Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist die Recht­mä­ßig­keit ei­ner aus An­lass ei­ner Be­wer­bung er­stell­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin, die auf­grund ih­rer Funk­ti­on als Vor­sit­zen­de des Per­so­nal­rats der be­klag­ten Stadt wäh­rend des Be­ur­tei­lungs­zeit­raums teil­wei­se frei­ge­stellt war.


Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die An­lass­be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin auf­ge­ho­ben und die be­klag­te Stadt ver­ur­teilt, die Klä­ge­rin un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts er­neut dienst­lich zu be­ur­tei­len. Dem­ge­gen­über hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen, weil es die dienst­li­che Be­ur­tei­lung als recht­mä­ßig be­wer­tet hat. Un­ter an­de­rem geht es in dem vom Se­nat we­gen grund­sätz­li­cher Be­deu­tung zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­ons­ver­fah­ren um die Fol­gen der Ver­let­zung ei­ner ge­setz­li­chen Vor­ga­be des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts des Lan­des Rhein­land-Pfalz, wo­nach die zu be­ur­tei­len­de Be­am­tin die Teil­nah­me ei­nes Mit­glieds des Per­so­nal­rats am Be­ur­tei­lungs­ge­spräch ver­lan­gen kann. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Vor­schrift des § 69 Abs. 8 LPers­VG RP als blo­ße Ord­nungs­vor­schrift ge­wer­tet, de­ren Ver­let­zung die Recht­mä­ßig­keit der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung un­be­rührt las­se. Zu­dem stellt sich die Fra­ge, ob die im Land Rhein­land-Pfalz be­stehen­den nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten aus­rei­chen; zu klä­ren ist un­ter Um­stän­den auch die Fra­ge, wie das ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil ei­ner dienst­li­chen Be­ur­tei­lung zu bil­den ist.


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 46/2021 vom 07.07.2021

Grund­le­gen­de Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen müs­sen in Rechts­nor­men ge­re­gelt sein

Die grund­le­gen­den Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen müs­sen we­gen ih­rer ent­schei­den­den Be­deu­tung für Aus­wahl­ent­schei­dun­gen nach Ma­ß­ga­be von Art. 33 Abs. 2 GG in Rechts­nor­men ge­re­gelt sein. Blo­ße Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten rei­chen hier­für nicht aus. Dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen müs­sen mit ei­nem Ge­samt­ur­teil ab­schlie­ßen, in das sämt­li­che vom Dienst­herrn be­wer­te­te Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG ein­flie­ßen. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.


Die Klä­ge­rin steht im Dienst ei­ner Stadt in Rhein­land-Pfalz. Im März 2015 schrieb die Stadt zwei Lei­tungs­stel­len aus, auf die sich auch die Klä­ge­rin be­warb. Für sämt­li­che Be­wer­ber er­stell­te die Stadt An­lass­be­ur­tei­lun­gen. In der Leis­tungs­be­wer­tung er­ziel­te die Klä­ge­rin in­ner­halb des von der Be­klag­ten ge­wähl­ten fünf­stu­fi­gen Be­wer­tungs­sys­tems die zweit­höchs­te Be­wer­tung "B" ("über­trifft die An­for­de­run­gen"). Bei der Be­ur­tei­lung der Be­fä­hi­gung wur­de der Klä­ge­rin 15 Mal die zweit­höchs­te der fünf­stu­fi­gen Ska­la - "II - stark aus­ge­prägt" - und zwei­mal die dritt­höchs­te Be­wer­tung - "III - nor­mal aus­ge­prägt" - zu­er­kannt. Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung weist we­der ein Ge­samt­ur­teil für die Be­fä­hi­gung noch ein zu­sam­men­fas­sen­des Ur­teil der Leis­tungs­be­ur­tei­lung und der Be­fä­hi­gung auf. Bei bei­den Aus­wahl­ent­schei­dun­gen wur­de die Klä­ge­rin nicht be­rück­sich­tigt; die von der Klä­ge­rin ge­führ­ten Kon­kur­ren­ten­streit­ver­fah­ren blie­ben er­folg­los. Die Klä­ge­rin wand­te sich an­schlie­ßend ge­gen die An­lass­be­ur­tei­lung. Da­mit hat­te sie vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Er­folg.


Auf die Re­vi­si­on der Klä­ge­rin hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das Be­ru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Be­klag­te ver­ur­teilt, die Klä­ge­rin un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts er­neut dienst­lich zu be­ur­tei­len.


In Rhein­land-Pfalz sind die Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten der­zeit nicht in Rechts­nor­men ge­re­gelt; das Lan­des­be­am­ten­ge­setz und die dar­auf ge­stütz­te Lauf­bahn­ver­ord­nung über­las­sen die Be­stim­mung der Vor­ga­ben al­lein Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten. Dies hat da­zu ge­führt, dass in Rhein­land-Pfalz auf der Ebe­ne blo­ßer Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ei­ne Viel­zahl un­ter­schied­lichs­ter Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten be­steht. Dies ist recht­lich un­zu­rei­chend. An­ge­sichts der Be­deu­tung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen für die al­lein nach Ma­ß­ga­be des Art. 33 Abs. 2 GG zu tref­fen­den Aus­wahl­ent­schei­dun­gen müs­sen die grund­le­gen­den Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen in Rechts­nor­men ge­re­gelt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat das Sys­tem - Re­gel­be­ur­tei­lun­gen oder An­lass­be­ur­tei­lun­gen - so­wie die Bil­dung ei­nes Ge­samt­ur­teils vor­zu­ge­ben. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten, wie et­wa der Rhyth­mus von Re­gel­be­ur­tei­lun­gen, der In­halt der zu be­ur­tei­len­den Ein­zel­merk­ma­le von Eig­nung, Be­fä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung, der Be­ur­tei­lungs­maß­stab oder Vor­ga­ben für die Ver­ga­be der höchs­ten und der zweit­höchs­ten No­te (Richt­wer­te), kön­nen Rechts­ver­ord­nun­gen über­las­sen blei­ben. Dass die Rechts­la­ge in Rhein­land-Pfalz die­sen Vor­ga­ben nicht ent­spricht, ist für ei­nen Über­gangs­zeit­raum hin­zu­neh­men, um ei­nen der ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ord­nung noch "fer­ne­ren" Zu­stand zu ver­mei­den.


Dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen stel­len die we­sent­li­che Grund­la­ge für Aus­wahl­ent­schei­dun­gen nach Ma­ß­ga­be des Art. 33 Abs. 2 GG dar. Um die­se Funk­ti­on er­fül­len zu kön­nen, müs­sen sie mit ei­nem Ge­samt­er­geb­nis ab­schlie­ßen. Denn die Aus­wahl­ent­schei­dung knüpft an das ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung an, das an­hand ei­ner Wür­di­gung, Ge­wich­tung und Ab­wä­gung der ein­zel­nen leis­tungs­be­zo­ge­nen Ge­sichts­punk­te ge­bil­det wor­den ist. Art. 33 Abs. 2 GG gibt drei Kri­te­ri­en vor; der Ge­setz­ge­ber und erst recht die Exe­ku­ti­ve sind nicht be­fugt, ei­nes die­ser drei Merk­ma­le bei der Bil­dung des ab­schlie­ßen­den Ge­samt­ur­teils un­be­rück­sich­tigt zu las­sen. Dem­entspre­chend muss das Ge­samt­ur­teil sämt­li­che vom Dienst­herrn be­wer­te­te Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG um­fas­sen. Die­sen An­for­de­run­gen ent­spricht die an­ge­grif­fe­ne An­lass­be­ur­tei­lung nicht.


BVer­wG 2 C 2.21 - Ur­teil vom 07. Ju­li 2021

Vor­in­stan­zen:

OVG Ko­blenz, 2 A 10197/19.​OVG - Ur­teil vom 24. Au­gust 2020 -

VG Mainz, 4 K 82/17.​MZ - Ur­teil vom 19. Ja­nu­ar 2018 -


Be­schluss vom 13.01.2021 -
BVer­wG 2 B 72.20ECLI:DE:BVer­wG:2021:130121B2B72.20.0

  • Zi­tier­vor­schlag

Be­schluss

BVer­wG 2 B 72.20

  • VG Mainz - 19.01.2018 - AZ: VG 4 K 82/17.​MZ
  • OVG Ko­blenz - 24.08.2020 - AZ: OVG 2 A 10197/19.​OVG

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 2. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
am 13. Ja­nu­ar 2021
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dom­gör­gen
und die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Har­tung und Dol­lin­ger
be­schlos­sen:

  1. Die Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on in dem Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 24. Au­gust 2020 wird auf­ge­ho­ben. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.
  2. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens folgt der Kos­ten­ent­schei­dung in der Haupt­sa­che.
  3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird für das Be­schwer­de­ver­fah­ren und - in­so­weit vor­läu­fig - für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren auf 5 000 € fest­ge­setzt.

Grün­de

1 Die Be­schwer­de der Klä­ge­rin ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on in dem Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz ist zu­läs­sig und be­grün­det.

2 Die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Vor­schrift des § 69 Abs. 8 LPers­VG RP ist ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten re­vi­si­bles Recht. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats sind un­ter "Lan­des­recht" i.S.v. § 127 Nr. 2 BRRG i.V.m. § 63 Abs. 3 Satz 2 Be­amtStG die spe­zi­fisch be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Lan­des­rechts zu ver­ste­hen. Be­stim­mun­gen der Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze der Län­der zäh­len ins­be­son­de­re dann hier­zu, wenn sie re­geln, ob und in wel­cher Wei­se der Per­so­nal­rat an be­am­ten­recht­li­chen Maß­nah­men zu be­tei­li­gen ist (vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 1. De­zem­ber 1982 - 2 C 59.81 - BVer­w­GE 66, 291 <292> m.w.N. und vom 24. No­vem­ber 1983 - 2 C 28.82 - Buch­holz 237.6 § 39 LBG Nie­der­sach­sen Nr. 2 S. 8). Da­bei muss ihr Re­ge­lungs­ge­gen­stand in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit den Be­son­der­hei­ten des Be­am­ten­ver­hält­nis­ses ste­hen und sich auf ei­nen be­am­ten­recht­li­chen Kon­text be­zie­hen (BVer­wG, Ur­tei­le vom 1. De­zem­ber 1982 - 2 C 59.81 - BVer­w­GE 66, 291 <292> und vom 23. Ju­ni 2016 - 2 C 18.15 - Buch­holz 421.20 Hoch­schul­per­so­nal­recht Nr. 58 Rn. 27; Be­schluss vom 7. Ju­li 2005 - 2 B 96.04 - Buch­holz 230 § 127 BRRG Nr. 61 S. 3). Da­nach han­delt es sich bei § 69 Abs. 8 LPers­VG RP um ei­ne spe­zi­fisch be­am­ten­recht­li­che Vor­schrift. Die Be­stim­mung re­gelt die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats beim Zu­stan­de­kom­men ei­ner dienst­li­chen Be­ur­tei­lung ei­nes Be­am­ten. Die­ser Be­ur­tei­lung kommt bei der Ver­wirk­li­chung des Art. 33 Abs. 2 GG im Rah­men von Aus­wahl­ent­schei­dun­gen ma­ß­geb­li­che Be­deu­tung zu. Denn die Aus­wahl­ent­schei­dung soll ma­ß­geb­lich an­hand dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen vor­ge­nom­men wer­den (vgl. BVerfG, Be­schlüs­se vom 20. April 2004 - 1 BvR 838/01 u.a. - BVerf­GE 110, 304 <332> und vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 58).

3 Ent­ge­gen der An­sicht der Klä­ge­rin er­öff­net § 127 Nr. 2 BRRG, der nach § 63 Abs. 3 Satz 2 Be­amtStG wei­ter­hin gilt, in Be­zug auf das Lan­des­recht nicht ge­ne­rell die Mög­lich­keit, die Zu­las­sung der Re­vi­si­on we­gen jed­we­der - gel­tend ge­mach­ten - Ver­let­zung von Lan­des­recht zu er­rei­chen. Viel­mehr er­gänzt § 127 Nr. 2 BRRG le­dig­lich die Vor­schrift des § 137 Abs. 1 Vw­GO und er­wei­tert da­mit den Be­reich des re­vi­si­blen Rechts und da­mit den An­wen­dungs­be­reich der Zu­las­sungs­grün­de, be­grün­det aber nicht den selbst­stän­di­gen Zu­las­sungs­grund "Lan­des­recht". Es muss auch in Be­zug auf das Lan­des­recht ei­ner der Grün­de für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on gel­tend ge­macht wer­den und vor­lie­gen (BVer­wG, Be­schlüs­se vom 29. Ju­ni 2016 - 2 B 95.15 - Buch­holz 232.0 § 21 BBG 2009 Nr. 5 Rn. 14 und vom 5. De­zem­ber 2019 - 2 B 11.19 - Buch­holz 230 § 127 BRRG Nr. 68 Rn. 23).

4 Die Re­vi­si­on ist we­gen der grund­sätz­li­chen Be­deu­tung der Rechts­sa­che nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO zu­zu­las­sen. Das Ver­fah­ren kann zur Klä­rung der Fra­ge bei­tra­gen, wel­che Rechts­fol­gen im Hin­blick auf die dienst­li­che Be­ur­tei­lung ein­tre­ten, wenn die zu be­ur­tei­len­de Be­am­tin ent­ge­gen § 69 Abs. 8 LPers­VG RP vor ei­nem Be­ur­tei­lungs­ge­spräch sei­tens der zu­stän­di­gen Stel­le nicht auf ihr Recht hin­ge­wie­sen wor­den ist, die Be­tei­li­gung ei­nes Mit­glieds des Per­so­nal­rats an dem Be­ur­tei­lungs­ge­spräch ver­lan­gen zu kön­nen.

5 Die Streit­wert­fest­set­zung für das Be­schwer­de­ver­fah­ren folgt aus § 47 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 so­wie § 52 Abs. 2 GKG. Die vor­läu­fi­ge Fest­set­zung des Streit­werts für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren be­ruht auf § 63 Abs. 1 Satz 1 und § 52 Abs. 2 GKG.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung


Das Be­schwer­de­ver­fah­ren wird als Re­vi­si­ons­ver­fah­ren un­ter dem Ak­ten­zei­chen BVer­wG 2 C 2.21 fort­ge­setzt. Der Ein­le­gung ei­ner Re­vi­si­on durch die Be­schwer­de­füh­re­rin be­darf es nicht.
Die Re­vi­si­on ist in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Be­schlus­ses zu be­grün­den. Die Be­grün­dung ist bei dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Sim­son­platz 1, 04107 Leip­zig, schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form (§ 55a Abs. 1 bis 6 Vw­GO so­wie Ver­ord­nung über die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und über das be­son­de­re elek­tro­ni­sche Be­hör­den­post­fach vom 24. No­vem­ber 2017, BGBl. I S. 3803) ein­zu­rei­chen.
Für die Be­tei­lig­ten be­steht Ver­tre­tungs­zwang; dies gilt auch für die Be­grün­dung der Re­vi­si­on. Die Be­tei­lig­ten müs­sen sich durch Be­voll­mäch­tig­te im Sin­ne von § 67 Abs. 4 Satz 3 bis 6 Vw­GO, § 5 Nr. 6 Alt. 2 RD­GEG ver­tre­ten las­sen.

Ur­teil vom 07.07.2021 -
BVer­wG 2 C 2.21ECLI:DE:BVer­wG:2021:070721U2C2.21.0

Er­for­der­nis von nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen durch den Dienst­herrn

Leit­sät­ze:

1. We­gen der Be­deu­tung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen für die al­lein nach Ma­ß­ga­be des Art. 33 Abs. 2 GG zu tref­fen­den Aus­wahl­ent­schei­dun­gen müs­sen die grund­le­gen­den Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen in Rechts­nor­men ge­re­gelt wer­den. Da­bei hat der Ge­setz­ge­ber das Sys­tem - Re­gel- oder An­lass­be­ur­tei­lun­gen - so­wie die Bil­dung ei­nes zu­sam­men­fas­sen­den Ge­samt­ur­teils vor­zu­ge­ben. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten, wie der Rhyth­mus von Re­gel­be­ur­tei­lun­gen oder der In­halt der zu be­ur­tei­len­den Ein­zel­merk­ma­le, kön­nen ei­ner Rechts­ver­ord­nung auf der Grund­la­ge ei­ner hin­rei­chend be­stimm­ten ge­setz­li­chen Er­mäch­ti­gung über­las­sen blei­ben.

2. Ei­ne hin­ter die­sen An­for­de­run­gen zu­rück­blei­ben­de Rechts­la­ge ist für ei­nen Über­gangs­zeit­raum hin­zu­neh­men.

3. Ei­ne dienst­li­che Be­ur­tei­lung muss mit ei­nem Ge­samt­ur­teil ab­schlie­ßen, in das sämt­li­che vom Dienst­herrn be­wer­te­te Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG ein­flie­ßen. Da­zu zäh­len auch die Ein­zel­merk­ma­le der Be­fä­hi­gung (Auf­ga­be von BVer­wG, Ur­teil vom 19. März 2015 - 2 C 12.14 - BVer­w­GE 151, 333 Rn. 44).

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 2 C 2.21

  • VG Mainz - 19.01.2018 - AZ: VG 4 K 82/17.​MZ
  • OVG Ko­blenz - 24.08.2020 - AZ: OVG 2 A 10197/19.​OVG

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 2. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 1. Ju­li 2021
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dom­gör­gen,
die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. von der Wei­den, Dr. Har­tung
und Dol­lin­ger so­wie die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Ham­pel
am 7. Ju­li 2021 für Recht er­kannt:

  1. Das Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 24. Au­gust 2020 wird auf­ge­ho­ben.
  2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz vom 19. Ja­nu­ar 2018 wird mit der Ma­ß­ga­be zu­rück­ge­wie­sen, dass für die Er­stel­lung der neu­en dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ma­ß­geb­lich ist.
  3. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Re­vi­si­ons- und des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.

Grün­de

I

1 Die Be­tei­lig­ten strei­ten um die Recht­mä­ßig­keit ei­ner An­lass­be­ur­tei­lung.

2 Die 1971 ge­bo­re­ne Klä­ge­rin steht als Stadt­amt­frau (Be­sol­dungs­grup­pe A 11 LBe­sO) im Dienst der be­klag­ten Stadt. Vom 17. De­zem­ber 2012 bis Mai 2021 war die Klä­ge­rin Vor­sit­zen­de des Per­so­nal­rats der Be­klag­ten. Sie war zu­nächst zu 80 v.H., ab Mit­te Ok­to­ber 2015 zu 85 v.H. und ab Ju­li 2017 voll­stän­dig vom Dienst frei­ge­stellt.

3 Im März 2015 schrieb die Be­klag­te zwei Lei­tungs­stel­len (Be­sol­dungs­grup­pe A 12 LBe­sO) aus, auf die sich auch die Klä­ge­rin be­warb. Die Be­klag­te er­stell­te für sämt­li­che Be­wer­ber An­lass­be­ur­tei­lun­gen für den Zeit­raum vom 1. Fe­bru­ar 2012 bis zum 31. Ja­nu­ar 2016. Der Bür­ger­meis­ter der Be­klag­ten (Be­ur­tei­ler) hol­te vom un­mit­tel­ba­ren Dienst­vor­ge­setz­ten der Klä­ge­rin ei­nen Be­ur­tei­lungs­bei­trag ein und führ­te mit der Klä­ge­rin am 29. Sep­tem­ber 2016 ein per­sön­li­ches Ge­spräch. Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung vom 7. Ok­to­ber 2016 wur­de der Klä­ge­rin am 26. Ok­to­ber 2016 aus­ge­hän­digt. Das für die Be­spre­chung der Be­ur­tei­lung für den 10. No­vem­ber 2016 vor­ge­se­he­ne Ge­spräch brach die Klä­ge­rin kurz nach Be­ginn ab. Am 30. No­vem­ber 2016 wur­de die dienst­li­che Be­ur­tei­lung mit der Klä­ge­rin be­spro­chen.

4 Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung glie­dert sich in ei­ne Leis­tungs- und ei­ne Be­fä­hi­gungs­be­ur­tei­lung. Bei der Ge­samt­be­wer­tung der Leis­tun­gen er­reich­te die Klä­ge­rin die zweit­höchs­te Be­wer­tung "B". Zwar be­wer­te­te die Be­klag­te auch Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le. Die Be­klag­te bil­de­te aber we­der ein Ge­samt­ur­teil der Be­fä­hi­gung noch fass­te sie die Leis­tungs- und Be­fä­hi­gungs­be­wer­tung zu­sam­men. Bei der Be­set­zung der bei­den aus­ge­schrie­be­nen Stel­len kam die Klä­ge­rin nicht zum Zu­ge. Ver­fah­ren der Klä­ge­rin auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz blie­ben oh­ne Er­folg. Bei­de Be­för­de­rungs­stel­len sind in­zwi­schen mit Kon­kur­ren­ten der Klä­ge­rin be­setzt.

5 Die Klä­ge­rin er­hob er­folg­los Wi­der­spruch ge­gen die dienst­li­che Be­ur­tei­lung. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, die Klä­ge­rin un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts er­neut dienst­lich zu be­ur­tei­len. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zwar ha­be die Klä­ge­rin ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Über­prü­fung ih­rer An­lass­be­ur­tei­lung. Die Kla­ge sei aber un­be­grün­det, weil die dienst­li­che Be­ur­tei­lung nicht zu be­an­stan­den sei. Es lie­ge we­der ein durch­grei­fen­der Ver­stoß ge­gen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten vor noch sei die Be­ur­tei­lung aus in­halt­li­chen Grün­den zu be­an­stan­den.

6 Hier­ge­gen wen­det sich die vom Se­nat we­gen grund­sätz­li­cher Be­deu­tung zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on der Klä­ge­rin, mit der sie be­an­tragt,
das Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 24. Au­gust 2020 auf­zu­he­ben und die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz vom 19. Ja­nu­ar 2018 mit der Ma­ß­ga­be zu­rück­zu­wei­sen, dass für die Er­stel­lung der neu­en dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ma­ß­geb­lich ist.

7 Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen.

II

8 Die Re­vi­si­on der Klä­ge­rin ist be­grün­det. Das Be­ru­fungs­ur­teil ver­letzt mit Art. 33 Abs. 2 GG re­vi­si­bles Recht.

9 Die Kla­ge ist zu­läs­sig (1.) und be­grün­det. Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung vom 7. Ok­to­ber 2016 und der Wi­der­spruchs­be­scheid sind rechts­wid­rig und ver­let­zen die Klä­ge­rin in ih­ren Rech­ten. Für die Er­stel­lung der neu­en dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin für den Zeit­raum von Fe­bru­ar 2012 bis En­de Ja­nu­ar 2016 ist die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ma­ß­geb­lich (§ 113 Abs. 5 Satz 2 Vw­GO in ent­spre­chen­der An­wen­dung). Zwar hat die Be­klag­te ge­gen § 69 Abs. 8 Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz vom 28. Sep­tem­ber 2010 (GVBl. 2010, S. 292 - LPers­VG RP) ver­sto­ßen, wo­nach der zu be­ur­tei­len­de Be­am­te vor dem Be­ur­tei­lungs­ge­spräch auf das Recht hin­zu­wei­sen ist, ein Mit­glied des Per­so­nal­rats an die­sem Ge­spräch zu be­tei­li­gen. Die­ser Ge­set­zes­ver­stoß der Be­klag­ten führt aber im Er­geb­nis nicht zum Er­folg der Kla­ge, weil der Klä­ge­rin die­ses Recht un­ab­hän­gig von dem kon­kre­ten An­lass ih­rer Be­wer­bung we­gen ih­rer lang­jäh­ri­gen Mit­glied­schaft im Per­so­nal­rat der Be­klag­ten hät­te be­kannt sein müs­sen (2.). Zwar wa­ren und sind die nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben des Rechts des Lan­des Rhein­land-Pfalz für die Er­stel­lung der An­lass­be­ur­tei­lung un­zu­rei­chend. Aber auch die­ser Um­stand be­grün­det nicht den Er­folg der Re­vi­si­on. Denn der Zu­stand der un­zu­rei­chen­den nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen ist für ei­nen Über­gangs­zeit­raum hin­zu­neh­men (3.). Die An­lass­be­ur­tei­lung ist aber des­halb rechts­wid­rig und ver­letzt die Klä­ge­rin in ih­ren Rech­ten, weil die Be­klag­te in der Be­ur­tei­lung kein ab­schlie­ßen­des Ge­samt­ur­teil ge­bil­det hat, in das sämt­li­che be­wer­te­te Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG ein­ge­flos­sen sind (4.). Dem­ge­gen­über füh­ren an­de­re As­pek­te, wie et­wa die Be­hin­de­rung der Klä­ge­rin oder das Er­for­der­nis ei­ner hin­rei­chen­den tat­säch­li­chen Grund­la­ge für die Er­stel­lung ei­ner dienst­li­chen Be­ur­tei­lung, nicht zur Rechts­wid­rig­keit der an­ge­grif­fe­nen Be­ur­tei­lung (5.).

10 Im Hin­blick auf den In­halt ei­ner An­lass­be­ur­tei­lung ha­ben die Ge­rich­te die Gren­zen ih­rer Prü­fungs­kom­pe­tenz zu be­ach­ten. Die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le der Be­ur­tei­lung ist auf die Über­prü­fung be­schränkt, ob der Dienst­herr ge­gen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ver­sto­ßen hat, von ei­nem un­rich­ti­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen ist, die an­zu­wen­den­den Be­grif­fe oder den ge­setz­li­chen Rah­men ver­kannt, all­ge­mein gül­ti­ge Wert­maß­stä­be nicht be­ach­tet oder sach­frem­de Er­wä­gun­gen an­ge­stellt hat. Hin­ge­gen darf das Ge­richt nicht die fach­li­che und per­sön­li­che Be­ur­tei­lung des Be­am­ten durch sei­nen Dienst­vor­ge­setz­ten in vol­lem Um­fang nach­voll­zie­hen oder die­se durch ei­ne ei­ge­ne Be­ur­tei­lung er­set­zen. Denn nur der für den Dienst­herrn han­deln­de Vor­ge­setz­te soll ein Wert­ur­teil dar­über ab­ge­ben, ob und in­wie­weit der Be­am­te den - eben­falls vom Dienst­herrn zu be­stim­men­den - fach­li­chen und per­sön­li­chen An­for­de­run­gen des Am­tes und der Lauf­bahn ent­spricht. Bei ei­nem der­ar­ti­gen dem Dienst­herrn vor­be­hal­te­nen Akt wer­ten­der Er­kennt­nis steht die­sem ei­ne der ge­setz­li­chen Re­ge­lung im­ma­nen­te Be­ur­tei­lungs­er­mäch­ti­gung zu (stRspr, vgl. BVerfG, Be­schluss vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 56 m.w.N.; BVer­wG, Ur­tei­le vom 26. Ju­ni 1980 - 2 C 8.78 - BVer­w­GE 60, 245 <246> und vom 17. Sep­tem­ber 2015 - 2 C 27.14 - BVer­w­GE 153, 48 Rn. 9).

11 1. Ob­wohl die bei­den von der Be­klag­ten aus­ge­schrie­be­nen Be­för­de­rungs­stel­len der Be­sol­dungs­grup­pe A 12 LBe­sO mitt­ler­wei­le mit Mit­be­wer­bern der Klä­ge­rin be­setzt sind, kann der Klä­ge­rin das all­ge­mei­ne Rechts­schutz­be­dürf­nis für ih­re Kla­ge auf Auf­he­bung der An­lass­be­ur­tei­lung und Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur er­neu­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lung un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts nicht ab­ge­spro­chen wer­den. Denn der Er­folg ih­res Kla­ge­be­geh­rens kann die Rechts­po­si­ti­on der Klä­ge­rin tat­säch­lich ver­bes­sern.

12 Zu­rück­lie­gen­de dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen ei­nes Be­am­ten kön­nen für spä­te­re Ver­wen­dungs- und Aus­wahl­ent­schei­dun­gen von Be­lang sein. Zwar sind für Aus­wahl­ent­schei­dun­gen in ers­ter Li­nie ak­tu­el­le Be­ur­tei­lun­gen ma­ß­ge­bend, die be­zo­gen auf den ein­zel­nen Be­am­ten den ge­gen­wär­ti­gen Stand der nach Art. 33 Abs. 2 GG ma­ß­geb­li­chen Kri­te­ri­en be­wer­ten. Da­ne­ben kön­nen aber äl­te­re dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen als zu­sätz­li­che Er­kennt­nis­mit­tel be­rück­sich­tigt wer­den, an­hand de­rer ins­be­son­de­re po­si­ti­ve oder ne­ga­ti­ve Ent­wick­lungs­ten­den­zen des Be­am­ten im Hin­blick auf Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Kennt­nis­se, Fä­hig­kei­ten und Leis­tun­gen be­ur­teilt wer­den kön­nen (BVer­wG, Ur­tei­le vom 19. De­zem­ber 2002 - 2 C 31.01 - Buch­holz 237.9 § 20 SaarLBG Nr. 1 S. 2 f. und vom 2. März 2017 - 2 C 21.16 - BVer­w­GE 157, 366 Rn. 13).

13 Im Fall der Klä­ge­rin kommt hin­zu, dass die Be­klag­te kei­ne Re­gel­be­ur­tei­lun­gen er­stellt und die streit­ge­gen­ständ­li­che An­lass­be­ur­tei­lung die letz­te dienst­li­che Be­ur­tei­lung ist, die an ei­ne tat­säch­lich er­brach­te dienst­li­che Leis­tung der Klä­ge­rin an­knüpft. Denn spä­ter - von Ju­li 2017 bis Mai 2021 - war die Klä­ge­rin we­gen ih­rer Mit­glied­schaft im Per­so­nal­rat der Be­klag­ten voll­stän­dig von ih­ren dienst­li­chen Pflich­ten frei­ge­stellt.

14 2. Zwar hat die Be­klag­te im Vor­feld der bei­den Be­ur­tei­lungs­ge­sprä­che mit der Klä­ge­rin vom 10. und 30. No­vem­ber 2016 ge­gen die ihr aus § 69 Abs. 8 LPers­VG RP ob­lie­gen­de ge­setz­li­che Ver­pflich­tung ver­sto­ßen, die Klä­ge­rin auf das ihr zu­ste­hen­de Recht hin­zu­wei­sen, ein Mit­glied des Per­so­nal­rats an dem Be­ur­tei­lungs­ge­spräch zu be­tei­li­gen. Be­ur­tei­lungs­ge­spräch im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist aus­schlie­ß­lich das Ge­spräch, in dem die be­reits er­stell­te dienst­li­che Be­ur­tei­lung mit dem Be­am­ten er­ör­tert wird (a). Der Se­nat kann die Rechts­fol­gen des Ver­sto­ßes der Be­klag­ten ge­gen die­se ge­setz­li­che Ver­pflich­tung aber da­hin­ge­stellt sein las­sen (b). Denn die Klä­ge­rin kann ih­re Kla­ge ge­gen die An­lass­be­ur­tei­lung nicht auf die­sen Ge­set­zes­ver­stoß stüt­zen. Die Be­ru­fung auf das Recht aus § 69 Abs. 8 LPers­VG RP ist der Klä­ge­rin ver­wehrt, weil ihr die Mög­lich­keit, ein Mit­glied des Per­so­nal­rats zu dem Ge­spräch hin­zu­zie­hen, we­gen ih­rer seit De­zem­ber 2012 be­stehen­den Mit­glied­schaft im Per­so­nal­rat der Be­klag­ten be­kannt sein muss­te (c).

15 a) Be­ur­tei­lungs­ge­spräch i.S.v. § 69 Abs. 3 Satz 6 und Abs. 8 LPers­VG RP ist das Ge­spräch aus An­lass der Be­spre­chung der be­reits er­stell­ten - und wie hier auch aus­ge­hän­dig­ten - dienst­li­chen Be­ur­tei­lung, nicht aber ein Ge­spräch zwi­schen dem zu be­ur­tei­len­den Be­am­ten und dem Be­ur­tei­ler im Vor­feld der Er­stel­lung der Be­ur­tei­lung.

16 Dies folgt aus der Sys­te­ma­tik des § 69 Abs. 3 Satz 5 und 6 LPers­VG RP. Satz 5, der be­stimmt, dass ei­ne dienst­li­che Be­ur­tei­lung auf Ver­lan­gen des Be­schäf­tig­ten der Per­so­nal­ver­tre­tung zur Kennt­nis zu brin­gen ist, setzt die Exis­tenz der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung vor­aus. Erst im An­schluss hier­an, in Satz 6, sieht das Ge­setz das Recht des Be­am­ten auf Teil­nah­me ei­nes Mit­glieds des Per­so­nal­rats an dem Be­ur­tei­lungs­ge­spräch vor. Hät­te der Ge­setz­ge­ber die Teil­nah­me ei­nes Mit­glieds des Per­so­nal­rats be­reits im Sta­di­um vor der Er­stel­lung der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung vor­ge­se­hen, so hät­te er die Re­ge­lung des An­spruchs des zu be­ur­tei­len­den Be­am­ten auf Teil­nah­me ei­nes Mit­glieds des Per­so­nal­rats an dem Ge­spräch dem Satz 5 vor­an­ge­stellt.

17 Auch der Zweck der Teil­nah­me des Mit­glieds des Per­so­nal­rats an ei­nem Ge­spräch spricht für die­se Aus­le­gung. Durch die Teil­nah­me ei­nes Ver­tre­ters an dem Ge­spräch er­langt der Per­so­nal­rat kei­nen in­halt­li­chen Ein­fluss auf die dienst­li­che Be­ur­tei­lung (vgl. BVer­wG, Be­schluss vom 17. Fe­bru­ar 2020 - 2 VR 2.20 - BVer­w­GE 167, 358 Rn. 28). Durch die Teil­nah­me soll der be­ur­teil­te Be­am­te da­bei un­ter­stützt wer­den, die Recht­mä­ßig­keit der ihm er­öff­ne­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lung zu über­prü­fen und ggf. Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen, so­fern der Dienst­herr be­rech­tig­te Ein­wen­dun­gen des Be­am­ten nicht aus­räumt. Es geht um die psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung des be­trof­fe­nen Be­am­ten, um den auf ihm beim Be­ur­tei­lungs­ge­spräch las­ten­den Druck zu re­du­zie­ren.

18 b) Der Streit­fall nö­tigt zu kei­ner Ent­schei­dung über die An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts, § 69 Abs. 8 LPers­VG RP sei ei­ne blo­ße Ord­nungs­vor­schrift, de­ren Nicht­be­ach­tung nicht zur Rechts­wid­rig­keit der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin füh­re.

19 Zwar trifft die Über­le­gung des Be­ru­fungs­ge­richts zu, dass der Ver­fah­rens­man­gel des Un­ter­blei­bens des Hin­wei­ses nach § 69 Abs. 8 LPers­VG RP den In­halt der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung nicht be­rührt, weil die­se zum Zeit­punkt des Be­ur­tei­lungs­ge­sprächs be­reits er­stellt ist. Auch greift der Ver­weis auf die Ma­te­ria­li­en des Ge­set­zes, mit dem Ab­satz 8 an­ge­fügt wor­den ist, nicht durch. In der Ge­set­zes­be­grün­dung (LT-Drs. 15/4466, S. 17 f. zu Nr. 25) wird auf § 78 Abs. 2 Satz 2 und § 79 Abs. 2 Satz 2 LPers­VG RP ver­wie­sen. Für die dort je­weils ge­re­gel­ten Hin­weis­pflich­ten ist an­er­kannt, dass ein Ver­stoß des Dienst­herrn ge­gen die­se Pflich­ten re­gel­mä­ßig zur Rechts­wid­rig­keit der Maß­nah­me führt. §§ 78 f. LPers­VG RP sind aber dem Be­reich der Mit­be­stim­mung und Mit­wir­kung des Per­so­nal­rats zu­zu­ord­nen. Dem­ge­gen­über nennt § 69 LPers­VG RP die­je­ni­gen Be­rei­che, in de­nen der Per­so­nal­rat auf ei­ne Be­tei­li­gung be­schränkt ist. § 74 Abs. 1 LPers­VG RP ist auf den Be­reich des § 69 LPers­VG RP nicht an­wend­bar.

20 An­de­rer­seits er­scheint es be­denk­lich, wenn die Aus­le­gung ei­ner pflich­ten­be­grün­den­den Norm da­zu führt, dass ein Ver­stoß da­ge­gen fol­gen­los bleibt. Denn bei § 69 Abs. 8 und Abs. 3 Satz 6 LPers­VG RP han­delt es sich, wie dar­ge­legt, um ei­ne ge­setz­li­che Vor­schrift, die dem Schutz des zu be­ur­tei­len­den Be­am­ten zu die­nen be­stimmt ist. Ge­rich­te sind ge­hal­ten, Nor­men so aus­zu­le­gen, dass der Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers die ihr zu­kom­men­de Be­deu­tung bei­ge­mes­sen wird (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 13. Ok­to­ber 2020 - 2 C 11.20 - NVwZ-RR 2021, 260 Rn. 36), hier dem Schutz des Be­am­ten in der be­las­ten­den Si­tua­ti­on des Ge­sprächs über die Be­ur­tei­lung (vgl. im Er­geb­nis: Lau­ten­bach/Ren­nin­ger/Be­cker­le/En­ke/Win­ter, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht Rhein­land-Pfalz, Stand Sep­tem­ber 2020, § 69 Rn. 92 f.; Küss­ner/Ho­fe/Stöhr, Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz für Rhein­land-Pfalz, Band 1, Stand Sep­tem­ber 2020, § 69 Rn. 59).

21 Im Rah­men der oh­ne­hin ge­bo­te­nen Neu­re­ge­lung (sie­he 3.) hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber in Rhein­land-Pfalz die Mög­lich­keit, die Rechts­fol­gen ei­nes Ver­sto­ßes ei­nes Dienst­herrn ge­gen § 69 Abs. 8 LPers­VG RP klar­zu­stel­len.

22 c) Da der Klä­ge­rin als Mit­glied des Per­so­nal­rats die Vor­schrift des § 69 Abs. 8 LPers­VG RP hät­te be­kannt sein müs­sen, kann sie ih­re Kla­ge nicht auf die Ver­let­zung die­ser Vor­schrift stüt­zen, selbst wenn der Ge­set­zes­ver­stoß des Dienst­herrn zur Rechts­wid­rig­keit der be­tref­fen­den dienst­li­chen Be­ur­tei­lung füh­ren soll­te.

23 § 69 LPers­VG RP führt die all­ge­mei­nen Auf­ga­ben der Per­so­nal­ver­tre­tung und ihr In­for­ma­ti­ons­recht auf. Die­se all­ge­mei­nen Auf­ga­ben der Per­so­nal­ver­tre­tung müs­sen ei­nem Mit­glied des Per­so­nal­rats be­kannt sein. Denn die Per­so­nal­ver­tre­tung hat nach § 69 Abs. 1 Nr. 2 LPers­VG RP dar­über zu wa­chen, dass die zu­guns­ten der Be­schäf­tig­ten gel­ten­den Ge­set­ze und Ver­ord­nun­gen - da­zu zählt auch das Recht aus § 69 Abs. 8 LPers­VG RP - ein­ge­hal­ten wer­den. Zum Zeit­punkt des ers­ten Be­ur­tei­lungs­ge­sprächs am 10. No­vem­ber 2016 ge­hör­te die Klä­ge­rin dem Per­so­nal­rat der Be­klag­ten seit na­he­zu vier Jah­ren an. Zu­dem hat die Klä­ge­rin bei ih­rer Be­wer­bung um die Stel­le der Lei­te­rin der Per­so­nal­stel­le der Be­klag­ten für sich gel­tend ge­macht, sie ver­fü­ge als lang­jäh­ri­ge Per­so­nal­rats­vor­sit­zen­de über um­fang­rei­che prak­ti­sche Er­fah­run­gen und ar­beits­recht­li­che Kennt­nis­se im Per­so­nal­we­sen und ha­be seit ih­rer Wahl zur Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­rats an ei­ner Viel­zahl von Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen teil­ge­nom­men. Schlie­ß­lich ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Klä­ge­rin das ers­te Be­ur­tei­lungs­ge­spräch mit der Be­grün­dung ab­ge­bro­chen hat, sie wol­le vor ei­nem sol­chen Ge­spräch ex­ter­nen Rechts­rat ein­ho­len.

24 3. Die nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben im Land Rhein­land-Pfalz für die Er­stel­lung der an­ge­grif­fe­nen An­lass­be­ur­tei­lung durch die Be­klag­te wa­ren un­zu­rei­chend. Dies führt al­ler­dings nicht zur Auf­he­bung der an­ge­grif­fe­nen An­lass­be­ur­tei­lung, weil die­ser Zu­stand für ei­nen Über­gangs­zeit­raum hin­zu­neh­men ist.

25 a) Ent­spre­chend der Ver­tei­lung der Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen (Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG) ent­hält das Be­am­ten­sta­tus­ge­setz kei­ne Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen. Re­gel­mä­ßig re­geln Lan­des­ge­set­ze auch für die Be­am­ten der Ge­mein­den und Land­krei­se die recht­li­chen Grund­la­gen für die Er­stel­lung von Be­ur­tei­lun­gen. Dies gilt et­wa für § 49 Thü­rin­ger Lauf­bahn­ge­setz vom 12. Au­gust 2014 (GVBl. S. 472 - Thür­Lauf­bG), für § 92 Lan­des­be­am­ten­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len vom 14. Ju­ni 2016 (GV. NRW. 2016, 310 - LBG NRW) und für die in Bay­ern ma­ß­geb­li­chen Art. 54 ff. Leis­tungs­lauf­bahn­ge­setz vom 5. Au­gust 2010 (GVBl. S. 410, 571 - BayLlbG).

26 Dem­ge­gen­über sind dem auch für die Be­am­ten der be­klag­ten Stadt ma­ß­geb­li­chen Lan­des­be­am­ten­ge­setz des Lan­des Rhein­land-Pfalz vom 20. Ok­to­ber 2010 (GVBl. S. 319 - LBG RP) kei­ne in­halt­li­chen Be­stim­mun­gen für dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen zu ent­neh­men. Das Ge­setz er­mäch­tigt in § 25 Abs. 1 Nr. 8 LBG RP le­dig­lich die Lan­des­re­gie­rung da­zu, in ei­ner Lauf­bahn­ver­ord­nung die Grund­sät­ze für dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen zu re­geln.

27 Aber auch die auf­grund von § 25 LBG RP er­las­se­ne Lauf­bahn­ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung vom 19. No­vem­ber 2010 (GVBl. S. 444 - Lb­VO RP) trifft kei­ne in­halt­li­che Re­ge­lung. In § 15 Abs. 1 Satz 1 Lb­VO RP wird le­dig­lich ent­spre­chend Art. 33 Abs. 2 GG be­stimmt, dass Eig­nung, Be­fä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung der Be­am­ten zu be­ur­tei­len sind. In Satz 2 wird die obers­te Dienst­be­hör­de er­mäch­tigt, das Nä­he­re zu re­geln. Ent­spre­chend dem all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis sind da­mit Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en ge­meint, die von der je­wei­li­gen obers­ten Dienst­be­hör­de als Ver­wal­tungs­vor­schrift er­las­sen wer­den.

28 Das Feh­len von nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben hat zur Fol­ge, dass die Be­din­gun­gen für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen für die im je­wei­li­gen Ge­schäfts­be­reich tä­ti­gen Be­am­ten und Rich­ter von den Mi­nis­te­ri­en au­to­nom fest­ge­setzt wer­den. Die Sich­tung der in Rhein­land-Pfalz exis­tie­ren­den Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en be­legt, dass da­bei von der Exe­ku­ti­ve ganz un­ter­schied­li­che Mo­del­le für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen ent­wi­ckelt und dem nach­ge­ord­ne­ten Be­reich vor­ge­ge­ben wer­den. In ei­ni­gen Be­rei­chen sind nach den Richt­li­ni­en le­dig­lich An­lass­be­ur­tei­lun­gen zu­ge­las­sen (z.B. Ver­wal­tungs­vor­schrift des Mi­nis­te­ri­ums des In­nern und für Sport vom 15. Ok­to­ber 2005 für Be­ur­tei­lun­gen im Be­reich der Po­li­zei des Lan­des Rhein­land-Pfalz, MinBl. 2005 S. 314), wäh­rend für an­de­re Ver­wal­tungs­be­rei­che die je­wei­li­ge Ver­wal­tungs­vor­schrift Re­gel­be­ur­tei­lun­gen zu be­stimm­ten Stich­ta­gen vor­schreibt (z.B. Ver­wal­tungs­vor­schrift des Mi­nis­te­ri­ums der Fi­nan­zen über die Be­ur­tei­lung der Be­am­tin­nen und Be­am­ten der Steu­er­ver­wal­tung vom 20. Fe­bru­ar 2019, MinBl. 2019 S. 56 und Ver­wal­tungs­vor­schrift des Mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz vom 15. Au­gust 2016, RP JBl. S. 167). Auch wird die für die Funk­ti­on der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung be­son­ders be­deut­sa­me Fra­ge der Bil­dung des Ge­samt­ur­teils in den Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en stark di­ver­gie­rend ge­re­gelt. In dem hier zu­grun­de lie­gen­den Be­ru­fungs­ur­teil (ju­ris Rn. 51 ff.) hat es das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt un­ter Be­ru­fung auf das von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Be­ur­tei­lungs­for­mu­lar, das ei­nen sol­chen Schritt nicht vor­sieht, als recht­mä­ßig er­ach­tet, dass die Be­klag­te aus der Leis­tungs- und der Be­fä­hi­gungs­be­ur­tei­lung kein Ge­samt­ur­teil ge­bil­det hat. Bei der An­wen­dung der frü­her für den Be­reich der Steu­er­ver­wal­tung des Lan­des Rhein­land-Pfalz gel­ten­den Ver­wal­tungs­vor­schrift, die dem­ge­gen­über die Bil­dung ei­nes Ge­samt­ur­teils vor­sieht, hat das Be­ru­fungs­ge­richt die­se Vor­ge­hens­wei­se aus­ge­hend von der Richt­li­nie als ge­bo­ten be­wer­tet (OVG Ko­blenz, Ur­teil vom 24. Sep­tem­ber 2018 - 2 A 10400/18 - ju­ris Rn. 37 ff.).

29 Die da­mit ver­bun­de­ne Pro­ble­ma­tik zeigt sich plas­tisch bei der Ent­ste­hung der streit­ge­gen­ständ­li­chen An­lass­be­ur­tei­lung. Es fehl­ten nicht nur Vor­ga­ben des Norm­ge­bers auf der Ebe­ne des Ge­set­zes und der Rechts­ver­ord­nung auf­grund ei­ner Art. 110 Abs. 1 Satz 2 LVerf RP ge­nü­gen­den ge­setz­li­chen Grund­la­ge. Dar­über hin­aus be­stand und be­steht im Be­reich der Be­klag­ten kei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift, die die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten re­gelt. Die Be­klag­te, die le­dig­lich über ei­ne ge­rin­ge Zahl von Be­am­ten ver­fügt, be­ur­teilt die­se nicht re­gel­mä­ßig. Die bei­den Stel­len­aus­schrei­bun­gen vom März 2015 sind die ein­zi­gen in ei­nem Zeit­raum von mehr als zehn Jah­ren, für die von der Be­klag­ten Be­ur­tei­lun­gen er­stellt wor­den sind. Die Be­klag­te hat im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ein­ge­räumt, dass sie für die An­lass­be­ur­tei­lun­gen ei­nen Be­ur­tei­lungs­vor­druck ver­wen­det hat, der in der Ver­wal­tungs­vor­schrift des In­nen­mi­nis­te­ri­ums vom 15. Ok­to­ber 2005 für die dienst­li­che Be­ur­tei­lung von Po­li­zei­voll­zugs­be­am­ten des Lan­des Rhein­land-Pfalz vor­ge­ge­ben ist. Sie hat im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren auch dar­auf ver­wie­sen, dass die ganz über­wie­gen­de Zahl von Kom­mu­nen des Lan­des Rhein­land-Pfalz auf­grund der ge­rin­gen Grö­ße ih­rer je­wei­li­gen Per­so­nal­kör­per eben­falls nicht über ei­ne ei­ge­ne Be­ur­tei­lungs­richt­li­nie ver­fügt, an der sich die dienst­li­che Be­ur­tei­lung ih­rer Be­am­ten aus­rich­ten könn­te.

30 b) Die in Rhein­land-Pfalz be­stehen­de gro­ße Band­brei­te an Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en be­ein­träch­tigt un­mit­tel­bar die Ver­gleich­bar­keit dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten in­ner­halb des Be­reichs ih­res Dienst­herrn (z.B. Land Rhein­land-Pfalz) und da­mit de­ren Funk­ti­on im Rah­men ei­ner an Art. 33 Abs. 2 GG ori­en­tier­ten Aus­wahl­ent­schei­dung. Dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen er­hal­ten ih­re we­sent­li­che Aus­sa­ge­kraft erst auf­grund ih­rer Re­la­ti­on zu den Be­wer­tun­gen in den dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen an­de­rer Be­am­ter. Dar­aus folgt, dass die Be­ur­tei­lungs­maß­stä­be gleich sein und gleich an­ge­wen­det wer­den müs­sen (BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 9. Au­gust 2016 - 2 BvR 1287/16 - NVwZ 2017, 46 Rn. 84 und BVer­wG, Ur­teil vom 27. No­vem­ber 2014 - 2 A 10.13 - BVer­w­GE 150, 359 Rn. 21). Der Dienst­herr ist da­nach ge­hal­ten, in sei­nem Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich so­wohl für die Bil­dung glei­cher Be­ur­tei­lungs­maß­stä­be als auch für de­ren gleich­mä­ßi­ge An­wen­dung Sor­ge zu tra­gen (BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 17. Fe­bru­ar 2017 - 2 BvR 1558/16 - NVwZ 2017, 1133 Rn. 11). Sind dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen nicht in dem Sin­ne ver­gleich­bar, dass sie ei­nen recht­lich ein­wand­frei­en Ver­gleich der Be­wer­ber er­mög­li­chen, ist der Dienst­herr ge­hal­ten, sie "kom­pa­ti­bel" zu ma­chen (BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 9. Au­gust 2016 - 2 BvR 1287/16 - NVwZ 2017, 46 Rn. 85).

31 c) Für die Ver­wirk­li­chung des grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 33 Abs. 2 GG kommt dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen sind - recht­lich wie tat­säch­lich - das ent­schei­den­de In­stru­ment der Per­so­nal­steue­rung, mit dem über das grund­rechts­glei­che Recht des Be­am­ten auf "ein an­ge­mes­se­nes be­ruf­li­ches Fort­kom­men" (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 31, 36; BVer­wG, Be­schluss vom 17. März 2021 - 2 B 3.21 - ZBR 2021, 254 <256>) ent­schie­den wird. Zwar schlie­ßt Art. 33 Abs. 2 GG die Nut­zung an­de­rer In­stru­men­te zur Er­mitt­lung des i.S.v. Art. 33 Abs. 2 GG best­ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten nicht aus (BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 11. Mai 2011 - 2 BvR 764/11 - NVwZ 2011, 1191 Rn. 12; vgl. z.B. Art. 16 Abs. 1 Satz 4 BayLlbG). Al­ler­dings ba­siert die Aus­wahl­ent­schei­dung, d.h. der Ver­gleich der Be­wer­ber im Rah­men der Aus­wahl, in der Pra­xis vor al­lem auf dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen (vgl. BVerfG, Be­schlüs­se vom 20. April 2004 - 1 BvR 838/01 u.a. - BVerf­GE 110, 304 <332> und vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 58). Die Eig­nung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen als Ver­gleichs­grund­la­ge setzt vor­aus, dass sie in­halt­lich aus­sa­ge­kräf­tig sind. Sie müs­sen ei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für die Aus­wahl­ent­schei­dung ver­mit­teln (BVerfG, Kam­mer­be­schlüs­se vom 29. Ju­li 2003 - 2 BvR 311/03 - BVerf­GK 1, 292 <296 f.> und vom 7. März 2013 - 2 BvR 2582/12 - NVwZ 2013, 1603 Rn. 21).

32 An­ge­sichts die­ser Be­deu­tung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen für die al­lein nach Ma­ß­ga­be des Art. 33 Abs. 2 GG zu tref­fen­de Aus­wahl­ent­schei­dung kön­nen die Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von Be­ur­tei­lun­gen nicht al­lein Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten über­las­sen blei­ben. Die grund­le­gen­den Vor­ga­ben für ih­re Er­stel­lung müs­sen in Rechts­nor­men ge­re­gelt wer­den. Rechts­staats­prin­zip und De­mo­kratie­ge­bot ver­pflich­ten den Ge­setz­ge­ber, die für die Ver­wirk­li­chung ei­nes Grund­rechts oder - wie hier - ei­nes grund­rechts­glei­chen Rechts ma­ß­geb­li­chen Re­ge­lun­gen im We­sent­li­chen selbst zu tref­fen und die­se nicht dem Han­deln und der Ent­schei­dungs­macht der Exe­ku­ti­ve zu über­las­sen. We­sent­lich in die­sem Sin­ne sind al­le Re­ge­lun­gen, die für die Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts er­heb­li­che Be­deu­tung ha­ben und sie be­son­ders in­ten­siv be­tref­fen (BVerfG, Ur­teil vom 14. Ju­li 1998 - 1 BvR 1640/97 - BVerf­GE 98, 218 <251> und Be­schluss vom 21. April 2015 - 2 BvR 1322/12 u.a. - BVerf­GE 139, 19 Rn. 52). Zu­dem ist die Re­ge­lungs­form des Ge­set­zes für das Be­am­ten­ver­hält­nis ty­pisch und sach­an­ge­mes­sen; die we­sent­li­chen In­hal­te des Be­am­ten­rechts sind da­her durch Ge­setz zu re­geln (BVerfG, Be­schlüs­se vom 22. März 1990 - 2 BvL 1/86 - BVerf­GE 81, 363 <386> und vom 21. April 2015 - 2 BvR 1322/12 u.a. - BVerf­GE 139, 19 Rn. 57).

33 Die An­wen­dung des ver­fas­sungs­recht­li­chen We­sent­lich­keits­grund­sat­zes auf die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen von Be­am­ten we­gen ih­rer Be­deu­tung für die Ver­wirk­li­chung ih­res Rechts aus Art. 33 Abs. 2 GG (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 17. Sep­tem­ber 2020 - 2 C 2.20 - BVer­w­GE 169, 254 Rn. 16 ff. und Be­schluss vom 21. De­zem­ber 2020 - 2 B 63.20 - Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 2 GG Nr. 104 Rn. 23) hält der Se­nat auch im Hin­blick auf die hier­an ge­äu­ßer­te Kri­tik (OVG Mag­de­burg, Be­schluss vom 19. Ja­nu­ar 2021 - 1 M 143/20 - Rn. 12 ff.; VGH Kas­sel, Be­schluss vom 25. Fe­bru­ar 2021 - 1 B 376/20 - Rn. 43 ff. <die Fra­ge aber of­fen­las­send> und OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 10. Mai 2021 - 4 S 15/21 - Rn. 6 ff.) auf­recht. Re­ge­lun­gen zur Aus­ge­stal­tung des grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 33 Abs. 2 GG un­ter­lie­gen auch bei Be­am­ten den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen. Die ge­gen das Er­for­der­nis ei­ner Ent­schei­dung des Ge­setz- und Ver­ord­nungs­ge­bers u.a. vor­ge­brach­te An­sicht, die be­son­de­re Pflich­ten­stel­lung ih­res öf­fent­lich-recht­li­chen Dienst- und Treue­ver­hält­nis­ses recht­fer­ti­ge bei Be­am­ten Ab­stri­che von den all­ge­mein gel­ten­den recht­li­chen An­for­de­run­gen mit der Fol­ge, dass sich die Vor­ga­ben für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen als dem we­sent­li­chen In­stru­ment für die Aus­übung ih­res Rechts aus Art. 33 Abs. 2 GG al­lein aus blo­ßen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten er­ge­ben könn­ten, ist über­holt. Die Ein­schät­zung, wel­che recht­li­chen An­for­de­run­gen für Re­ge­lun­gen im Be­am­ten­ver­hält­nis im Hin­blick auf die Fra­ge der We­sent­lich­keit und da­mit ei­ner hin­rei­chen­den (par­la­ments-)ge­setz­li­chen Grund­la­ge gel­ten, stellt sich un­ter dem im Lauf der Zeit ge­wan­del­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Blick­win­kel an­ders dar als noch vor ei­ni­gen Jah­ren (BVerfG, Be­schluss vom 21. April 2015 - 2 BvR 1322/12 u.a. - BVerf­GE 139, 19 Rn. 57).

34 Für ei­ne dienst­li­che Be­ur­tei­lung we­sent­lich in die­sem Sin­ne sind die Ent­schei­dung über das Be­ur­tei­lungs­sys­tem (Re­gel­be­ur­tei­lun­gen oder blo­ße An­lass­be­ur­tei­lun­gen, ggf. Letz­te­re als Aus­nah­me der Erst­ge­nann­ten) und die Vor­ga­be der Bil­dung des ab­schlie­ßen­den Ge­samt­ur­teils un­ter Wür­di­gung al­ler Ein­zel­merk­ma­le (BVer­wG, Ur­teil vom 17. Sep­tem­ber 2020 - 2 C 2.20 - BVer­w­GE 169, 254 Rn. 16). Die­ses ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil ist Aus­gangs­punkt des Ver­gleichs der Be­wer­ber nach Ma­ß­ga­be des Art. 33 Abs. 2 GG (BVerfG, Be­schluss vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 58 m.w.N.). Al­lein die Band­brei­te der Vor­ga­ben der zahl­rei­chen, in­so­weit stark di­ver­gie­ren­den Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en der obers­ten Dienst­be­hör­den des Lan­des Rhein­land-Pfalz zur Bil­dung ei­nes Ge­samt­ur­teils (s. un­ten 4.) be­legt die Not­wen­dig­keit ei­ner Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers, der da­bei wie­der­um an Art. 33 Abs. 2 GG ge­bun­den ist.

35 Der Ge­setz­ge­ber ist selbst­ver­ständ­lich nicht ge­hin­dert, im Ge­setz un­mit­tel­bar mehr zu re­geln als die ge­nann­ten we­sent­li­chen As­pek­te (vgl. z.B. Art. 54 ff. BayLlbG). Er kann auch den Re­ge­lungs­ge­halt der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG be­stim­men, de­ren Ab­gren­zung nicht trenn­scharf mög­lich ist (vgl. § 2 Abs. 2 bis 4 Thür­Lauf­bG). Al­ler­dings ist der Ge­setz­ge­ber zu ei­ner solch weit­rei­chen­den Re­ge­lung nicht ge­zwun­gen. Denn es be­steht im Hin­blick auf die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen kein um­fas­sen­der Par­la­ments­vor­be­halt. Der Ge­setz­ge­ber darf die Exe­ku­ti­ve er­mäch­ti­gen, durch Rechts­ver­ord­nung wei­te­re Vor­ga­ben zu re­geln. Da­bei kommt Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG und den ent­spre­chen­den Be­stim­mun­gen der Ver­fas­sun­gen der Län­der (hier: Art. 110 Abs. 1 Satz 2 LVerf RP), wo­nach In­halt, Zweck und Aus­maß der Er­mäch­ti­gung zum Er­lass ei­ner Rechts­ver­ord­nung im Ge­setz be­stimmt wer­den müs­sen, als Aus­prä­gung des all­ge­mei­nen Ge­set­zes­vor­be­halts die Funk­ti­on zu, die Fest­le­gung der Be­din­gun­gen für die Aus­übung des grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 33 Abs. 2 GG durch die Exe­ku­ti­ve nach­voll­zieh­bar auf ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Wil­lens­äu­ße­rung zu­rück­zu­füh­ren. Die ge­setz­li­che Er­mäch­ti­gung zum Er­lass der Rechts­ver­ord­nung muss so be­stimmt sein, dass vor­aus­zu­se­hen ist, in wel­chen Fäl­len und mit wel­cher Ten­denz von ihr Ge­brauch ge­macht wer­den wird und wel­chen In­halt die auf­grund der Er­mäch­ti­gung er­las­se­nen Ver­ord­nun­gen ha­ben kön­nen (BVerfG, Be­schluss vom 21. April 2015 - 2 BvR 1322/12 u.a. - BVerf­GE 139, 19 Rn. 55 m.w.N.). Da­ge­gen wä­re es mit den An­for­de­run­gen des all­ge­mei­nen Rechts­satz­vor­be­halts un­ver­ein­bar, nur we­ni­ge Ent­schei­dun­gen im Ge­setz selbst zu tref­fen und die Be­stim­mun­gen für die Er­stel­lung von dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen im Üb­ri­gen der Exe­ku­ti­ve in Ge­stalt von blo­ßen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu über­las­sen. Durch den Vor­be­halt ei­ner hin­rei­chend be­stimm­ten ge­setz­li­chen Er­mäch­ti­gung zum Er­lass ei­ner Rechts­ver­ord­nung ist ge­währ­leis­tet, dass die Exe­ku­ti­ve in ei­nem Be­reich, der für die Aus­übung des grund­rechts­glei­chen Rechts von gro­ßer Be­deu­tung ist, nur nach Ma­ß­ga­be par­la­men­ta­ri­scher Er­mäch­ti­gung tä­tig wird.

36 Er­mäch­tigt der Ge­setz­ge­ber auf­grund ei­ner dem Be­stimmt­heits­ge­bot ge­nü­gen­den Vor­schrift da­zu, Grund­sät­ze für dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen oder für das Be­ur­tei­lungs­ver­fah­ren durch Rechts­ver­ord­nung zu re­geln, so muss die­se Re­ge­lung auch in Ge­stalt ei­ner Rechts­ver­ord­nung ge­trof­fen wer­den. Die pau­scha­le Wei­ter­lei­tung der Er­mäch­ti­gung in der Rechts­ver­ord­nung auf die Ebe­ne der blo­ßen Ver­wal­tungs­vor­schrift, wie et­wa in § 15 Abs. 1 Satz 2 Lb­VO RP, ist aus­ge­schlos­sen.

37 Auch un­ter Be­ach­tung der An­for­de­run­gen, die sich nach dem Vor­ste­hen­den aus dem Vor­be­halt des Ge­set­zes er­ge­ben, bleibt dem Ge­setz­ge­ber ein hin­rei­chen­der (Ge­stal­tungs-)Spiel­raum, wie er die­sen Vor­ga­ben ge­nügt: So ist et­wa ei­ne Re­ge­lung der recht­li­chen Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen nach dem Vor­bild der Art. 54 ff. BayLlbG, die der Se­nat in sei­nem Be­schluss vom 21. De­zem­ber 2020 - 2 B 63.20 - (Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 2 GG Nr. 104 Rn. 23) als Ge­gen­bei­spiel den de­fi­zi­tä­ren Re­ge­lun­gen des bran­den­bur­gi­schen Lan­des­rechts ge­gen­über­ge­stellt hat, nicht zwin­gend. Zu­dem ist zu be­ach­ten, dass die ge­nann­ten ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen in Bay­ern an zahl­rei­chen Stel­len Vor­be­hal­te oder Ein­schrän­kun­gen vor­se­hen (z.B. Art. 56 Abs. 3 Satz 2, Art. 58 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 6 Satz 2 und 3, Art. 59 Abs. 1 Satz 2 so­wie Art. 60 Abs. 1 Satz 5 BayLlbG). Wie be­reits er­wähnt, ge­nügt der Ge­setz­ge­ber den ge­nann­ten An­for­de­run­gen auch da­durch, dass er die we­sent­li­chen As­pek­te im Ge­setz re­gelt und die wei­te­ren Vor­ga­ben für die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen ei­ner Rechts­ver­ord­nung auf­grund ei­ner aus­rei­chend be­stimm­ten Er­mäch­ti­gung über­lässt (vgl. z.B. § 49 Thür­Lauf­bG). Das be­trifft z.B. den Rhyth­mus von Re­gel­be­ur­tei­lun­gen, den In­halt der zu be­ur­tei­len­den Ein­zel­merk­ma­le von Eig­nung, Be­fä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung, die Fest­le­gung der Funk­tio­nen der­je­ni­gen Per­so­nen, die an der Er­stel­lung der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung mit­zu­wir­ken ha­ben, den Be­ur­tei­lungs­maß­stab und die Vor­ga­ben für die Ver­ga­be der höchs­ten so­wie der zweit­höchs­ten No­te (Richt­wer­te). Dass auch die der­zei­ti­ge Ge­set­zes- und Ver­ord­nungs­la­ge in Nord­rhein-West­fa­len (§ 92 Abs. 1 LBG NRW, § 8 LVO NRW) den hier be­schrie­be­nen An­for­de­run­gen ge­nügt, hat der Se­nat be­reits aus­ge­spro­chen (BVer­wG, Ur­teil vom 17. Sep­tem­ber 2020 - 2 C 2.20 - BVer­w­GE 169, 254 Rn. 16 f.). Bei­spiel­haft ist schlie­ß­lich auch die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in § 21 Abs. 2 BBG in der Fas­sung des Ge­set­zes zur Re­ge­lung des Er­schei­nungs­bil­des von Be­am­tin­nen und Be­am­ten so­wie zur Än­de­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 28. Ju­ni 2021 (BGBl. I S. 2250) zu nen­nen. Mit dem ge­nann­ten Än­de­rungs­ge­setz hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber die Er­mäch­ti­gungs­grund­la­gen im Bun­des­be­am­ten­ge­setz für den Er­lass von auf die­sem Ge­setz fu­ßen­den Rechts­ver­ord­nun­gen ins­be­son­de­re be­tref­fend die Er­stel­lung dienst­li­cher Be­ur­tei­lun­gen kon­kre­ti­siert, um sie an die aus dem Vor­be­halt des Ge­set­zes fol­gen­den Vor­ga­ben des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG an­zu­pas­sen (so aus­drück­lich BT-Drs. 19/26839 S. 2 f., 33 f., 39 f; BT-Drs. 19/28836 S. 2 f.).

38 Klar­stel­lend weist der Se­nat dar­auf hin, dass der Norm­ge­ber nicht ge­zwun­gen ist, die in ei­ner dienst­li­chen Be­ur­tei­lung zu be­wer­ten­den Ein­zel­merk­ma­le ei­nem der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG ge­nau zu­zu­ord­nen. Es muss nur ge­währ­leis­tet sein, dass al­le Ein­zel­merk­ma­le, die der Norm­ge­ber als für Art. 33 Abs. 2 GG re­le­vant an­sieht, in das ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil ein­flie­ßen.

39 In dem vom Norm­ge­ber be­stimm­ten Rah­men, na­ment­lich in­ner­halb des von ihm vor­ge­ge­be­nen Be­ur­tei­lungs­sys­tems, ist der Dienst­herr be­rech­tigt, für ver­schie­de­ne Grup­pen von Be­am­ten (z.B. für Po­li­zei­voll­zugs­be­am­te) un­ter­schied­li­che Aus­ge­stal­tun­gen des Be­ur­tei­lungs­ver­fah­rens, ins­be­son­de­re der Be­ur­tei­lungs­zeit­räu­me und der Funk­ti­on der be­tei­lig­ten Per­so­nen, vor­zu­ge­ben.

40 d) Die in Rhein­land-Pfalz zum Zeit­punkt der Er­stel­lung der An­lass­be­ur­tei­lung und auch jetzt noch gel­ten­den Rechts­nor­men sind un­zu­rei­chend. Die vor­han­de­nen Rechts­nor­men und die auf sie ge­stütz­ten Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten kön­nen aber für ei­nen Über­gangs­zeit­raum wei­ter­hin an­ge­wen­det wer­den, um ei­nen der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch fer­ne­ren Zu­stand zu ver­mei­den (BVerfG, Be­schluss vom 20. März 2013 - 2 BvF 1/05 - BVerf­GE 133, 241 Rn. 51 m.w.N.; BVer­wG, Ur­tei­le vom 1. Ju­ni 1995 - 2 C 16.94 - BVer­w­GE 98, 324 <327 f.>, vom 17. Ju­ni 2004 - 2 C 50.02 - BVer­w­GE 121, 103 <111> und vom 30. Au­gust 2012 - 2 C 23.10 - BVer­w­GE 144, 93 Rn. 16 so­wie Be­schluss vom 31. Ja­nu­ar 2019 - 1 WB 28.17 - BVer­w­GE 164, 304 Rn. 35). Oh­ne die vor­über­ge­hen­de Wei­ter­gel­tung der auf­grund der lan­des­recht­li­chen Re­ge­lun­gen er­las­se­nen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, an der sich auch die Be­klag­te bei der Er­stel­lung der An­lass­be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin ori­en­tiert hat, könn­ten die für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung wich­ti­gen Aus­wahl­ent­schei­dun­gen nicht ge­trof­fen wer­den.

41 4. Die An­lass­be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin ist rechts­wid­rig, weil die Be­klag­te in der Be­ur­tei­lung kein ab­schlie­ßen­des Ge­samt­ur­teil ge­bil­det hat. In die­ses Ge­samt­ur­teil müs­sen sämt­li­che vom Dienst­herrn be­wer­te­te Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG ein­flie­ßen.

42 a) Der Ver­gleich der Be­wer­ber im Rah­men ei­ner Aus­wahl­ent­schei­dung ori­en­tiert sich in ers­ter Li­nie an den dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen. Da­bei sind die Be­ur­tei­lun­gen, so­weit sie aus­sa­ge­kräf­tig sind, in ih­rer Ge­samt­heit zu­grun­de zu le­gen. Ma­ß­geb­lich ist in ers­ter Li­nie das ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung. Die­ses ist an­hand ei­ner Wür­di­gung, Ge­wich­tung und Ab­wä­gung der ein­zel­nen leis­tungs­be­zo­ge­nen Ge­sichts­punk­te zu bil­den (BVerfG, Be­schluss vom 16. De­zem­ber 2015 - 2 BvR 1958/13 - BVerf­GE 141, 56 Rn. 58 und Kam­mer­be­schluss vom 4. Ok­to­ber 2012 - 2 BvR 1120/12 - NVwZ 2013, 573 Rn. 12; BVer­wG, Be­schluss vom 27. Sep­tem­ber 2011 - 2 VR 3.11 - Buch­holz 232.1 § 48 BLV Nr. 1 Rn. 23). Um die ihr im Be­reich von Aus­wahl­ent­schei­dun­gen nach Art. 33 Abs. 2 GG zu­kom­men­de Funk­ti­on er­fül­len zu kön­nen, muss ei­ne dienst­li­che Be­ur­tei­lung ein ab­schlie­ßen­des Ge­samt­ur­teil ent­hal­ten.

43 Art. 33 Abs. 2 GG nennt drei Kri­te­ri­en, de­ren Ge­halt der Norm­ge­ber zu de­fi­nie­ren be­fugt ist. Der Ge­setz­ge­ber und erst recht die Exe­ku­ti­ve - auf der Ebe­ne von blo­ßen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten - sind aber nicht be­fugt, ei­nes die­ser drei Kri­te­ri­en bei der Bil­dung des ab­schlie­ßen­den Ge­samt­ur­teils un­be­rück­sich­tigt zu las­sen. Dem­entspre­chend schreibt et­wa § 49 Abs. 3 Satz 1 BLV zu­tref­fend die Bil­dung ei­nes ab­schlie­ßen­den - um­fas­sen­den - Ge­samt­ur­teils vor (Lor­se, Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung, 7. Aufl. 2020, Rn. 176; a.A. Schnel­len­bach/Bo­da­no­witz, Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung der Be­am­ten und der Rich­ter, Bd. 2, Stand Ok­to­ber 2020, Rn. 107b).

44 b) In sei­nem Ur­teil vom 19. März 2015 - 2 C 12.14 - (BVer­w­GE 151, 333 Rn. 44) hat der Se­nat aus­ge­führt, die dort (Rn. 42 des Ur­teils) auf­ge­führ­ten Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le (in der dor­ti­gen Be­ur­tei­lungs­richt­li­nie "Po­ten­zi­al­ab­schät­zung" ge­nannt) ent­zö­gen sich ei­ner ge­ne­rel­len und be­zugs­un­ab­hän­gi­gen Ge­samt­be­wer­tung oder gar No­ten­ver­ga­be. Die­se Recht­spre­chung gibt der Se­nat auf.

45 Das Grund­ge­setz gibt in Art. 33 Abs. 2 vor, dass sämt­li­che Ein­zel­merk­ma­le der drei Kri­te­ri­en bei der Bil­dung des ab­schlie­ßen­den Ge­samt­ur­teils zu be­rück­sich­ti­gen sind, d.h. auch die Ein­zel­merk­ma­le der Kri­te­ri­en der Be­fä­hi­gung und der Eig­nung. Auch vom Dienst­herrn de­fi­nier­te Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le - wie et­wa Team­fä­hig­keit, Kon­flikt­fä­hig­keit, schrift­li­che Aus­drucks­fä­hig­keit, Ent­schei­dungs­fä­hig­keit oder kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit (vgl. Rn. 42 des Ur­teils vom 19. März 2015) - kön­nen eben­so wie die ver­wand­ten Ein­zel­merk­ma­le der fach­li­chen Leis­tung auf der Ba­sis der im Be­ur­tei­lungs­zeit­raum vom Be­am­ten auf dem Dienst­pos­ten ge­zeig­ten Leis­tun­gen und sei­nes Ver­hal­tens im Ein­zel­nen auf das Sta­tu­samt be­zo­gen be­wer­tet und die­se Ein­zel­be­wer­tun­gen kön­nen - falls dies vor­ge­ge­ben ist - zu ei­ner Ge­samt­no­te der Be­fä­hi­gung zu­sam­men­ge­fasst wer­den.

46 Häu­fig sind die Be­ur­tei­ler be­reits ge­gen­wär­tig nach den je­weils gel­ten­den Vor­schrif­ten ver­pflich­tet, ein zu­sam­men­fas­sen­des Ge­samt­ur­teil un­ter Be­rück­sich­ti­gung sämt­li­cher Um­stän­de zu bil­den (a.A. Schnel­len­bach/Bo­da­no­witz, Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung der Be­am­ten und der Rich­ter, Bd. 2, Stand Ok­to­ber 2020, Rn. 257 und die­sel­ben, Be­am­ten­recht in der Pra­xis, 10. Aufl. 2020, § 11 Rn. 17). Dies gilt et­wa für § 92 Abs. 1 Satz 3 LBG NRW, für Art. 58 Abs. 3 und Art. 59 BayLlbG, für § 49 Abs. 2 Thür­Lauf­bG und für § 11 Thü­rin­ger Be­ur­tei­lungs­ver­ord­nung vom 18. Fe­bru­ar 2020 (GVBl. 2020, 64). Auch die neue Be­ur­tei­lungs­richt­li­nie des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums Rhein­land-Pfalz vom 20. Fe­bru­ar 2019 (MinBl. 2019, 56) sieht vor, dass die Leis­tungs-, Eig­nungs- und Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le in die ab­schlie­ßen­de Ge­samt­be­wer­tung ein­flie­ßen (ähn­lich die Be­ur­tei­lungs­richt­li­nie für den Jus­tiz­voll­zugs­dienst in Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung vom 6. April 2016, JMBl. NRW S. 130, da­zu OVG Müns­ter, Be­schluss vom 11. De­zem­ber 2018 - 6 B 1386/18 -).

47 c) Die Art und Wei­se, wie das zu­sam­men­fas­sen­de Ge­samt­ur­teil als Er­geb­nis der um­fas­sen­den Wür­di­gung, Ge­wich­tung und Ab­wä­gung der ein­zel­nen Merk­ma­le zu bil­den ist, ist von Art. 33 Abs. 2 GG nicht vor­ge­ge­ben und un­ter­liegt des­halb der Ge­stal­tung durch den Norm­ge­ber; die­sem ist es le­dig­lich ver­wehrt, ei­nes der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG bei der Bil­dung des Ge­samt­ur­teils un­be­rück­sich­tigt zu las­sen.

48 Dies be­deu­tet nicht, dass dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen und ih­nen zu­grun­de lie­gen­de Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en, die ge­gen­wär­tig - et­wa nach ih­rem for­mu­lar­mä­ßi­gen Auf­bau - auf den ers­ten Blick kei­ne mit "Be­fä­hi­gung" oder "Eig­nung" be­ti­tel­te Ru­bri­ken auf­wei­sen, des­halb de­fi­zi­tär wä­ren. In vie­len dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen und Be­ur­tei­lungs­richt­li­ni­en fin­den sich Ein­zel­merk­ma­le, die Ei­gen­schaf­ten be­zeich­nen, die sich nicht "trenn­scharf" nur ei­nem, son­dern oft­mals auch ei­nem an­de­ren der drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG zu­ord­nen las­sen. So kann z.B. ein Ein­zel­merk­mal zwar zu­vör­derst ei­nen As­pekt der "fach­li­chen Leis­tung" i.S.v. Art. 33 Abs. 2 GG um­schrei­ben (und dort ggf. auf­ge­lis­tet sein), doch kann da­mit auch ei­ne grund­sätz­li­che "cha­rak­ter­li­che Ei­gen­schaft" an­ge­spro­chen sein, die auch dem Kri­te­ri­um der "Eig­nung" oder als "Fä­hig­keit" oder "Fer­tig­keit" auch dem Kri­te­ri­um der "Be­fä­hi­gung" zu­ge­ord­net wer­den kann, wenn man die Be­griffs­de­fi­ni­tio­nen die­ser drei Kri­te­ri­en des Art. 33 Abs. 2 GG in § 2 Abs. 2 bis 4 BLV zu­grun­de legt. Ent­schei­dend ist, wel­chen ma­te­ri­el­len Ge­halt das Ein­zel­merk­mal der je­wei­li­gen dienst­li­chen Be­ur­tei­lung hat.

49 d) Den vor­ste­hen­den An­for­de­run­gen an das ab­schlie­ßen­de Ge­samt­ur­teil ge­nügt die streit­ge­gen­ständ­li­che An­lass­be­ur­tei­lung nicht. Zwar hat die Be­klag­te ent­spre­chend dem von ihr ver­wen­de­ten Be­ur­tei­lungs­vor­druck der Be­ur­tei­lungs­richt­li­nie der Po­li­zei des Lan­des Rhein­land-Pfalz vom 15. Ok­to­ber 2005 die all­ge­mei­nen Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le und die be­son­de­ren Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le für Vor­ge­setz­te nach ei­ner fünf­stu­fi­gen Ska­la im Ein­zel­nen be­wer­tet; sie hat je­doch aus der Ge­samt­be­wer­tung der Leis­tun­gen mit der Ge­samt­no­te "B" der eben­falls fünf­stu­fi­gen Ska­la und der Be­wer­tung der Be­fä­hi­gungs­merk­ma­le kein zu­sam­men­fas­sen­des Ur­teil ge­bil­det. Dies muss der er­neu­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin vor­be­hal­ten blei­ben. Die Er­stel­lung ei­ner ord­nungs­ge­mä­ßen dienst­li­chen Be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin ist ei­ne ori­gi­nä­re Auf­ga­be der Be­klag­ten als Dienst­her­rin und nicht ei­ne des Ge­richts.

50 5. Sons­ti­ge von der Klä­ge­rin im Lau­fe des Ge­richts­ver­fah­rens ge­gen die An­lass­be­ur­tei­lung vor­ge­brach­te Grün­de be­grün­den nicht de­ren Rechts­wid­rig­keit.

51 a) Die Län­ge des von der Be­klag­ten für die An­lass­be­ur­tei­lun­gen ge­wähl­ten Zeit­raums von vier Jah­ren ist recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Die ge­wähl­te Zeit­span­ne hält sich aus­ge­hend von der Pra­xis der Be­klag­ten und man­gels er­kenn­ba­rer Re­le­vanz frü­he­rer Zeit­räu­me für den An­lass der Be­ur­tei­lung im Rah­men ih­res Ge­stal­tungs­spiel­raums.

52 b) Die Be­hin­der­ten­ei­gen­schaft der Klä­ge­rin hat die Be­klag­te an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt. Zum Zeit­punkt der Er­stel­lung der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung war bei der Klä­ge­rin ein Grad der Be­hin­de­rung von 30 fest­ge­stellt. Aus­weis­lich des Deck­blatts der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung vom 7. Ok­to­ber 2016 hat die Be­klag­te die­sen Um­stand be­rück­sich­tigt. Zwar hat die Klä­ge­rin im De­zem­ber 2017 ei­nen An­trag auf Zu­er­ken­nung ei­nes Gra­des der Be­hin­de­rung von 50 ge­stellt. Das vom Be­ru­fungs­ge­richt er­ör­ter­te Pro­blem der rück­wir­ken­den Zu­er­ken­nung der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft stellt sich hier je­doch nicht, weil die­ser An­trag An­fang 2018 ab­ge­lehnt wor­den ist, oh­ne dass die Klä­ge­rin hier­ge­gen vor­ge­gan­gen ist.

53 c) Ge­gen die im Hin­blick auf den recht­li­chen Maß­stab und die Sub­sum­ti­on zu­tref­fen­den Aus­füh­run­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zum As­pekt der Vor­ein­ge­nom­men­heit des Er­stel­lers des Be­ur­tei­lungs­bei­trags und des Be­ur­tei­lers hat die Klä­ge­rin im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nichts vor­ge­bracht. Zu­dem hat der für die Be­klag­te han­deln­de Be­ur­tei­ler so­wohl im Vor­feld der An­lass­be­ur­tei­lung vom 7. Ok­to­ber 2016 als auch im Wi­der­spruchs­be­scheid zu­tref­fend deut­lich ge­macht, dass die im Be­ur­tei­lungs­bei­trag des Fach­be­reichs­lei­ters der Klä­ge­rin an­klin­gen­de Kri­tik am Ein­satz der Klä­ge­rin für ih­re Funk­ti­on als Vor­sit­zen­de des Per­so­nal­rats in Re­la­ti­on zu ih­rem dienst­li­chen En­ga­ge­ment kei­nen Ein­gang in die dienst­li­che Be­ur­tei­lung ge­fun­den hat. Denn die Per­so­nal­rats­tä­tig­keit ei­nes zu be­ur­tei­len­den Be­am­ten muss bei der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung un­be­rück­sich­tigt blei­ben.

54 d) Auch be­ruht die an­ge­grif­fe­ne An­lass­be­ur­tei­lung auf ei­ner aus­rei­chen­den tat­säch­li­chen Grund­la­ge.

55 Ei­ne dienst­li­che Be­ur­tei­lung ei­nes Be­am­ten muss auf ei­ner hin­rei­chen­den tat­säch­li­chen Grund­la­ge ba­sie­ren, die die Be­wer­tung der Leis­tung und des Ver­hal­tens des Be­am­ten mög­lich ma­chen muss (BVer­wG, Ur­teil vom 27. No­vem­ber 2014 - 2 A 10.13 - BVer­w­GE 150, 359 Rn. 20). Als An­halts­punkt für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob bei ei­nem teil­wei­se frei­ge­stell­ten Mit­glied des Per­so­nal­rats die tat­säch­li­che Dienst­leis­tung noch als Grund­la­ge für die dienst­li­che Be­ur­tei­lung aus­reicht, kön­nen sol­che be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten die­nen, die im Hin­blick auf den ge­rin­gen Um­fang der Tä­tig­keit des Be­am­ten die fik­ti­ve Fort­schrei­bung der letz­ten re­gel­mä­ßi­gen dienst­li­chen Be­ur­tei­lung vor­se­hen (vgl. z.B. § 33 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BLV oder auch § 9 Abs. 2 der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Be­am­tin­nen und Be­am­ten im Land Nord­rhein-West­fa­len vom 21.  Ju­ni 2016, GV. NRW. 2016, 461).

56 Da­nach rei­chen die tat­säch­li­chen Dienst­leis­tun­gen der Klä­ge­rin in dem von der Be­klag­ten fest­ge­setz­ten Be­ur­tei­lungs­zeit­raum von Fe­bru­ar 2012 bis Ja­nu­ar 2016 auch in An­be­tracht der krank­heits­be­ding­ten Ab­we­sen­hei­ten der Klä­ge­rin, die in der vom Be­ru­fungs­ge­richt zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­mach­ten Per­so­nal­ak­te der Klä­ge­rin do­ku­men­tiert sind, als Grund­la­ge für die An­lass­be­ur­tei­lung - noch - aus. Ent­schei­den­de Be­deu­tung kommt da­bei dem Um­stand zu, dass die Klä­ge­rin im Jahr 2012 dem Per­so­nal­rat erst ab dem 17. De­zem­ber an­ge­hör­te und nach dem Ab­schluss ih­rer Wie­der­ein­glie­de­rung ab dem 18. Ju­li 2012 im vol­len Um­fang dienst­lich tä­tig war. In den Jah­ren 2013 bis 2015, in den die Klä­ge­rin noch zu 20 v.H. dienst­lich tä­tig war, gin­gen die Zei­ten krank­heits­be­ding­ter Ab­we­sen­heit stark zu­rück.

57 e) Die An­lass­be­ur­tei­lung ist schlie­ß­lich auch nicht des­halb rechts­wid­rig, weil die der Be­ur­tei­lung bei­ge­füg­te Auf­ga­ben­be­schrei­bung hin­ter der Stel­len­be­schrei­bung aus dem Jahr 2009 zu­rück­bleibt, die im Rah­men des Ver­fah­rens zur Be­wer­tung des von der Klä­ge­rin aus­ge­üb­ten Dienst­pos­tens er­stellt wor­den ist. Der Be­ur­tei­ler kann sich bei der dienst­li­chen Be­ur­tei­lung dar­auf be­schrän­ken, die we­sent­li­chen Tä­tig­kei­ten der zu Be­ur­tei­len­den in ge­dräng­ter Form wie­der­zu­ge­ben.

58 6. Konn­te der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber sei­ne Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten ent­spre­chend Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG vor der Er­nen­nung des Kon­kur­ren­ten aus­schöp­fen, schei­det ei­ne An­fech­tungs­kla­ge ge­gen die Er­nen­nung nach dem Grund­satz der Rechts­be­stän­dig­keit aus. Das be­tref­fen­de Sta­tu­samt ist un­wi­der­ruf­lich mit der Fol­ge ver­ge­ben, dass die Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­sprü­che der un­ter­le­ge­nen Be­wer­ber un­ter­ge­hen (BVer­wG, Ur­teil vom 4. No­vem­ber 2010 - 2 C 16.09 - BVer­w­GE 138, 102 Rn. 27 ff.). Nach die­sen Grund­sät­zen aus­ge­schlos­sen ist aber auch der An­spruch auf Neu­be­schei­dung des An­spruchs auf Be­för­de­rung in das hö­he­re Sta­tu­samt un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts.

59 Im Hin­blick auf ein beim Ver­wal­tungs­ge­richt gleich­wohl of­fen­bar noch an­hän­gi­ges Neu­be­schei­dungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin weist der Se­nat dar­auf hin, dass die Per­so­nal­rats­tä­tig­keit ei­nes un­ter­le­ge­nen Be­wer­bers hier­für oh­ne Be­deu­tung ist. Dass ein völ­lig frei­ge­stell­tes Mit­glied des Per­so­nal­rats we­gen die­ser Frei­stel­lung kei­nen kon­kre­ten, dem hö­he­ren Sta­tu­samt ent­spre­chen­den Dienst­pos­ten an­strebt, ist nicht re­le­vant. Es kommt auf das hö­he­re Sta­tu­samt an, das al­ler­dings rechts­be­stän­dig ver­ge­ben ist. Der Dienst­herr ist nicht ver­pflich­tet, für das Per­so­nal­rats­mit­glied ei­ne wei­te­re Be­för­de­rungs­stel­le zu schaf­fen (a.A. VG Mainz, Ur­teil vom 13. No­vem­ber 2020 - 4 K 1494/17 - UA S. 8 f. un­ter Ver­weis auf OVG Ko­blenz, Be­schluss vom 11. Fe­bru­ar 2020 - 10 B 11743/19 -). Dem­entspre­chend hat die hier aus­ge­spro­che­ne Auf­he­bung der An­lass­be­ur­tei­lung der Klä­ge­rin vom 7. Ok­to­ber 2016 kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das noch beim Ver­wal­tungs­ge­richt an­hän­gi­ge Ver­fah­ren der Klä­ge­rin.

60 7. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 154 Abs. 1 Vw­GO.