Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Die Be­tei­lig­ten strei­ten dar­über, ob die Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Sach­sen (nach­fol­gend: Lan­des­kir­che) an Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen ist.


Der Lan­des­kir­che, ei­ne Kör­per­schaft des öf­fent­li­chen Rechts, war durch Me­di­en­be­rich­te be­kannt ge­wor­den, dass im Frei­staat Sach­sen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und Fei­er­ta­gen in Call­cen­tern auf der Grund­la­ge von Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz be­schäf­tigt wer­den. Sie be­an­trag­te dar­auf­hin bei der Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen ih­re Be­tei­li­gung an al­len lau­fen­den und künf­ti­gen Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren. Die Lan­des­di­rek­ti­on lehn­te die­ses Be­geh­ren ab.


Die nach er­folg­lo­sem Wi­der­spruchs­ver­fah­ren er­ho­be­ne Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen Er­folg. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat aus­ge­führt, die Klä­ge­rin sei an Ver­wal­tungs­ver­fah­ren über die Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen. Die­ser An­spruch fol­ge aus § 13 Abs. 2 Satz 2 Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz (VwVfG). Dem Aus­gang der Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren kom­me rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung ge­gen­über der Klä­ge­rin zu. Die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes, die im Ein­zel­fall Aus­nah­men vom grund­sätz­li­chen Be­schäf­ti­gungs­ver­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen zu­lie­ßen, sei­en ge­gen­über Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten dritt­schüt­zend. Die­se könn­ten sich auf das Grund­recht der Re­li­gi­ons­frei­heit aus Art. 4 GG be­ru­fen, das durch die Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) kon­kre­ti­siert wer­de. Nach Art. 139 WRV blie­ben der Sonn­tag und die staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge als Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung ge­setz­lich ge­schützt. Der dar­in lie­gen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­auf­trag rich­te sich nicht nur an den Ge­setz­ge­ber; er sei auch von der Exe­ku­ti­ve im Rah­men von Ein­zel­be­wil­li­gun­gen zu be­ach­ten.


Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on wen­det sich der Be­klag­te wei­ter­hin ge­gen die Be­tei­li­gung der Klä­ge­rin an den in Re­de ste­hen­den Ver­wal­tungs­ver­fah­ren.


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 21/2020 vom 06.05.2020

Ver­fah­rens­be­tei­li­gung von Kir­chen bei der Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit

Die Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Sach­sens ist an Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.


Nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz dür­fen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und ge­setz­li­chen Fei­er­ta­gen grund­sätz­lich nicht be­schäf­tigt wer­den. Im Ein­zel­fall kann die Auf­sichts­be­hör­de un­ter be­stimm­ten ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen Aus­nah­men be­wil­li­gen. Nach­dem der Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Sach­sens be­kannt ge­wor­den war, dass im Frei­staat Sach­sen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und Fei­er­ta­gen in Call­cen­tern auf der Grund­la­ge sol­cher Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen be­schäf­tigt wer­den, be­an­trag­te sie bei der Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen ih­re Be­tei­li­gung an al­len lau­fen­den und künf­ti­gen Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren. Die Lan­des­di­rek­ti­on lehn­te die­sen An­trag ab.


Der nach er­folg­lo­sem Wi­der­spruchs­ver­fah­ren er­ho­be­nen Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ge­we­sen ist, die Lan­des­kir­che an Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten zu­rück­ge­wie­sen.


Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Be­ru­fungs­ur­teil be­stä­tigt. Die Klä­ge­rin ist nach § 13 Abs. 2 Satz 2 Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz (VwVfG) an Ver­fah­ren zur Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen. Dem Aus­gang der Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren kommt der Klä­ge­rin ge­gen­über rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung zu. Die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes, die im Ein­zel­fall Aus­nah­men vom grund­sätz­li­chen Be­schäf­ti­gungs­ver­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen zu­las­sen, sind ge­gen­über Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten dritt­schüt­zend. Die­se kön­nen sich auf das Grund­recht der Re­li­gi­ons­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG be­ru­fen, das durch die Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) kon­kre­ti­siert wird. Nach Art. 139 WRV blei­ben der Sonn­tag und die staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge als Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung ge­setz­lich ge­schützt. Der dar­in lie­gen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­auf­trag rich­tet sich nicht nur an den Ge­setz­ge­ber, son­dern ist auch von den Be­hör­den bei der Ent­schei­dung über Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen zu be­ach­ten. Sol­che Ent­schei­dun­gen hat der Be­klag­te der Klä­ge­rin be­kannt­zu­ge­ben.


Fuß­no­te:

Aus­zug aus dem Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land:


Art. 4


(1) Die Frei­heit des Glau­bens, des Ge­wis­sens und die Frei­heit des re­li­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Be­kennt­nis­ses sind un­ver­letz­lich.


(2) Die un­ge­stör­te Re­li­gi­ons­aus­übung wird ge­währ­leis­tet.


Art. 140


Die Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 136, 137, 138, 139 und 141 der deut­schen Ver­fas­sung vom 11. Au­gust 1919 sind Be­stand­teil die­ses Grund­ge­set­zes.


 


Art. 139 der deut­schen Ver­fas­sung vom 11. Au­gust 1919


Der Sonn­tag und die staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge blei­ben als Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung ge­setz­lich ge­schützt.


 


Aus­zug aus dem Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz


§ 13 Be­tei­lig­te


(…)


(2) Die Be­hör­de kann von Amts we­gen oder auf An­trag die­je­ni­gen, de­ren recht­li­che In­ter­es­sen durch den Aus­gang des Ver­fah­rens be­rührt wer­den kön­nen, als Be­tei­lig­te hin­zu­zie­hen. Hat der Aus­gang des Ver­fah­rens rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung für ei­nen Drit­ten, so ist die­ser auf An­trag als Be­tei­lig­ter zu dem Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen; so­weit er der Be­hör­de be­kannt ist, hat die­se ihn von der Ein­lei­tung des Ver­fah­rens zu be­nach­rich­ti­gen.


BVer­wG 8 C 5.19 - Ur­teil vom 06. Mai 2020

Vor­in­stan­zen:

OVG Baut­zen, 3 A 505/17 - Ur­teil vom 11. April 2019 -

VG Dres­den, 4 K 1278/16 - Ur­teil vom 12. April 2017 -


Ur­teil vom 06.05.2020 -
BVer­wG 8 C 5.19ECLI:DE:BVer­wG:2020:060520U8C5.19.0

Ver­fah­rens­be­tei­li­gung von Kir­chen bei der Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit

Leit­satz:

Zu Ver­wal­tungs­ver­fah­ren über die Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit nach § 13 Abs. 5, § 15 Abs. 2 ArbZG sind die Kir­chen nach Ma­ß­ga­be des § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG hin­zu­zu­zie­hen.

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 8 C 5.19

  • VG Dres­den - 12.04.2017 - AZ: VG 4 K 1278/16
  • OVG Baut­zen - 11.04.2019 - AZ: OVG 3 A 505/17

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 8. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 6. Mai 2020
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Held-Daab, die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Hoock,
den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Kel­ler,
die Rich­te­rin am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Rub­lack und
den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Seegmül­ler
für Recht er­kannt:

  1. Die Re­vi­si­on wird zu­rück­ge­wie­sen.
  2. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens.

Grün­de

I

1 Die kla­gen­de Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Sach­sens ist ei­ne Kör­per­schaft des öf­fent­li­chen Rechts. Nach­dem ihr be­kannt ge­wor­den war, dass im Frei­staat Sach­sen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und Fei­er­ta­gen in Call­cen­tern auf­grund von Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz be­schäf­tigt wer­den, be­an­trag­te sie ih­re Be­tei­li­gung an ent­spre­chen­den Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren so­wie die Vor­la­ge be­reits er­teil­ter Be­wil­li­gungs­be­schei­de. Die Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen lehn­te die An­trä­ge ab. Den Wi­der­spruch der Klä­ge­rin wies sie zu­rück.

2 Auf die hier­ge­gen er­ho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ge­we­sen ist, die Klä­ge­rin an Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zur Ge­stat­tung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern zu be­tei­li­gen und den Be­klag­ten ver­ur­teilt, der Klä­ge­rin al­le be­reits er­teil­ten Ge­neh­mi­gun­gen zur Ge­stat­tung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern vor­zu­le­gen, so­weit die­se noch fort­wirk­ten. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten zu­rück­ge­wie­sen. Die Kla­ge sei mit bei­den An­trä­gen zu­läs­sig. § 44a Vw­GO ste­he der Zu­läs­sig­keit des Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trags nicht ent­ge­gen. Die­ser sei auch be­grün­det. Der An­spruch der Kir­chen, sie zu Ver­wal­tungs­ver­fah­ren über die Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern hin­zu­zu­zie­hen, fol­ge aus § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG. Den Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren kom­me ge­gen­über den Kir­chen rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung zu. Die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes, die im Ein­zel­fall Aus­nah­men von dem grund­sätz­li­chen Be­schäf­ti­gungs­ver­bot an Sonn- und Fei­er­ta­gen zu­lie­ßen, sei­en ge­gen­über den Kir­chen dritt­schüt­zend. Sie kon­kre­ti­sier­ten auf der Ebe­ne des ein­fa­chen Rechts den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz­auf­trag, der sich für den Ge­setz­ge­ber aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG, Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV er­ge­be. Die­ser Schutz­auf­trag rich­te sich auch an die Exe­ku­ti­ve. Der auf Vor­la­ge der er­teil­ten Be­wil­li­gun­gen ge­rich­te­te Leis­tungs­an­trag sei eben­falls be­grün­det.

3 Zur Be­grün­dung der Re­vi­si­on macht der Be­klag­te gel­tend, der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag sei nach § 44a Vw­GO un­zu­läs­sig. Die Klä­ge­rin ha­be kei­nen An­spruch auf Hin­zu­zie­hung zu den in Re­de ste­hen­den Ver­wal­tungs­ver­fah­ren. De­ren Aus­gang ha­be für sie kei­ne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung im Sin­ne des § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG. Aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie fol­ge ein ob­jek­tiv-recht­li­cher Schutz­auf­trag, den der Ge­setz­ge­ber im Ar­beits­zeit­ge­setz in hin­rei­chen­der Wei­se um­ge­setzt ha­be. So­lan­ge das ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Ni­veau des Sonn­tags­schut­zes nicht un­ter­schrit­ten sei, kön­ne die Klä­ge­rin kei­ne sub­jek­tiv-recht­li­chen Be­lan­ge gel­tend ma­chen. Die Be­schäf­ti­gung von Ar­beit­neh­mern in ei­nem Teil der säch­si­schen Call­cen­ter sei in der Öf­fent­lich­keit kaum wahr­nehm­bar und tas­te das ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Re­gel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis nicht an. Auch der Leis­tungs­an­trag sei un­be­grün­det. Die er­teil­ten Be­wil­li­gun­gen be­rühr­ten kei­ne recht­lich ge­schütz­ten In­ter­es­sen der Klä­ge­rin.

4 Der Be­klag­te be­an­tragt,
das Ur­teil des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 11. April 2019 und das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Dres­den vom 12. April 2017 zu än­dern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

5 Die Klä­ge­rin be­an­tragt,
die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen.

6 Sie ver­tei­digt das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil.

II

7 Die Re­vi­si­on ist un­be­grün­det. Das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts ver­letzt kein re­vi­si­bles Recht (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 Vw­GO).

8 1. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat den Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag oh­ne Ver­stoß ge­gen Bun­des­recht für zu­läs­sig (a) und be­grün­det (b) ge­hal­ten.

9 a) Der An­trag ist ent­spre­chend § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO statt­haft, nach­dem sich das ur­sprüng­li­che Ver­pflich­tungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin, sie zu den Ver­wal­tungs­ver­fah­ren über die Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit hin­zu­zu­zie­hen, mit Ab­schluss der Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren er­le­digt hat (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 16. Mai 2000 - 3 C 2.00 - Buch­holz 316 § 13 VwVfG Nr. 2 S. 3). Die Klä­ge­rin hat auch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der be­gehr­ten Fest­stel­lung, da ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­steht. Da­zu ge­nügt die hin­rei­chen­de Ge­fahr, dass un­ter im We­sent­li­chen un­ver­än­der­ten tat­säch­li­chen und recht­li­chen Um­stän­den er­neut mit ei­ner gleich­lau­ten­den Ent­schei­dung der Be­hör­de ge­gen­über der Klä­ge­rin zu rech­nen ist (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 12. De­zem­ber 2019 - 8 C 3.19 - NVwZ-RR 2020, 533 Rn. 15). Das ist hier der Fall. Der Be­klag­te hat deut­lich ge­macht, dass er be­ab­sich­ti­ge, auch zu­künf­tig die Klä­ge­rin nicht zu den in Re­de ste­hen­den Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen.

10 § 44a Satz 1 Vw­GO steht der Zu­läs­sig­keit der Kla­ge nicht ent­ge­gen. Da­nach kön­nen Rechts­be­hel­fe ge­gen be­hörd­li­che Ver­fah­rens­hand­lun­gen nur gleich­zei­tig mit den ge­gen die Sach­ent­schei­dung zu­läs­si­gen Rechts­be­hel­fen gel­tend ge­macht wer­den. Das gilt nach Satz 2 der Vor­schrift je­doch nicht, wenn be­hörd­li­che Ver­fah­rens­hand­lun­gen voll­streckt wer­den kön­nen oder ge­gen ei­nen Nicht­be­tei­lig­ten er­ge­hen. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ab­leh­nung der Hin­zu­zie­hung nach § 13 Abs. 2 VwVfG zwar ei­ne be­hörd­li­che Ver­fah­rens­hand­lung im Sin­ne des § 44a Vw­GO dar­stellt, die Klä­ge­rin als Nicht­be­tei­lig­te im Sin­ne des Sat­zes 2 der Vor­schrift aber nicht auf die ge­gen die Sach­ent­schei­dung zu­läs­si­gen Rechts­be­hel­fe ver­wie­sen wer­den kann.

11 Der Be­griff der Ver­fah­rens­hand­lung er­fasst je­de be­hörd­li­che Maß­nah­me, die im Zu­sam­men­hang mit ei­nem schon be­gon­ne­nen und noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren steht und die der Vor­be­rei­tung ei­ner re­geln­den Sach­ent­schei­dung dient. Hier­un­ter fällt auch die be­hörd­li­che Ver­wei­ge­rung ei­ner er­streb­ten Ver­fah­rens­hand­lung (BVer­wG, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2016 - 2 C 16.15 - Buch­holz 310 § 44a Vw­GO Nr. 13 Rn. 19), hier der Hin­zu­zie­hung.

12 Die Klä­ge­rin ist Nicht­be­tei­lig­te im Sin­ne des § 44a Satz 2 Vw­GO. Die­ser Be­griff ist im Ein­klang mit § 13 VwVfG aus­zu­le­gen. Be­tei­lig­te im Sin­ne des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts sind die in § 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 VwVfG Be­zeich­ne­ten so­wie die­je­ni­gen, die nach § 13 Abs. 2 VwVfG von der Be­hör­de hin­zu­ge­zo­gen wor­den sind (§ 13 Abs. 1 Nr. 4 VwVfG). Die Hin­zu­zie­hung wirkt kon­sti­tu­tiv. Erst durch sie er­langt der Nicht­be­tei­lig­te die Stel­lung ei­nes am Ver­wal­tungs­ver­fah­ren Be­tei­lig­ten. Per­so­nen, die er­folg­los ih­re Hin­zu­zie­hung zum Ver­fah­ren ge­mäß § 13 Abs. 2 VwVfG be­an­tragt ha­ben, be­hal­ten hin­ge­gen ih­re Stel­lung als Nicht­be­tei­lig­te. Auf sie fin­det die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 44a Satz 2 Vw­GO An­wen­dung. Dem steht der Zweck des § 44a Satz 1 Vw­GO nicht ent­ge­gen. Die Vor­schrift dient dem Ziel der Pro­zes­s­öko­no­mie und soll ver­hin­dern, dass die sach­li­che Ent­schei­dung durch die An­fech­tung von Ver­fah­rens­hand­lun­gen ver­zö­gert wird. Nur das Er­geb­nis be­hörd­li­chen Han­delns, nicht aber die Vor­be­rei­tung der Sach­ent­schei­dung soll Ge­gen­stand der ge­richt­li­chen Kon­trol­le sein (BVer­wG, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2016 - 2 C 16.15 - Buch­holz 310 § 44a Vw­GO Nr. 13 Rn. 17; BT-Drs. 7/910 S. 97). Doch ist bei der An­wen­dung von § 44a Vw­GO die grund­recht­li­che Ge­währ­leis­tung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes in Art. 19 Abs. 4 GG zu be­rück­sich­ti­gen mit der Fol­ge, dass der Aus­schluss ei­ner ge­richt­li­chen Über­prü­fung von Ver­fah­rens­hand­lun­gen für die Recht­su­chen­den nicht zu un­zu­mut­ba­ren Nach­tei­len füh­ren darf (vgl. BVer­wG, Be­schluss vom 14. Ju­li 2004 - 6 B 30.04 - ju­ris Rn. 12 m.w.N.). Wür­de der ent­ge­gen sei­nem An­trag nicht Hin­zu­ge­zo­ge­ne auf ein ge­richt­li­ches Vor­ge­hen ge­gen die - ihm mög­li­cher­wei­se gar nicht be­kannt­wer­den­de - Sach­ent­schei­dung ver­wie­sen, wä­re sein Rechts­schutz nicht aus­rei­chend si­cher­ge­stellt, so dass sein Rechts­be­helf ge­gen die Ab­leh­nung der Hin­zu­zie­hung zu­läs­sig ist.

13 b) Die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, die Klä­ge­rin kön­ne die Hin­zu­zie­hung zu Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur Be­wil­li­gung von Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern auf der Grund­la­ge des § 1 Sächs­V­wVfG i.V.m. § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG be­an­spru­chen, steht mit Bun­des­recht in Ein­klang.

14 Nach § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG hat die Be­hör­de ei­nen Drit­ten, für den der Aus­gang des Ver­fah­rens rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung hat, auf des­sen An­trag als Be­tei­lig­ten zu dem Ver­fah­ren hin­zu­zu­zie­hen. Ei­ne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung liegt vor, wenn durch den mög­li­cher­wei­se er­ge­hen­den Ver­wal­tungs­akt zu­gleich und un­mit­tel­bar Rech­te des Drit­ten be­grün­det, auf­ge­ho­ben oder ge­än­dert wer­den (BVer­wG, Be­schluss vom 29. Ju­ni 2018 - 7 B 14.17 - ju­ris Rn. 9). Auch be­wil­li­gen­de Ver­wal­tungs­ak­te kön­nen rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung ha­ben (vgl. Schmitz, in: Stel­kens/Bonk/Sachs, VwVfG, 9. Aufl. 2018, § 13 Rn. 40). Da der Aus­gang des Ver­fah­rens of­fen ist, ge­nügt die Mög­lich­keit, dass die rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung bei ei­nem be­stimm­ten Ver­fah­rens­aus­gang ein­tre­ten wird. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier er­füllt. Je nach Aus­gang der in Re­de ste­hen­den Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz kön­nen Rech­te der Klä­ge­rin aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG und Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV be­ein­träch­tigt wer­den.

15 Die Klä­ge­rin als Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft kann das Grund­recht des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG für sich in An­spruch neh­men. Die Re­li­gi­ons­frei­heit be­schränkt sich nicht auf die Funk­ti­on ei­nes Ab­wehr­rechts, son­dern ge­bie­tet auch, Raum für die ak­ti­ve Be­tä­ti­gung der Glau­bens­über­zeu­gung und die Ver­wirk­li­chung der au­to­no­men Per­sön­lich­keit auf welt­an­schau­lich-re­li­giö­sem Ge­biet zu si­chern. Die Schutz­pflicht für die­ses Rechts­gut trifft den Staat auch ge­gen­über den als Kör­per­schaf­ten des öf­fent­li­chen Rechts ver­fass­ten Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten. Die aus dem Grund­recht der Re­li­gi­ons­frei­heit ab­zu­lei­ten­de Schutz­pflicht wird durch die Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV kon­kre­ti­siert. Nach Art. 139 WRV blei­ben der Sonn­tag und die staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge als Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung ge­setz­lich ge­schützt. Die Ge­währ­leis­tung von Ta­gen der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung ist auch dar­auf aus­ge­rich­tet, den Grund­rechts­schutz zu stär­ken; sie kon­kre­ti­siert in­so­fern die aus den je­weils ein­schlä­gi­gen Grund­rech­ten fol­gen­den staat­li­chen Schutz­pflich­ten (BVerfG, Ur­teil vom 1. De­zem­ber 2009 - 1 BvR 2857, 2858/07 - BVerf­GE 125, 39 <80 f.>). Der zeit­li­che Gleich­klang ei­ner für al­le Be­rei­che re­gel­mä­ßi­gen Ar­beits­ru­he ist ein grund­le­gen­des Ele­ment für die Wahr­neh­mung der ver­schie­de­nen For­men so­zia­len Le­bens. Der ob­jek­tiv­recht­li­che Schutz­auf­trag, der in der Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie be­grün­det ist, ist mit­hin auf die Stär­kung des Schut­zes der­je­ni­gen Grund­rech­te an­ge­legt, die in be­son­de­rem Ma­ße auf Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung an­ge­wie­sen sind. Mit der Ge­währ­leis­tung rhyth­misch wie­der­keh­ren­der Ta­ge der Ar­beits­ru­he för­dert und schützt die Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie ne­ben an­de­ren Grund­rech­ten auch die Aus­übung der Re­li­gi­ons­frei­heit (BVerfG, Ur­teil vom 1. De­zem­ber 2009 - 1 BvR 2857, 2858/07 - BVerf­GE 125, 39 <82,84>; BVer­wG, Ur­teil vom 26. No­vem­ber 2014 - 6 CN 1.13 - BVer­w­GE 150, 327 Rn. 15).

16 § 9 Abs. 1 ArbZG ver­bie­tet die Be­schäf­ti­gung von Ar­beit­neh­mern an Sonn- und ge­setz­li­chen Fei­er­ta­gen. § 13 Abs. 5 und § 15 Abs. 2 ArbZG de­fi­nie­ren die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und Fei­er­ta­gen gleich­wohl aus­nahms­wei­se be­schäf­tigt wer­den dür­fen. Sie kon­kre­ti­sie­ren auf der Ebe­ne des ein­fa­chen Rechts den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz­auf­trag aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Der Er­lass von Be­wil­li­gun­gen nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz, die das Ver­bot der Be­schäf­ti­gung von Ar­beit­neh­mern an Sonn- und Fei­er­ta­gen im Ein­zel­fall durch­bre­chen, wirkt auf das Recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG und Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV un­mit­tel­bar rechts­ge­stal­tend ein, weil da­durch der ge­setz­lich ge­währ­leis­te­te Schutz von Sonn- und Fei­er­ta­gen je­weils ge­min­dert wird.

17 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten rich­tet sich der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­auf­trag für den Sonn- und Fei­er­tags­schutz nicht nur an den Ge­setz­ge­ber, son­dern an al­le staat­li­chen Or­ga­ne (vgl. BVerfG, Ur­teil vom 1. De­zem­ber 2009 - 1 BvR 2857, 2858/07 - BVerf­GE 125, 39 <78 f., 84>). Der Ge­setz­ge­ber hat zwar das ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Min­dest­ni­veau des Sonn­tags­schut­zes ein­fach­recht­lich zu ge­währ­leis­ten. Auch Be­hör­den ha­ben je­doch die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben zum Sonn­tags­schutz bei der An­wen­dung der ge­setz­li­chen Nor­men ein­schlie­ß­lich des Ver­fah­rens­rechts im Ein­zel­fall zu be­ach­ten.

18 Der Ein­wand des Be­klag­ten, die Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern sei für die Öf­fent­lich­keit kaum wahr­nehm­bar und be­rüh­re des­halb das für den Sonn­tags­schutz gel­ten­de Re­gel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis nicht, recht­fer­tigt kei­ne an­de­re Be­wer­tung und steht der Hin­zu­zie­hung der Klä­ge­rin zu Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren nicht ent­ge­gen. Der Ge­setz­ge­ber hat mit dem ge­ne­rel­len sonn­täg­li­chen Be­schäf­ti­gungs­ver­bot des § 9 Abs. 1 ArbZG und den da­zu er­gan­ge­nen Aus­nah­me­vor­schrif­ten der §§ 13, 15 ArbZG das Schutz­ni­veau des Sonn­tags­schut­zes ge­setz­lich aus­ge­stal­tet, oh­ne auf die öf­fent­li­che Wahr­nehm­bar­keit der Sonn­tags­ar­beit ab­zu­stel­len. Ei­ne Ver­rin­ge­rung des Schutz­ni­veaus der Sonn- und Fei­er­tags­ga­ran­tie bei der Er­tei­lung von Ein­zel­be­wil­li­gun­gen lässt sich aus der feh­len­den öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung der Sonn­tags­ar­beit in Call­cen­tern nicht ab­lei­ten.

19 2. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat oh­ne Ver­stoß ge­gen re­vi­si­bles Recht den auf Be­kannt­ga­be der noch fort­wir­ken­den Be­wil­li­gungs­be­schei­de ge­rich­te­ten Leis­tungs­an­trag für zu­läs­sig und be­grün­det ge­hal­ten. Die Klä­ge­rin kann die Be­kannt­ga­be die­ser Be­wil­li­gungs­be­schei­de nach § 41 Abs. 1 Satz 1 VwVfG be­an­spru­chen. Sie ist zwar nicht Be­tei­lig­te im Sin­ne die­ser Vor­schrift. Das vom Be­klag­ten bei der Ent­schei­dung über die Be­kannt­ga­be aus­zu­üben­de pflicht­ge­mä­ße Er­mes­sen ist der Klä­ge­rin ge­gen­über je­doch auf Null re­du­ziert.

20 § 41 Abs. 1 Satz 1 VwVfG ver­pflich­tet die Be­hör­de zur Be­kannt­ga­be ei­nes Ver­wal­tungs­akts an den be­trof­fe­nen Be­tei­lig­ten und ver­mit­telt die­sem zu­gleich ei­nen An­spruch hier­auf. Die Be­kannt­ga­be­pflicht ist Aus­druck des Rechts­staats­prin­zips des Art. 20 Abs. 3 GG (vgl. BVerfG, Ur­teil vom 24. April 1991 - 1 BvR 1341/90 - BVerf­GE 84, 133 <159>). Erst die Kennt­nis des Ver­wal­tungs­akts schafft die Vor­aus­set­zung für des­sen von Art. 19 Abs. 4 GG ge­bo­te­ne ef­fek­ti­ve Kon­trol­le. Ob ei­ne Per­son von dem Ver­wal­tungs­akt be­trof­fen wird, folgt aus dem ma­te­ri­el­len Recht (vgl. Stel­kens, in: Stel­kens/Bonk/Sachs, VwVfG, 9. Aufl. 2018, § 41 Rn. 32). Für die Klä­ge­rin er­gibt sich die Be­trof­fen­heit im Sin­ne die­ser Vor­schrift aus ih­rer dar­ge­stell­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­po­si­ti­on. Die Stel­lung als Be­tei­lig­ter be­stimmt sich in­des­sen nach § 13 Abs. 1 VwVfG. Da­bei kann hier of­fen­blei­ben, ob auch dem­je­ni­gen ein An­spruch auf Be­kannt­ga­be nach § 41 Abs. 1 Satz 1 VwVfG zu­kommt, der von dem Ver­wal­tungs­akt zwar be­trof­fen wird, ei­ne Be­tei­lig­ten­stel­lung im Sin­ne des § 13 Abs. 1 VwVfG aber nicht er­langt hat. Denn je­den­falls hat die Be­hör­de über die Be­kannt­ga­be des Ver­wal­tungs­akts an den zwar be­trof­fe­nen, aber nicht be­tei­lig­ten Drit­ten nach pflicht­ge­mä­ßem Er­mes­sen zu ent­schei­den (vgl. Stel­kens, in: Stel­kens/Bonk/Sachs, VwVfG, 9. Aufl. 2018, § 41 Rn. 34). Die­ses Ver­ständ­nis der Vor­schrift steht in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht mit den zu § 29 Abs. 1 Satz 1 VwVfG ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen zur Ak­ten­ein­sicht am Ver­fah­ren nicht be­tei­lig­ter Drit­ter im Ein­klang. Auch in­so­weit be­steht ein An­spruch auf er­mes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung (vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 16. Sep­tem­ber 1980 - 1 C 52.75 - BVer­w­GE 61, 15 <22> und vom 5. Ju­ni 1984 - 5 C 73.82 - BVer­w­GE 69, 278 <279 f.>). Zu­dem wird hier­durch dem In­ter­es­se des Drit­ten, Kennt­nis von dem ihn be­tref­fen­den Ver­wal­tungs­akt zu er­lan­gen und ge­ge­be­nen­falls den Rechts­weg zu be­schrei­ten, Rech­nung ge­tra­gen.

21 Auf die­ser Grund­la­ge ist ei­ne Er­mes­sens­re­du­zie­rung auf Null zu­guns­ten der Klä­ge­rin an­zu­neh­men. Sie ist un­ter Ver­let­zung von § 13 Abs. 2 Satz 2 VwVfG an den vom Be­klag­ten durch­ge­führ­ten Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren zur Sonn­tags­ar­beit nicht be­tei­ligt wor­den. Im Hin­blick auf die rechts­staat­li­che Funk­ti­on der Be­kannt­ga­be kann ihr die nach­träg­li­che Kennt­nis­nah­me der be­reits er­gan­ge­nen, noch wirk­sa­men Be­wil­li­gungs­be­schei­de im Er­mes­sens­we­ge nicht ver­sagt wer­den, weil sie an­de­ren­falls ent­ge­gen Art. 19 Abs. 4 GG an der sach­ge­rech­ten Wahr­neh­mung ih­rer Rech­te ge­hin­dert wä­re.

22 Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 154 Abs. 2 Vw­GO.