Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Recht der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den und Nach­rich­ten­diens­te;


hier: ver­wal­tungs­recht­li­cher Aus­kunfts­an­spruch


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 48/2021 vom 08.07.2021

Bun­des­nach­rich­ten­dienst muss Aus­künf­te zu sog. Ken­nen­lern­ter­mi­nen, nicht aber zu von Jour­na­lis­ten in­iti­ier­ten Ein­zel­ge­sprä­chen er­tei­len

Jour­na­lis­ten kön­nen auf der Grund­la­ge des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs der Pres­se aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­lan­gen, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) mit­teilt, wel­che Me­di­en­ver­tre­ter aus An­lass sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin er­hal­ten ha­ben. Dem­ge­gen­über muss der BND nicht die Na­men der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en nen­nen, mit de­nen er auf de­ren In­itia­ti­ve Ein­zel­ge­sprä­che ge­führt hat. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.


Der Klä­ger ist Jour­na­list und Re­dak­teur ei­ner Ta­ges­zei­tung. Er bat den BND um Aus­kunft, wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern die­ser Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt und mit wel­chen die­ser im Jahr 2019 ver­trau­li­che Ein­zel­ge­sprä­che ge­führt hat. Ziel des Aus­kunfts­be­geh­rens ist, In­for­ma­tio­nen über die Pres­se­ar­beit des BND und ins­be­son­de­re über die Pra­xis der Ein­zel­ge­sprä­che zu er­hal­ten. Der BND hat vor­pro­zes­su­al nur ei­nen Teil der Fra­gen be­ant­wor­tet. Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens hat er wei­te­re Fra­gen be­ant­wor­tet und un­ter an­de­rem mit­ge­teilt, dass seit An­fang 2019 bis zur Aus­kunfts­er­tei­lung 44 Me­di­en­ver­tre­ter um Ein­zel­ge­sprä­che nach­ge­sucht ha­ben und 51 Ein­zel­ge­sprä­che ge­führt wor­den sind.


Mit sei­ner Kla­ge hat der Klä­ger Aus­kunft be­gehrt, wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern und wel­chen von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en der BND seit dem 4. Ju­ni 2019 an wel­chem Tag aus wel­chem An­lass Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat und wel­che wei­te­ren schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen dem BND zu dem je­wei­li­gen Ter­min vor­lie­gen. Zu­dem hat er wis­sen wol­len, mit wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern der BND an wel­chem Tag ein Ein­zel­ge­spräch ge­führt hat und wel­che Me­di­en die­se ver­tre­ten ha­ben.


Die Kla­ge, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ers­ter und letz­ter In­stanz zu ent­schei­den hat, hat teil­wei­se Er­folg ge­habt. Hin­sicht­lich des ers­ten Aus­kunfts­be­geh­rens hat der BND wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens mit­ge­teilt, dass er Me­di­en­ver­tre­tern Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft nur aus An­lass von sog. Ken­nen­lern­ter­mi­nen ge­währt hat. In­so­weit hat der BND den Aus­kunfts­an­spruch er­füllt und die Kla­ge war ab­zu­wei­sen. Dem­ge­gen­über hat­te die Kla­ge in­so­weit Er­folg, als der BND dar­über Aus­kunft zu er­tei­len hat, wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern er an wel­chem Tag zum Zwe­cke des Ken­nen­ler­nens Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat. Dem Aus­kunfts­in­ter­es­se ste­hen schutz­wür­di­ge pri­va­te In­ter­es­sen der be­trof­fe­nen Jour­na­lis­ten und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en nicht ent­ge­gen. Der Nen­nung ih­rer Na­men kann der BND nicht das Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis ent­ge­gen­hal­ten, weil die be­gehr­ten Aus­künf­te kei­nen Be­zug zu ei­ner kon­kre­ten Re­cher­che er­ken­nen las­sen und da­her kei­ne Ge­fahr be­steht, dass durch die Aus­künf­te über die Ken­nen­lern­ter­mi­ne kon­kre­te Re­cher­che­tä­tig­kei­ten auf­ge­deckt wer­den. Eben­so we­nig steht das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht der Me­di­en­ver­tre­ter ent­ge­gen, da die Aus­kunft de­ren auf Öf­fent­lich­keit an­ge­leg­te be­ruf­li­che Sphä­re be­trifft.


So­weit der Klä­ger wei­te­re Aus­künf­te zu den Ein­zel­ge­sprä­chen be­gehrt hat, ist die Kla­ge er­folg­los ge­blie­ben. Soll­ten die Na­men der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en so­wie das Da­tum der Ein­zel­ge­sprä­che be­kannt wer­den, be­stün­de die Ge­fahr, dass die­se In­for­ma­tio­nen Rück­schlüs­se auf die kon­kre­ten Re­cher­che­tä­tig­kei­ten zu­las­sen. Die­se In­for­ma­tio­nen kön­nen un­ter Be­rück­sich­ti­gung des zeit­li­chen Rah­mens, auf den sich das Aus­kunfts­be­geh­ren be­zieht, und un­ter Ein­be­zie­hung von Ver­öf­fent­li­chun­gen der je­wei­li­gen Me­di­en­ver­tre­ter An­halts­punk­te zu de­ren kon­kre­ten Re­cher­che­the­men ge­ben. Dies stellt ei­nen Ein­griff in das durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ge­schütz­te Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter und Me­di­en dar mit der Fol­ge, dass das eben­falls auf Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG be­ru­hen­de Aus­kunfts­in­ter­es­se des Klä­gers im Rah­men der ge­bo­te­nen Ab­wä­gung der wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen nicht über­wiegt.


BVer­wG 6 A 10.20 - Ur­teil vom 08. Ju­li 2021


Ur­teil vom 08.07.2021 -
BVer­wG 6 A 10.20ECLI:DE:BVer­wG:2021:080721U6A10.20.0

Zum ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se ge­gen den Bun­des­nach­rich­ten­dienst über des­sen Zu­sam­men­ar­beit mit der Pres­se

Leit­sät­ze:

1. Der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se ge­gen­über Bun­des­be­hör­den aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ge­bie­tet der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le grund­sätz­lich nicht, vor Er­tei­lung oder Ab­leh­nung der Aus­kunft die Be­trof­fe­nen, de­ren pri­va­te In­ter­es­sen in die Ab­wä­gung mit dem Aus­kunfts­in­ter­es­se der Pres­se ein­zu­stel­len sind, an­zu­hö­ren oder um de­ren Ein­wil­li­gung in die Aus­kunfts­er­tei­lung nach­zu­su­chen.

2. Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ist be­fugt, Ein­zel­ge­sprä­che als nicht­öf­fent­li­che in­di­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form im Rah­men sei­ner Öf­fent­lich­keits-, Pres­se- und In­for­ma­ti­ons­ar­beit zu füh­ren.

3. Das von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ge­schütz­te Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis des ein­zel­nen Me­di­en­ver­tre­ters und des von ihm ver­tre­te­nen Me­di­ums steht ei­nem Aus­kunfts­be­geh­ren ent­ge­gen, wenn durch die Er­tei­lung der be­gehr­ten Aus­kunft ein hin­rei­chend kon­kre­ter Be­zug zu den Re­cher­chen der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter be­steht, der die An­nah­me ei­ner Ge­fahr der Auf­de­ckung der Re­cher­che durch Drit­te recht­fer­tigt. Dies ist der Fall, wenn die Be­ant­wor­tung der ge­stell­ten Fra­gen ge­ge­be­nen­falls in der Zu­sam­men­schau mit an­der­wei­tig vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen Rück­schlüs­se auf die kon­kre­te Re­cher­che­tä­tig­keit der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter zu­lässt.

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 6 A 10.20

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 6. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
am 8. Ju­li 2021
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Prof. Dr. Kraft, die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Möl­ler, Hahn und Dr. Te­get­hoff so­wie die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Stei­ner
oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung für Recht er­kannt:

  1. Das Ver­fah­ren wird ein­ge­stellt, so­weit der Klä­ger sei­ne Kla­ge zu­rück­ge­nom­men hat und die Be­tei­lig­ten den Rechts­streit in der Haupt­sa­che über­ein­stim­mend für er­le­digt er­klärt ha­ben.
  2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Klä­ger die Aus­künf­te zu er­tei­len,
  3. -  wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern und wel­chen von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en der Bun­des­nach­rich­ten­dienst seit dem 4. Ju­ni 2019 aus An­lass sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­stat­tet hat (je­weils un­ter An­ga­be des Da­tums) und 
  4. -  wel­che wei­te­ren schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst zu dem je­wei­li­gen Ter­min vor­lie­gen. 
  5. Im Üb­ri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
  6. Die Kos­ten des Ver­fah­rens tra­gen die Be­tei­lig­ten je zur Hälf­te.

Grün­de

I

1 Der Klä­ger ist Jour­na­list und Re­dak­teur ei­ner Ta­ges­zei­tung. Er be­gehr­te im No­vem­ber 2019 von dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst mit­tels 17 An­trä­gen Aus­künf­te über des­sen Pres­se­ar­beit, ins­be­son­de­re über die sog. Ein­zel­ge­sprä­che. Er möch­te mit sei­nem Aus­kunfts­be­geh­ren die Be­zie­hun­gen des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes zu Me­di­en­ver­tre­tern und Me­di­en auf­de­cken. Das Aus­kunfts­be­geh­ren be­zog sich auf das Jahr 2019. Soll­ten für das Jahr 2019 kei­ne In­for­ma­tio­nen vor­lie­gen, be­gehr­te er hilfs­wei­se die Aus­künf­te für die Jah­re 2017 und 2018 so­wie wei­ter hilfs­wei­se ei­ne ver­trau­li­che Aus­kunfts­er­tei­lung.

2 Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst be­ant­wor­te­te die mit den An­trä­gen ge­stell­ten Fra­gen nur teil­wei­se. Der Klä­ger hielt an den un­be­ant­wor­te­ten Aus­kunfts­an­trä­gen fest und er­gänz­te sein Aus­kunfts­be­geh­ren um die An­trä­ge 18 bis 23, die ne­ben In­for­ma­tio­nen zu den Ein­zel­ge­sprä­chen auch die Ge­wäh­rung des Zu­gangs für Me­di­en­ver­tre­ter zu der Lie­gen­schaft des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes in Ber­lin be­tra­fen.

3 Mit sei­ner im Au­gust 2020 er­ho­be­nen Kla­ge hat der Klä­ger sei­ne vor­pro­zes­sua­len Aus­kunfts­an­trä­ge 1 bis 8 und 13 bis 23 als An­trä­ge 1 bis 19 ein­schlie­ß­lich der hilfs­wei­sen An­trä­ge wei­ter­ver­folgt. Wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens hat der Bun­des­nach­rich­ten­dienst im Sep­tem­ber 2020 die Aus­kunfts­an­trä­ge 1 bis 17 be­ant­wor­tet und un­ter an­de­rem mit­ge­teilt, dass von Ja­nu­ar 2019 bis ein­schlie­ß­lich März 2020 ins­ge­samt 44 Me­di­en­ver­tre­ter um Ein­zel­ge­sprä­che nach­ge­sucht ha­ben, 51 Ein­zel­ge­sprä­che im Zeit­raum von Ja­nu­ar 2019 bis März 2020 ge­führt wor­den sind und wie sich die Ge­sprä­che mo­nats­wei­se auf die­sen Zeit­raum ver­tei­len. Dar­auf­hin ha­ben die Be­tei­lig­ten in­so­weit den Rechts­streit über­ein­stim­mend für er­le­digt er­klärt. Ei­ne Ant­wort zu den An­trä­gen 18 und 19, die sich auf die Me­di­en­ver­tre­ter be­zie­hen, de­nen der Bun­des­nach­rich­ten­dienst Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat, hat der Bun­des­nach­rich­ten­dienst un­ter Be­ru­fung ins­be­son­de­re auf das in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter ver­wei­gert. Aus An­lass der Ant­wor­ten hat der Klä­ger au­ßer­ge­richt­lich elf zu­sätz­li­che Aus­kunfts­an­trä­ge zu den ge­nann­ten Kom­ple­xen ge­stellt, die der Bun­des­nach­rich­ten­dienst im Ok­to­ber 2020 eben­falls über­wie­gend be­ant­wor­tet hat. Er hat un­ter an­de­rem die abs­trak­ten The­men und die be­trof­fe­nen Staa­ten ge­nannt, die Ge­gen­stand der Ein­zel­ge­sprä­che wa­ren, nicht aber die wei­te­ren Fra­gen zu den Me­di­en­ver­tre­tern, mit de­nen er Ein­zel­ge­sprä­che ge­führt hat­te, be­ant­wor­tet. Der Klä­ger hat die letzt­ge­nann­ten Fra­gen so­dann als An­trä­ge 20 und 21 in das Kla­ge­ver­fah­ren ein­be­zo­gen. Des Wei­te­ren hat er sei­nen Hilfs­an­trag be­tref­fend die Aus­künf­te für die Jah­re 2017 und 2018 zu­rück­ge­nom­men, nach­dem die Be­klag­te mit­ge­teilt hat­te, dass In­for­ma­tio­nen für das Jahr 2019 vor­lie­gen.

4 Der Klä­ger stützt sich auf den ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se und be­grün­det sei­ne Kla­ge im We­sent­li­chen da­mit, dass der Schutz­an­spruch der an den Ein­zel­ge­sprä­chen be­tei­lig­ten Me­di­en­ver­tre­ter und Me­di­en sein Aus­kunfts­in­ter­es­se nicht über­wie­ge. Er wol­le nicht die Re­cher­chen sei­ner Kol­le­gen aus­for­schen, son­dern nur den Um­fang der Me­di­en­ar­beit des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes in sei­ner denk­bar abs­trak­tes­ten Form er­mit­teln. Glei­ches gel­te für die von dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen über den Zu­gang von Me­di­en­ver­tre­tern zu des­sen Lie­gen­schaft in Ber­lin. Dem­entspre­chend sei das Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en durch die be­gehr­ten Aus­künf­te nicht be­rührt. Die per­sön­li­chen Rech­te der Be­trof­fe­nen stün­den dem Aus­kunfts­be­geh­ren eben­falls nicht ent­ge­gen, da es sich aus­schlie­ß­lich auf de­ren be­ruf­li­chen Be­reich be­zie­he.

5 Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst sei im Üb­ri­gen nicht be­fugt, Ein­zel­ge­sprä­che mit Me­di­en­ver­tre­tern zu füh­ren. Die Vor­aus­set­zun­gen zur Durch­füh­rung ver­trau­li­cher Hin­ter­grund­ge­sprä­che lä­gen nicht vor. Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst müs­se die The­men vor­ge­ben und auch den Teil­neh­mer­kreis sach­ge­recht aus­wäh­len. Da bei den auf Ver­trau­lich­keit an­ge­leg­ten In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wie den Ein­zel­ge­sprä­chen die Öf­fent­lich­keit aus­ge­schlos­sen sei, sei­en der­ar­ti­ge Ver­an­stal­tun­gen mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben zur re­gie­rungs­amt­li­chen Öf­fent­lich­keits­ar­beit un­ver­ein­bar. Die ver­trau­li­che Aus­kunfts­er­tei­lung er­fül­le den ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se nicht, weil die In­for­ma­tio­nen nicht zur öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung ver­wen­det wer­den dürf­ten. Zu­dem ver­schleie­re sie aus Sicht der Öf­fent­lich­keit den Ur­he­ber der In­for­ma­ti­on. Die Ein­zel­ge­sprä­che sei­en zu do­ku­men­tie­ren, da nur auf die­se Wei­se de­ren Pra­xis nach­ge­prüft wer­den kön­ne. Dar­über hin­aus sei zu prü­fen, ob die aus­kunfts­pflich­ti­ge Stel­le die von der Aus­kunfts­er­tei­lung in ih­ren In­ter­es­sen Be­trof­fe­nen an­zu­hö­ren und um de­ren Ein­wil­li­gung in die Aus­kunfts­er­tei­lung nach­zu­su­chen ha­be. Die An­hö­rung die­ne der Er­mitt­lung des Ge­wichts der ent­ge­gen­ste­hen­den Be­lan­ge und - aus Sicht der Be­trof­fe­nen - dem Ge­bot des ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes. Zu­gleich könn­ten mit der Ein­wil­li­gung schutz­wür­di­ge Be­lan­ge be­sei­tigt wer­den, die der Aus­kunfts­er­tei­lung ent­ge­gen­stün­den. Zu be­den­ken sei al­ler­dings, dass der­ar­ti­ge ver­fah­rens­recht­li­che An­for­de­run­gen auch zu Las­ten der Ef­fek­ti­vi­tät des pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruchs gin­gen.

6 Der Klä­ger be­an­tragt zu­letzt,
der Be­klag­ten auf­zu­ge­ben, ihm Aus­kunft dar­über zu er­tei­len,
18. wel­chen Me­di­en­ver­tre­te­rin­nen/Me­di­en­ver­tre­ter bzw. Ver­tre­te­rin­nen/Ver­tre­ter wel­cher Me­di­en der Bun­des­nach­rich­ten­dienst seit 4. Ju­ni 2019 aus be­ruf­li­chen Grün­den au­ßer­halb von aus­schlie­ß­lich oder über­wie­gend für Me­di­en­ver­tre­ter or­ga­ni­sier­te Ver­an­stal­tun­gen und Ein­zel­ge­sprä­chen je­weils wann (Da­tum) Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­stat­tet hat,
19. was je­weils der An­lass da­für war und wel­che wei­te­ren schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst zu dem je­wei­li­gen An­lass bzw. Ter­min vor­lie­gen,
20. wer die 44 Me­di­en­ver­tre­ter sind, die seit An­fang 2019 für ein Ein­zel­ge­spräch zu­ge­las­sen wur­den, und wel­che Me­di­en sie je­weils ver­tre­ten ha­ben,
21. wel­che der Me­di­en­ver­tre­ter je­weils wann (Da­tum) ei­ne sol­che In­for­ma­ti­ons­mög­lich­keit er­hal­ten ha­ben,
so­wie hilfs­wei­se
sämt­li­che Aus­künf­te ver­trau­lich und nicht zur Ver­wen­dung für ei­ne öf­fent­li­che Be­richt­erstat­tung zu er­tei­len.

7 Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

8 Sie ha­be den Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers er­füllt. Den wei­te­ren Aus­kunfts­be­geh­ren stün­den schüt­zens­wer­te pri­va­te In­ter­es­sen der Be­trof­fe­nen ge­gen­über.

9 Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ha­be Me­di­en­ver­tre­tern aus­schlie­ß­lich aus An­lass sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne, die von ein­zel­nen Jour­na­lis­ten in­iti­iert wor­den sei­en, Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt. Der­ar­ti­ge Ter­mi­ne un­ter­fie­len dem Schutz­be­reich der Pres­se­frei­heit, da sie der Vor­be­rei­tung der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung dien­ten. Auch ste­he dem Aus­kunfts­be­geh­ren das in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der Jour­na­lis­ten ent­ge­gen.

10 Die Be­fug­nis zur Füh­rung von Ein­zel­ge­sprä­chen er­ge­be sich aus dem Recht zur Öf­fent­lich­keits­ar­beit. Die Ein­zel­ge­sprä­che be­ruh­ten auf pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­er­su­chen der je­wei­li­gen Me­di­en­ver­tre­ter, wes­halb der Bun­des­nach­rich­ten­dienst we­der das The­ma des Ein­zel­ge­sprächs vor­ge­ben noch ei­ne Aus­wahl von Teil­neh­mern vor­neh­men kön­ne. Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst müs­se der­ar­ti­gen Aus­kunfts­er­su­chen nach­kom­men, so­fern kei­ne schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen ent­ge­gen­stün­den. Le­dig­lich die Form ih­rer Er­fül­lung - schrift­lich oder münd­lich bzw. im Rah­men ei­nes Ein­zel­ge­sprächs - ste­he in sei­nem Er­mes­sen. Ei­ne Be­vor­zu­gung ein­zel­ner Me­di­en­ver­tre­ter sei aus­ge­schlos­sen, da ei­ne Pflicht zur Be­ant­wor­tung der Aus­kunfts­be­geh­ren be­stehe, wenn de­ren Vor­aus­set­zun­gen vor­lä­gen. Die rou­ti­ne­mä­ßi­ge Ver­ein­ba­rung der Ver­trau­lich­keit bei Ein­zel­ge­sprä­chen, die sich auf den In­halt und die Um­stän­de des Ge­sprächs be­zie­he, sei zu­läs­sig. Der Jour­na­list er­klä­re sich in die­sem Fall mit der Er­le­di­gung sei­nes Aus­kunfts­er­su­chens durch das Ein­zel­ge­spräch ein­ver­stan­den. Mit der Ver­trau­lich­keits­ab­re­de ver­fehl­ten die Jour­na­lis­ten nicht ih­re Auf­ga­be, weil über die Art und Wei­se ih­rer Re­cher­che nur sie selbst ent­schei­den könn­ten und die ver­trau­lich ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen ge­eig­net sei­en, das La­ge­bild ei­nes Jour­na­lis­ten ab­zu­run­den bzw. An­halts­punk­te für neue Re­cher­chen zu schaf­fen, auch wenn kei­ne ge­heim zu hal­ten­den In­for­ma­tio­nen preis­ge­ge­ben wür­den.

11 Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ha­be bei der Ab­wä­gung des Aus­kunfts­in­ter­es­ses mit ent­ge­gen­ste­hen­den Be­lan­gen den Schutz der Grund­rech­te der mit ihm in Kon­takt tre­ten­den Jour­na­lis­ten zu ach­ten und - so­weit mög­lich - zu ge­währ­leis­ten. Hier­zu zäh­le das in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der Jour­na­lis­ten. Für ei­ne Wei­ter­ga­be von per­sön­li­chen Da­ten der Jour­na­lis­ten be­dür­fe es ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge, die nicht in dem ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se lie­ge. Das in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der be­trof­fe­nen Per­so­nen be­gren­ze den An­spruch. Ein­zel­ge­sprä­che wie­sen nicht den glei­chen Öf­fent­lich­keits­be­zug auf wie die Hin­ter­grund­ge­sprä­che mit meh­re­ren Jour­na­lis­ten. Die be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen über die Ein­zel­ge­sprä­che un­ter­fie­len der Pres­se­frei­heit, ins­be­son­de­re dem Re­cher­che­ge­heim­nis der Jour­na­lis­ten. Die Ein­zel­ge­sprä­che dien­ten dem je­wei­li­gen Jour­na­lis­ten zur Be­schaf­fung von In­for­ma­tio­nen im Rah­men sei­ner Re­cher­che un­ter Nut­zung des ihm zu­ste­hen­den Aus­kunfts­an­spruchs. Ei­ne Of­fen­ba­rung sei­ner Per­son und wei­te­rer In­for­ma­tio­nen be­grün­de zu­sam­men mit spä­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen die Ge­fahr von Rück­schlüs­sen auf kon­kre­te Re­cher­che­the­men und -quel­len. Dies tref­fe den Kern­be­reich der Pres­se­frei­heit. Im Fal­le ei­ner Statt­ga­be des Aus­kunfts­be­geh­rens be­stehe zu­dem die Ge­fahr des Miss­brauchs, in­dem sich Jour­na­lis­ten über den Aus­kunfts­an­spruch In­for­ma­tio­nen über die Re­cher­che­ar­bei­ten von Kol­le­gen ver­schaff­ten. Ei­ne Ein­wil­li­gung der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter in die Aus­kunfts­er­tei­lung lie­ge nicht vor und sei auch nicht ein­zu­ho­len. Der auf ver­trau­li­che Aus­kunfts­er­tei­lung ge­rich­te­te Hilfs­an­trag sei vom Aus­kunfts­an­spruch nicht ge­deckt, weil ei­ne sol­che Aus­kunft den Zweck des An­spruchs, die Öf­fent­lich­keit zu un­ter­rich­ten, nicht er­fül­le.

12 We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die In­hal­te der Ge­richts­ak­te und des Ver­wal­tungs­vor­gangs ver­wie­sen.

II

13 So­weit der Klä­ger sei­nen An­trag, die Be­klag­te hilfs­wei­se zur Aus­kunft über die Jah­re 2017 und 2018 zu ver­ur­tei­len, wenn In­for­ma­tio­nen für das Jahr 2019 nicht vor­lie­gen, ge­mäß § 92 Abs. 1 Satz 1 und 2 Vw­GO zu­rück­ge­nom­men hat, ist das Ver­fah­ren nach § 92 Abs. 3 Satz 1 Vw­GO ein­zu­stel­len. Glei­ches hat in ent­spre­chen­der An­wen­dung der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift zu ge­sche­hen, so­weit die Be­tei­lig­ten den Rechts­streit in der Haupt­sa­che hin­sicht­lich der An­trä­ge 1 bis 17 über­ein­stim­mend für er­le­digt er­klärt ha­ben.

14 Im Üb­ri­gen ist die sich auf den Ge­schäfts­be­reich des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes be­zie­hen­de Kla­ge, für die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ers­ter und letz­ter In­stanz ge­mäß § 50 Abs. 1 Nr. 4 Vw­GO zu­stän­dig ist und über die der Se­nat mit Ein­ver­ständ­nis der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung ent­schei­det (§ 101 Abs. 2 Vw­GO), zu­läs­sig (1.) und teil­wei­se be­grün­det (2.).

15 1. Ge­gen die Zu­läs­sig­keit der Kla­ge be­stehen kei­ne Be­den­ken. Der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se ist mit der Leis­tungs­kla­ge ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen (stRspr, vgl. nur BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 9 m.w.N.). Der Klä­ger als Jour­na­list und Re­dak­teur kann ana­log § 42 Abs. 2 Vw­GO gel­tend ma­chen, durch die Ab­leh­nung der Aus­kunft zu den An­trä­gen 18 bis 21 in sei­nem ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Aus­kunfts­an­spruch ver­letzt zu sein. Ein Be­dürf­nis für die In­an­spruch­nah­me ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes ist ge­ge­ben, da der Klä­ger das mit die­sen An­trä­gen ver­folg­te Aus­kunfts­be­geh­ren zu­vor bei der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le oh­ne Er­folg gel­tend ge­macht hat (vgl. zum Kon­gru­enz­ge­bot: BVer­wG, Be­schluss vom 26. Ok­to­ber 2017 - 6 VR 1.17 - Buch­holz 402.71 BNDG Nr. 6 Rn. 9). Der Klä­ger hat vor Er­he­bung der Kla­ge und ih­rer Er­wei­te­rung um die An­trä­ge 20 und 21 er­folg­los um Be­ant­wor­tung der je­wei­li­gen Fra­gen bei dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst nach­ge­sucht.

16 Die mit der Ein­be­zie­hung der An­trä­ge 20 und 21 in das Kla­ge­ver­fah­ren ver­bun­de­ne Kla­ge­än­de­rung ist nach § 91 Abs. 1 Vw­GO zu­läs­sig. Die Aus­füh­run­gen der Be­klag­ten, sie er­ach­te die Kla­ge­er­wei­te­rung als sach­dien­lich, aber die An­trä­ge 20 und 21 als un­be­grün­det, kön­nen als kon­klu­den­te Ein­wil­li­gung ge­wer­tet wer­den (zur Zu­läs­sig­keit der kon­klu­den­ten Ein­wil­li­gung: Ren­nert, in: Eyer­mann, Vw­GO, 15. Aufl. 2019, § 91 Rn. 27). Des­sen un­ge­ach­tet er­weist sich die Kla­ge­än­de­rung auch als sach­dien­lich, da sich die bei­den Fra­gen­kom­ple­xe auf die Zu­sam­men­ar­beit des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes mit den Me­di­en­ver­tre­tern be­zie­hen und mit der Er­wei­te­rung der Kla­ge um die An­trä­ge 20 und 21 ei­ne end­gül­ti­ge Bei­le­gung des Streits zwi­schen den Be­tei­lig­ten er­reicht wer­den kann. Eben­falls er­füllt sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 44 Vw­GO, weil sich die gel­tend ge­mach­ten Aus­kunfts­an­sprü­che ge­gen die­sel­be Be­klag­te rich­ten, ih­re Gel­tend­ma­chung in ei­nem tat­säch­li­chen Zu­sam­men­hang steht und das­sel­be Ge­richt nach § 50 Abs. 1 Nr. 4 Vw­GO zu­stän­dig ist.

17 2. Die Kla­ge ist teil­wei­se be­grün­det. An­spruchs­grund­la­ge für das Aus­kunfts­be­geh­ren des Klä­gers ge­gen den Bun­des­nach­rich­ten­dienst ist der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se (a)). Die­ser An­spruch ver­langt von der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le nicht, die Be­trof­fe­nen, de­ren In­ter­es­sen in die Ab­wä­gung ein­zu­stel­len sind, vor der Er­tei­lung oder der Ab­leh­nung der Aus­kunft an­zu­hö­ren und um de­ren Ein­wil­li­gung in die Aus­kunfts­er­tei­lung nach­zu­su­chen (b)). Die Kla­ge ist hin­sicht­lich der An­trä­ge 18 und 19 be­grün­det mit Aus­nah­me der in An­trag 19 ent­hal­te­nen Fra­ge nach dem An­lass für die Zu­gangs­ge­wäh­rung; in­so­weit hat die Be­klag­te den An­spruch er­füllt und ist die Kla­ge ab­zu­wei­sen (c)). Eben­falls ab­zu­wei­sen ist die Kla­ge hin­sicht­lich der mit den An­trä­gen 20 und 21 er­fass­ten Aus­kunfts­be­geh­ren zu den Ein­zel­ge­sprä­chen (d)).

18 a) Das Grund­recht der Pres­se­frei­heit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­leiht in sei­ner ob­jek­tiv-in­sti­tu­tio­nel­len Di­men­si­on und in Er­man­ge­lung ei­ner ein­fach­ge­setz­li­chen Re­ge­lung den Pres­se­an­ge­hö­ri­gen ei­nen ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch ge­gen­über Bun­des­be­hör­den, so­weit auf die­se die Lan­des­pres­se­ge­set­ze mit den in ih­nen ent­hal­te­nen Aus­kunfts­an­spruchs­nor­men we­gen ei­ner ent­ge­gen­ste­hen­den Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des kei­ne An­wen­dung fin­den. Nur der auf die­se Wei­se ge­währ­leis­te­te, prin­zi­pi­ell un­ge­hin­der­te Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen ver­setzt die für die De­mo­kra­tie es­sen­ti­el­le freie Pres­se in den Stand, die ihr zu­kom­men­de In­for­ma­ti­ons- und Kon­troll­funk­ti­on auch ge­gen­über Bun­des­be­hör­den wirk­sam wahr­zu­neh­men. Auf Grund die­ses ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs kön­nen Pres­se­an­ge­hö­ri­ge auf hin­rei­chend be­stimm­te Fra­gen be­hörd­li­che Aus­künf­te ver­lan­gen, so­weit die ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen bei der Be­hör­de vor­han­den sind und schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen öf­fent­li­cher Stel­len oder Pri­va­ter an der Ver­trau­lich­keit nicht ent­ge­gen­ste­hen. Der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch for­dert ei­ne Ab­wä­gung des In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­ses der Pres­se mit den ge­gen­läu­fi­gen schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen im Ein­zel­fall. Da­bei kommt ei­ne Be­wer­tung des In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­ses der Pres­se grund­sätz­lich nicht in Be­tracht. Zu­dem darf der An­spruch in sei­nem ma­te­ri­el­len Ge­halt nicht hin­ter dem­je­ni­gen der im We­sent­li­chen in­halts­glei­chen, auf ei­ne Ab­wä­gung zie­len­den Aus­kunfts­an­sprü­che nach den Lan­des­pres­se­ge­set­zen zu­rück­blei­ben. Ent­schei­dend ist, ob dem In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen von sol­chem Ge­wicht ent­ge­gen­ste­hen, die den An­spruch auf Aus­kunft aus­schlie­ßen (stRspr, BVer­wG, Ur­tei­le vom 16. März 2016 - 6 C 65.14 - BVer­w­GE 154, 222 Rn. 13, 16 ff. und - 6 C 66.14 - Buch­holz 422.1 Pres­se­recht Nr. 15 Rn. 12, 23 ff. und vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 13). So ver­stan­den hat der Se­nat an sei­ner ur­sprüng­li­chen, den ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se auf das Ni­veau ei­nes "Mi­ni­mal­stan­dards" be­schrän­ken­den Recht­spre­chung (vgl. da­zu noch: BVer­wG, Ur­teil vom 20. Fe­bru­ar 2013 - 6 A 2.12 - BVer­w­GE 146, 56 Rn. 29) schon seit ei­ni­gen Jah­ren nicht mehr fest­ge­hal­ten.

19 Bei dem in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­an­ker­ten Aus­kunfts­an­spruch han­delt es sich um ein In­di­vi­du­al­recht der ein­zel­nen Pres­se­an­ge­hö­ri­gen. Zu den aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­len ge­hört der Bun­des­nach­rich­ten­dienst. Die von Art. 73 Abs. 1 Nr. 1 GG um­fass­te Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Re­ge­lung der Sach­ma­te­rie "Bun­des­nach­rich­ten­dienst" schlie­ßt als An­nex die Be­fug­nis zur Re­ge­lung von Aus­kunfts­pflich­ten ge­gen­über der Pres­se ein. Da­mit sind An­sprü­che auf Er­tei­lung von Aus­künf­ten durch den Bun­des­nach­rich­ten­dienst auf Grund lan­des­pres­se­recht­li­cher Vor­schrif­ten aus­ge­schlos­sen. Da der Bund von sei­ner Re­ge­lungs­be­fug­nis bis­her kei­nen Ge­brauch ge­macht hat, greift der un­mit­tel­bar aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG her­zu­lei­ten­de Aus­kunfts­an­spruch ein. Ei­ne Be­reichs­aus­nah­me zu­guns­ten des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes in Ent­spre­chung zu § 3 Nr. 8 IFG ist de le­ge la­ta nicht ge­recht­fer­tigt (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 14 f.).

20 Dem ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se kön­nen Be­lan­ge ent­ge­gen­ste­hen, die nach Ma­ß­ga­be ei­ner Ab­wä­gung mit dem In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se ein schutz­wür­di­ges öf­fent­li­ches oder pri­va­tes In­ter­es­se an der Ge­heim­hal­tung von In­for­ma­tio­nen be­grün­den. Sie be­gren­zen die­sen Aus­kunfts­an­spruch, sind von dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst dar­zu­le­gen und durch das Ge­richt grund­sätz­lich in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht voll­um­fäng­lich zu über­prü­fen. Ei­ne in die­sem Rah­men ge­bo­te­ne Ge­heim­hal­tung wird durch das Ver­fah­ren nach § 99 Abs. 2 Vw­GO ge­währ­leis­tet (stRspr, vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 16 ff. m.w.N.).

21 Die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ent­schei­dungs­er­heb­li­chen pri­va­ten In­ter­es­sen, de­nen bei der im Rah­men des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs der Pres­se ge­gen­über Bun­des­be­hör­den durch­zu­füh­ren­den Ab­wä­gung Vor­rang vor dem in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­an­ker­ten In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Pres­se zu­zu­bil­li­gen ist, kön­nen sich ins­be­son­de­re aus den Grund­rech­ten Drit­ter er­ge­ben. Die prak­ti­sche Kon­kor­danz zwi­schen den konfli­gie­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen der Pres­se und der pri­va­ten Drit­ten, die im An­wen­dungs­be­reich der Lan­des­pres­se­ge­set­ze auf ein­fach­ge­setz­li­cher Grund­la­ge her­ge­stellt wer­den kann, muss bei Aus­kunfts­be­geh­ren der Pres­se ge­gen­über Bun­des­be­hör­den man­gels ei­ner Re­ge­lung des Bun­des­ge­setz­ge­bers im ein­fa­chen Recht im Rah­men der Aus­le­gung und An­wen­dung des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG her­ge­stellt wer­den. Setzt sich der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch im Rah­men der durch­zu­füh­ren­den Ab­wä­gung durch, ist ver­fas­sungs­recht­lich de­ter­mi­niert, dass die Be­lan­ge der Pres­se über­wie­gen. In die­sem Fall er­weist sich Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG zu­gleich als hin­rei­chen­de Er­mäch­ti­gung für die mit der Aus­kunfts­er­tei­lung ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in die Grund­rech­te Drit­ter (stRspr, vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 25. März 2015 - 6 C 12.14 - BVer­w­GE 151, 348 Rn. 41 und vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 21 f.).

22 Vor­aus­set­zung für die Gel­tend­ma­chung des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs ist, dass die Aus­kunfts­be­geh­ren ei­nen hin­rei­chend be­stimm­ten Be­zug auf kon­kre­te Tat­sa­chen­kom­ple­xe er­ken­nen las­sen (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 20. Fe­bru­ar 2013 - 6 A 2.12 - BVer­w­GE 146, 56 Rn. 30; OVG Müns­ter, Be­schluss vom 3. April 2019 - 15 B 1850/18 - AfP 2019, 261 <263>). Ge­gen­stand des An­spruchs sind die­je­ni­gen In­for­ma­tio­nen, die bei der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le vor­han­den sind (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 30. Ja­nu­ar 2020 - 10 C 18.19 - BVer­w­GE 167, 319 Rn. 28; Be­schlüs­se vom 3. De­zem­ber 2020 - 6 A 3.20 - DVBl 2021, 588 Rn. 11 und vom 23. März 2021 - 6 VR 1.21 - NVwZ-RR 2021, 663 Rn. 17). Vor­han­den sind die In­for­ma­tio­nen nicht nur dann, wenn sie elek­tro­nisch ge­spei­chert oder ver­schrift­licht in Ak­ten oder Vor­gän­gen ent­hal­ten sind. Zu den bei der Be­hör­de vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen ge­hö­ren auch auf dienst­li­che Vor­gän­ge und Wahr­neh­mun­gen be­zo­ge­ne In­for­ma­tio­nen, die nicht ver­schrift­licht bzw. nicht ak­ten­kun­dig ge­macht wur­den (eben­so zum Aus­kunfts­an­spruch nach § 5 Abs. 1 Satz 1 MStV: BVer­wG, Ur­teil vom 26. April 2021 - 10 C 1.20 - ju­ris Rn. 25). Die Gren­ze des Aus­kunfts­an­spruchs ist über­schrit­ten, wenn aus dem In­for­ma­ti­ons­an­spruch ein In­for­ma­ti­ons­ver­schaf­fungs­an­spru­ch wird, die Be­hör­de al­so die be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen erst be­schaf­fen muss, weil sie nicht tat­säch­lich über die In­for­ma­tio­nen ver­fügt (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 27. Ju­li 2015 - 1 BvR 1452/13 - NVwZ 2016, 50 Rn. 15 f.; BVer­wG, Ur­tei­le vom 20. Fe­bru­ar 2013 - 6 A 2.12 - BVer­w­GE 146, 56 Rn. 32 und vom 26. April 2021 - 10 C 1.20 - ju­ris Rn. 24 zu § 5 Abs. 1 Satz 1 MStV).

23 b) Der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se ge­bie­tet der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le grund­sätz­lich nicht, vor Er­tei­lung oder Ab­leh­nung der Aus­kunft die Be­trof­fe­nen, de­ren pri­va­te In­ter­es­sen in die Ab­wä­gung mit dem Aus­kunfts­in­ter­es­se der Pres­se ein­zu­stel­len sind, an­zu­hö­ren oder um de­ren Ein­wil­li­gung in die Aus­kunfts­er­tei­lung nach­zu­su­chen.

24 Die An­hö­rung der Be­trof­fe­nen ist ei­nes der der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le zur Ver­fü­gung ste­hen­den Er­kennt­nis­mit­tel für die Er­mitt­lung und Ge­wich­tung der pri­va­ten In­ter­es­sen. Sie er­öff­net zu­gleich den Be­trof­fe­nen die Mög­lich­keit, noch vor der be­ab­sich­tig­ten Aus­kunfts­er­tei­lung vor­beu­gen­den ge­richt­li­chen Rechts­schutz in An­spruch zu neh­men. Ver­bin­det die aus­kunfts­pflich­ti­ge Stel­le dar­über hin­aus die An­hö­rung mit der Auf­for­de­rung, sich zu ei­ner Ein­wil­li­gung in die Aus­kunfts­er­tei­lung zu äu­ßern, trägt dies dem In­ter­es­se des An­spruchs­in­ha­bers an ei­ner wei­test mög­li­chen Aus­kunfts­er­tei­lung Rech­nung. Denn die Ein­wil­li­gung der Be­trof­fe­nen könn­te das Ge­wicht der schüt­zens­wer­ten In­ter­es­sen in ei­nem Ma­ße ver­rin­gern, dass sie der Aus­kunfts­er­tei­lung nicht mehr ent­ge­gen­ste­hen.

25 Al­ler­dings ist bei der Prü­fung der Not­wen­dig­keit der­ar­ti­ger pro­ze­du­ra­ler Pflich­ten zu be­rück­sich­ti­gen, dass der ma­te­ri­el­le Ge­halt des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs der Pres­se ein be­son­de­res Ge­wicht hat und die­se Grund­rechts­po­si­ti­on der Pres­se nicht über das Ver­fah­rens­recht aus­ge­höhlt oder ent­wer­tet wer­den darf (zu die­ser Gren­ze ein­fach­ge­setz­li­cher Ver­fah­rens- und Form­vor­schrif­ten sie­he nur: BVerfG, Be­schluss vom 22. April 2021 - 2 BvR 320/20 - ju­ris Rn. 32 m.w.N. zu Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG). Der ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se ist als Mit­tel der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung vom Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG er­fasst. Ihm kommt eben­so wie den in den Pres­se­ge­set­zen der Län­der nor­mier­ten Aus­kunfts­an­sprü­chen ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung für die ef­fek­ti­ve Be­richt­erstat­tung und Wahr­neh­mung der Auf­ga­be der Pres­se zu, da erst der prin­zi­pi­ell un­ge­hin­der­te Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen die für die De­mo­kra­tie es­sen­ti­el­le freie Pres­se in den Stand ver­setzt, die ihr zu­kom­men­de In­for­ma­ti­ons- und Kon­troll­funk­ti­on wirk­sam wahr­zu­neh­men (vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schlüs­se vom 8. Sep­tem­ber 2014 - 1 BvR 23/14 - NJW 2014, 3711 Rn. 26 und vom 14. Sep­tem­ber 2015 - 1 BvR 857/15 - NJW 2015, 3708 Rn. 16; BVer­wG, Ur­tei­le vom 16. März 2016 - 6 C 65.14 - BVer­w­GE 154, 222 Rn. 17 und vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 15; Gra­ben­war­ter, in: Maunz/Dü­rig, GG, Stand: Ok­to­ber 2020, Art. 5 Abs. 1, 2 Rn. 275; zur Zu­läs­sig­keit der pres­se­recht­li­chen Da­ten­ver­ar­bei­tung oh­ne Ein­wil­li­gung der Be­trof­fe­nen: BGH, Ur­teil vom 1. Fe­bru­ar 2011 - VI ZR 345/09 - NJW 2011, 2285 Rn. 24 m.w.N.). Die ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­be ver­bie­tet ei­ne ver­fah­rens­recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Aus­kunfts­an­spruchs, die des­sen Zweck ver­ei­teln oder ma­ß­geb­lich ge­fähr­den wür­de. Ei­ne an­hö­rungs­be­ding­te Ver­zö­ge­rung der Aus­kunfts­er­tei­lung birgt die Ge­fahr in sich, dass die Pres­se ih­ren In­for­ma­ti­ons- und Kon­troll­auf­trag man­gels Ak­tua­li­tät im Zeit­punkt der In­for­ma­ti­ons­er­tei­lung nicht mehr er­fül­len kann. Ei­ne Pflicht der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­len, die Be­trof­fe­nen vor der Aus­kunfts­er­tei­lung an­zu­hö­ren und um ih­re Ein­wil­li­gung nach­zu­su­chen, wirkt sich hier­nach nicht nur zu Guns­ten, son­dern auch zu Las­ten der Ef­fek­ti­vi­tät der Auf­ga­ben­er­fül­lung der Pres­se aus. Dem­entspre­chend ist ei­ne An­hö­rung ver­fas­sungs­recht­lich nicht ge­bo­ten. Viel­mehr trägt das dem ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruch im­ma­nen­te Ab­wä­gungs­mo­dell der Ef­fek­ti­vi­tät der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung hin­rei­chend Rech­nung, in­dem es der aus­kunfts­pflich­ti­gen Stel­le die Auf­ga­be zu­weist, die ent­ge­gen­ste­hen­den schüt­zens­wer­ten In­ter­es­sen zu er­mit­teln und zu ge­wich­ten. Die Be­trof­fe­nen sind in­so­weit auf den der Aus­kunfts­er­tei­lung nach­ge­la­ger­ten Rechts­schutz ver­wie­sen und kön­nen we­gen der Be­deu­tung des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs kei­ne Be­tei­li­gung ver­lan­gen, wie sie in § 8 IFG für den nicht grund­recht­li­chen fun­dier­ten In­for­ma­ti­ons­an­spruch nach dem In­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz in den Fäl­len der Be­trof­fen­heit schutz­wür­di­ger Be­lan­ge Drit­ter vor­ge­se­hen ist.

26 Hin­zu kommt im vor­lie­gen­den Fall, dass ei­ne An­hö­rung der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter im Aus­kunfts­ver­fah­ren und nach­fol­gend ih­re Ein­be­zie­hung in das ge­richt­li­che Ver­fah­ren im We­ge der Bei­la­dung zu ei­ner Of­fen­le­gung der per­sön­li­chen Da­ten füh­ren wür­de, wel­che die Be­klag­te ge­ra­de für schüt­zens­wert er­ach­tet. Dies näh­me die be­gehr­te Er­tei­lung der Aus­kunft vor­weg und lie­fe dem Ab­wä­gungs­mo­dell zu­wi­der.

27 c) Der Klä­ger möch­te wis­sen, wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern und wel­chen von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en der Bun­des­nach­rich­ten­dienst seit dem 4. Ju­ni 2019 aus be­ruf­li­chen Grün­den au­ßer­halb von aus­schlie­ß­lich oder über­wie­gend für Me­di­en­ver­tre­ter or­ga­ni­sier­ten Ver­an­stal­tun­gen und Ein­zel­ge­sprä­chen wann Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­stat­tet hat (An­trag 18), aus wel­chem An­lass die Zu­gangs­ge­wäh­rung statt­ge­fun­den hat und wel­che schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen da­zu vor­lie­gen (An­trag 19). Die­se Aus­kunfts­be­geh­ren hat die Be­klag­te be­zo­gen auf die Fra­ge nach den An­läs­sen der Zu­gangs­ge­wäh­rung er­füllt, wes­halb in­so­weit die Kla­ge er­folg­los ist (aa)). Dem­ge­gen­über steht dem Klä­ger der gel­tend ge­mach­te Aus­kunfts­an­spruch hin­sicht­lich der wei­te­ren mit den bei­den An­trä­gen ge­stell­ten Fra­gen zu (bb)).

28 aa) Die Be­klag­te hat wäh­rend des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens mit­ge­teilt, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst seit dem 4. Ju­ni 2019 Me­di­en­ver­tre­tern aus be­ruf­li­chen Grün­den aus­schlie­ß­lich aus An­lass von sog. Ken­nen­lern­ter­mi­nen Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat. Mit die­ser An­ga­be hat die Be­klag­te die ers­te Fra­ge im An­trag 19 er­füllt. Der Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers ist nach dem Rechts­ge­dan­ken des auch im öf­fent­li­chen Recht an­wend­ba­ren § 362 Abs. 1 BGB er­lo­schen (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 24. Ja­nu­ar 2018 - 6 A 8.16 - Buch­holz 402.71 BNDG Nr. 7 Rn. 21). Die Kla­ge ist in­so­weit als un­be­grün­det ab­zu­wei­sen.

29 bb) Dem­ge­gen­über ist die Kla­ge be­grün­det, so­weit der Klä­ger Aus­kunft be­gehrt, wel­chen Me­di­en­ver­tre­tern und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en der Bun­des­nach­rich­ten­dienst seit dem 4. Ju­ni 2019 an wel­chem Tag zum Zwe­cke des Ken­nen­ler­nens Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat und wel­che schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen hier­zu vor­lie­gen. Die hier­auf ge­rich­te­ten Fra­gen sind hin­rei­chend kon­kret; die be­gehr­ten An­ga­ben lie­gen dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst nach des­sen Ein­las­sung vor. Schutz­wür­di­ge öf­fent­li­che In­ter­es­sen, die der Aus­kunfts­er­tei­lung ent­ge­gen­ste­hen, hat der Bun­des­nach­rich­ten­dienst nicht dar­ge­legt. Die an­ge­führ­ten pri­va­ten In­ter­es­sen der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en ent­fal­ten we­der un­ter dem Ge­sichts­punkt des Grund­rechts der Pres­se­frei­heit (1) noch am Maß­stab des Per­sön­lich­keits­rechts (2) ein die Ab­leh­nung der Aus­kunfts­er­tei­lung recht­fer­ti­gen­des Ge­wicht.

30 (1) Das Grund­recht der Pres­se­frei­heit schlie­ßt die­je­ni­gen Vor­aus­set­zun­gen und Hilfs­tä­tig­kei­ten mit ein, oh­ne die die Pres­se ih­re Funk­ti­on nicht in an­ge­mes­se­ner Wei­se er­fül­len kann. Der Schutz reicht von der Be­schaf­fung der In­for­ma­ti­on bis zur Ver­brei­tung der Nach­rich­ten und Mei­nun­gen (vgl. BVerfG, Teil­ur­teil vom 5. Au­gust 1966 - 1 BvR 586/62 u.a. - BVerf­GE 20, 162 <176> und Ur­teil vom 27. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvR 538/06 u.a. - BVerf­GE 117, 244 <259>; BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 38). Die Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­keit der Me­di­en ist da­mit vom Schutz­be­reich er­fasst, auch so­weit In­for­ma­tio­nen von ei­ner öf­fent­li­chen Stel­le be­schafft wer­den. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG schützt je­de Tä­tig­keit me­di­en­spe­zi­fi­scher In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung, weil zwi­schen ei­ner frei­en Pres­se und der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung ein be­son­ders en­ger Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang vor­liegt und ei­ne sol­che Vor­be­rei­tungs­tä­tig­keit erst die Grund­la­ge für ei­ne ef­fek­ti­ve Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben ei­ner frei­en Pres­se in der Ge­sell­schaft legt (vgl. er­gän­zend Gra­ben­war­ter, in: Maunz/Dü­rig, GG, Stand: Ok­to­ber 2020, Art. 5 Abs. 1, 2 Rn. 275).

31 Hier­nach fal­len die sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne in den Schutz­be­reich des Grund­rechts der Pres­se­frei­heit, da sie den Me­di­en­ver­tre­tern und Me­di­en als Grund­la­ge die­nen, zu­künf­tig In­for­ma­tio­nen von den zu­stän­di­gen An­sprech­part­nern des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes zu be­schaf­fen. Aus Sicht des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes sind der­ar­ti­ge Ter­mi­ne Be­stand­teil der Pres­se-, Öf­fent­lich­keits- und In­for­ma­ti­ons­ar­beit, zu de­ren Ver­rich­tung der Bun­des­nach­rich­ten­dienst als öf­fent­li­che Stel­le auch oh­ne be­son­de­re Er­mäch­ti­gung im Zu­sam­men­hang mit der ihm je­weils zu­ge­wie­se­nen Sach­auf­ga­be be­rech­tigt ist (zu Letz­te­rem BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 28 m.w.N.).

32 Die Her­aus­ga­be der vom Klä­ger be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen, wem der Bun­des­nach­rich­ten­dienst wann an­läss­lich von sog. Ken­nen­lern­ter­mi­nen Zu­gang zu sei­ner Lie­gen­schaft in Ber­lin ge­währt hat und wel­che wei­te­ren schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen der Be­hör­de zu dem je­wei­li­gen Ter­min vor­lie­gen, stellt ei­nen Ein­griff in die durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ge­schütz­te Pres­se­frei­heit der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en dar. Al­ler­dings kommt dem Schutz der Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­keit bei der Er­tei­lung der be­gehr­ten Aus­künf­te kein dem Aus­kunfts­in­ter­es­se ent­ge­gen­ste­hen­des Ge­wicht zu. Sog. Ken­nen­lern­ter­mi­ne die­nen der (ers­ten) Kon­takt­auf­nah­me mit den Mit­ar­bei­tern, re­spek­ti­ve der Pres­se­stel­le des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes. Sie ha­ben als sol­che kei­nen Be­zug zu ei­ner kon­kre­ten Re­cher­che der Me­di­en­ver­tre­ter, wes­halb mit den be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen über die Ein­zel­hei­ten der Ken­nen­lern­ter­mi­ne kei­ne Ge­fahr der Auf­de­ckung kon­kre­ter Re­cher­chen und Re­dak­ti­ons­tä­tig­kei­ten ver­bun­den ist. Das Grund­recht der Pres­se­frei­heit ist al­len­falls in ei­nem Rand­be­reich be­trof­fen.

33 (2) Eben­so we­nig kann die Be­klag­te dem Aus­kunfts­in­ter­es­se die per­sön­li­che Be­trof­fen­heit der Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en er­folg­reich ent­ge­gen­hal­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts be­rührt die Ge­fahr ei­ner künf­ti­gen Ver­öf­fent­li­chung per­sön­li­cher An­ga­ben nicht das in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht, son­dern das durch Art. 2 Abs. 1 GG ge­schütz­te all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 6. No­vem­ber 2019 - 1 BvR 16/13 - BVerf­GE 152, 152 Rn. 90 f; sie­he auch BVer­wG, Be­schluss vom 23. März 2021 - 6 VR 1.21 - NVwZ-RR 2021, 663 Rn. 20). Die von dem Klä­ger im Zu­sam­men­hang mit den Ken­nen­lern­ter­mi­nen be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen be­tref­fen die ei­nen star­ken Öf­fent­lich­keits­be­zug auf­wei­sen­de be­ruf­li­che Tä­tig­keit der Me­di­en­ver­tre­ter und de­ren ge­gen­über der In­tim- und Pri­vat­sphä­re we­ni­ger schutz­wür­di­ge So­zi­alsphä­re (zur un­ter­schied­li­chen Wei­te des Per­sön­lich­keits­schut­zes: BVer­wG, Ur­teil vom 27. Sep­tem­ber 2018 - 7 C 5.17 - NVwZ 2019, 473 Rn. 33 m.w.N. ins­be­son­de­re aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts). Sie un­ter­lie­gen zu­dem kei­ner Ver­trau­lich­keits­ab­re­de und las­sen - wie zu­vor dar­ge­legt - Rück­schlüs­se auf kon­kre­te Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­kei­ten der Me­di­en­ver­tre­ter und Me­di­en nicht zu. An­ge­sichts des­sen kommt dem Schutz des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts als in die Ab­wä­gung ein­zu­stel­len­des pri­va­tes In­ter­es­se nur ein ge­rin­ge­res Ge­wicht ge­gen­über dem Aus­kunfts­in­ter­es­se des Klä­gers zu.

34 d) Die Kla­ge ist in Be­zug auf die An­trä­ge 20 und 21 ab­zu­wei­sen. Dies folgt nicht be­reits aus der Be­fug­nis des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes, Ein­zel­ge­sprä­che zu füh­ren (un­ter aa)). Die Un­be­gründet­heit der Kla­ge er­gibt sich aus dem Um­stand, dass dem Aus­kunfts­in­ter­es­se als pri­va­tes schüt­zens­wer­tes In­ter­es­se das von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG er­fass­te Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter und der von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en ent­ge­gen­steht (un­ter bb)). Auch der hilfs­wei­se ge­stell­te An­trag auf ver­trau­li­che Aus­kunft kann in­so­weit kei­nen Er­folg ha­ben (un­ter cc)).

35 aa) Ein­zel­ge­sprä­che zwi­schen Me­di­en­ver­tre­tern und dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst kom­men nach den un­be­strit­ten ge­blie­be­nen Ein­las­sun­gen der Be­klag­ten auf In­itia­ti­ve der Me­di­en­ver­tre­ter zu­stan­de, wenn die­se ein sol­ches Ge­spräch wün­schen oder sich hier­mit ein­ver­stan­den er­klä­ren. Die Me­di­en­ver­tre­ter wen­den sich an den Bun­des­nach­rich­ten­dienst und bit­ten um In­for­ma­tio­nen zu ei­nem be­stimm­ten The­ma. Da­zu müs­sen sie ihr Aus­kunfts­er­su­chen, das in ei­nem Ein­zel­ge­spräch er­ör­tert wer­den soll, hin­rei­chend kon­kre­ti­sie­ren. Ei­ne Aus­wahl der für ein Ein­zel­ge­spräch in Be­tracht kom­men­den Me­di­en­ver­tre­ter so­wie ei­ne ver­tre­tungs­wei­se Wahr­neh­mung des Ein­zel­ge­sprächs auf Sei­ten der Me­di­en­ver­tre­ter sind aus­ge­schlos­sen. Rou­ti­ne­mä­ßig tref­fen die an ei­nem Ein­zel­ge­spräch Be­tei­lig­ten ei­ne Ab­re­de, dass In­halt und Um­stän­de des Ge­sprächs von bei­den Sei­ten ver­trau­lich be­han­delt wer­den. Die Ein­zel­ge­sprä­che wer­den in den für ex­ter­ne Be­su­cher vor­ge­se­he­nen Räum­lich­kei­ten in der Zen­tra­le des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes ge­führt.

36 Die mit dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst ge­führ­ten Ein­zel­ge­sprä­che ha­ben aus Sicht der Me­di­en­ver­tre­ter ih­ren Aus­gangs­punkt in der Gel­tend­ma­chung des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs und sind als Mit­tel der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung vom Schutz­be­reich der Pres­se­frei­heit um­fasst. Gleich­zei­tig sind die Ein­zel­ge­sprä­che Be­stand­teil der Öf­fent­lich­keits-, Pres­se- und In­for­ma­ti­ons­ar­beit des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes, die nach der Se­nats­recht­spre­chung auch in­di­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men um­fasst (BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 27 m.w.N.). Da­bei ber­gen Ein­zel­ge­sprä­che kei­ne Ge­fahr der Ver­schleie­rung des Ur­he­bers der In­for­ma­tio­nen in sich, weil der Bun­des­nach­rich­ten­dienst of­fen ge­gen­über dem um Aus­kunft er­su­chen­den Me­di­en­ver­tre­ter auf­tritt. Da der Bun­des­nach­rich­ten­dienst bei sol­chen Ge­sprä­chen die In­for­ma­tio­nen - wie dar­ge­legt - nicht von sich aus zu ei­nem von ihm fest­ge­leg­ten The­ma an ei­nen von ihm aus­ge­wähl­ten Kreis von Teil­neh­mern er­teilt, kom­men ent­ge­gen der klä­ge­ri­schen Auf­fas­sung die für in­di­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men "im klei­nen Kreis" wie den Hin­ter­grund­ge­sprä­chen gel­ten­den Vor­aus­set­zun­gen nicht zum Tra­gen. Al­ler­dings muss der Bun­des­nach­rich­ten­dienst auch bei die­sem For­mat dem Neu­tra­li­täts­ge­bot und dem Ge­bot der Sach­lich­keit ge­nü­gen; ei­ne Steue­rung der Me­di­en über die In­for­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be ist un­zu­läs­sig (vgl. nur BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 28 m.w.N.).

37 Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst ist nicht ver­pflich­tet, die Um­stän­de und den In­halt der Ein­zel­ge­sprä­che im Ein­zel­nen zu do­ku­men­tie­ren. Ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­ten ist ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on nur dann, wenn der Aus­kunfts­er­tei­lung ein weit­rei­chen­der Grund­rechts­ein­griff im­ma­nent ist oder die Do­ku­men­ta­ti­on zur Si­che­rung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Ein­griffs bzw. ef­fek­ti­ven Durch­set­zung von Grund­rechts­schutz (Art. 19 Abs. 4 GG) so­wie zur ver­fah­rens­recht­li­chen Ab­si­che­rung von an­de­ren Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en er­for­der­lich ist (vgl. BVerfG, Be­schlüs­se vom 20. Sep­tem­ber 2016 - 2 BvR 2453/15 - BVerf­GE 143, 22 Rn. 20 und 33, vom 24. Ju­li 2018 - 2 BvR 309/15, 2 BvR 502/16 - BVerf­GE 149, 293 Rn. 84, vom 18. De­zem­ber 2018 - 1 BvR 142/15 - BVerf­GE 150, 244 Rn. 157, vom 19. Sep­tem­ber 2019 - 1 BvR 2059/18, 1 BvR 1063/19 - WissR 52, 63 <67> und vom 27. Mai 2020 - 1 BvR 1873/13, 1 BvR 2618/13 - NJW 2020, 2699 Rn. 249 f.). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind bei der Füh­rung von Ein­zel­ge­sprä­chen der Me­di­en­ver­tre­ter mit dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst nicht per se er­füllt, da ein weit­rei­chen­der Ein­griff in Grund­rech­te oder ei­ne Be­ein­träch­ti­gung von an­de­ren Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en aus­schlie­ß­lich ein­zel­fall­ab­hän­gig in Be­tracht kom­men kann, nicht aber stets mit der Er­fül­lung des ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Aus­kunfts­an­spruchs ein­her­geht. Al­ler­dings liegt es im ei­ge­nen In­ter­es­se des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes, im Ein­zel­fall die Ein­zel­ge­sprä­che zu do­ku­men­tie­ren, wenn die Aus­kunfts­er­tei­lung mit Grund­rechts­ein­grif­fen ver­bun­den ist, um die Wah­rung des Neu­tra­li­täts­ge­bots und des Ge­bots der Sach­lich­keit dar­le­gen zu kön­nen.

38 Aus der Fest­stel­lung, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst hier­nach grund­sätz­lich zur Durch­füh­rung von ver­trau­li­chen Ein­zel­ge­sprä­chen be­fugt ist, lässt sich in­des für die Ent­schei­dung über dem Aus­kunfts­in­ter­es­se ent­ge­gen­ste­hen­de schutz­wür­di­ge In­ter­es­sen nichts her­lei­ten. Hier­für kommt es aus­schlie­ß­lich dar­auf an, ob hin­sicht­lich der be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen die Vor­aus­set­zun­gen des Aus­kunfts­an­spruchs er­füllt sind (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 29).

39 bb) Im Rah­men der ge­bo­te­nen Ab­wä­gung steht dem Aus­kunfts­in­ter­es­se des Klä­gers, des­sen Be­wer­tung grund­sätz­lich nicht in Be­tracht kommt, das eben­falls auf Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG be­ru­hen­de und als schüt­zens­wert zu er­ach­ten­de pri­va­te In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter und Me­di­en am Schutz ih­rer Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­keit ent­ge­gen, so­dass dem Klä­ger der mit den An­trä­gen 20 und 21 gel­tend ge­mach­te Aus­kunfts­an­spruch nicht zu­steht.

40 Wie be­reits dar­ge­legt, schützt Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG je­de Tä­tig­keit me­di­en­spe­zi­fi­scher In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung. Hier­zu ge­hört die Er­tei­lung von In­for­ma­tio­nen durch die öf­fent­li­chen Stel­len auch dann, wenn - wie bei den Ein­zel­ge­sprä­chen - die be­gehr­te Aus­kunft nur ver­trau­lich über­mit­telt wird. Auch die­se Form der In­for­ma­ti­ons­er­tei­lung ge­nie­ßt den Schutz des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG, denn ih­re Be­deu­tung ist für die In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung nicht zu un­ter­schät­zen. Die Pres­se und die Me­di­en sind zur Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben auf die Er­tei­lung von Aus­künf­ten durch öf­fent­li­che Stel­len an­ge­wie­sen. Die­se Form der In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung kann das ein­zi­ge zur Ver­fü­gung ste­hen­de Mit­tel der Re­cher­che­ar­beit sein, wenn pri­va­te In­for­man­ten oder an­de­re Mit­tel der ver­deck­ten Re­cher­che nicht zur Ver­fü­gung ste­hen (vgl. Eich­hoff, In­ves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­mus aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht, 2010, S. 169). Die be­gehr­te Aus­kunfts­er­tei­lung über die Um­stän­de ei­ner sol­chen In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung greift da­her in den Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ein.

41 Maß­stab für die Ge­wich­tung des Schut­zes der Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­keit ist, ob im Fal­le der Be­ant­wor­tung der mit den An­trä­gen ge­stell­ten Fra­gen ein hin­rei­chend kon­kre­ter Be­zug zu den Re­cher­chen der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter be­steht, der die An­nah­me ei­ner Ge­fahr der Auf­de­ckung der Re­cher­che durch Drit­te recht­fer­tigt. Dies ist der Fall, wenn die Be­ant­wor­tung der vom Klä­ger ge­stell­ten Fra­gen ge­ge­be­nen­falls in der Zu­sam­men­schau mit an­der­wei­tig vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen Rück­schlüs­se auf die kon­kre­te Re­cher­che­tä­tig­keit der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter zu­lässt. Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, ent­fal­tet das von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ge­schütz­te Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis der be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ter und Me­di­en im Rah­men der Ab­wä­gung der ge­gen­läu­fi­gen In­ter­es­sen ein sol­ches Ge­wicht, dass das eben­falls auf Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG be­ru­hen­de Aus­kunfts­in­ter­es­se das In­ter­es­se am Schutz der Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ar­beit nicht über­wiegt. So ver­hält es sich hier.

42 Wenn die mit dem An­trag 20 be­gehr­te Aus­kunft er­teilt wird, wer die 44 Me­di­en­ver­tre­ter und die von ih­nen ver­tre­te­nen Me­di­en ge­we­sen sind, die zwi­schen Ja­nu­ar 2019 und März 2020 ein Ein­zel­ge­spräch mit dem Bun­des­nach­rich­ten­dienst ge­führt ha­ben, be­steht die Ge­fahr, dass Drit­te Rück­schlüs­se auf die kon­kre­te Re­cher­che­tä­tig­keit des ein­zel­nen be­trof­fe­nen Me­di­en­ver­tre­ters und die kon­kre­te Re­dak­ti­ons­ar­beit des ver­tre­te­nen Me­di­ums zie­hen. Mit dem Na­men des Me­di­en­ver­tre­ters bzw. des Me­di­ums wird be­reits der Ge­gen­stand der Re­cher­che­tä­tig­keit kon­kre­ti­siert und in­di­vi­dua­li­siert. Die­se In­for­ma­tio­nen kön­nen mit den bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen des Me­di­en­ver­tre­ters und des ver­tre­te­nen Me­di­ums über nach­rich­ten­dienst­li­che Auf­ga­ben­be­rei­che ver­knüpft wer­den. Aus die­sen In­for­ma­tio­nen kön­nen sich im Rah­men ei­ner Zu­sam­men­schau mit den vom Bun­des­nach­rich­ten­dienst vor­ab be­nann­ten abs­trak­ten The­men und be­trof­fe­nen Staa­ten, die Ge­gen­stand der Ein­zel­ge­sprä­che ge­we­sen sind, und dem ein­ge­schränk­ten Zeit­raum, in dem die streit­ge­gen­ständ­li­chen Ein­zel­ge­sprä­che ge­führt wor­den sind, hin­rei­chend kon­kre­te An­halts­punk­te er­ge­ben, die wie­der­um auf den In­halt des ge­führ­ten Ein­zel­ge­sprächs und da­mit die kon­kre­te Re­cher­che­tä­tig­keit des be­trof­fe­nen Jour­na­lis­ten oder Me­di­en­ver­tre­ters schlie­ßen las­sen. In An­knüp­fung hier­an ver­stärkt die Nen­nung des Da­tums, an dem das Ein­zel­ge­spräch ge­führt wor­den ist, die Ge­fahr der Of­fen­le­gung der je­wei­li­gen kon­kre­ten Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­tä­tig­keit, so­dass auch dem mit dem An­trag 21 ver­folg­ten Aus­kunfts­be­geh­ren nicht statt­zu­ge­ben ist.

43 cc) Der für die An­trä­ge 20 und 21 hilfs­wei­se ge­stell­te An­trag, die Aus­kunft ver­trau­lich und nicht zur Ver­wen­dung für ei­ne öf­fent­li­che Be­richt­erstat­tung mit Quel­len­an­ga­be zu er­hal­ten, ist eben­falls un­be­grün­det. Die Ab­re­de ei­ner in die­sem Sin­ne ver­min­der­ten Ver­wert­bar­keit der In­for­ma­ti­on reicht für den Schutz des pri­va­ten In­ter­es­ses Drit­ter an der Wah­rung des Re­cher­che- und Re­dak­ti­ons­ge­heim­nis­ses nicht aus. Der Be­klag­ten kann nicht an­ge­son­nen wer­den, den Schutz die­ses Ge­heim­nis­ses in die Hand des Klä­gers zu ge­ben (vgl. eben­so bei schüt­zens­wer­ten öf­fent­li­chen In­ter­es­sen: BVer­wG, Ur­teil vom 18. Sep­tem­ber 2019 - 6 A 7.18 - BVer­w­GE 166, 303 Rn. 24).

44 3. Der Klä­ger und die Be­klag­te ha­ben die Kos­ten je zur Hälf­te zu tra­gen. Die Ent­schei­dung be­ruht, so­weit der Se­nat über die Kla­ge in der Sa­che ent­schie­den hat, auf § 155 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO, hin­sicht­lich des zu­rück­ge­nom­me­nen Teils der Kla­ge mit der Kos­ten­fol­ge zu Las­ten des Klä­gers auf § 155 Abs. 2 Vw­GO und in Be­zug auf den über­ein­stim­mend für er­le­digt er­klär­ten Teil, für den die Be­klag­te die Kos­ten zu tra­gen hat, auf § 161 Abs. 2 Vw­GO. Nach der letzt­ge­nann­ten Vor­schrift ist über die Kos­ten des Ver­fah­rens un­ter Be­rück­sich­ti­gung des bis­he­ri­gen Sach- und Streit­stan­des zu ent­schei­den und sind in­so­weit die Kos­ten der Be­klag­ten auf­zu­er­le­gen, da die Leis­tungs­kla­ge be­zo­gen auf die An­trä­ge 1 bis 17 vor­aus­sicht­lich zu­läs­sig und be­grün­det ge­we­sen wä­re. Die Be­klag­te hat wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens die be­reits vor­pro­zes­su­al gel­tend ge­mach­ten Aus­kunfts­be­geh­ren be­ant­wor­tet.