Re­vie­ren ver­lo­ren. Durch die Scha­dens­be­gren­zungs­maß­nah­men im Um­fang von ins­ge­samt 75,21 ha, zum grö­ß­ten Teil au­ßer­halb der Ef­fekt­di­stanz von 400 m (PFB S. 303), wer­den die Ha­bi­tat­be­din­gun­gen in ei­nem Ma­ße op­ti­miert, dass ei­ne Ver­schlech­te­rung des Er­hal­tungs­zu­stands aus­ge­schlos­sen ist.

107 e) Für die ver­lo­ren ge­hen­den Re­vie­re des Rau­fu­ß­kau­zes in und au­ßer­halb des FFH-Ge­biets wird ne­ben den für das FFH-Ge­biet vor­ge­se­he­nen 40 Nist­käs­ten das Ha­bi­tat durch Nut­zungs­ver­zicht in Be­zug auf Al­tei­chen und Ent­wick­lung na­tur­na­her Ei­chen­wäl­der bzw. Bu­chen­wäl­der durch ge­lenk­te Suk­zes­si­on op­ti­miert (PFB S. 303).

108 f) Der Pi­rol wird we­der durch die Zer­stö­rung von Fort­pflan­zungs­stät­ten be­ein­träch­tigt noch durch Lärm ge­stört, weil das Re­vier im Be­reich des WA­SAG-Ge­län­des liegt, in dem die Tras­se in Ein­schnitts­la­ge ge­führt wird. Im Üb­ri­gen gibt es au­ßer­halb der Ef­fekt­di­stanz aus­rei­chend Aus­weich­mög­lich­kei­ten.

109 4. In Be­zug auf den Luchs wird kei­ner der ar­ten­schutz­recht­li­chen Ver­bots­tat­be­stän­de des § 44 Abs. 1 BNatSchG er­füllt. Es ist nicht von ei­nem re­gel­mä­ßi­gen Vor­kom­men im Un­ter­su­chungs­raum aus­zu­ge­hen. Re­pro­duk­ti­ons­nach­wei­se sind nur aus Nord­hes­sen be­kannt. Bei ge­gen­tei­li­gen Hin­wei­sen han­delt es sich um un­be­stä­tig­te oder nicht über­prüf­ba­re Mel­dun­gen, wes­halb der Hin­weis aus Maul­bach zu Recht nicht be­rück­sich­tigt wor­den ist. Dem ha­ben die Klä­ger nicht wi­der­spro­chen. Im Üb­ri­gen si­chern die Wild­schutz­zäu­ne auch den Luchs vor ei­ner er­höh­ten Kol­li­si­ons­ge­fahr. Die Que­rungs­bau­wer­ke 6, 8, 11 und 14 er­mög­li­chen ei­ne ge­fahr­lo­se Be­wäl­ti­gung der Tras­se.

110 5. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss be­jaht in Be­zug auf die Ha­sel­maus wie auch bei an­de­ren Ar­ten die Er­fül­lung des Ver­bots­tat­be­stan­des ge­mäß § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG we­gen nicht aus­zu­schlie­ßen­der Tö­tun­gen im Rah­men der Bau­feld­frei­ma­chung; zu­dem er­fol­ge un­ter Um­stän­den ei­ne Ent­nah­me auf­ge­fun­de­ner Nes­ter und Ver­brin­gung in den na­hen Wald­be­reich im Zu­ge der Bau­feld­in­spek­ti­on. Hier­für wird ei­ne Aus­nah­me ge­mäß § 45 Abs. 7 BNatSchG er­teilt. Im Üb­ri­gen be­trä­fen Stör­wir­kun­gen i.S.d. § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG wäh­rend der Fort­pflan­zungs- und Über­win­te­rungs­zeit nur ein­zel­ne In­di­vi­du­en, so dass die Ge­fahr ei­ner Ver­schlech­te­rung der je­wei­li­gen lo­ka­len Po­pu­la­ti­on aus­zu­schlie­ßen sei. So­weit Nes­ter i.S.v. § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG zer­stört wer­den, lä­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG vor.

111 Die Kri­tik der Klä­ger an den CEF-Maß­nah­men greift nicht durch. Mit der Maß­nah­me 11 V (PFB S. 326) muss drei Jah­re vor Be­ginn der Bau­maß­nah­me be­gon­nen wer­den, um ih­re Funk­ti­ons­fä­hig­keit si­cher­zu­stel­len. Nach den Dar­le­gun­gen der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten ist der Ver­weis auf die Mi­ni­mum­ha­bi­ta­te von 20 ha ir­rele­vant, da sich die­se Grö­ßen­ord­nung auf die An­ga­be von Wald­in­seln be­zieht, die vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men im Wald durch­ge­führt wer­den und so­mit ein Viel­fa­ches an Flä­che vor­han­den ist. Selbst ein un­güns­ti­ger bzw. schlech­ter Er­hal­tungs­zu­stand - der Er­hal­tungs­zu­stand ist nicht be­kannt, weil kei­ne di­rek­ten Nach­wei­se vor­lie­gen, die Art ist aber im Um­feld des Un­ter­su­chungs­raums weit ver­brei­tet und in den Wald­be­rei­chen re­gel­mä­ßig an­zu­tref­fen - wird da­nach pro­jekt­be­dingt nicht ver­schlech­tert und ei­ne Ent­wick­lung zum güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand nicht er­schwert (Ar­ten­schutz­bei­trag 5. April 2012 S. 21). Dem ha­ben die Klä­ger nichts mehr ent­geg­net.

112 6. So­weit die Klä­ger die feh­len­de Er­fas­sung der Wan­der­be­we­gun­gen der Ge­burts­hel­fer­krö­te und da­mit die Pla­nung der Leit­sys­te­me und Am­phi­bi­en­tun­nel kri­ti­sie­ren, ver­weist der Fach­gut­ach­ter des Be­klag­ten dar­auf, dass die Er­fas­sung der Wan­der­be­we­gun­gen nicht er­for­der­lich sei, weil die­se Am­phi­bi­en sehr en­ge Stand­ort­an­sprü­che hät­ten und des­halb der Vor­kom­mens- und mög­li­che Wan­der­be­reich gut ab­grenz­bar sei. Die Am­phi­bi­en­schutz- und Leit­ein­rich­tun­gen deck­ten den ge­sam­ten mög­li­chen Wan­der­be­reich von Ge­burts­hel­fer­krö­ten an der Tras­se ab. Des­halb sei die Un­ter­su­chung der Wan­der­be­we­gun­gen nach MAmS 2000 (S. 19) ent­behr­lich. Das ist nach­voll­zieh­bar und von den Klä­gern im wei­te­ren Ver­fah­ren nicht mehr auf­ge­grif­fen wor­den.

113 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger wer­den der Laub­frosch und der Klei­ne Was­ser­frosch durch die um­fang­rei­chen für den Kamm­molch vor­ge­se­he­nen Scha­dens­be­gren­zungs­maß­nah­men eben­falls ge­schützt. Ei­ne Aus­nah­me für bau­be­ding­te Zu­griffs­ver­let­zun­gen und Tö­tun­gen von Ein­zel­tie­ren ist er­teilt, au­ßer­dem auch für die Kreuz­krö­te, ob­wohl die­se bei der Da­ten­ak­tua­li­sie­rung 2010 nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den konn­te. Ei­ne Stö­rung i.S.v. § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG we­gen des feh­len­den Aus­tauschs zwei­er Po­pu­la­tio­nen der Kreuz­krö­te ist nicht zu be­fürch­ten, weil so­wohl der Be­reich Gold­born als auch der Stand­ort­übungs­platz, der das grö­ß­te Vor­kom­men der Kreuz­krö­te mit 500 Ex­em­pla­ren auf­weist, im Sü­den der Tras­se lie­gen.

114 7. So­weit der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für al­le Fle­der­mäu­se, die Ha­sel­maus, die Zaun­ei­dech­se und die Am­phi­bi­en Aus­nah­men ge­mäß § 45 Abs. 7 BNatSchG vom Tö­tungs- und vom Fang­ver­bot er­teilt, ist dies recht­lich nicht zu be­an­stan­den.

115 a) Die Tö­tung ein­zel­ner Tie­re kann im Zu­ge der Bau­feldräu­mung bei al­len Tier­ar­ten mit Aus­nah­me der Avi­f­au­na nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Zu­dem muss in Aus­nah­me­fäl­len ei­ne Ent­nah­me von Ex­em­pla­ren der Ar­ten (Fle­der­mäu­se, Ha­sel­maus, Am­phi­bi­en) aus der Na­tur er­fol­gen. Der Ver­bots­tat­be­stand wird je­doch nur vor­über­ge­hend ver­wirk­licht und dient da­zu, et­wai­ge Tö­tun­gen im Zu­ge der Bau­feld­frei­ma­chung zu ver­hin­dern. Bei kei­ner Tier­art ver­schlech­tert sich der Er­hal­tungs­zu­stand der Po­pu­la­tio­nen; auch die Wie­der­her­stel­lung ei­nes güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stan­des wird nicht be­hin­dert (Be­schluss vom 17. April 2010 - BVer­wG 9 B 5.10 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 46 Rn. 8 f.).

116 aa) Bis auf die Gro­ße Bart­fle­der­maus be­fin­den sich al­le Fle­der­mäu­se in Hes­sen in ei­nem güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand. Nach Ein­schät­zung des Be­klag­ten führt der nicht aus­zu­schlie­ßen­de Ver­lust von Ein­zel­tie­ren we­der bei den lo­ka­len Po­pu­la­tio­nen der ein­zel­nen Ar­ten noch bei den je­wei­li­gen Po­pu­la­tio­nen in Hes­sen zu ei­ner Ver­schlech­te­rung des Er­hal­tungs­zu­stan­des. Die ver­schie­de­nen fest­ge­leg­ten Maß­nah­men zur Le­bens­raum-Op­ti­mie­rung ha­ben dar­über hin­aus po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Po­pu­la­ti­ons­ent­wick­lung der ver­schie­de­nen Fle­der­maus­ar­ten. Das gilt auch für die Gro­ße Bart­fle­der­maus, die sich hes­sen­weit in ei­nem un­güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand be­fin­det. Im Dan­nen­rö­der Forst konn­ten 2006 noch über 100 weib­li­che Tie­re nach­ge­wie­sen wer­den, 2010 wur­de ei­ne Wo­chen­stu­be mit min­des­tens 62 In­di­vi­du­en er­mit­telt und im Üb­ri­gen war die Art in den Wäl­dern des Un­ter­su­chungs­rau­mes im Jagd­ha­bi­tat weit ver­brei­tet und konn­te re­gel­mä­ßig nach­ge­wie­sen wer­den. Die­se Ein­schät­zung ist nicht zu be­an­stan­den. Die Be­wer­tung hält sich in­ner­halb des na­tur­schutz­fach­li­chen Ein­schät­zungs­spiel­raums, der der Be­hör­de in­so­weit ein­ge­räumt ist (vgl. da­zu Ur­teil vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - Buch­holz 451.91 Eu­rop. Um­weltR Nr. 30 = BVer­w­GE 130, 299 Rn. 242; Be­schluss vom 13. März 2008 - BVer­wG 9 VR 9.07 - ju­ris Rn. 45).

117 bb) Der Er­hal­tungs­zu­stand der Ha­sel­maus ist zwar nicht be­kannt, die Art ist aber weit ver­brei­tet. An­ge­sichts der vor­lau­fen­den CEF-Maß­nah­men, die an­gren­zend an den Ein­griffs­be­reich die Ha­bi­ta­te op­ti­mie­ren, ist in­fol­ge der Tö­tung ein­zel­ner Tie­re ei­ne Ver­schlech­te­rung des Er­hal­tungs­zu­stands nicht zu be­sor­gen. Glei­ches gilt für die Zaun­ei­dech­se, die sich in Hes­sen in ei­nem güns­ti­gen Er­hal­tungs­zu­stand be­fin­det.

118 cc) Die be­trof­fe­nen Am­phi­bi­en be­fin­den sich teil­wei­se in un­güns­ti­gem, teil­wei­se in güns­ti­gem Er­hal­tungs­zu­stand (PFB S. 344). Je­doch wer­den auch hier al­len­falls ein­zel­ne Tie­re im Zu­ge der Bau­feldräu­mung um­kom­men. Da­durch wird sich ihr Er­hal­tungs­zu­stand nicht ver­schlech­tern, weil die Re­pro­duk­ti­on der Ar­ten wei­ter­hin si­cher­ge­stellt ist. Die zum Schutz der Am­phi­bi­en fest­ge­leg­ten Maß­nah­men sol­len mit ei­nem zwei- bzw. drei­jäh­ri­gen Vor­lauf durch­ge­führt wer­den. Die An­la­ge von Laich­ge­wäs­sern und die Ent­wick­lung von Som­mer-/Win­ter­ha­bi­ta­ten wird zu ei­ner Ver­bes­se­rung des Le­bens­raums und ei­ner po­si­ti­ven Po­pu­la­ti­ons­ent­wick­lung bei­tra­gen. Zu die­ser Ein­schät­zung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ha­ben sich die Klä­ger nicht ge­äu­ßert.

119 b) Das Vor­ha­ben kann zwin­gen­de Grün­de des über­wie­gen­den öf­fent­li­chen In­ter­es­ses für sich in An­spruch neh­men. Zum Ge­biets­schutz ist dies be­reits aus­ge­führt wor­den; dar­auf wird ver­wie­sen. Ar­ten­schutz­recht­lich sind in­so­weit je­den­falls kei­ne stren­ge­ren An­for­de­run­gen zu stel­len. Die Be­ein­träch­ti­gun­gen für die be­trof­fe­nen An­hang IV-Ar­ten wie­gen nicht so schwer, dass ih­nen ge­gen­über dem ver­kehr­li­chen Be­darf für das Vor­ha­ben grö­ße­re Durch­set­zungs­kraft zu­kä­me als den Be­lan­gen des Ge­biets­schut­zes (vgl. nur Ur­teil vom 12. März 2008 a.a.O. Rn. 239).

120 c) Zu­mut­ba­re Al­ter­na­ti­ven i.S.v. § 45 Abs. 7 Satz 2 BNatSchG sind nicht ge­ge­ben. Für die ar­ten­schutz­recht­li­che Al­ter­na­ti­ven­prü­fung gel­ten im An­satz ver­gleich­ba­re Grund­sät­ze wie für die­je­ni­ge im Rah­men der ge­biets­schutz­recht­li­chen Be­ur­tei­lung. Ein Vor­ha­ben­trä­ger braucht sich auf ei­ne Al­ter­na­tiv­lö­sung nicht ver­wei­sen zu las­sen, wenn sich die ar­ten­schutz­recht­li­chen Schutz­vor­schrif­ten am Al­ter­na­tiv­stand­ort als eben­so wirk­sa­me Zu­las­sungs­sper­re er­wei­sen wie an dem von ihm ge­wähl­ten Stand­ort. Au­ßer­dem darf ei­ne Al­ter­na­tiv­lö­sung auch ver­wor­fen wer­den, wenn sie sich aus na­tur­schutz­ex­ter­nen Grün­den als un­ver­hält­nis­mä­ßi­ges Mit­tel er­weist (Ur­teil vom 12. März 2008 a.a.O. Rn. 240).

121 aa) An den Al­ter­na­ti­ven zur (west­li­chen bzw. öst­li­chen) Um­fah­rung des Dan­nen­rö­der Fors­tes, die vom Plan­fest­stel­lungs­be­schluss im Hin­blick auf die da­mit ver­bun­de­ne Be­las­tung der Men­schen nicht in den Blick ge­nom­men wor­den wa­ren, ha­ben die Klä­ger nach Er­ör­te­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­drück­lich nicht mehr fest­ge­hal­ten.

122 bb) Im Hin­blick auf die üb­ri­gen Al­ter­na­ti­ven greift zwar der An­satz des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, es kom­me auf ei­nen zu­sätz­li­chen Ver­gleich in ar­ten­schutz­recht­li­cher Hin­sicht nicht an, weil un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ar­ten­schut­zes nichts vor­ge­tra­gen wor­den sei, was das Er­geb­nis der ha­bi­tat­recht­li­chen Al­ter­na­ti­ven­prü­fung in Zwei­fel zie­hen kön­ne, zu kurz. Je­den­falls dann, wenn wie hier, die Plan­tras­se un­ter­schied­li­che Ge­biets­tei­le be­rührt, die un­ter­schied­li­chen Al­ter­na­ti­ven zu­gäng­lich sind, muss auch bei der ar­ten­schutz­recht­li­chen Aus­nah­me­er­tei­lung ei­ne ei­ge­ne Al­ter­na­ti­ven­be­trach­tung er­fol­gen. Der Ver­weis auf das Ur­teil vom 12. März 2008 - BVer­wG 9 A 3.06 - (a.a.O. Rn. 241) kann hier des­halb nicht ver­fan­gen. Die Ent­behr­lich­keit ei­ner ge­son­der­ten ar­ten­schutz­recht­li­chen Über­prü­fung be­ruh­te in je­nem Fall dar­auf, dass ar­ten­schutz­recht­li­che Kon­flik­te im We­sent­li­chen in­ner­halb des FFH-Ge­biets auf­ge­tre­ten wa­ren. Hier liegt der Fall an­ders, denn die ar­ten­schutz­recht­li­chen Kon­flik­te lie­gen (auch) au­ßer­halb des FFH-Ge­biets. Auch die in­so­weit re­le­van­ten Va­ri­an­ten M1, M1­neu und M7 sind je­doch nicht vor­zugs­wür­dig. Wie der Be­klag­te im Ein­zel­nen dar­ge­legt hat, ent­ste­hen bei den M-Va­ri­an­ten eben­falls er­heb­li­che ar­ten­schutz­recht­li­che Kon­flik­te: Auch in die­sen Be­rei­chen kommt es zur Ge­fähr­dung der Avi­f­au­na so­wohl des Of­fen­lan­des als auch der Wäl­der. Funk­ti­ons­be­zie­hun­gen und Wald­be­stän­de mit Le­bens­raum­funk­tio­nen für Fle­der­mäu­se und Am­phi­bi­en wer­den durch Zer­schnei­dung be­ein­träch­tigt; po­ten­zi­el­le Le­bens­räu­me der Ha­sel­maus und der Zaun­ei­dech­se wer­den in An­spruch ge­nom­men. Ge­gen­über der Plan­tras­se und dem mit ihr ver­bun­de­nen Flä­chen­ver­lust samt Be­ein­träch­ti­gung durch Waldan­schnitt in­fol­ge der lan­gen Durch­fah­rung ei­nes ge­schlos­se­nen und hoch­wer­ti­gen Wald­ge­biets füh­ren die Va­ri­an­ten M1, M1­neu und M7 zu star­ken Be­ein­träch­ti­gun­gen von Über­gangs­be­rei­chen von Wald- zu Of­fen­land­kom­ple­xen und zur Frag­men­tie­rung von Wald. Bei al­len Va­ri­an­ten wer­den Ver­mei­dungs- und CEF-Maß­nah­men (§ 44 Abs. 5 Satz 3 BNatSchG) bzw. FCS-Maß­nah­men (§ 45 Abs. 7 Satz 2 BNatSchG) er­for­der­lich. In Be­zug auf das Land­schafts­bild be­wer­tet der Be­klag­te die M-Va­ri­an­ten deut­lich schlech­ter als die Plan­tras­se vor al­lem im Hin­blick auf das Kri­te­ri­um Zer­schnei­dung/Über­for­mung hoch­emp­find­li­cher Land­schafts­bil­d­ein­hei­ten, wo­von haupt­säch­lich die emp­find­li­chen Über­gangs­be­rei­che zwi­schen Wald und Of­fen­land be­trof­fen sind. In Be­zug auf das Schutz­gut Mensch wer­den die M-Tras­sen schlech­ter be­wer­tet als die Plan­tras­se, weil die Ab­stän­de zu den Ort­schaf­ten gro­ß­teils ge­rin­ger, mit­un­ter so­gar deut­lich ge­rin­ger sind und die Tras­se bei die­sen Va­ri­an­ten dem­zu­fol­ge nah an die Ort­schaft her­an­rückt (vgl. da­zu im Ein­zel­nen auch die vom Be­klag­ten vor­ge­leg­te Stel­lung­nah­me des Fach­gut­ach­ters B. & Part­ner vom 25. Ok­to­ber 2013). Das ha­ben die Klä­ger nicht sub­stan­zi­iert be­strit­ten.

123 Da­nach er­gibt sich, dass bei kei­ner der Al­ter­na­tiv­va­ri­an­ten nach­hal­ti­ge ar­ten­schutz­recht­li­che Be­trof­fen­hei­ten ver­mie­den wer­den kön­nen, son­dern sie in­so­weit in et­wa gleich zu be­ur­tei­len sind. Un­ter Zu­hil­fe­nah­me na­tur­schutz­ex­ter­ner Kri­te­ri­en er­gibt sich ei­ne ein­deu­ti­ge Prä­fe­renz für die Plan­tras­se, weil mit al­len an­de­ren Va­ri­an­ten die Tras­se deut­lich nä­her an die Wohn­be­bau­ung her­an­rückt. Die Er­hal­tung der Wohn­ru­he ist ein ge­wich­ti­ger Be­lang. Im Er­geb­nis ist die Aus­wahl der Plan­tras­se da­her nicht zu be­an­stan­den.

124 III. Die Ein­wän­de der Klä­ger zum Trink­was­ser­schutz grei­fen eben­falls nicht durch.

125 Im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss wird die Er­laub­nis zur Ein­lei­tung des von den Stra­ßen­ober­flä­chen und Bö­schun­gen ab­flie­ßen­den Nie­der­schlags­was­sers in Ge­wäs­ser ge­mäß § 17 FStrG i.V.m. § 19 Abs. 1 und 3, § 8 Abs. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 4, §§ 10, 11, 12 des Ge­set­zes zur Ord­nung des Was­ser­haus­halts (Was­ser­haus­halts­ge­setz - WHG) so­wie §§ 9, 11 des Hes­si­schen Was­ser­ge­set­zes (HWG) er­teilt. Das Be­neh­men der obe­ren Was­ser­be­hör­de nach § 19 Abs. 3 WHG wur­de her­ge­stellt.

126 Die Be­fürch­tun­gen der Klä­ger, die Tras­se kön­ne die Trink­was­ser­ver­sor­gung ge­fähr­den, weil sie durch ein Was­ser­schutz­ge­biet der Zo­ne II ge­führt wird, sind im Er­geb­nis nicht be­grün­det. Zwar liegt die Ein­leit­stel­le in die Klein für das von der Tras­se über ein Re­gen­rück­hal­te­be­cken ab­ge­führ­te Ab­was­ser noch in­ner­halb der Was­ser­schutz­zo­ne II. Auch trifft es zu, dass die La­ge im Was­ser­schutz­ge­biet ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um bei der Li­ni­en­be­stim­mung ist, wie die Klä­ger an­füh­ren. Je­doch schrei­ben die Richt­li­ni­en für bau­tech­ni­sche Maß­nah­men an Stra­ßen in Was­ser­schutz­ge­bie­ten (Aus­ga­be 2002 - RiSt­WaG) nicht vor, dass ein Vor­ha­ben in Was­ser­schutz­ge­bie­ten nicht durch­ge­führt wer­den darf. Die Be­rüh­rung von sen­si­blen Was­ser­schutz­ge­bie­ten könn­te hier nur durch gro­ßräu­mi­ge Va­ri­an­ten, die die Pla­nungs­zie­le ver­feh­len, ver­mie­den wer­den. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat hin­rei­chen­de Schutz­maß­nah­men vor­ge­se­hen, mit de­nen ver­hin­dert wird, dass Stra­ßen­ober­flä­chen­was­ser in das Grund­was­ser ge­langt (s. Ne­ben­be­stim­mun­gen 6.4 und 6.5 , PFB S. 52 ff.). Ei­ner­seits wer­den sämt­li­che Stra­ßen­ober­flä­chen­ab­flüs­se ent­lang der ge­sam­ten Stre­cke zur Vor­rei­ni­gung in ein Re­gen­rück­hal­te­be­cken ge­lei­tet, an­de­rer­seits wer­den die Dros­sel­ab­flüs­se der an­ge­leg­ten Be­cken über ei­ne Was­ser­lei­tung aus der Was­ser­schutz­zo­ne II her­aus­ge­lei­tet. Der Be­klag­te hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend dar­ge­legt, dass schon auf­grund der Fließ­we­ge des Was­sers im Re­gel­fall ein Schad­stoff­trans­port aus der Klein zu den För­der­brun­nen der Was­ser­ge­win­nung nicht zu be­fürch­ten sei, weil nörd­lich des Brun­nens FB 2 die Klein im Re­gel­fall durch Grund­was­ser ge­speist wer­de. Der Was­ser­stand im Grund­was­ser lie­ge hö­her als der Was­ser­stand der Klein. Es be­stehe nur ei­ne sehr ge­rin­ge Wahr­schein­lich­keit, dass das Was­ser aus der Klein in die in der Nä­he lie­gen­den Trink­was­ser­brun­nen FB 5 bis FB 7 ge­lan­ge, die in tie­fe­ren Fest­ge­steins­grund­was­ser­stock­wer­k­en ver­fil­tert sei­en. Das Ri­si­ko än­de­re sich im Hin­blick auf die ge­schil­der­ten hy­dro­geo­lo­gi­schen Ver­hält­nis­se auch nicht da­durch, dass die Ein­leit­men­gen von 60 l/s auf 74 l/s er­höht wor­den sei­en. Auch der Brun­nen FB 28 lie­ge weit im Ober­lauf der Ein­leit­stel­le, so dass er für die Be­trach­tung nicht re­le­vant sei. Ei­ne Er­hö­hung der Ent­nah­me­men­gen, die ei­ne Än­de­rung der Grund­was­ser­ver­hält­nis­se be­wir­ken könn­te, sei an­ge­sichts der Sa­nie­rungs­be­dürf­tig­keit der Spreng­stoff­alt­last des WA­SAG-Ge­län­des und der dort ge­trof­fe­nen Schutz­maß­nah­men auch lang­fris­tig nicht zu er­war­ten. Es könn­ten auch kei­ne was­ser­ge­fähr­den­den Flüs­sig­kei­ten in die Fern­ab­lei­tung ge­lan­gen, weil bei ei­nem et­wai­gen Un­fall mit ei­ner was­ser­ge­fähr­den­den Flüs­sig­keit die Ka­nä­le und die Ab­läu­fe der Re­gen­rück­hal­te­be­cken ver­schlos­sen, ab­ge­pumpt und ge­rei­nigt wür­den.

127 Auf der an­de­ren Sei­te müss­te für ei­ne Ab­lei­tung au­ßer­halb der Schutz­zo­ne III die Fern­ab­lei­tung um et­wa 3 km ver­län­gert wer­den. Die Ver­le­gung müss­te durch die land­schaft­lich wert­vol­le Kleinaue oder das Pum­pen über ei­nen Berg er­fol­gen. Schad­stof­fe wür­den im Üb­ri­gen nicht in ei­nem nen­nens­wer­ten Um­fang in das Grund­was­ser ein­ge­tra­gen wer­den. Der Chlo­rid­ge­halt im Grund­was­ser wer­de auf­grund des Streu­salz­ein­flus­ses lang­fris­tig von 9 mg/l auf 16 mg/l stei­gen; das sei aber an­ge­sichts ei­nes Grenz­werts nach der Trink­was­ser­ver­ord­nung von 250 mg/l zu ver­nach­läs­si­gen. Dem ha­ben die Klä­ger nichts mehr ent­ge­gen­ge­setzt.

128 IV. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss hat auch nicht durch das Vor­ha­ben ent­ste­hen­de Pro­ble­me un­be­wäl­tigt ge­las­sen.

129 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger muss­te kein ein­heit­li­cher Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für den Aus­bau der B 454 und der A 49 er­ge­hen. Denn bei der Er­tüch­ti­gung der B 454 han­delt es sich nicht um ei­ne not­wen­di­ge Fol­ge­maß­nah­me im Sin­ne des § 75 Abs. 1 Satz 1 HV­wVfG. Viel­mehr er­for­dert sie ein ei­ge­nes Pla­nungs­kon­zept und geht da­mit über den An­schluss und die An­pas­sung an die A 49 we­sent­lich hin­aus (Be­schluss vom 13. Ju­li 2010 - BVer­wG 9 B 103.09 - Buch­holz 316 § 75 VwVfG Nr. 35 Rn. 4 m.w.N.).

130 Die Vor­aus­set­zun­gen des § 78 Abs. 1 HV­wVfG lie­gen eben­falls nicht vor, weil für bei­de Vor­ha­ben nicht nur ei­ne ein­heit­li­che Ent­schei­dung mög­lich ist. Kraft Bun­des­rechts plan­fest­stel­lungs­be­dürf­tig ist zwar auch der Bau der B 454 (§ 17 Satz 1 FStrG). Die in § 78 Abs. 1 HV­wVfG an­ge­ord­ne­te Ver­fah­rens­kon­zen­tra­ti­on setzt je­doch ei­nen nicht sinn­voll trenn­ba­ren Sach­zu­sam­men­hang zwi­schen bei­den Vor­ha­ben vor­aus. Kön­nen hin­ge­gen pla­ne­risch er­heb­li­che Be­lan­ge des ei­nen Ver­fah­rens in dem an­de­ren durch Ver­fah­rens­be­tei­li­gung und durch Be­rück­sich­ti­gung im Rah­men pla­ne­ri­scher Ab­wä­gung an­ge­mes­sen er­fasst wer­den, so ent­fällt die­ser Zu­sam­men­hang. Ein nur ma­te­ri­el­les In­ter­es­se an der pla­ne­ri­schen Ko­or­di­na­ti­on ver­schie­de­ner Be­lan­ge recht­fer­tigt für sich nicht, Ver­fah­ren und Be­hör­den­zu­stän­dig­keit zu kon­zen­trie­ren (Ur­teil vom 18. April 1996 - BVer­wG 11 A 86.95 - Buch­holz 316 § 78 VwVfG Nr. 6 S. 13 f. = BVer­w­GE 101, 73 <78>; Be­schlüs­se vom 23. De­zem­ber 1992 - BVer­wG 4 B 188.92 - Buch­holz 316 § 74 VwVfG Nr. 20 S. 38 und vom 4. Au­gust 2004 - BVer­wG 9 VR 13.04 - Buch­holz 316 § 78 VwVfG Nr. 9 S. 2). Es ist von den Klä­gern nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­legt, dass oh­ne ei­ne so­for­ti­ge Er­tüch­ti­gung die B 454 ih­re Funk­ti­on als über­re­gio­na­le Stra­ßen­ver­bin­dung in der Orts­durch­fahrt Stadt­al­len­dorf nicht mehr er­fül­len könn­te. Dass die Mehr­be­le­gung in­fol­ge des Zu­brin­ger­ver­kehrs ih­re Ka­pa­zi­tät voll aus­schöpft, än­dert dar­an nichts. Ih­re Ver­än­de­rung be­darf zu­dem ei­nes ei­ge­nen Pla­nungs­kon­zepts, das ins­be­son­de­re auch die städ­te­bau­li­chen Be­lan­ge in den Blick nimmt. Des­halb ist es nicht zu be­an­stan­den, dass ih­re Er­tüch­ti­gung nicht in die hier um­strit­te­ne Plan­fest­stel­lung auf­ge­nom­men wur­de, son­dern mit ei­ner ei­ge­nen Pla­nung ver­folgt wird. Den ab­wä­gungs­er­heb­li­chen Be­lan­gen der An­woh­ner nach Schutz vor dem durch den Mehr­ver­kehr aus­ge­hen­den Lärm wird durch die­se Pla­nung Rech­nung ge­tra­gen (vgl. auch Ur­teil vom 17. März 2005 - BVer­wG 4 A 18.04 - Buch­holz 406.25 § 41 BImSchG Nr. 44 S. 136 f. = BVer­w­GE 123, 152 <157 f.>).

131 Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 154 Abs. 1, § 159 Satz 1 Vw­GO i.V.m. § 100 Abs. 1 ZPO.