Ver­fah­rens­in­for­ma­ti­on

Be­am­te des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos der Po­li­zei wa­ren be­auf­tragt, den der ge­werbs­mä­ßi­gen Geld­wä­sche be­schul­dig­ten mut­ma­ß­li­chen Si­cher­heits­chef ei­ner rus­si­schen Grup­pie­rung or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät aus der Un­ter­su­chungs­haft bei ei­ner Au­gen­arzt­pra­xis in der Schwä­bisch Hal­ler Fu­ß­gän­ger­zo­ne vor­zu­füh­ren. Der Ein­satz wur­de von zwei Jour­na­lis­ten, dar­un­ter ei­nem Fo­to­re­por­ter, be­merkt. Nach­dem die­ser sich an­schick­te, Bil­der von den Dienst­fahr­zeu­gen und den ein­ge­setz­ten Be­am­ten an­zu­fer­ti­gen, for­der­te der Ein­satz­lei­ter ihn auf, das Fo­to­gra­fie­ren zu un­ter­las­sen, und droh­te ihm im Fall des Zu­wi­der­han­delns an, Ka­me­ra und Spei­cher­me­di­um zu be­schlag­nah­men. Der Jour­na­list un­ter­ließ es dar­auf­hin, Bil­der an­zu­fer­ti­gen. Auf die Kla­ge des Zei­tungs­ver­lags, für den die Jour­na­lis­ten tä­tig sind, stell­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mann­heim im Be­ru­fungs­ver­fah­ren fest, dass das Vor­ge­hen des Ein­satz­lei­ters rechts­wid­rig ge­we­sen sei. Auf die Re­vi­si­on des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg wird das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Fra­ge zu klä­ren ha­ben, ob be­reits das Fo­to­gra­fie­ren ei­nes Be­am­ten des Son­der­ein­satz­kom­man­dos ei­nen Ein­griff in die Per­sön­lich­keits­rech­te des Be­am­ten dar­stellt und zu sei­nem Schutz na­ment­lich im Fal­le ei­ner Ent­tar­nung in Ab­wä­gung ge­gen die Pres­se­frei­heit un­ter­bun­den wer­den kann.


Pres­se­mit­tei­lung Nr. 27/2012 vom 28.03.2012

Fo­to­gra­fier­ver­bot von Po­li­zei­be­am­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos rechts­wid­rig

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass ein von der Po­li­zei ge­gen­über Mit­ar­bei­tern ei­ner Zei­tung aus­ge­spro­che­nes Ver­bot rechts­wid­rig war, Po­li­zei­be­am­te des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos wäh­rend ei­nes Ein­sat­zes zu fo­to­gra­fie­ren.


Be­am­te des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos der Po­li­zei wa­ren be­auf­tragt, den der ge­werbs­mä­ßi­gen Geld­wä­sche be­schul­dig­ten mut­ma­ß­li­chen Si­cher­heits­chef ei­ner rus­si­schen Grup­pie­rung or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät aus der Un­ter­su­chungs­haft bei ei­ner Au­gen­arzt­pra­xis in der Schwä­bisch Hal­ler Fu­ß­gän­ger­zo­ne vor­zu­füh­ren. Der Ein­satz wur­de von zwei Jour­na­lis­ten, dar­un­ter ei­nem Fo­to­re­por­ter, be­merkt. Nach­dem die­ser sich an­schick­te, Bil­der von den Dienst­fahr­zeu­gen und den ein­ge­setz­ten Be­am­ten an­zu­fer­ti­gen, for­der­te der Ein­satz­lei­ter ihn auf, das Fo­to­gra­fie­ren zu un­ter­las­sen. Der Jour­na­list un­ter­ließ es dar­auf­hin, Bil­der an­zu­fer­ti­gen. Die Po­li­zei recht­fer­tig­te das Ver­bot un­ter an­de­rem da­mit: Die ein­ge­setz­ten Be­am­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos hät­ten durch die Ver­öf­fent­li­chung der an­ge­fer­tig­ten Fo­to­gra­fi­en in der Zei­tung der Klä­ge­rin ent­tarnt wer­den kön­nen. Da­durch hät­te ih­re künf­ti­ge Ein­setz­bar­keit im Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do be­ein­träch­tigt und sie selbst hät­ten per­sön­lich durch Ra­che­ak­te ge­fähr­det wer­den kön­nen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart wies die Kla­ge des Zei­tungs­ver­lags ab, für den die Jour­na­lis­ten tä­tig sind. Auf die Be­ru­fung des Ver­lags stell­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mann­heim fest, dass das Vor­ge­hen des Ein­satz­lei­ters rechts­wid­rig war. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat da­bei un­ter an­de­rem an­ge­nom­men: Die Ge­fahr ei­ner un­zu­läs­si­gen Ver­öf­fent­li­chung der an­ge­fer­tig­ten Fo­to­gra­fi­en ha­be nicht be­stan­den, weil man­gels ge­gen­tei­li­ger kon­kre­ter An­halts­punk­te von ei­ner Ver­mu­tung rechtstreu­en Ver­hal­tens der Pres­se und da­mit da­von aus­zu­ge­hen sei, dass sie kei­ne Por­trät­auf­nah­men der ein­ge­setz­ten Be­am­ten und im Üb­ri­gen nur Fo­to­gra­fi­en ver­öf­fent­li­chen wer­de, auf de­nen die Be­am­ten ins­be­son­de­re durch Ver­pi­xe­lung ih­rer Ge­sich­ter un­kennt­lich ge­macht sei­en.


Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des zu­rück­ge­wie­sen. Die Po­li­zei durf­te nicht schon das An­fer­ti­gen der Fo­to­gra­fi­en un­ter­sa­gen. Der Ein­satz von Po­li­zei­be­am­ten, na­ment­lich ein Ein­satz von Kräf­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos stellt im Sin­ne der ein­schlä­gi­gen Be­stim­mung des Kunst­ur­he­ber­ge­set­zes ein zeit­ge­schicht­li­ches Er­eig­nis dar, von dem Bil­der auch oh­ne Ein­wil­li­gung der ab­ge­lich­te­ten Per­so­nen ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen. Ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se der ein­ge­setz­ten Be­am­ten kann dem ent­ge­gen­ste­hen, wenn die Bil­der oh­ne den er­for­der­li­chen Schutz ge­gen ei­ne Ent­tar­nung der Be­am­ten ver­öf­fent­licht wer­den. Zur Ab­wen­dung die­ser Ge­fahr be­darf es aber re­gel­mä­ßig kei­nes Ver­bots der An­fer­ti­gung von Fo­to­gra­fi­en, wenn zwi­schen der An­fer­ti­gung der Fo­to­gra­fi­en und ih­rer Ver­öf­fent­li­chung hin­rei­chend Zeit be­steht, den Stand­punkt der Po­li­zei auf an­de­re, die Pres­se­frei­heit stär­ker wah­ren­de Wei­se durch­zu­set­zen. Ei­ne sol­che La­ge war hier nach den Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ge­ge­ben.


BVer­wG 6 C 12.11 - Ur­teil vom 28. März 2012

Vor­in­stan­zen:

VGH Mann­heim, 1 S 2266/09 - Ur­teil vom 19. Au­gust 2010 -

VG Stutt­gart, 1 K 5415/07 - Ur­teil vom 18. De­zem­ber 2008 -


Be­schluss vom 27.04.2011 -
BVer­wG 6 B 64.10ECLI:DE:BVer­wG:2011:270411B6B64.10.0

  • Zi­tier­vor­schlag

Be­schluss

BVer­wG 6 B 64.10

  • VGH Ba­den-Würt­tem­berg - 19.08.2010 - AZ: VGH 1 S 2266/09

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 6. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
am 27. April 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Neu­mann und
die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Grau­lich und Vor­mei­er
be­schlos­sen:

  1. Die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Ba­den-Würt­tem­berg über die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on ge­gen sein Ur­teil vom 19. Au­gust 2010 wird auf­ge­ho­ben.
  2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.
  3. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens folgt der Kos­ten­ent­schei­dung in der Haupt­sa­che.
  4. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird für das Be­schwer­de­ver­fah­ren und für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren - in­so­weit vor­läu­fig - auf 10 000 € fest­ge­setzt.

Grün­de

1 1. Die Re­vi­si­on ist ge­mäß § 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO we­gen grund­sätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­zu­las­sen. Das an­ge­streb­te Re­vi­si­ons­ver­fah­ren kann zur Be­ant­wor­tung der bis­her in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht aus­rei­chend ge­klär­ten Fra­ge bei­tra­gen, ob be­reits das Fo­to­gra­fie­ren ei­nen spe­zi­el­len Ein­griff in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht ei­nes SEK-Be­am­ten dar­stellt.

2 2. Die Streit­wert­fest­set­zung für das Be­schwer­de­ver­fah­ren folgt aus § 47 Abs. 1 und Abs. 3, § 52 Abs. 2 GKG i.V.m. § 5 ZPO; die vor­läu­fi­ge Streit­wert­fest­set­zung für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren be­ruht auf § 47 Abs. 1, § 52 Abs. 2 GKG i.V.m. § 5 ZPO und § 63 Abs. 1 Satz 1 GKG.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung


Das Be­schwer­de­ver­fah­ren wird als Re­vi­si­ons­ver­fah­ren un­ter dem Ak­ten­zei­chen BVer­wG 6 C 12.11 fort­ge­setzt. Der Ein­le­gung ei­ner Re­vi­si­on durch den Be­schwer­de­füh­rer be­darf es nicht.
Die Re­vi­si­on ist in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Be­schlus­ses zu be­grün­den. Die Be­grün­dung ist bei dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Sim­son­platz 1, 04107 Leip­zig, schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form (Ver­ord­nung vom 26. No­vem­ber 2004, BGBl I S. 3091) ein­zu­rei­chen.
Für die Be­tei­lig­ten be­steht Ver­tre­tungs­zwang; dies gilt auch für die Be­grün­dung der Re­vi­si­on. Die Be­tei­lig­ten müs­sen sich durch Be­voll­mäch­tig­te im Sin­ne von § 67 Abs. 4 Satz 3 bis 6 Vw­GO ver­tre­ten las­sen.

Ur­teil vom 28.03.2012 -
BVer­wG 6 C 12.11ECLI:DE:BVer­wG:2012:280312U6C12.11.0

Leit­sät­ze:

1. Die mit ei­ner Bild­auf­nah­me ver­bun­de­ne Mög­lich­keit ei­nes rechts­ver­let­zen­den Ge­brauchs, ins­be­son­de­re ei­ner ge­gen Rech­te Drit­ter ver­sto­ßen­den Ver­öf­fent­li­chung muss nicht not­wen­dig im­mer auf der ers­ten Stu­fe ab­ge­wehrt wer­den; dies kann in vie­len Fäl­len viel­mehr auch auf der zwei­ten Stu­fe des Ge­brauchs des ent­stan­de­nen Bil­des ge­sche­hen.

2. Dies kann bei­spiels­wei­se da­durch ge­sche­hen, dass die Po­li­zei ih­ren Rechts­stand­punkt dem Jour­na­lis­ten oder dem ihn be­schäf­ti­gen­den Pres­se­un­ter­neh­men mit­teilt und auf ei­ne Ver­stän­di­gung über „ob“ und „wie“ der Ver­öf­fent­li­chung drängt.

3. Da­bei wird sich aus dem Zu­sam­men­spiel von Lan­des­po­li­zei- und Lan­des­pres­se­recht er­ge­ben, ob ein et­wai­ger dar­an an­schlie­ßen­der Kon­flikt durch den Er­lass ei­ner Po­li­zei­ver­fü­gung mit der Mög­lich­keit des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes durch den Jour­na­lis­ten oder das Pres­se­un­ter­neh­men aus­ge­tra­gen wird oder durch die In­an­spruch­nah­me des Rechts­schut­zes vor den or­dent­li­chen Ge­rich­ten durch die Po­li­zei.

  • Rechts­quel­len
  • Zi­tier­vor­schlag

Ur­teil

BVer­wG 6 C 12.11

  • VG Stutt­gart - 18.12.2008 - AZ: VG 1 K 5415/07
  • VGH Ba­den-Würt­tem­berg - 19.08.2010 - AZ: VGH 1 S 2266/09

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 6. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. März 2012
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Neu­mann
und die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Bü­ge, Dr. Grau­lich, Hahn
und Prof. Dr. He­cker
für Recht er­kannt:

  1. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Ba­den-Würt­tem­berg vom 19. Au­gust 2010 wird zu­rück­ge­wie­sen.
  2. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens.

Grün­de

I

1 Die Klä­ge­rin be­treibt ei­nen Zei­tungs­ver­lag und be­gehrt die Fest­stel­lung, dass die ge­gen zwei ih­rer Jour­na­lis­ten ge­rich­te­te Un­ter­sa­gung von Bild­auf­nah­men ei­nes Po­li­zei­ein­sat­zes rechts­wid­rig war.

2 Am 16. März 2007 wur­de ein Un­ter­su­chungs­ge­fan­ge­ner der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ... von acht Be­am­ten des Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos der Po­li­zei des Be­klag­ten (SEK) in ei­ne Au­gen­arzt­pra­xis im Zen­trum von ... ge­bracht. Wäh­rend des Arzt­be­suchs blie­ben zwei Be­am­te bei dem Ge­fan­ge­nen. Die an­de­ren Be­am­ten be­zo­gen vor dem Pra­xis­ge­bäu­de Stel­lung. Et­wa zehn Mi­nu­ten vor dem En­de der ärzt­li­chen Un­ter­su­chung tra­ten ein Pho­to­graph und ein Vo­lon­tär des von der Klä­ge­rin ver­leg­ten ... Tag­blat­tes auf den Kom­mando­füh­rer zu und frag­ten ihn nach dem Grund des Ein­sat­zes. Die­ser gab zwar die er­be­te­ne Aus­kunft, un­ter­sag­te ih­nen aber die An­fer­ti­gung von Bild­auf­nah­men. Ob er ih­nen dar­über hin­aus die Be­schlag­nah­me der Ka­me­ra an­droh­te oder ei­ne sol­che Maß­nah­me nur „an­kün­dig­te“, hat das Be­ru­fungs­ge­richt of­fen­ge­las­sen. Die bei­den Re­por­ter be­folg­ten das Pho­to­gra­phier­ver­bot und be­trach­te­ten das wei­te­re Ge­sche­hen aus der Fer­ne. Kurz dar­auf wur­de der Ge­fan­ge­ne zu­rück­trans­por­tiert. Am nächs­ten Tag er­schien im ... Tag­blatt ein Wort­be­richt über den Ein­satz.

3 In ei­nem vor­pro­zes­sua­len Schrift­wech­sel brach­te die Klä­ge­rin zum Aus­druck, dass sie das Pho­to­gra­phier­ver­bot und die Be­schlag­nah­me­an­dro­hung als un­zu­läs­si­ge Be­ein­träch­ti­gung ih­rer Pres­se­frei­heit an­se­he. Der Be­klag­te be­rief sich dem­ge­gen­über auf ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Auf­recht­erhal­tung der An­ony­mi­tät sei­ner ein­ge­setz­ten Be­am­ten. Die Wah­rung der An­ony­mi­tät sei er­for­der­lich, um die Ein­satz­fä­hig­keit des SEK et­wa bei ver­deck­ten Maß­nah­men und den Schutz der SEK-Kräf­te vor Re­pres­sa­li­en zu ge­währ­leis­ten. Die An­fer­ti­gung und Ver­öf­fent­li­chung von Bil­dern sei mit die­sen In­ter­es­sen nicht ver­ein­bar.

4 Die dar­auf­hin er­ho­be­ne Fest­stel­lungs­kla­ge der Klä­ge­rin, dass das Pho­to­gra­phier­ver­bot und die Be­schlag­nah­me­an­dro­hung rechts­wid­rig ge­we­sen sei­en, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Klä­ge­rin hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Ba­den-Würt­tem­berg mit Ur­teil vom 19. Au­gust 2010 die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung ge­än­dert und die be­an­trag­te Fest­stel­lung aus­ge­spro­chen. Das Pho­to­gra­phier­ver­bot und die Be­schlag­nah­me­an­dro­hung sei­en rechts­wid­rig ge­we­sen. Ent­ge­gen der An­nah­me des Ver­wal­tungs­ge­richts sei es dem Ein­satz­lei­ter nicht um die Ab­wehr von Ge­fah­ren ge­gan­gen, die aus der An­we­sen­heit der Pres­se­ver­tre­ter und der kon­kre­ten Si­tua­ti­on vor Ort re­sul­tier­ten. Für das Be­stehen ei­ner sol­chen Ge­fahr ge­be es auch kei­ne An­halts­punk­te. Statt­des­sen ha­be der Ein­satz­lei­ter nur Ge­fah­ren im Blick ge­habt, die sich bei ei­ner Ent­tar­nung der SEK-Be­am­ten rea­li­siert hät­ten. Dar­auf könn­ten die be­an­stan­de­ten Maß­nah­men aber nicht ge­stützt wer­den. Es ha­be kei­ne Ge­fahr be­stan­den, dass die Klä­ge­rin durch die An­fer­ti­gung von Licht­bil­dern und de­ren Ver­öf­fent­li­chung ge­gen §§ 22, 23 und 33 Kunst­UrhG ver­sto­ßen wür­de. Die Bild­auf­nah­men und de­ren Ver­öf­fent­li­chung sei­en oh­ne Ein­wil­li­gung der be­trof­fe­nen Be­am­ten zu­läs­sig ge­we­sen, weil es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Ein­satz um ein lo­ka­les zeit­ge­schicht­li­ches Er­eig­nis ge­han­delt ha­be (§§ 22, 23 Abs. 1 Nr. 1 Kunst­UrhG). Der Ver­öf­fent­li­chung ha­be auch kein be­rech­tig­tes In­ter­es­se der Be­am­ten ent­ge­gen­ge­stan­den (§ 23 Abs. 2 Kunst­UrhG). Die Be­am­ten hät­ten zwar ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, sich durch Wah­rung ih­rer An­ony­mi­tät et­wai­gen Ra­che­ak­ten zu ent­zie­hen. Die­ses In­ter­es­se kön­ne aber auch da­durch ge­schützt wer­den, dass Bild­auf­nah­men in ge­eig­ne­ter Wei­se - hier durch ei­ne voll­stän­di­ge Pi­xe­lung der Ge­sich­ter - un­kennt­lich ge­macht wür­den. Da grund­sätz­lich von der Rechtstreue der Pres­se aus­zu­ge­hen sei, ha­be der Be­klag­te dar­auf ver­trau­en müs­sen, dass die Klä­ge­rin ei­ne sol­che Pi­xe­lung vor­neh­me. Ha­be mit­hin kei­ne ver­öf­fent­li­chungs­be­ding­te Ent­tar­nungs­ge­fahr be­stan­den, sei auch die Ge­fahr ei­ner dar­auf be­ru­hen­den Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung des SEK zu ver­nei­nen. So­weit ei­ne Ent­tar­nungs­ge­fahr mit der Mög­lich­keit ei­nes kri­mi­nel­len Zu­griffs auf ge­fer­tig­te Bild­auf­nah­men be­grün­det wer­de, sei das Pho­to­gra­phier­ver­bot zur Ge­fah­ren­ab­wehr zwar ge­eig­net, aber nicht er­for­der­lich. Der be­zeich­ne­ten Ge­fahr kön­ne im Re­gel­fall da­durch wirk­sam be­geg­net wer­den, dass der Pres­se­ver­tre­ter zur vor­über­ge­hen­den Her­aus­ga­be des Spei­cher­me­di­ums bis zu ei­ner ge­mein­sa­men Sich­tung der ge­fer­tig­ten Auf­nah­men durch Pres­se­un­ter­neh­men und Po­li­zei auf­ge­for­dert wer­de. Die Maß­nah­men sei­en auch nicht zum Schutz des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts der ein­ge­setz­ten Be­am­ten ge­recht­fer­tigt. Da die §§ 22 ff. Kunst­UrhG für ih­ren Gel­tungs­be­reich im Ver­hält­nis zum all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht spe­zi­el­le Nor­men sei­en, schei­de im Be­reich des Bild­nis­schut­zes ein Rück­griff auf das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht aus. Auch die Be­schlag­nah­me­an­dro­hung sei rechts­wid­rig. Hier­bei kön­ne da­hin­ste­hen, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­schlag­nah­me vor­ge­le­gen hät­ten. Je­den­falls sei die An­dro­hung we­gen der Ver­knüp­fung mit dem rechts­wid­ri­gen Pho­to­gra­phier­ver­bot er­mes­sens­feh­ler­haft.

5 Sei­ne vom Se­nat we­gen grund­sätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on hat der Be­klag­te wie folgt be­grün­det: Hin­sicht­lich der vom Be­ru­fungs­ge­richt an­ge­nom­me­nen Be­schlag­nah­me­an­dro­hung feh­le es be­reits an der Zu­läs­sig­keit der Fest­stel­lungs­kla­ge. In­so­weit lie­ge das an­ge­nom­me­ne Rechts­ver­hält­nis nicht vor. Der Ein­satz­lei­ter ha­be ei­ne Be­schlag­nah­me we­der an­ge­droht noch an­ge­kün­digt, son­dern nur er­wähnt, dass die Mög­lich­keit ei­ner sol­chen Be­schlag­nah­me durch die Ein­satz­dienst­stel­le ge­prüft wer­den kön­ne. Das Be­ru­fungs­ge­richt sei des­halb oh­ne die an sich er­for­der­li­che und von ihm - dem Be­klag­ten - auch be­an­trag­te Be­weis­er­he­bung von ei­nem un­zu­tref­fen­den Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ha­be da­mit ge­gen das Sach­auf­klä­rungs­prin­zip und den Über­zeu­gungs­grund­satz ver­sto­ßen.

6 Die Kla­ge sei auch un­be­grün­det. Der Ein­satz­lei­ter ha­be sei­ne Bit­te, das Pho­to­gra­phie­ren zu un­ter­las­sen, auch und ge­ra­de zur Ab­wehr ei­ner kon­kre­ten Ge­fahr vor Ort ge­äu­ßert. Er ha­be ver­hin­dern wol­len, dass es durch die An­fer­ti­gung von Bild­auf­nah­men zu ei­ner Ab­len­kung der ein­ge­setz­ten SEK-Be­am­ten kom­me und sich da­mit die Ge­fahr ei­nes Be­frei­ungs­schlags mit Ge­fah­ren für Leib und Le­ben al­ler An­we­sen­den er­hö­he. Dies ge­he aus dem ge­sam­ten Zweck des Ein­sat­zes so­wie den vor­pro­zes­sua­len und pro­zes­sua­len Äu­ße­run­gen her­vor. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hät­te die­se Ge­fahr je­den­falls nicht oh­ne die in­so­weit er­for­der­li­che Be­weis­auf­nah­me ver­nei­nen dür­fen. Er ha­be da­mit ge­gen sei­ne Sach­auf­klä­rungs­pflicht und das Ver­bot ei­ner Vor­weg­nah­me der Be­weis­wür­di­gung ver­sto­ßen.

7 Es ha­be auch die Ge­fahr ei­ner Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts der ein­ge­setz­ten SEK-Be­am­ten be­stan­den. Die­ses Recht um­fas­se das Recht am ei­ge­nen Bild. Es schüt­ze auch vor nicht ge­neh­mig­ten Bild­auf­nah­men. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs wer­de die­ses Recht nicht durch die spe­zi­el­len Vor­schrif­ten der §§ 22, 23 Kunst­UrhG ver­drängt. Die Ge­fahr ei­ner Ver­let­zung des Rechts am ei­ge­nen Bild ha­be auch mit Rück­sicht auf die in­so­weit er­for­der­li­che In­ter­es­sen­ab­wä­gung mit der Pres­se­frei­heit der Klä­ge­rin be­stan­den. SEK-Be­am­te sei­en ei­ner be­son­ders ho­hen Ge­fähr­dung aus­ge­setzt. Sie sei­en ins­be­son­de­re bei ver­deck­ten Maß­nah­men nur ein­setz­bar, wenn ih­re An­ony­mi­tät ge­wahrt blei­be. Dem­ge­gen­über sei das In­ter­es­se der Klä­ge­rin an ei­ner Bild­be­richt­erstat­tung we­ni­ger schutz­wür­dig.

8 Die Be­schlag­nah­me des Spei­cher­me­di­ums stel­le ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs kein mil­de­res Mit­tel dar als ei­ne Un­ter­sa­gung von Bild­auf­nah­men. Die Un­ter­sa­gung von Bild­auf­nah­men kön­ne auf die po­li­zei­li­che Ge­ne­ral­klau­sel ge­stützt wer­den und ver­lan­ge des­halb nur ei­ne ein­fa­che Ge­fahr. Die Be­schlag­nah­me set­ze hin­ge­gen nach § 33 PolG BW ei­ne be­reits vor­lie­gen­de oder zu­min­dest un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­de Stö­rung vor­aus. Die mit­hin an stren­ge­re Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpf­te Be­schlag­nah­me kön­ne nicht mil­der sein als das an we­ni­ger stren­ge Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpf­te Pho­to­gra­phier­ver­bot. Mit sei­ner ge­gen­tei­li­gen An­nah­me ha­be der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ge­gen die Denk­ge­set­ze ver­sto­ßen. Zu­dem ha­be es der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof un­ter­las­sen, die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­schlag­nah­me zu prü­fen. Da­mit ha­be er auch ge­gen sei­ne Sach­auf­klä­rungs­pflicht ver­sto­ßen. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­schlag­nah­me hät­ten im Üb­ri­gen auch nicht vor­ge­le­gen. Die Be­schlag­nah­me sei zur Ge­fah­ren­ab­wehr nicht ge­eig­net. Auch sei sie un­prak­ti­ka­bel und er­for­de­re ei­nen un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­hen Per­so­nal­ein­satz. Sie grei­fe ih­rer­seits in die Pres­se­frei­heit ein und sei auch der Sa­che nach kein mil­de­res Mit­tel als das Pho­to­gra­phier­ver­bot, weil sie den Pho­to­re­por­ter an der Wahr­neh­mung nach­fol­gen­der Ter­mi­ne hin­de­re.

9 Der Be­klag­te be­an­tragt,
das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Ba­den-Würt­tem­berg vom 19. Au­gust 2010 zu än­dern und die Be­ru­fung der Klä­ge­rin ge­gen das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart vom 18. De­zem­ber 2008 zu­rück­zu­wei­sen.

10 Die Klä­ge­rin be­an­tragt,
die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen.

11 Zur Be­grün­dung ver­tei­digt sie im We­sent­li­chen das Be­ru­fungs­ur­teil.

12 Der Ver­tre­ter des Bun­des­in­ter­es­ses hält die Re­vi­si­on für be­grün­det. Er teilt die Aus­füh­run­gen des Be­klag­ten im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren.

II

13 Die Re­vi­si­on ist zu­läs­sig, aber un­be­grün­det. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat oh­ne Ver­stoß ge­gen Bun­des­recht das die Kla­ge ab­wei­sen­de Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts ge­än­dert und fest­ge­stellt, dass die Un­ter­sa­gung von Bild­auf­nah­men wäh­rend des SEK-Po­li­zei­ein­sat­zes in ... am 16. März 20.. (1.) un­ter An­dro­hung ei­ner Be­schlag­nah­me von Ka­me­ra und Spei­cher­me­di­um im Fall des Zu­wi­der­han­delns (2.) rechts­wid­rig war.

14 1. Das Be­ru­fungs­ur­teil hat die Kla­ge ge­gen das Pho­to­gra­phier­ver­bot oh­ne Ver­let­zung von Bun­des­recht als zu­läs­sig (a)) und be­grün­det (b)) an­ge­se­hen.

15 a) So­weit die Klä­ge­rin im Be­ru­fungs­ver­fah­ren die Fest­stel­lung be­an­tragt hat, dass die Un­ter­sa­gung von Bild­auf­nah­men von dem Po­li­zei­ein­satz rechts­wid­rig ge­we­sen ist, ist die Kla­ge ent­we­der als Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO (so: Ur­teil vom 25. Sep­tem­ber 2008 - BVer­wG 7 A 4.07 - Buch­holz 445.5 § 48 WaStrG Nr. 1; Ur­teil vom 24. No­vem­ber 2010 - BVer­wG 6 C 16.09 - BVer­w­GE 138, 186 Rn. 26 = Buch­holz 422.2 Rund­funk­recht Nr. 59) oder als all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge nach § 43 Vw­GO (vgl.: Ur­teil vom 14. Ju­li 1999 - BVer­wG 6 C 7.98 - BVer­w­GE 109, 203 <208 f.> = Buch­holz 310 § 74 Vw­GO Nr. 12) statt­haft und auch im Üb­ri­gen zu­läs­sig, nach­dem sich die­ser Ver­wal­tungs­akt be­reits vor Kla­ge­er­he­bung er­le­digt hat­te. Ins­be­son­de­re ist das für bei­de Kla­ge­ar­ten glei­cher­ma­ßen er­for­der­li­che schutz­wür­di­ge In­ter­es­se der Klä­ge­rin an der be­gehr­ten Fest­stel­lung ge­ge­ben. Ein sol­ches In­ter­es­se be­steht näm­lich in den Fäl­len ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr (vgl. hier­zu et­wa Ur­teil vom 14. Ju­li 1999 a.a.O.), die hier zu be­ja­hen ist. Denn nach der Auf­fas­sung des Be­klag­ten be­steht ge­ne­rell ein In­ter­es­se an der Wah­rung der An­ony­mi­tät von SEK-Be­am­ten, da­mit die­se vor Re­pres­sa­li­en ge­schützt und für ge­tarn­te Ein­sät­ze ver­wen­dungs­fä­hig blei­ben. Die Klä­ge­rin muss des­halb be­fürch­ten, in ver­gleich­ba­ren Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den wie­der ei­nem Pho­to­gra­phier­ver­bot aus­ge­setzt zu wer­den. Dar­über hin­aus kann sich die Klä­ge­rin auf ein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se be­ru­fen, weil sol­che Ver­bo­te ihr Grund­recht auf Pres­se­frei­heit nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG be­rüh­ren.

16 b) Im Er­geb­nis zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt die Kla­ge auch für be­grün­det ge­hal­ten. Da­bei hat es oh­ne Ver­stoß ge­gen Bun­des­recht den Er­lass ei­nes Pho­to­gra­phier­ver­bo­tes durch den Be­klag­ten in der Rechts­form ei­ner Po­li­zei­ver­fü­gung fest­ge­stellt (aa)), die zwar for­mell recht­mä­ßig (bb)), aber ma­te­ri­ell rechts­wid­rig (cc)) ge­we­sen ist.

17 aa) Nach den ge­trof­fe­nen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen und der dar­auf ge­stütz­ten lan­des­recht­li­chen Be­wer­tung hat ein SEK-Be­am­ter am Vor­falls­ort ge­gen den Pho­to­gra­phen der Klä­ge­rin ei­nen münd­li­chen Ver­wal­tungs­akt er­las­sen (aaa)) und die­sen auch zu Recht auf ba­den-würt­tem­ber­gi­sches Lan­des­po­li­zei­recht ge­stützt (bbb)).

18 aaa) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass es sich bei dem Pho­to­gra­phier­ver­bot un­ab­hän­gig da­von, mit wel­chen Wor­ten es aus­ge­spro­chen wur­de, um ei­nen Ver­wal­tungs­akt ge­han­delt ha­be. Auch wenn es - wie der Be­klag­te vor­tra­ge - höf­lich als Bit­te for­mu­liert ge­we­sen sein soll­te, sei es nach sei­nem ob­jek­ti­ven Sinn­ge­halt auf ei­ne un­mit­tel­ba­re, für die Be­trof­fe­nen ver­bind­li­che Fest­le­gung von Rech­ten und Pflich­ten ge­rich­tet ge­we­sen, so dass der Re­ge­lungs­cha­rak­ter zu be­ja­hen sei (Be­ru­fungs­ur­teil S. 10). Die­se Fest­stel­lung wird vom Be­klag­ten nicht mit ei­ner aus­drück­li­chen Ver­fah­rens­rü­ge an­ge­grif­fen und bin­det den Se­nat des­halb ge­mäß § 137 Abs. 2 Vw­GO.

19 bbb) Den Ver­wal­tungs­akt hat der Be­klag­te nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts auf die Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung zur Ge­fah­ren­ab­wehr in den §§ 1, 3 BW PolG ge­stützt. Nach An­sicht des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs war er dar­an auch nicht durch § 1 Abs. 2 BW Pres­seG ge­hin­dert, wo­nach die Frei­heit der Pres­se nur den Be­schrän­kun­gen un­ter­liegt, die durch das Grund­ge­setz un­mit­tel­bar und in sei­nem Rah­men durch das Lan­des­pres­se­ge­setz zu­ge­las­sen sind. Die in Art. 5 Abs. 1 GG ge­nann­ten Grund­rech­te kön­nen durch die Po­li­zei- und Ord­nungs­ge­set­ze be­schränkt wer­den und sind nicht ge­ne­rell po­li­zei­fest, d.h. sind auf der Ba­sis der all­ge­mei­nen Po­li­zei- und Ord­nungs­ge­set­ze ein­schränk­bar. Hier ent­hält al­ler­dings Art. 5 Abs. 1 Satz 3 GG, der die Vor­zen­sur ver­bie­tet, ei­ne ab­so­lu­te Schran­ke für po­li­zei­li­che Maß­nah­men. Die An­wen­dung der all­ge­mei­nen Po­li­zei- und Ord­nungs­ge­set­ze bei Ein­grif­fen in die Pres­se­frei­heit ist aber zum Teil durch Spe­zi­al­ge­set­ze aus­ge­schlos­sen. So ist z.B. die prä­ven­tiv­po­li­zei­li­che Be­schlag­nah­me von Pres­se­er­zeug­nis­sen in den Lan­des­pres­se­ge­set­zen ab­schlie­ßend ge­re­gelt. Die­se Re­ge­lun­gen be­tref­fen je­doch nur den geis­ti­gen In­halt der Pres­se­er­zeug­nis­se und die da­von aus­ge­hen­den Ge­fah­ren für die öf­fent­li­che Si­cher­heit und ent­fal­ten des­halb auch nur in­so­weit ab­schlie­ßen­de Wir­kung. Be­schrän­kun­gen, die den äu­ße­ren Rah­men der Pres­se­tä­tig­keit be­tref­fen, sind nach Po­li­zei­recht zu­läs­sig, so et­wa ein Platz­ver­weis (Schen­ke, Po­li­zei- und Ord­nungs­recht, 7. Aufl. 2011, Rn. 347).

20 Ei­ne Zen­sur nach Art. 5 Abs. 1 Satz 3 GG steht nicht in Re­de. Die Ver­öf­fent­li­chung ei­ner In­for­ma­ti­on wird durch die po­li­zei­li­che Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung aus §§ 1, 3 BW PolG nicht von ei­ner vor­he­ri­gen Kon­trol­le des Staa­tes ab­hän­gig ge­macht. Viel­mehr geht es um die Vor­fra­ge, ob et­was zum In­halt ei­ner Pres­se­infor­ma­ti­on wer­den kann (BVerfG NJW 2001, 503 Rn. 15). Maß­nah­men auf­grund der vor­ge­nann­ten Re­ge­lun­gen im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Po­li­zei­ge­setz kön­nen die Pres­se­frei­heit als all­ge­mei­ne Ge­set­ze i.S.v. Art. 5 Abs. 2 GG in zu­läs­si­ger Wei­se be­gren­zen.

21 bb) In for­mel­ler Hin­sicht be­geg­net die Po­li­zei­ver­fü­gung kei­nen Be­den­ken. Die Zu­stän­dig­keit des Ein­satz­lei­ters des SEK folgt nach dem Be­ru­fungs­ur­teil - re­vi­si­ons­recht­lich un­an­greif­bar - aus § 60 Abs. 2 BW PolG. Die Ver­fü­gung konn­te auch münd­lich er­las­sen wer­den. Ei­ne be­stimm­te Form war für sie nicht vor­ge­schrie­ben.

22 cc) Das Be­ru­fungs­ur­teil geht in re­vi­si­ons­recht­lich be­an­stan­dungs­frei­er Wei­se da­von aus, dass den Jour­na­lis­ten der Klä­ge­rin durch ei­nen Be­am­ten des SEK - „Be­am­ter Nr. 1“ - die An­fer­ti­gung von Fo­to­auf­nah­men vom streit­be­fan­ge­nen Ein­satz münd­lich in der Rechts­form ei­ner Po­li­zei­ver­fü­gung auf der Grund­la­ge der po­li­zei­li­chen Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung un­ter­sagt wur­de. Die Po­li­zei hat nach § 1 Abs. 1 Satz 1 BW PolG die Auf­ga­be, von dem Ein­zel­nen und dem Ge­mein­we­sen Ge­fah­ren ab­zu­weh­ren, durch die die öf­fent­li­che Si­cher­heit oder Ord­nung be­droht wird, und Stö­run­gen der öf­fent­li­chen Si­cher­heit oder Ord­nung zu be­sei­ti­gen, so­weit es im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ge­bo­ten ist. Nach § 3 BW PolG hat die Po­li­zei in­ner­halb der durch das Recht ge­setz­ten Schran­ken zur Wahr­neh­mung ih­rer Auf­ga­ben die­je­ni­gen Maß­nah­men zu tref­fen, die ihr nach pflicht­mä­ßi­gem Er­mes­sen er­for­der­lich er­schei­nen. In bun­des­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se hat das Be­ru­fungs­ge­richt zwar ei­ne Be­trof­fen­heit des Schutz­gu­tes der öf­fent­li­chen Si­cher­heit durch die be­ab­sich­tig­ten Pho­to­auf­nah­men ge­se­hen (aaa)), aber kei­ne dro­hen­de Ge­fahr (bbb)); ins­be­son­de­re fehlt es dem Pho­to­gra­phier­ver­bot aber an der er­for­der­li­chen Ver­hält­nis­mä­ßig­keit; die in­so­weit vor­ge­brach­ten Re­vi­si­ons­rü­gen des Be­klag­ten blei­ben oh­ne Er­folg (ccc)).

23 aaa) Das in­halt­lich auf § 14 Preu­ßPVG zu­rück­ge­hen­de po­li­zei­recht­li­che Schutz­gut der öf­fent­li­chen Si­cher­heit, wie es auch dem § 1 Abs. 1 BW PolG zu Grun­de liegt, um­fasst ne­ben der Un­ver­letz­lich­keit der Nor­men der Rechts­ord­nung die Un­ver­sehrt­heit von Le­ben, Ge­sund­heit, Frei­heit, Eh­re und Ver­mö­gen des Ein­zel­nen so­wie den Be­stand und das Funk­tio­nie­ren des Staa­tes und sei­ner Ein­rich­tun­gen. Ge­schützt wer­den dem­nach so­wohl In­di­vi­du­al- wie auch Ge­mein­schafts­rechts­gü­ter (Schen­ke, Po­li­zei- und Ord­nungs­recht, 7. Aufl. 2011, Rn. 53). Im vor­lie­gen­den Fall geht das Be­ru­fungs­ur­teil da­her zu Recht von ei­ner mög­li­chen Be­trof­fen­heit des Schutz­gu­tes der öf­fent­li­chen Si­cher­heit hin­sicht­lich der Si­cher­heit des durch­ge­führ­ten Po­li­zei­ein­sat­zes (a1)), ei­ner be­fürch­te­ten Be­dro­hung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des SEK durch Ent­tar­nung (b1)) so­wie des Rechts der SEK-Be­am­ten am ei­ge­nen Bild (c1)) aus.

24 a1) Die vom Be­klag­ten mit dem Pho­to­gra­phier­ver­bot un­ter­nom­me­ne Si­che­rung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Po­li­zei­ein­sat­zes ge­hört zum Schutz­gut der öf­fent­li­chen Si­cher­heit i.S.d. po­li­zei­li­chen Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung. Es han­delt sich bei der po­li­zei­li­chen Es­kor­tie­rung ei­nes Un­ter­su­chungs­häft­lings zu ei­nem Arzt­be­such um ei­ne Rechts­hand­lung, die in Aus­übung staat­li­cher Si­cher­heits­ge­währ­leis­tung er­folg­te und folg­lich dem Schutz der staat­li­chen Funk­ti­ons­ord­nung dien­te. Das Be­ru­fungs­ur­teil steht die­ser recht­li­chen Be­wer­tung nicht ent­ge­gen. Es hat sich zur Fra­ge des Schutz­gu­tes zwar nicht aus­drück­lich ge­äu­ßert, hat aber des­sen Ge­fähr­dung ver­neint (Be­ru­fungs­ur­teil S. 16) und so­mit not­wen­di­ger­wei­se die mög­li­che Be­trof­fen­heit des Schutz­gu­tes vor­aus­ge­setzt.

25 b1) Die zur Be­grün­dung des Pho­to­gra­phier­ver­bo­tes au­ßer­dem an­ge­führ­te Be­dro­hung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des SEK durch Ent­tar­nung sei­ner An­ge­hö­ri­gen be­trifft eben­falls das Schutz­gut der öf­fent­li­chen Si­cher­heit i.S.d. po­li­zei­li­chen Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung. Die Ein­satz­fä­hig­keit der Po­li­zei­or­ga­ni­sa­ti­on ist Teil der Si­cher­heit des Staa­tes und sei­ner Ein­rich­tun­gen. Es ging dem Ein­satz­lei­ter bei der frag­li­chen Po­li­zei­ver­fü­gung dar­um, dass die ein­ge­setz­ten Be­am­ten nicht ab­ge­lich­tet wer­den soll­ten, um ih­re Iden­ti­tät zu schüt­zen und um mög­li­che Sank­tio­nen der Ge­gen­sei­te aus­zu­schlie­ßen. Er sah so­mit die Ge­fahr, dass die Iden­ti­tät der SEK-Be­am­ten auf­ge­deckt wird und da­durch Le­ben und Ge­sund­heit der Be­am­ten und ih­rer Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen so­wie die Ein­satz­fä­hig­keit des SEK be­droht sein könn­ten.

26 c1) Schlie­ß­lich ist als wei­te­res Schutz­gut der öf­fent­li­chen Si­cher­heit das Recht der ein­ge­setz­ten Be­am­ten am ei­ge­nen Bild be­trof­fen.

27 bbb) Nach der re­vi­si­ons­recht­lich nicht über­prüf­ba­ren Aus­le­gung durch das Be­ru­fungs­ge­richt be­sagt die lan­des­ge­setz­li­che Er­mäch­ti­gungs­grund­la­ge, dass ein Tä­tig­wer­den zum Zwe­cke der Ge­fah­ren­ab­wehr ei­ne kon­kre­te Ge­fahr vor­aus­setzt. Ei­ne sol­che liegt vor, wenn ein be­stimm­ter ein­zel­ner Sach­ver­halt, d.h. ei­ne kon­kre­te Sach­la­ge oder ein kon­kre­tes Ver­hal­ten bei un­ge­hin­der­tem Ab­lauf des ob­jek­tiv zu er­war­ten­den Ge­sche­hens mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit zu ei­nem Scha­den für Schutz­gü­ter der öf­fent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung füh­ren wür­de. Der Scha­dens­ein­tritt braucht nicht mit Ge­wiss­heit zu er­war­ten sein. An­de­rer­seits ist aber die blo­ße Mög­lich­keit des Scha­dens­ein­tritts nicht aus­rei­chend. Der er­for­der­li­che Grad der Wahr­schein­lich­keit des Scha­dens­ein­tritts ist da­bei ab­hän­gig vom Rang des Rechts­gu­tes, in das ein­ge­grif­fen wer­den soll, so­wie vom Rang des po­li­zei­li­chen Schutz­gu­tes (Be­ru­fungs­ur­teil S. 14). Das Be­ru­fungs­ur­teil hat drei Ge­fah­ren un­ter­sucht (a1 bis c1)), die mit der Un­ter­sa­gungs­ver­fü­gung hät­ten ab­ge­wehrt wer­den kön­nen, und - im Er­geb­nis (§ 144 Abs. 4 Vw­GO) - auf bun­des­recht­lich un­an­greif­ba­re Wei­se ver­neint.

28 a1) So­weit nach dem Vor­trag des Be­klag­ten im Pro­zess durch das aus­ge­spro­che­ne Ver­bot der kon­kre­te Po­li­zei­ein­satz ge­gen Ge­fähr­dun­gen in­fol­ge an­we­sen­der und pho­to­gra­phie­ren­der Per­so­nen ge­si­chert wer­den soll­te, kann of­fen­blei­ben, ob das Ver­bot hier­auf schon des­halb nicht ge­stützt wer­den darf, weil nach den Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs der Ein­satz­lei­ter nach sei­nen Vor­stel­lun­gen mit dem Ver­bot ei­ne sol­che Ge­fahr nicht ab­wen­den woll­te. Eben­so kann of­fen­blei­ben, ob der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die­se Fest­stel­lung un­ter Ver­let­zung sei­ner Pflicht zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts von Amts we­gen (§ 86 Abs. 1 Vw­GO) ge­trof­fen hat.

29 Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat sich auf die wei­te­re selb­stän­dig tra­gen­de Be­grün­dung ge­stützt, an­ge­sichts der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se wä­re die nun­mehr an­ge­führ­te Ge­fah­ren­pro­gno­se nicht ver­tret­bar ge­we­sen, be­reits das Han­tie­ren ei­nes Pho­to­re­por­ters mit der Ka­me­ra ha­be bei Pas­san­ten zu­sätz­li­ches Auf­se­hen er­re­gen und zu ei­ner un­über­sicht­li­chen Si­tua­ti­on füh­ren kön­nen, bei der im Fal­le ei­ner et­wai­gen Ge­fan­ge­nen­be­frei­ung kon­kre­te Ge­fah­ren für Le­ben und Ge­sund­heit der An­we­sen­den hät­ten ein­tre­ten kön­nen.

30 Die hier­ge­gen er­ho­be­ne Rü­ge ei­ner man­geln­den Auf­klä­rung des Sach­ver­halts von Amts we­gen greift nicht durch. Der Be­klag­te meint, der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hät­te die Ge­fähr­dungs­ana­ly­se des Lan­des­kri­mi­nal­amts, auf de­ren Grund­la­ge der SEK-Ein­satz an­ge­ord­net wor­den ist, bei­zie­hen und den Be­am­ten hö­ren müs­sen, der die­se Ge­fähr­dungs­ana­ly­se an­ge­fer­tigt hat. Hier­auf kam es aber in die­sem Zu­sam­men­hang nicht an. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat nicht die all­ge­mei­ne Ge­fah­ren­la­ge an­ders als das Lan­des­kri­mi­nal­amt be­ur­teilt, son­dern nur die kon­kre­te Ent­wick­lung wäh­rend des Ein­sat­zes auf dem Hin­ter­grund die­ser all­ge­mei­nen Ge­fah­ren­la­ge ge­wür­digt.

31 Zwar ist dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in­so­fern ein Feh­ler im Rah­men sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung un­ter­lau­fen, als er bei Wür­di­gung der Ge­fah­ren­la­ge vor Ort die Mög­lich­keit au­ßer Be­tracht ge­las­sen hat, dass die ein­ge­setz­ten Be­am­ten durch die An­we­sen­heit von Pres­se­ver­tre­tern von der Durch­füh­rung der ih­nen zu­ge­wie­se­nen Si­che­rungs­auf­ga­ben hät­ten ab­ge­lenkt wer­den kön­nen; auf sie war aus­weis­lich der Wie­der­ga­be des Tat­be­stands im an­ge­foch­te­nen Ur­teil (UA S. 5) vom Be­klag­ten be­reits erst­in­stanz­lich hin­ge­wie­sen wor­den. Auf die­sem Ver­stoß ge­gen den Über­zeu­gungs­grund­satz (§ 108 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO), den der Be­klag­te im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren auch ge­rügt hat, be­ruht das an­ge­foch­te­ne Ur­teil aber nicht. Zur Aus­schal­tung ei­ner et­wai­gen Ab­len­kungs­ge­fahr hät­te es aus­ge­reicht, den in Re­de ste­hen­den Pres­se­ver­tre­tern durch Aus­spruch ei­nes Platz­ver­wei­ses ver­bind­lich auf­zu­ge­ben, das Ge­sche­hen aus ei­ner ge­wis­sen räum­li­chen Di­stanz zu den ein­ge­setz­ten Be­am­ten wei­ter zu be­ob­ach­ten. Der Aus­spruch ei­nes Pho­to­gra­phier­ver­bots, das die Aus­übung der Pres­se­frei­heit stär­ker be­schränkt hat, als es ein ent­spre­chen­der Platz­ver­weis ge­tan hät­te, war dem­nach nicht er­for­der­lich und un­ver­hält­nis­mä­ßig. Mit­hin er­weist es sich im Er­geb­nis als rich­tig, dass der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof es als rechts­wid­rig an­ge­se­hen hat, die vor Ort in­fol­ge der Prä­senz der Pres­se­ver­tre­ter ent­ste­hen­den Ge­fah­ren durch Aus­spruch des Pho­to­gra­phier­ver­bots ab­weh­ren zu wol­len.

32 b1) Auf ei­ne Ge­fahr für das Schutz­gut der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des SEK durch Ent­tar­nung sei­ner An­ge­hö­ri­gen (vgl. aaa) b1)) so­wie das Schutz­gut des Rechts der SEK-Be­am­ten am ei­ge­nen Bild (vgl. aaa) c1)) konn­te das vom Be­klag­ten ge­gen die Klä­ge­rin ver­häng­te Pho­to­gra­phier­ver­bot eben­falls nicht ge­stützt wer­den, ins­be­son­de­re aber auch nicht auf ei­ne dro­hen­de Schutz­gut­ver­let­zung we­gen der Ge­fahr der Ver­öf­fent­li­chung von Pho­tos. Da­bei hält der er­ken­nen­de Se­nat nicht die Er­wä­gung des Be­ru­fungs­ge­richts zu der zu ver­mu­ten­den Rechtstreue von Jour­na­lis­ten beim Um­gang mit Bild­ma­te­ri­al für ent­schei­dend. Viel­mehr geht es um die Ab­wä­gung der ein­an­der ge­gen­über­ste­hen­den Rechts­po­si­tio­nen der Pres­se und der Ge­fah­ren­ab­wehr so­wie de­ren an­ge­mes­se­nen Aus­gleich.

33 aa1) Die in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­bürg­te Pres­se­frei­heit ge­währ­leis­tet nicht nur die Frei­heit der Ver­brei­tung von Nach­rich­ten und Mei­nun­gen; sie schützt viel­mehr auch den ge­sam­ten Be­reich pu­bli­zis­ti­scher Vor­be­rei­tungs­tä­tig­keit, zu der ins­be­son­de­re die Be­schaf­fung von In­for­ma­tio­nen ge­hört (BVerfG NJW 2001, 503 Rn. 13), wie sie u.a. mit der Her­stel­lung von Bild­auf­nah­men durch Pho­to­jour­na­lis­ten ver­bun­den ist. Der Staat ist - un­ab­hän­gig von sub­jek­ti­ven Be­rech­ti­gun­gen Ein­zel­ner - ver­pflich­tet, in sei­ner Rechts­ord­nung über­all dort, wo der Gel­tungs­be­reich ei­ner Norm die Pres­se be­rührt, dem Pos­tu­lat ih­rer Frei­heit Rech­nung zu tra­gen (vgl. BVerf­GE 20, 162 <175>). Die Ge­rich­te ih­rer­seits müs­sen bei der Aus­le­gung der­ar­ti­ger ein­fach­recht­li­cher Nor­men und ih­rer kon­kre­ten An­wen­dung im Ein­zel­fall die­se grund­ge­setz­li­che Wert­ent­schei­dung be­rück­sich­ti­gen (BVerfG NJW 2001, 503 Rn. 16). Dem hat die Aus­le­gung von Rechts­nor­men Rech­nung zu tra­gen, so­weit sie ein­zeln oder im Zu­sam­men­wir­ken die Pres­se­frei­heit be­ein­träch­ti­gen kön­nen.

34 bb1) Der Be­klag­te be­ab­sich­tig­te, mit der der Klä­ge­rin auf­er­leg­ten Ein­schrän­kung ih­res Grund­rechts aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG Ge­fah­ren von den Schutz­gü­tern der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des SEK so­wie der Rech­te der SEK-Be­am­ten am ei­ge­nen Bild ab­zu­weh­ren. Da­bei hät­te er ver­mei­den müs­sen, be­reits das ein­fa­che Recht in ein­sei­ti­ger Wei­se zum Nach­teil der Klä­ge­rin aus­zu­le­gen. Zum Schutz der in Re­de ste­hen­den Rech­te bzw. Rechts­gü­ter be­durf­te es nicht un­be­dingt ei­nes Pho­to­gra­phier­ver­bots. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist in sei­ner recht­li­chen Be­wer­tung be­an­stan­dungs­frei da­von aus­ge­gan­gen, ei­ne po­li­zei­li­che Ge­fahr auf­grund der An­fer­ti­gung von Bild­auf­nah­men dro­he über­haupt erst, wenn kon­kre­te An­halts­punk­te da­für be­stün­den, dass der­je­ni­ge, der Licht­bil­der her­stel­le, die­se oh­ne Ein­wil­li­gung der ab­ge­bil­de­ten Per­son so­wie an­de­rer Recht­fer­ti­gungs­grün­de ver­öf­fent­li­chen und sich da­durch ge­mäß § 33 Kunst­UrhG straf­bar ma­chen wer­de. Sol­che - die dro­hen­de Rechts­ver­let­zung aus­schlie­ßen­den - Recht­fer­ti­gungs­grün­de kön­nen ty­pi­scher­wei­se in der Ein­wil­li­gung nach § 22 Kunst­UrhG so­wie dar­in lie­gen, dass es sich bei den Pho­tos von der ab­ge­bil­de­ten Per­son i.S.v. § 23 Abs. 1 Nr. 3 Kunst­UrhG um Bild­nis­se aus dem Be­reich der Zeit­ge­schich­te han­delt. Um ein zeit­ge­schicht­li­ches Er­eig­nis von je­den­falls lo­ka­ler Be­deu­tung hat es sich nach der Be­ur­tei­lung durch das Be­ru­fungs­ge­richt bei dem SEK-Ein­satz in ... ge­han­delt (Be­ru­fungs­ur­teil S. 17). Die­sen Recht­fer­ti­gungs­grün­den kön­nen al­ler­dings nach § 23 Abs. 2 Kunst­UrhG zu be­rück­sich­ti­gen­de be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Ab­zu­bil­den­den ent­ge­gen­ste­hen, wie sie et­wa mit be­fürch­te­ten Re­pres­sa­li­en ge­gen die Be­trof­fe­nen selbst oder ih­re Fa­mi­li­en dar­ge­tan sind. Der Be­klag­te hat die Ab­wä­gung die­ser Rechts- und Schutz­gü­ter ein­sei­tig zu Las­ten der Pres­se­frei­heit vor­ge­nom­men.

35 cc1) Die streit­ge­gen­ständ­li­che Po­li­zei­ver­fü­gung be­rück­sich­tigt un­ter den im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­be­nen Um­stän­den nicht im aus­rei­chen­den Ma­ße das Grund­recht der Klä­ge­rin auf Pres­se­frei­heit. Die mit ei­ner Bild­auf­nah­me ver­bun­de­ne Mög­lich­keit ei­nes rechts­ver­let­zen­den Ge­brauchs, ins­be­son­de­re ei­ner ge­gen Rech­te von Drit­ten ver­sto­ßen­den Ver­öf­fent­li­chung, muss nicht not­wen­dig im­mer auf der ers­ten Stu­fe ab­ge­wehrt wer­den; dies kann in vie­len Fäl­len viel­mehr auch auf der zwei­ten Stu­fe des Ge­brauchs des ent­stan­de­nen Bil­des ge­sche­hen. Wird ein Jour­na­list dar­an ge­hin­dert, ei­ne Pho­to­auf­nah­me zu tä­ti­gen, wird in­so­weit ir­rever­si­bel in sein Recht auf Pres­se­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) ein­ge­grif­fen. Dies kann in der Re­gel nicht hin­ge­nom­men wer­den. Ins­be­son­de­re kann die­se Rechts­be­ein­träch­ti­gung nicht auf die Er­wä­gung ge­stützt wer­den, die Wort­be­richt­erstat­tung blei­be auch dann mög­lich, wenn die Bild­be­richt­erstat­tung ver­ei­telt wer­de. Denn es kommt nicht der Po­li­zei ge­gen­über der Pres­se zu, zu ent­schei­den, wel­che Form der Be­richt­erstat­tung er­fol­gen soll und wel­cher Art von vor­be­rei­ten­der Re­cher­che es dem­ge­mäß be­darf. Ver­hält­nis­mä­ßig ist es in ei­nem sol­chen Fall da­her in der Re­gel nicht, die durch den Jour­na­lis­ten be­ab­sich­tig­te Pho­to­auf­nah­me selbst zu ver­hin­dern, son­dern nur, Vor­keh­run­gen für die be­fürch­te­te an­schlie­ßen­de Ver­let­zung ei­nes Rechts­gu­tes durch den Ge­brauch des Bil­des zu tref­fen. Dies kann bei­spiels­wei­se da­durch ge­sche­hen, dass die Po­li­zei ih­ren Rechts­stand­punkt dem Jour­na­lis­ten oder dem ihn be­schäf­ti­gen­den Pres­se­un­ter­neh­men mit­teilt und auf ei­ne Ver­stän­di­gung über „ob“ und „wie“ der Ver­öf­fent­li­chung drängt. Da­bei wird sich aus dem Zu­sam­men­spiel von Lan­des­po­li­zei- und Lan­des­pres­se­recht er­ge­ben, ob ein et­wai­ger dar­an an­schlie­ßen­der Kon­flikt durch den Er­lass ei­ner Po­li­zei­ver­fü­gung mit der Mög­lich­keit des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes durch den Jour­na­lis­ten oder das Pres­se­un­ter­neh­men aus­ge­tra­gen wird oder durch die In­an­spruch­nah­me des Rechts­schut­zes vor den or­dent­li­chen Ge­rich­ten durch die Po­li­zei. Ein sol­ches Vor­ge­hen hät­te vor­lie­gend auch na­he ge­le­gen, weil die Jour­na­lis­ten nach den Fest­stel­lun­gen im Be­ru­fungs­ur­teil sich durch ih­re Pres­se­aus­wei­se ge­gen­über dem Ein­satz­lei­ter aus­ge­wie­sen ha­ben und ko­ope­ra­ti­ons­be­reit ge­we­sen sind (Be­ru­fungs­ur­teil S. 19). Nur wenn es aus ex-an­te-Sicht des po­li­zei­li­chen Ein­satz­lei­ters aus zeit­li­chen oder an­de­ren Grün­den von vorn­her­ein kei­nen Er­folg ver­spricht, ge­gen­über Pres­se­ver­tre­tern auf kon­sen­sua­lem Weg die Be­ach­tung recht­li­cher Be­schrän­kun­gen be­züg­lich der Ver­öf­fent­li­chung an­ge­fer­tig­ter Bild­auf­nah­men si­cher­zu­stel­len, ist die­ser be­fugt, durch Nut­zung po­li­zei­recht­li­cher An­ord­nungs­be­fug­nis­se be­reits die Bild­an­fer­ti­gung zu un­ter­bin­den. Glei­ches gilt, wenn auf­grund au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stän­de des Ein­zel­falls be­reits die An­fer­ti­gung von Pho­tos mit dem An­lie­gen ei­nes wirk­sa­men Schut­zes ei­nes in Re­de ste­hen­den Schutz­gu­tes schlecht­hin un­ver­ein­bar wä­re. We­der hier­für noch für ei­ne von vorn­her­ein be­stehen­de Aus­sichts­lo­sig­keit ei­ner kon­sen­su­al er­fol­gen­den Si­cher­stel­lung recht­li­cher Ver­öf­fent­li­chungs­be­schrän­kun­gen bie­tet der vor­lie­gen­de Fall je­doch An­halts­punk­te.

36 c1) Schlie­ß­lich konn­te das vom Be­klag­ten ge­gen die Klä­ge­rin ver­häng­te Pho­to­gra­phier­ver­bot nicht auf ei­ne Ge­fahr für das Schutz­gut der „Funk­ti­ons­fä­hig­keit des SEK durch Ent­tar­nung sei­ner An­ge­hö­ri­gen“ (vgl. aaa) b1)) so­wie das Schutz­gut des „Rechts der SEK-Be­am­ten am ei­ge­nen Bild“ (vgl. aaa) c1)) ge­stützt wer­den, weil ein kri­mi­nel­ler Zu­griff auf das Bild­ma­te­ri­al der Klä­ge­rin ge­droht ha­be. Das Be­ru­fungs­ur­teil ent­hält kei­ne Fest­stel­lun­gen, nach de­nen auf ei­ne der­ar­ti­ge Ge­fahr zu schlie­ßen wä­re.

37 ccc) Oh­ne Er­folg bleibt auch die Rü­ge ei­ner Ver­let­zung von Ge­set­zen der Denk­lo­gik bei der An­wen­dung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes (a1)) durch den Be­klag­ten so­wie der Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht ge­mäß § 86 Abs. 1 Vw­GO (b1)), in­so­weit der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof der Auf­fas­sung sei, dass ei­ne Be­schlag­nah­me ge­gen­über ei­nem Pho­to­gra­phier­ver­bot mit Blick auf die Pres­se­frei­heit das mil­de­re Mit­tel sei, weil da­durch ei­ne Re­cher­che und im Er­geb­nis ei­ne Bild­be­richt­erstat­tung er­mög­licht wer­de. Oh­ne Er­folg bleibt fer­ner die Rü­ge, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richt­hofs stel­le sich ei­ne Be­schlag­nah­me­ver­fü­gung nicht als mil­de­res Mit­tel im Rechts­sin­ne dar (c1)).

38 a1) Ei­nen Ver­stoß ge­gen die Ge­set­ze der Denk­lo­gik sieht der Be­klag­te, weil der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof der Auf­fas­sung sei, dass ei­ne Be­schlag­nah­me ge­gen­über ei­nem Pho­to­gra­phier­ver­bot mit Blick auf die Pres­se­frei­heit das mil­de­re Mit­tel sei, weil da­durch ei­ne Re­cher­che und im Er­geb­nis ei­ne Bild­be­richt­erstat­tung er­mög­licht wür­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt ver­ken­ne in­so­weit, dass bei der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Ein­griffs als mil­de­res Mit­tel kei­ne Maß­nah­me in Be­tracht ge­zo­gen wer­den dür­fe, wel­che völ­lig an­de­re oder qua­li­fi­zier­te Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für de­ren Ein­grei­fen ha­be, als die tat­säch­lich ge­trof­fe­ne Maß­nah­me, de­ren Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ge­prüft wer­de. Das Pho­to­gra­phier­ver­bot ha­be auf der Ge­ne­ral­er­mäch­ti­gung nach §§ 1, 3 BW PolG be­ruht und sei des­halb vom Vor­lie­gen ei­ner „be­vor­ste­hen­den Ge­fahr“ ab­hän­gig ge­we­sen. Die vom Be­ru­fungs­ge­richt für mil­der er­ach­te­te Be­schlag­nah­me hät­te hin­ge­gen auf § 33 BW PolG be­ruht und hät­te des­halb von ei­ner „un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Stö­rung“ ab­ge­han­gen. Ei­ne an er­höh­te Ein­griffs­vor­aus­set­zun­gen ge­knüpf­te Maß­nah­me­mög­lich­keit kön­ne nicht als mil­de­res Mit­tel ge­gen­über ei­nem an ge­rin­ge­re Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpf­ten be­zeich­net wer­den.

39 Die vor­ge­brach­te Rü­ge be­trifft nicht die rich­ti­ge An­wen­dung von Denk­ge­set­zen durch das Be­ru­fungs­ge­richt wie bei­spiels­wei­se die Re­geln der Lo­gik, son­dern die rich­ti­ge An­wen­dung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes in der Form des Ge­bo­tes der An­wen­dung des mil­des­ten Mit­tels. Der Be­klag­te hält ei­ne po­li­zei­li­che Maß­nah­me auf ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge mit qua­li­fi­zier­ten tat­be­stand­li­chen An­for­de­run­gen nicht für ein denk­bar mil­de­res Mit­tel ge­gen­über ei­ner Maß­nah­me auf ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge mit ein­fa­chen tat­be­stand­li­chen An­for­de­run­gen. Dem ver­mag der er­ken­nen­de Se­nat nicht zu fol­gen. Im Sin­ne des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes „mil­der“ ist näm­lich nicht das Mit­tel mit den ein­fa­cher struk­tu­rier­ten Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen, son­dern das­je­ni­ge mit der ge­rin­ge­ren Ein­griffs­in­ten­si­tät. Dar­an ge­mes­sen las­sen die Er­wä­gun­gen des Be­ru­fungs­ur­teils kei­nen Rechts­ver­stoß er­ken­nen. Die vor­über­ge­hen­de Be­schlag­nah­me ei­nes Spei­cher­me­di­ums greift we­ni­ger in die Pres­se­frei­heit ein als die Ver­hin­de­rung ei­ner Pho­to­auf­nah­me und so­mit de­ren Spei­che­rung auf dem Me­di­um.

40 b1) Auch die Rü­ge ei­ner Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 86 Abs. 1 Vw­GO) in die­sem Zu­sam­men­hang bleibt oh­ne Er­folg. Der Be­klag­te ist in­so­weit der An­sicht, der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ha­be es feh­ler­haft un­ter­las­sen, das Vor­lie­gen ei­ner Be­schlag­nah­me­an­dro­hung oder Be­schlag­nah­me­an­ord­nung zu prü­fen. Da­her ha­be er das Mit­tel der Be­schlag­nah­me auch nicht in die von ihm an­ge­stell­te Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ein­be­zie­hen dür­fen.

41 Die­se Rü­ge ist un­sub­stan­ti­iert. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat nach sei­nem Be­grün­dungs­gang le­dig­lich die hy­po­the­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen ge­prüft, un­ter de­nen ei­ne vor­über­ge­hen­de Be­schlag­nah­me des Spei­cher­me­di­ums in Be­tracht kom­me. Da­her war ei­ne wei­ter­ge­hen­de Sach­auf­klä­rung nicht an­ge­zeigt. Im Üb­ri­gen ist es un­ver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung der Auf­klä­rungs­rü­ge, dass sie un­ter Be­nen­nung des hy­po­the­ti­schen Be­weis­the­mas und der für ma­ß­geb­lich ge­hal­te­nen Be­weis­mit­tel sub­stan­ti­iert wird. Bei­des hat der Be­klag­te vor­lie­gend un­ter­las­sen.

42 c1) Schlie­ß­lich bleibt auch die Rü­ge des Be­klag­ten oh­ne Er­folg, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs stel­le sich ei­ne Be­schlag­nah­me­ver­fü­gung nicht als glei­cher­ma­ßen wirk­sa­mes Mit­tel dar. Hier­mit zeigt der Be­klag­te kei­nen mög­li­chen Ver­stoß ge­gen Bun­des­recht auf.

43 2. Das Be­ru­fungs­ur­teil hat die Kla­ge we­gen der An­dro­hung oder An­kün­di­gung der Be­schlag­nah­me der Ka­me­ra samt Spei­cher­me­di­um eben­falls zu Recht als zu­läs­sig und be­grün­det an­ge­se­hen. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat oh­ne Ver­stoß ge­gen Bun­des­recht auch in­so­weit die Kla­ge für zu­läs­sig ge­hal­ten, ins­be­son­de­re an­ge­nom­men, dass zwi­schen den Be­tei­lig­ten das Be­stehen ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses strei­tig ist. Ob auf­grund des kon­kret ge­ge­be­nen Sach­ver­halts ein Recht des Be­klag­ten be­steht, die Ka­me­ra ein­schlie­ß­lich des Spei­cher­me­di­ums zu be­schlag­nah­men, stellt ein fest­stel­lungs­fä­hi­ges Rechts­ver­hält­nis i.S.d. § 43 Vw­GO dar. Die­ses Rechts­ver­hält­nis war als künf­ti­ges Rechts­ver­hält­nis auch dann strei­tig, wenn nur der Tat­sa­chen­vor­trag des Be­klag­ten zu­grun­de ge­legt wird, der Ein­satz­lei­ter ha­be die Mög­lich­keit er­wähnt, die Be­schlag­nah­me durch die Ein­satz­dienst­stel­le prü­fen zu las­sen. Schon dies löst ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se der Klä­ge­rin an der be­gehr­ten Fest­stel­lung aus. Das da­nach als Fest­stel­lungs­kla­ge statt­haf­te Be­geh­ren ist be­grün­det, weil die An­nah­me ei­ner vom Be­klag­ten an­ge­nom­me­nen recht­lich zu­läs­si­gen Be­schlag­nah­me­an­dro­hung er­mes­sens­feh­ler­haft war. Die Er­mes­sens­feh­ler­haf­tig­keit be­ruh­te - wie der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zu Recht an­ge­nom­men hat - dar­auf, dass der Be­klag­te er­wo­gen hat, ei­ne Be­schlag­nah­me­an­dro­hung zur Durch­set­zung ei­nes rechts­wid­ri­gen Pho­to­gra­phier­ver­bo­tes ein­zu­set­zen.

44 3. Die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens hat der Be­klag­te zu tra­gen, weil er un­ter­le­gen ist (§ 154 Abs. 2 Vw­GO).