Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Die Be­tei­lig­ten strei­ten dar­über, ob die be­klag­te Stadt über die fest­ge­setz­ten Un­ter­halts­pau­scha­len hin­aus die Kos­ten der Pfle­ge­el­tern für die Kin­der­ta­ges­för­de­rung ih­res Pfle­ge­kin­des zah­len muss.


Dem kla­gen­den Ju­gend­amt wur­de als Amts­vor­mund von der Be­klag­ten für das 2013 ge­bo­re­ne Kind Lu­kas Nils T. Hil­fe zur Er­zie­hung in Form von Voll­zeit­pfle­ge durch den Leis­tungs­trä­ger Dia­ko­nie Düs­sel­dorf be­wil­ligt. Die Leis­tun­gen zum Un­ter­halt des Kin­des ge­mäß § 39 SGB VIII zahl­te die Be­klag­te nach Ab­tre­tung des An­spruchs durch den sor­ge­be­rech­tig­ten Klä­ger ent­spre­chend ei­ner ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung mit der Dia­ko­nie un­mit­tel­bar an die Pfle­ge­el­tern. Sie wei­ger­te sich je­doch, zu­sätz­lich die zwi­schen Au­gust 2015 und Ju­li 2018 ent­stan­de­nen Kos­ten für den Be­such des Kin­des in ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te zu über­neh­men, zu de­nen die Pfle­ge­el­tern her­an­ge­zo­gen wur­den. Die Kos­ten der Kin­der­ta­ges­för­de­rung sei­en be­reits in dem Pau­schal­be­trag für den not­wen­di­gen Un­ter­halt des Kin­des ent­hal­ten. Den vor­sorg­lich ein­ge­leg­ten Wi­der­spruch der Pfle­g­el­tern wies sie als un­be­grün­det zu­rück. Die da­ge­gen vom Klä­ger in sei­ner Funk­ti­on als Amts­vor­mund er­ho­be­ne Kla­ge hat­te so­wohl vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt als auch vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Er­folg. Er ha­be ei­nen An­spruch ge­mäß § 39 SGB VIII auf Zah­lung der Kos­ten der Kin­der­ta­ges­för­de­rung über die da­nach fest­ge­leg­ten Pau­scha­len hin­aus. Im Ein­zel­fall kön­ne von der Pau­scha­lie­rungs­pflicht ab­ge­wi­chen wer­den, wenn sich der Be­darf wie bei den Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­för­de­rung ei­ner Ty­pi­sie­rung ent­zie­he und des­halb bei der Pau­scha­lie­rung nicht be­rück­sich­tigt wor­den sei.


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 65/2022 vom 27.10.2022

Kos­ten der Kin­der­ta­ges­för­de­rung für ein Pfle­ge­kind

Für ein Kind in Voll­zeit­pfle­ge um­fasst der vom Ju­gend­hil­fe­trä­ger si­cher­zu­stel­len­de Un­ter­halt über die ge­währ­ten Un­ter­halts­pau­scha­len hin­aus auch die den Pfle­ge­el­tern ent­ste­hen­den Kos­ten für die För­de­rung in ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te, wenn die­se Kos­ten - wie in Nord­rhein-West­fa­len - von der Pau­scha­lie­rung aus­ge­nom­men wor­den sind. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.


Klä­ger ist das Ju­gend­amt ei­ner Stadt in sei­ner Ei­gen­schaft als Vor­mund ei­nes Kin­des, für das der Mut­ter die Per­so­nen­sor­ge kurz nach der Ge­burt im Jah­re 2013 ent­zo­gen und auf das Ju­gend­amt über­tra­gen wor­den war. Die be­klag­te Stadt be­wil­lig­te dem Klä­ger für das Kind Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit­pfle­ge bei Pfle­ge­el­tern in ei­ner son­der­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le für Kin­der mit chro­ni­schen Er­kran­kun­gen und Be­hin­de­run­gen und trug hier­für die Kos­ten. Das Kind be­such­te ab Au­gust 2015 ei­ne Kin­der­ta­ges­stät­te, wo­für die Pfle­ge­el­tern mo­nat­lich El­tern­bei­trä­ge in Hö­he von 44 € zu ent­rich­ten hat­ten. Die Be­klag­te lehn­te die Über­nah­me die­ser Auf­wen­dun­gen mit der Be­grün­dung ab, bei den Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­stät­te han­de­le es sich um ei­nen üb­li­chen Auf­wand, der be­reits von den dem Klä­ger be­wil­lig­ten und an die Pfle­ge­el­tern aus­ge­zahl­ten Pau­schal­be­trä­gen für den Un­ter­halt des Kin­des ab­ge­deckt sei. Die da­ge­gen er­ho­be­ne Kla­ge hat­te so­wohl vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt als auch vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Er­folg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dung der Vor­in­stan­zen im Er­geb­nis be­stä­tigt.


Der An­spruch auf Si­che­rung des Un­ter­halts ei­nes in Voll­zeit­pfle­ge zu be­treu­en­den Kin­des um­fasst über den für den Sach­auf­wand fest­ge­setz­ten Pau­schal­be­trag hin­aus die Kos­ten der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung, wenn die­se Kos­ten bei der Fest­set­zung des Pau­schal­be­trags nicht be­rück­sich­tigt wur­den. Wird Kin­der- und Ju­gend­hil­fe in Form der Voll­zeit­pfle­ge ge­währt, so ist auch der not­wen­di­ge Un­ter­halt des zu be­treu­en­den Kin­des si­cher­zu­stel­len (§ 39 des Ach­ten Buchs des So­zi­al­ge­setz­buchs - SGB VIII). Die­ser be­inhal­tet die Kos­ten für des­sen Pfle­ge und Er­zie­hung und die Kos­ten des Sach­auf­wan­des, die bei ei­ner Un­ter­brin­gung in Pfle­ge­stel­len, so­weit es sich um lau­fen­de Auf­wen­dun­gen han­delt, in ei­nem mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trag ge­währt wer­den sol­len. Die von den nach Lan­des­recht zu­stän­di­gen Be­hör­den fest­zu­set­zen­den Pau­schal­be­trä­ge müs­sen je­doch, auch wenn es sich um ty­pi­sche Be­darfs­be­stand­tei­le (wie hier die Ki­ta-Bei­trä­ge) han­delt, nicht sol­che Kos­ten­po­si­tio­nen ab­de­cken, die sich ei­ner sinn­vol­len Pau­scha­lie­rung ent­zie­hen. Die pau­scha­lier­te Ge­wäh­rung schlie­ßt zwar grund­sätz­lich die ge­son­der­te Gel­tend­ma­chung ein­zel­ner Kos­ten­po­si­tio­nen aus. Das gilt nach dem Sinn und Zweck des Ge­set­zes je­doch nur, wenn es sich um Po­si­tio­nen han­delt, die ei­ner rea­li­täts­ge­rech­ten Pau­scha­lie­rung zu­gäng­lich sind und je­den­falls bei der Be­mes­sung der Pau­schal­sät­ze be­rück­sich­tigt wor­den sind. Bei­des ist hier nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, an die der Se­nat als Re­vi­si­ons­ge­richt ge­bun­den ist, nicht der Fall. Die­ses hat so­wohl fest­ge­stellt, dass sich die Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung in Nord­rhein-West­fa­len we­gen der er­heb­li­chen Un­ter­schie­de in ih­rer Hö­he nicht sinn­vol­ler­wei­se rea­li­täts­ge­recht pau­scha­lie­ren las­sen, als auch, dass das zu­stän­di­ge Lan­des­mi­nis­te­ri­um die Pau­schal­be­trä­ge für Sach­kos­ten tat­säch­lich auch oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der El­tern­bei­trä­ge er­mit­telt und fest­ge­setzt hat.


BVer­wG 5 C 4.21 - Ur­teil vom 27. Ok­to­ber 2022

Vor­in­stan­zen:

OVG Müns­ter, OVG 12 A 1908/18 - Be­schluss vom 23. März 2021 -

VG Aa­chen, VG 2 K 1883/16 - Be­schluss vom 17. April 2018 -


Ur­teil vom 27.10.2022 -
BVer­wG 5 C 4.21ECLI:DE:BVer­wG:2022:271022U5C4.21.0

Er­stat­tung der Kos­ten für die För­de­rung in ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te über die vom Ju­gend­hil­fe­trä­ger ge­währ­ten Un­ter­halts­pau­scha­len hin­aus

Leit­sät­ze:

1. Der An­spruch des Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten auf Si­che­rung des Un­ter­halts ei­nes in Voll­zeit­pfle­ge zu be­treu­en­den Kin­des durch Ge­wäh­rung lau­fen­der Leis­tun­gen um­fasst ge­mäß § 39 Abs. 1 und 2 Satz 1 SGB VIII über den nach § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII für den Sach­auf­wand fest­ge­setz­ten Pau­schal­be­trag hin­aus auch die Kos­ten der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung, wenn die­se Kos­ten bei der Fest­set­zung des Pau­schal­be­trags nicht be­rück­sich­tigt wur­den.

2. Die ge­mäß § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII von den nach Lan­des­recht zu­stän­di­gen Be­hör­den fest­zu­set­zen­den Pau­schal­be­trä­ge für die Sach­kos­ten müs­sen ty­pi­sche Be­darfs­be­stand­tei­le wie die Bei­trä­ge für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung des Pfle­ge­kin­des nicht ab­de­cken, wenn die­se sich ei­ner sinn­vol­len Pau­scha­lie­rung ent­zie­hen.

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 5 C 4.21

  • VG Aa­chen - 17.04.2018 - AZ: 2 K 1883/16
  • OVG Müns­ter - 23.03.2021 - AZ: 12 A 1908/18

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 5. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27. Ok­to­ber 2022
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Stör­mer,
die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Sten­gel­hofen-Weiß, Dr. Harms so­wie die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Holt­brüg­ge und Preis­ner
für Recht er­kannt:

  1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen den Be­schluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 23. März 2021 wird zu­rück­ge­wie­sen.
  2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens. Ge­richts­kos­ten wer­den nicht er­ho­ben.

Grün­de

I

1 Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Zah­lung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­för­de­rung ei­nes Pfle­ge­kin­des über die Pfle­ge­geld­pau­scha­len hin­aus.

2 Der Klä­ger, das Ju­gend­amt der Stadt E., war von Sep­tem­ber 2014 bis Fe­bru­ar 2020 Amts­vor­mund für das am 12. Ja­nu­ar 2013 ge­bo­re­ne Kind L. N. T. Be­reits kurz nach der Ge­burt des Kin­des war der im Be­reich der be­klag­ten Stadt A. le­ben­den Kin­des­mut­ter die el­ter­li­che Sor­ge ent­zo­gen und dem zu­nächst ein­ge­setz­ten Vor­mund (erst­mals) Hil­fe zur Er­zie­hung in Form von Voll­zeit­pfle­ge durch die Be­klag­te ge­währt wor­den. Nach­dem es zu­nächst in ei­ner Be­reit­schafts­pfle­ge­fa­mi­lie un­ter­ge­bracht wor­den war, wur­de das Kind seit dem 28. März 2013 in Voll­zeit­pfle­ge in der Son­der­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le der Dia­ko­nie D. I. W. und H. Y. in E. be­treut, die seit Fe­bru­ar 2020 auch Vor­mün­der des Kin­des sind. Die Dia­ko­nie D. schloss mit der Be­klag­ten un­ter dem 22. März 2013 ei­nen Ver­trag über die Leis­tun­gen des Trä­gers der öf­fent­li­chen Ju­gend­hil­fe in ei­ner Son­der­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le für Kin­der mit chro­ni­schen Er­kran­kun­gen und Be­hin­de­run­gen ge­mäß § 33 Satz 2 SGB VIII. Dar­in ver­pflich­te­te sie sich un­ter an­de­rem zur Be­treu­ung des Kin­des in der Pfle­ge­stel­le in E., wäh­rend die Be­klag­te die Zah­lung von Pfle­ge­geld nach § 39 SGB VIII in Hö­he von ins­ge­samt 1 812,20 € un­mit­tel­bar an die Pfle­ge­stel­le zu­sag­te. Dar­in ent­hal­ten wa­ren der Be­trag zum not­wen­di­gen Un­ter­halt des Pfle­ge­kin­des (467,00 €), ein Er­zie­hungs­bei­trag (730,61 €), ein Bei­trag für die Al­ters­si­che­rung der Pfle­ge­per­son (62,59 €) so­wie ein zu­sätz­li­cher Be­treu­ungs­be­trag für wö­chent­lich 15 Stun­den (598,00 €), um ei­ne ent­spre­chen­de Ent­las­tung der Pfle­ge­el­tern si­cher­zu­stel­len. Das Kin­der­geld (46,00 €) wur­de ab­ge­zo­gen.

3 Nach­dem der Klä­ger als Vor­mund ein­ge­setzt wor­den war, be­wil­lig­te ihm die Be­klag­te mit Be­scheid vom 15. De­zem­ber 2014 für sein Mün­del L. N. T. Hil­fe zur Er­zie­hung in Form von Voll­zeit­pfle­ge durch den Leis­tungs­trä­ger Dia­ko­nie D. ab dem 28. März 2013, be­fris­tet bis zum 11. Ja­nu­ar 2031.

4 Mit Schrei­ben vom 15. Mai 2015 bat die Be­klag­te die Stadt E. um Über­nah­me des Ju­gend­hil­fe­fal­les in de­ren ört­li­che Zu­stän­dig­keit ge­mäß § 86 Abs. 6 SGB VIII und si­cher­te Kos­ten­er­stat­tung nach § 89a SGB VIII zu. Ei­ne Über­nah­me des Fal­les er­folg­te je­doch nicht.

5 Ab dem 1. Au­gust 2015 be­such­te das Kind ei­ne Kin­der­ta­ges­stät­te in E. Zu den Bei­trä­gen für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung in Hö­he von mo­nat­lich 44,00 €, die längs­tens bis zum 31. Ju­li 2018 an­fie­len, wur­den die Pfle­ge­el­tern her­an­ge­zo­gen. Die Be­klag­te leis­te­te wäh­rend die­ses Zeit­raums wei­ter Hil­fe zur Er­zie­hung ein­schlie­ß­lich der Kos­ten für den not­wen­di­gen Un­ter­halt des Kin­des ge­mäß § 39 SGB VIII, lehn­te aber den An­trag der Dia­ko­nie auf Über­nah­me der Bei­trä­ge für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung ab. Der vor­sorg­lich ein­ge­leg­te Wi­der­spruch der Pfle­ge­el­tern hat­te kei­nen Er­folg.

6 Die auf Auf­he­bung des ab­leh­nen­den Be­scheids in Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­scheids und die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung der Kos­ten der Kin­der­ta­ges­för­de­rung für das Kind L. N. T. ge­rich­te­te Kla­ge hat in bei­den Vor­in­stan­zen Er­folg ge­habt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zur Be­grün­dung aus­ge­führt, der Klä­ger ha­be ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Kos­ten im Rah­men der Leis­tun­gen nach § 39 SGB VIII über die fest­ge­leg­ten Pau­scha­len hin­aus. Die Bei­trä­ge, die Pfle­ge­el­tern für die Be­treu­ung ih­res Pfle­ge­kin­des in ei­ner Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung auf­zu­brin­gen hät­ten, ge­hör­ten zum not­wen­di­gen Sach­auf­wand, den der Ju­gend­hil­fe­trä­ger si­cher­zu­stel­len ha­be. Die­se Auf­wen­dun­gen hät­ten bei der Er­mitt­lung des in N. W. ge­währ­ten mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trags, an dem sich auch die zwi­schen der Be­klag­ten und der Dia­ko­nie D. ver­ein­bar­ten Zah­lun­gen ori­en­tier­ten, kei­ne Be­rück­sich­ti­gung ge­fun­den, weil sie sich ei­ner ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung ent­zö­gen. Dem An­spruch ste­he nicht ent­ge­gen, dass § 39 Abs. 4 Satz 3 SGB VIII für den Re­gel­fall ("sol­len") Pau­schal­be­trä­ge vor­se­he, al­so den ge­sam­ten wie­der­keh­ren­den Be­darf da­mit als ab­ge­deckt an­se­he. Der Be­such ei­ner Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung sei zwar ein ty­pi­scher Auf­wand, § 39 Abs. 4 Satz 3 Halbs. 2 SGB VIII er­lau­be aber Ab­wei­chun­gen, wenn die­se nach den Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les ge­bo­ten sei­en. Das sei auch in Sach­ver­halts­kon­stel­la­tio­nen der Fall, die sich wie hier ei­ner Ty­pi­sie­rung ent­zö­gen.

7 Hier­ge­gen wen­det sich die Be­klag­te mit ih­rer Re­vi­si­on. Der Be­such ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te sei kein aty­pi­scher Son­der­be­darf, son­dern der Re­gel­be­darf ei­nes Kin­des. Die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Be­zug ge­nom­me­nen "Emp­feh­lun­gen des Deut­schen Ver­eins für die Be­mes­sung des mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trags bei Voll­zeit­pfle­ge" sei­en we­der bin­dend noch sei nach­voll­zieh­bar, dass da­nach El­tern­bei­trä­ge für Kin­der­ta­ges­stät­ten bei der Be­mes­sung der Pau­schal­be­trä­ge nicht be­rück­sich­tigt wor­den sei­en. Die­se sei­en nach dem Sinn und Zweck des Ge­set­zes und dem in § 39 SGB VIII ge­re­gel­ten Wort­laut in den Pau­schal­be­trä­gen ent­hal­ten. Un­er­heb­lich sei die un­ter­schied­li­che Hö­he und Be­rech­nung der El­tern­bei­trä­ge in den ver­schie­de­nen Kom­mu­nen und es sei oh­ne­hin nicht nach­voll­zieh­bar, auf wel­cher Rechts­grund­la­ge Pfle­ge­per­so­nen zu El­tern­bei­trä­gen her­an­ge­zo­gen wür­den.

8 Der Klä­ger ver­tei­digt die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung.

II

9 Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­grün­det. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil steht zwar mit Bun­des­recht nicht im Ein­klang (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 Vw­GO), so­weit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt da­von aus­geht, dass sich der An­spruch des Klä­gers auf Zah­lung der Kos­ten der Kin­der­ta­ges­för­de­rung für sein Mün­del über die be­reits ge­währ­te Un­ter­halts­pau­scha­le hin­aus aus § 39 Abs. 4 Satz 3 Halbs. 2 des Ach­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch - Kin­der- und Ju­gend­hil­fe - in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 11. Sep­tem­ber 2012 (BGBl. I S. 2022) - SGB VIII -, für den hier ma­ß­geb­li­chen Zeit­raum zu­letzt ge­än­dert durch Art. 10 des Ge­set­zes vom 30. Ok­to­ber 2017 (BGBl. I S. 3618) er­gibt. Die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts er­weist sich aber aus an­de­ren Grün­den als rich­tig (§ 144 Abs. 4 Vw­GO).

10 Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht ent­schie­den, dass dem Klä­ger für den Zeit­raum vom 1. Au­gust 2015 bis 31. Ju­li 2018 ge­gen die Be­klag­te ein über die ihm be­reits ge­währ­ten Un­ter­halts­pau­scha­len hin­aus­ge­hen­der An­spruch auf Zah­lung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­för­de­rung sei­nes Mün­dels L. N. T. zu­steht. Der An­spruch kann al­ler­dings ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts we­der al­lein und un­mit­tel­bar auf § 39 SGB VIII noch na­ment­lich auf § 39 Abs. 4 Satz 3 SGB VIII ge­stützt wer­den, wo­nach die lau­fen­den Leis­tun­gen in ei­nem mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trag ge­währt wer­den sol­len, so­weit nicht nach den Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les ab­wei­chen­de Leis­tun­gen ge­bo­ten sind. An­spruchs­grund­la­ge ist we­gen des Über­gangs der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit auf die Stadt E. viel­mehr § 86c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII i. V. m. den §§ 27, 33 Satz 2 und § 39 Abs. 1 und 2 Satz 1 SGB VIII so­wie dem Be­wil­li­gungs­be­scheid der Be­klag­ten vom 15. De­zem­ber 2014 (1.). Da­nach hat der Klä­ger als per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ter Amts­vor­mund des Kin­des An­spruch auf die gel­tend ge­mach­ten Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­pfle­ge über die be­reits von der Be­klag­ten ge­leis­te­ten Un­ter­halts­pau­scha­len hin­aus (2.).

11 1. Der An­spruch des Klä­gers ge­gen die Be­klag­te auf Zah­lung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­för­de­rung über die ge­währ­te Un­ter­halts­pau­scha­le hin­aus folgt aus § 86c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII i. V. m. den §§ 27, 33 Satz 2 und § 39 Abs. 1 und 2 Satz 1 SGB VIII so­wie dem Be­wil­li­gungs­be­scheid der Be­klag­ten vom 15. De­zem­ber 2014.

12 Nach § 86c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII bleibt im Fall des Wech­sels der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit für ei­ne Leis­tung der bis­her zu­stän­di­ge ört­li­che Trä­ger so lan­ge zur Ge­wäh­rung der Leis­tung ver­pflich­tet, bis der nun­mehr zu­stän­di­ge ört­li­che Trä­ger die Leis­tung fort­setzt. Die Vor­schrift ent­hält kei­ne Zu­stän­dig­keits­re­ge­lung, son­dern ei­ne ei­gen­stän­di­ge ma­te­ri­el­le Leis­tungs­ver­pflich­tung im Fall ei­ner nicht mehr be­stehen­den ört­li­chen Zu­stän­dig­keit (vgl. Loss, in: Wies­ner/Wap­ler, SGB VIII, 6. Aufl. 2022, § 86c Rn. 4; Lan­ge, in: Schle­gel/Vo­elz­ke, ju­ris­PK-SGB VIII, 3. Aufl. 2022, Stand 27. Ok­to­ber 2022, § 86c Rn. 18 m. w. N.). De­ren Vor­aus­set­zun­gen sind er­füllt. Denn ob­wohl die ört­li­che Zu­stän­dig­keit ge­mäß § 86 Abs. 6 SGB VIII noch vor Be­ginn des streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raums auf die Stadt E. über­ge­gan­gen ist (a), war die Be­klag­te ge­mäß § 86c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII wei­ter­hin zur Er­brin­gung der hier in Re­de ste­hen­den Leis­tung ver­pflich­tet (b).

13 a) Die Be­klag­te war ur­sprüng­lich ge­mäß § 86 Abs. 1 SGB VIII für die Ge­wäh­rung der Hil­fe zur Er­zie­hung ört­lich zu­stän­dig, weil der Va­ter des Pfle­ge­kin­des un­be­kannt war und des­sen Mut­ter als ma­ß­geb­li­cher El­tern­teil ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in A. hat­te. Die ört­li­che Zu­stän­dig­keit hier­für ist aber be­reits am 28. März 2015 - al­so noch vor Be­ginn des Be­suchs der Kin­der­ta­ges­stät­te - ge­mäß § 86 Abs. 6 SGB VIII auf die Stadt E. über­ge­gan­gen. Nach die­ser Vor­schrift wird ab­wei­chend von den Ab­sät­zen 1 bis 5 der ört­li­che Trä­ger zu­stän­dig, in des­sen Be­reich die Pfle­ge­per­son ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, wenn ein Kind oder Ju­gend­li­cher zwei Jah­re bei ei­ner Pfle­ge­per­son lebt und sein Ver­bleib bei die­ser Pfle­ge­per­son auf Dau­er zu er­war­ten ist.

14 Bei I. W. und H. Y. in E., in de­ren Son­der­päd­ago­gi­scher Pfle­ge­stel­le das Kind L. N. T. nach den nicht mit Ver­fah­rens­rü­gen an­ge­grif­fe­nen und da­her für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts (§ 137 Abs. 2 Vw­GO) am 28. März 2013 un­ter­ge­bracht wur­de, han­delt es sich um Pfle­ge­per­so­nen im Sin­ne des § 86 Abs. 6 Satz 1 SGB VIII. Der Ver­bleib des Kin­des dort war be­reits nach dem Ab­lauf von zwei Jah­ren En­de März 2015 zu er­war­ten, was zwi­schen den Be­tei­lig­ten eben­falls nicht strei­tig und auch in dem Er­su­chen der Be­klag­ten an die Stadt E. vom 15. Mai 2015 zum Aus­druck ge­kom­men ist, den Ju­gend­hil­fe­fall ge­mäß § 86 Abs. 6 SGB VIII in de­ren ört­li­che Zu­stän­dig­keit zu über­neh­men.

15 b) Die Be­klag­te war aber trotz des kraft Ge­set­zes ein­ge­tre­te­nen Zu­stän­dig­keits­über­gangs wei­ter­hin zur Leis­tung ver­pflich­tet.

16 aa) Die nun­mehr als ört­li­cher Trä­ger der Ju­gend­hil­fe zu­stän­dig ge­wor­de­ne Stadt E. hat den Hil­fe­fall nach dem Über­nah­me­ersu­chen der Be­klag­ten nicht zur Be­ar­bei­tung über­nom­men und die Leis­tung der Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit­pfle­ge nicht selbst fort­ge­setzt. Im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum hat - was zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig ist - aus­schlie­ß­lich die Be­klag­te Ju­gend­hil­fe­leis­tun­gen er­bracht, nicht aber die Stadt E.

17 bb) Der Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Wei­ter­ge­wäh­rung der Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit­pfle­ge steht nicht ent­ge­gen, dass es sich hier we­gen der Be­hin­de­rung des Pfle­ge­kin­des auch um ei­nen Fall der Ein­glie­de­rungs­hil­fe han­deln dürf­te. Die Zu­stän­dig­keit ist des­halb nicht auf die Städ­te­re­gi­on A. als dem für Ein­glie­de­rungs­hil­fe­leis­tun­gen sach­lich zu­stän­di­gen über­ört­li­chen Trä­ger der So­zi­al­hil­fe über­ge­gan­gen. Der Vor­rang der Ein­glie­de­rungs­hil­fe ge­mäß § 10 Abs. 4 Satz 2 SGB VIII be­grün­det kei­ne Frei­stel­lung des nach­ran­gig ver­pflich­te­ten Trä­gers, son­dern be­wirkt ge­ge­be­nen­falls nur, dass die­sem ein Er­stat­tungs­an­spruch zu­steht (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 1999 - 5 C 26.98 - BVer­w­GE 109, 325 <330> und Be­schluss vom 22. Mai 2008 - 5 B 203.07 - ju­ris). Auch aus § 14 So­zi­al­ge­setz­buch Neun­tes Buch - Re­ha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen - Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB IX in der Fas­sung von Art. 1 des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes vom 23. De­zem­ber 2016 (BGBl. I S. 3234) er­gibt sich nichts An­de­res. Die Re­ge­lung, die be­reits ih­rem Wort­laut nach nur für die Neu­be­an­tra­gung von Leis­tun­gen gilt, fin­det auf den vor­lie­gen­den Fall kei­ne An­wen­dung. Denn sie ist ge­mäß Art. 26 Abs. 1 des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes erst am 1. Ja­nu­ar 2018 und da­mit zu ei­nem Zeit­punkt in Kraft ge­tre­ten, zu dem die Be­klag­te be­reits seit Lan­gem die streit­ge­gen­ständ­li­che Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit- und Fa­mi­li­en­pfle­ge für das Kind L. N. T. er­brach­te.

18 cc) Die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­pflich­tung zur Wei­ter­leis­tung ge­mäß § 86c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII, dass schon vor dem Zu­stän­dig­keits­wech­sel ei­ne ent­spre­chen­de Leis­tungs­pflicht des bis­her zu­stän­di­gen ört­li­chen Ju­gend­hil­fe­trä­gers be­stan­den hat ("ver­pflich­tet bleibt") und auch spe­zi­fi­ziert und in­di­vi­dua­li­siert von dem bis­he­ri­gen Trä­ger durch die Be­wil­li­gung ei­ner Leis­tung er­bracht wor­den ist (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 14. No­vem­ber 2002 - 5 C 57.01 - BVer­w­GE 117, 184 <188, 192>; Lan­ge, in: Schle­gel/Vo­elz­ke, ju­ris­PK-SGB VIII, 3. Aufl. 2022, Stand 27. Ok­to­ber 2022, § 86c Rn. 21, 24), lie­gen eben­falls vor.

19 Die Leis­tungs­pflicht und de­ren Kon­kre­ti­sie­rung im vor­ste­hen­den Sin­ne er­ge­ben sich hier aus dem Be­scheid der Be­klag­ten vom 15. De­zem­ber 2014. Dar­in hat­te die­se dem Klä­ger rück­wir­kend ab dem 28. März 2013 Hil­fe zur Er­zie­hung in Form von Voll­zeit­pfle­ge durch den Leis­tungs­trä­ger Dia­ko­nie D. ge­währt und die Leis­tung bis zum 11. Ja­nu­ar 2031 be­fris­tet. Auf­grund des­sen war die Be­klag­te nicht nur ver­pflich­tet, dem Klä­ger Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit­pfle­ge in der Son­der­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le I. W. und H. Y. nach Ma­ß­ga­be des mit der Dia­ko­nie ab­ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges vom 22. März 2013 und der ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen zu leis­ten, son­dern auch, die­je­ni­gen Un­ter­halts­leis­tun­gen für das Pfle­ge­kind zu ge­währ­leis­ten, die den Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten ge­ge­be­nen­falls dar­über hin­aus nach den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen - hier §§ 27, 33 i. V. m. § 39 SGB VIII - zu­ste­hen.

20 Das er­gibt die dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt je­den­falls in Er­man­ge­lung ei­ner ent­spre­chen­den Aus­le­gung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu­ste­hen­de Aus­le­gung des Be­wil­li­gungs­be­scheids vom 15. De­zem­ber 2014, die sich ent­spre­chend den zu den §§ 133 und 157 BGB ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben be­stimmt, wo­nach der in der Er­klä­rung zum Aus­druck kom­men­de er­klär­te Wil­le ma­ß­geb­lich ist, wie ihn der Emp­fän­ger bei ob­jek­ti­ver Wür­di­gung ver­ste­hen konn­te (vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 19. März 2013 - 5 C 16.12 - Buch­holz 436.511 § 93 SGB VIII Nr. 4 Rn. 10 und vom 28. No­vem­ber 2019 - 5 A 4.18 - BVer­w­GE 167, 163 Rn. 22, je­weils m. w. N.). In dem Be­scheid wird dem Klä­ger aus­drück­lich Hil­fe zur Er­zie­hung "ge­mäß § 27 SGB VIII in Ver­bin­dung mit § 33 SGB VIII (Voll­zeit­pfle­ge) ge­währt". Die Hil­fe­ge­wäh­rung wird au­ßer­dem da­hin kon­kre­ti­siert, dass die Hil­fe von der Dia­ko­nie D. "durch­ge­führt" wird, der die Be­klag­te "als Leis­tungs­an­bie­ter" ei­ne Durch­schrift des Be­scheids zu­sam­men mit der fol­gen­den Zu­sa­ge über­sandt hat: "Die Kos­ten wer­den von mir ge­mäß den gül­ti­gen Ent­gelt­ver­ein­ba­run­gen / ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen über­nom­men." Da­mit wird eben­so wie mit der Nen­nung der un­ge­fäh­ren Kos­ten der Hil­fe in Hö­he von 2 790,95 € zu­gleich auf den am 22. März 2013 zwi­schen der Dia­ko­nie und der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Ver­trag über die Leis­tun­gen des Trä­gers der öf­fent­li­chen Ju­gend­hil­fe in ei­ner Son­der­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le für Kin­der mit chro­ni­schen Er­kran­kun­gen und Be­hin­de­run­gen ge­mäß § 33 Satz 2 SGB VIII Be­zug ge­nom­men. So­wohl der Be­scheid als auch der in Be­zug ge­nom­me­ne Ver­trag sind nach Ma­ß­ga­be des ob­jek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zonts da­hin zu ver­ste­hen, dass die dort aus­drück­lich auf­ge­führ­ten Un­ter­halts­leis­tun­gen nicht ab­schlie­ßend ge­re­gelt sind, son­dern das Pfle­ge­kind das­je­ni­ge er­hält, was ihm nach § 39 SGB VIII zu­kom­men soll. Da­für spricht be­reits die aus­drück­li­che Nen­nung der §§ 27 und 33 SGB VIII, was die ge­setz­li­che Ver­pflich­tung zur Si­cher­stel­lung des Un­ter­halts des Kin­des au­ßer­halb des El­tern­hau­ses ge­mäß § 39 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII mit ein­schlie­ßt. Die­se Rechts­grund­la­ge für die Ge­wäh­rung der Voll­zeit­pfle­ge in Form der Fa­mi­li­en­pfle­ge in ei­ner so­zi­al­päd­ago­gi­schen Pfle­ge­stel­le nennt auch § 2 des Ver­tra­ges vom 22. März 2013, der au­ßer­dem aus­drück­lich den ur­sprüng­li­chen Be­wil­li­gungs­be­scheid der Be­klag­ten in Be­zug nimmt. So­weit der Ver­trag, den der Se­nat in­so­weit man­gels ent­spre­chen­der Aus­le­gung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls selbst aus­le­gen kann, die nach § 39 SGB VIII zu ge­wäh­ren­den Leis­tun­gen kon­kre­ti­siert, schlie­ßt er des­halb dar­über hin­aus­ge­hen­de Un­ter­halts­an­sprü­che für das Pfle­ge­kind nach § 39 SGB VIII eben­falls nicht aus. Zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist dem­entspre­chend auch nicht strei­tig, dass die Be­klag­te zur Si­cher­stel­lung des Un­ter­halts des Mün­dels des Klä­gers au­ßer­halb des El­tern­hau­ses ge­mäß § 39 SGB VIII ver­pflich­tet ist, son­dern nur, ob der ent­spre­chen­de An­spruch des Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten auch die - ge­ge­be­nen­falls ge­son­der­te - Er­stat­tung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung des Pfle­ge­kin­des um­fasst.

21 2. Der Klä­ger hat als per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ter Amts­vor­mund An­spruch auf die gel­tend ge­mach­ten Kos­ten der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung für sein Mün­del L. N. T. Der An­spruch des Per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ten auf Si­che­rung des Un­ter­halts ei­nes in Voll­zeit­pfle­ge zu be­treu­en­den Kin­des um­fasst ge­mäß § 39 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII über den für den Sach­auf­wand fest­ge­setz­ten Pau­schal­be­trag hin­aus auch die Kos­ten der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung, wenn die­se Kos­ten - wie hier - bei der Fest­set­zung des Pau­schal­be­trags nicht be­rück­sich­tigt wur­den.

22 Ge­mäß § 39 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ist der not­wen­di­ge Un­ter­halt des Kin­des oder Ju­gend­li­chen au­ßer­halb des El­tern­hau­ses un­ter an­de­rem dann si­cher­zu­stel­len, wenn - wie hier - ge­mäß § 33 SGB VIII Hil­fe zur Er­zie­hung in Form der Voll­zeit­pfle­ge ge­währt wird. Die­ser um­fasst ge­mäß § 39 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII die Kos­ten für den Sach­auf­wand so­wie die Kos­ten für Pfle­ge und Er­zie­hung des Kin­des oder Ju­gend­li­chen. Da­bei soll der ge­sam­te wie­der­keh­ren­de Be­darf durch lau­fen­de Leis­tun­gen ge­deckt wer­den (§ 39 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII), die un­ter an­de­rem im Rah­men der Hil­fe zur Er­zie­hung in Voll­zeit­pfle­ge ge­mäß § 33 SGB VIII nach § 39 Abs. 4 bis 6 SGB VIII zu be­mes­sen sind (§ 39 Abs. 2 Satz 4 SGB VIII) (stRspr, vgl. z. B. BVer­wG, Ur­teil vom 24. No­vem­ber 2017 - 5 C 15.16 - Buch­holz 436.511 § 39 SGB VIII Nr. 6 Rn. 10). Die Kos­ten der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung ge­hö­ren als Sach­auf­wand zum not­wen­di­gen Un­ter­halt des Kin­des im Sin­ne des § 39 Abs. 1 SGB VIII, der ge­mäß § 39 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII als wie­der­keh­ren­der Be­darf durch lau­fen­de Leis­tun­gen zu de­cken ist (a). Die­sen An­spruch hat die Be­klag­te noch nicht durch die dem Klä­ger für den Un­ter­halt des Pfle­ge­kin­des ge­währ­ten Pau­schalleis­tun­gen er­füllt (b).

23 a) Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt geht zu­tref­fend da­von aus, dass es sich bei den Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung des Pfle­ge­kin­des um Sach­auf­wand im Sin­ne des § 39 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII und nicht um Kos­ten für die Pfle­ge und Er­zie­hung han­delt. Die­se be­tref­fen die Ab­gel­tung des Pfle­ge- und Er­zie­hungs­auf­wands durch die Pfle­ge­per­son in der Pfle­ge­fa­mi­lie, nicht aber die Be­schaf­fung von Pfle­ge- und Er­zie­hungs­leis­tun­gen Drit­ter (vgl. BT-Drs. 16/9299 S. 16; Stähr, in: Hauck/Noftz, SGB VIII, Stand Ju­ni 2021, § 39 Rn. 10, 14; Tam­men, in: Mün­der/Mey­sen/Tren­c­zek, Frank­fur­ter Kom­men­tar SGB VIII, 9. Aufl. 2022, § 39 Rn. 7). Dies ist eben­so wie der Um­stand, dass nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts die Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung als wie­der­keh­ren­de Be­dar­fe im Sin­ne des § 39 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII oh­ne Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les bei vie­len Hil­fe­emp­fän­gern glei­cher­ma­ßen be­stehen und nicht ein­ma­lig sind, zwi­schen den Be­tei­lig­ten nicht (mehr) strei­tig.

24 b) Die Be­klag­te hat den da­nach grund­sätz­lich be­stehen­den An­spruch des Klä­gers auf Ge­wäh­rung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung noch nicht er­füllt. Sie hat zwar im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum ge­mäß § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII Pau­schalleis­tun­gen für den Un­ter­halt des Kin­des er­bracht (aa), die grund­sätz­lich die ge­son­der­te Gel­tend­ma­chung ein­zel­ner Kos­ten­po­si­tio­nen aus­schlie­ßen (bb). Das gilt nach dem Sinn und Zweck des Ge­set­zes je­doch nur, wenn es sich um Po­si­tio­nen han­delt, die ei­ner rea­li­täts­ge­rech­ten Pau­scha­lie­rung zu­gäng­lich sind und je­den­falls bei der Be­mes­sung der Pau­schal­sät­ze be­rück­sich­tigt wor­den sind (cc).

25 aa) Die Be­klag­te hat im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum ge­mäß § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII Pau­schalleis­tun­gen für den Un­ter­halt des Kin­des er­bracht. Nach den nicht mit Ver­fah­rens­rü­gen an­ge­grif­fe­nen und da­her für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat sie dem Klä­ger auf der Grund­la­ge des ur­sprüng­li­chen Be­wil­li­gungs­be­scheids vom 15. De­zem­ber 2014 mo­nat­li­che Pau­schal­be­trä­ge nach Ma­ß­ga­be des mit ihr ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges vom 22. März 2013 ge­währt, der die Leis­tun­gen zur Si­cher­stel­lung des not­wen­di­gen Un­ter­halts ge­mäß § 39 SGB VIII für das Mün­del des Klä­gers kon­kre­ti­siert und sich da­bei an den erst­mals mit Rund­erlass des Mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit, Ge­sund­heit und So­zia­les vom 15. Ja­nu­ar 1991 (- IV B 2 - 6122.1 ) fest­ge­setz­ten Pau­schal­be­trä­gen ori­en­tiert, die jähr­lich fort­ent­wi­ckelt wer­den. Ins­be­son­de­re hat die Be­klag­te in dem Ver­trag ge­nau die Sach­kos­ten­pau­scha­le in Hö­he von 467,00 € zu­grun­de ge­legt, die in dem zu die­sem Zeit­punkt gel­ten­den Rund­erlass des Mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit, Ge­sund­heit und So­zia­les vom 11. April 2012 (MBl. NRW. 2012 S. 164) vor­ge­se­hen war.

26 bb) Wird der not­wen­di­ge Un­ter­halt des Kin­des ge­mäß § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII - wie hier - durch die Fest­set­zung und Ge­wäh­rung von Pau­schal­be­trä­gen si­cher­ge­stellt, die auf ei­ner den (durch­schnitt­li­chen) Be­darf und Auf­wand an­ge­mes­sen er­fas­sen­den Pau­scha­lie­rung be­ru­hen, ist die ge­son­der­te Gel­tend­ma­chung ein­zel­ner Un­ter­halts­leis­tun­gen oder Kos­ten­be­stand­tei­le grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Die Re­ge­lung in § 39 Abs. 4 Satz 3 SGB VIII, wo­nach die lau­fen­den Leis­tun­gen in ei­nem mo­nat­li­chen Pau­schal­be­trag ge­währt wer­den sol­len, be­zieht sich auf § 39 Abs. 5 Satz 1 und 2 SGB VIII. Da­nach wer­den die Pau­schal­be­trä­ge für lau­fen­de Leis­tun­gen zum Un­ter­halt von den nach Lan­des­recht zu­stän­di­gen Be­hör­den fest­ge­setzt, die dem al­ters­be­dingt un­ter­schied­li­chen Un­ter­halts­be­darf von Kin­dern und Ju­gend­li­chen durch ei­ne Staf­fe­lung der Be­trä­ge nach Al­ters­grup­pen Rech­nung zu tra­gen ha­ben. Sind dem­entspre­chend auf der Grund­la­ge der an­ge­mes­se­nen tat­säch­li­chen Kos­ten Pau­schal­be­trä­ge in der be­schrie­be­nen Wei­se fest­ge­setzt wor­den und wer­den die­se mo­nat­lich ge­währt, so schlie­ßt dies nach Sinn und Zweck der vor­ge­nann­ten Re­ge­lun­gen grund­sätz­lich ei­nen An­spruch dar­auf aus, die ge­son­der­te Er­stat­tung ein­zel­ner Kos­ten­po­si­tio­nen als Teil der lau­fen­den Leis­tun­gen vom Ju­gend­hil­fe­trä­ger zu er­lan­gen. Denn das im Wort­laut bei­der Re­ge­lun­gen deut­lich zum Aus­druck kom­men­de Ge­bot ("sol­len"), Pau­schal­be­trä­ge fest­zu­set­zen und zu ge­wäh­ren, dient nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers so­wohl der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung als auch da­zu, ei­ner gleich­heits­wid­ri­gen Be­mes­sung ent­ge­gen­zu­tre­ten (vgl. BT-Drs. 11/5948 S. 76 f.). Da­mit stün­de ei­ne Gel­tend­ma­chung ein­zel­ner Kos­ten­be­stand­tei­le trotz gel­ten­der an­ge­mes­se­ner Pau­schal­be­trä­ge nicht im Ein­klang. Das gilt nicht nur für die Kos­ten der Pfle­ge und Er­zie­hung des Kin­des (vgl. BVer­wG, Be­schluss vom 26. März 1999 - 5 B 129.98 - Buch­holz 436.511 § 39 SGB VIII Kin­der- und Ju­gend­hil­fe­ge­setz Nr. 1), son­dern auch für die an­ge­mes­sen pau­scha­lier­ten Sach­kos­ten.

27 cc) Die ge­mäß § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII fest­ge­setz­ten und ge­währ­ten Pau­schal­sät­ze ha­ben ei­ne den An­spruch auf Sach­kos­ten­er­stat­tung er­fül­len­de Wir­kung, so­weit die Kos­ten als Fak­tor bei der Be­mes­sung der Pau­schal­sät­ze tat­säch­lich be­rück­sich­tigt wor­den sind.

28 (1) Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten kann aus der ge­setz­li­chen Re­ge­lung nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, der Pau­schal­be­trag sei stets in ei­nem ab­schlie­ßen­den Sin­ne als um­fas­sen­de De­ckung des Re­gel­be­darfs an­zu­se­hen, weil al­le ty­pi­schen Be­dar­fe der ge­setz­li­chen Wer­tung nach im Pau­schal­be­trag ent­hal­ten sein müss­ten. Viel­mehr müs­sen die ge­mäß § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII von den nach Lan­des­recht zu­stän­di­gen Be­hör­den fest­zu­set­zen­den Pau­schal­be­trä­ge auch dann, wenn es sich - wie hier bei den Bei­trä­gen für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung des Pfle­ge­kin­des - um ty­pi­sche Be­darfs­be­stand­tei­le han­delt, nicht sol­che Kos­ten­po­si­tio­nen ab­de­cken, die sich ei­ner sinn­vol­len Pau­scha­lie­rung ent­zie­hen. Das folgt aus Wort­laut, Sys­te­ma­tik so­wie Sinn und Zweck der Re­ge­lung. Be­reits das Wort "sol­len" bringt zum Aus­druck, dass die Pau­scha­lie­rungs­ver­pflich­tung nicht un­ein­ge­schränkt be­steht und der Pau­scha­lie­rungs­be­hör­de hin­sicht­lich des "Ob" der Pau­scha­lie­rung ein, wenn auch stark ein­ge­schränk­tes Er­mes­sen ein­ge­räumt wird. Der Ge­setz­ge­ber woll­te da­mit zum Aus­druck brin­gen, dass aus Grün­den der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung und der Ge­währ­leis­tung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes die am (ge­sam­ten) tat­säch­li­chen Le­bens­be­darf ori­en­tier­te Hil­fe im Re­gel­fall zu pau­scha­lie­ren ist, al­so nicht not­wen­dig al­le Kos­ten­po­si­tio­nen von der Pau­scha­lie­rung er­fasst sein müs­sen (vgl. BT-Drs. 11/5948 S. 76). Das Ab­se­hen von der Pau­scha­lie­rung kann mit Blick dar­auf et­wa dann ge­recht­fer­tigt sein, wenn be­stimm­te Tei­le des Be­darfs dem Grun­de oder der Hö­he nach nicht ty­pi­sier­bar sind. Das Pau­scha­lie­rungs­ge­bot setzt vor­aus, dass sich die wie­der­keh­ren­den Be­dar­fe rea­li­täts­ge­recht in den Pau­scha­len ab­bil­den las­sen. Denn für das Pau­scha­lie­rungs­ge­bot gilt der Wirk­lich­keits­maß­stab, wie sich aus dem bin­nen­sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang mit § 39 Abs. 4 Satz 1 SGB VIII er­schlie­ßt, wo­nach die lau­fen­den Leis­tun­gen auf der Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Kos­ten ge­währt wer­den. Ist dies nicht mög­lich, weil sich ein­zel­ne Be­darfs­be­stand­tei­le zwar dem Grun­de nach als ty­pi­sche Be­dar­fe dar­stel­len, die ent­spre­chen­den Kos­ten­be­stand­tei­le sich aber der Hö­he nach nicht "ty­pisch" be­stim­men las­sen, kann es ge­recht­fer­tigt sein, sie aus dem Pau­schal­an­satz her­aus­zu­neh­men.

29 Ei­ne Er­fül­lungs­wir­kung durch die Leis­tung von Pau­schal­be­trä­gen für den not­wen­di­gen Un­ter­halt des Kin­des kommt des­halb nur dann in Be­tracht, wenn der ge­son­dert be­an­spruch­te Kos­ten­be­stand­teil bei der Be­mes­sung und Fest­set­zung des Pau­schal­be­trags auch be­rück­sich­tigt wor­den ist. Das folgt so­wohl aus dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang des § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII mit § 39 Abs. 4 Satz 1 SGB VIII als auch aus dem Sinn und Zweck des § 39 SGB VIII. Nach § 39 Abs. 4 Satz 1 SGB VIII sol­len die lau­fen­den Leis­tun­gen auf der Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Kos­ten ge­währt wer­den, wenn sie ei­nen an­ge­mes­se­nen Um­fang nicht über­stei­gen. Mit die­ser Ori­en­tie­rung an den tat­säch­li­chen Kos­ten wä­re es nicht ver­ein­bar, Kos­ten­be­stand­tei­le als ab­ge­gol­ten zu be­trach­ten, die in die Be­mes­sung der Pau­schal­be­trä­ge tat­säch­lich nicht ein­ge­flos­sen sind. Das Glei­che gilt im Hin­blick auf den Zweck des § 39 SGB VIII, den not­wen­di­gen Un­ter­halt des Pfle­ge­kin­des au­ßer­halb des El­tern­hau­ses si­cher­zu­stel­len (BVer­wG, Ur­teil vom 12. De­zem­ber 2002 - 5 C 48.01 - BVer­w­GE 117, 261 <271>). Das trifft im Hin­blick auf den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz je­den­falls dann zu, wenn ei­ne Pau­scha­lie­rung we­gen der un­ter­schied­li­chen Hö­he der zu be­rück­sich­ti­gen­den Kos­ten gar nicht mög­lich ist, et­wa weil die Kos­ten in ei­nem gro­ßen Flä­chen­land wie Nord­rhein-West­fa­len in be­son­de­rem Ma­ße von den je­wei­li­gen ört­li­chen Ver­hält­nis­sen be­ein­flusst wer­den. So liegt es hier.

30 Nach den nicht mit Ver­fah­rens­rü­gen an­ge­grif­fe­nen und da­her für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ent­zie­hen sich die durch den Be­such der Ta­ges­ein­rich­tung be­ding­ten re­gel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Auf­wen­dun­gen ei­ner ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung, weil sich die von den Pfle­ge­el­tern zu leis­ten­den Bei­trä­ge so­wohl mit Blick auf das Al­ter bzw. Kin­der­gar­ten­jahr des Kin­des als auch im Ver­gleich zwi­schen den Kom­mu­nen er­heb­lich un­ter­schei­den. Denn die El­tern­bei­trags­pflicht für die - nicht be­reits von Ge­set­zes we­gen bei­trags­freie - För­de­rung in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen wird durch kom­mu­na­le Sat­zun­gen ge­re­gelt, die weit­ge­hend der Ge­stal­tungs­frei­heit der Kom­mu­nen un­ter­lie­gen und zwi­schen meh­re­ren Hun­dert Eu­ro mo­nat­lich und der Bei­trags­frei­heit des Be­suchs von Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen durch Pfle­ge­kin­der eben­so va­ri­ie­ren wie hin­sicht­lich des An­knüp­fungs­punk­tes für die Be­rech­nung der Bei­trä­ge.

31 (2) Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Be­klag­te mit ih­ren Pau­schalleis­tun­gen den An­spruch des Klä­gers ge­mäß § 39 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII auf Zah­lung der Kos­ten für die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung des Pfle­ge­kin­des noch nicht er­füllt, weil die­se bei der Be­mes­sung der Pau­schal­sät­ze nicht be­rück­sich­tigt wur­den. Nach den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sind die El­tern­bei­trä­ge für Kin­der­ta­ges­stät­ten bei der Be­mes­sung der Pau­schal­be­trä­ge, die in den ma­ß­geb­li­chen Er­las­sen des Mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit, Ge­sund­heit und So­zia­les fest­ge­setzt wa­ren, nicht be­rück­sich­tigt wor­den, so­dass die Sperr­wir­kung des § 39 Abs. 4 Satz 3 i. V. m. § 39 Abs. 5 Satz 1 SGB VIII hier nicht ein­greift. Auf die von der Be­klag­ten an­ge­grif­fe­nen Er­wä­gun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass hier die in § 39 Abs. 4 Satz 3 Halbs. 2 SGB VIII ge­nann­ten "Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les" vor­lä­gen, die ei­ne Aus­nah­me von der grund­sätz­li­chen Pau­scha­lie­rungs­pflicht be­grün­de­ten, kommt es in­so­weit nicht an. Die Aus­nah­me in § 39 Abs. 4 Satz 3 Halbs. 2 SGB VIII setzt wie dar­ge­legt vor­aus, dass - auch hin­sicht­lich des gel­tend ge­mach­ten Be­darfs - tat­säch­lich pau­scha­liert wor­den ist.

32 3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 154 Abs. 2 Vw­GO. Die Ge­richts­kos­ten­frei­heit er­gibt sich aus § 188 Satz 2 Halbs. 1 Vw­GO.